DREI METER FELDWEG – GEWINNER

DREI METER FELDWEG – GEWINNER
(Dackelton Records)

Hier ärgere ich mich ein wenig, dass ich das Promoschreiben nicht mehr finde, um mehr Fakten liefern zu können. 3MF liefern auf ihrem neuen Album traumhaften deutschsprachigen Punkrock mit herrlichem 90iger-Charme ab. Kein Gebolze, hier geht es eher rockig und melodisch zu, aber keinesfalls lahm oder schnulzig. Eine Wohltat, da ansonsten mittlerweile Unmengen an Bands der Marke Turbopotter herauskommen, die gerne mal alle gleich klingen – ich hab´s an anderer Stelle schon erwähnt.

Wohlbekannte, melodische Riffs, was hier absolut kein Minuspunkt ist, immer wunderbar mit einer schicken Gitarrenmeldoie garniert, so liebe ich das. Gute Produktion, die Soundtechnisch zwar auch nicht sonderlich heraussticht, aber durch die guten persönlichen, bis den Wahnsinn des Alltags beschreibenden Texte, hat das hier aber eine absolut eigene Note. Der Gesang ist angenehm klar, um an richtiger Stelle ins leichte Gröhlen zu kippen. Auf der Fatzebuck-Seite der Band, die es schon seit 2011 gibt, heißt es: “ Ihr Sound steht für modernen, energetischen und facettenreichen Punkrock, getragen von eingängigen Melodien und mitreißenden Refrains, die das Publikum von Sekunde Eins an zum Tanzen bringen. Der Band gelingt es, in ihren Songs sowohl feucht-fröhliche Partystimmung zu verbreiten, als auch einen ernsteren Ton anzuschlagen und sich Themen wie dem immer stärker werdenden Rechtsruck in Deutschland, einer aufkommenden Zwei-Klassen-Gesellschaft und gewöhnlichen Alltagssorgen zu widmen. Diese werden angenehm unkompliziert und direkt, oft mit einem Augenzwinkern oder überspitzt verarbeitet“. Jo, gekauft!

Das hier ist inzwischen ein Original, wo andernorts Bands wie Pilze aus der Erde schießen und sich kurz darauf wieder verabschieden. Für Liebhaber des gerne verpönten deutschsprachigen Punkrock/ 90iger Deutschpunk ein Muss. Mehr davon! Hoffentlich irgendwann dann mal live zu sehen in der Nähe. Kommt über Dackelton Records. Chris de Barg

http://www.drei-meter-feldweg.de

SCHALKO – COOL

SCHALKO – COOL
(Flight13 Records)

Wieder eine neue Band der Generation Turbopotter. „Eine unverkennbare Nähe zum Emo der 90er Jahre, die sich vor allem in ihren Inhalten zeigen, die mit Ausnahme von ein paar politischen Bezügen, sehr persönliche Themen wie gescheiterte Beziehungen, dem eigenen Unvermögen, bitteren Einsichten und der damit verbundenen Wut behandeln“, sagt das Promzettelchen, und das passt auch absolut zur Schubladisierung.

Melodien werden hier nicht nur vom Sänger, sondern auch von Gitarre und Bass erzeugt, die sich die Parts geschickt zuspielen – sehr durchdachte Arrangements für eine glaub ich recht junge, neue Band, die zudem nur aus 3 Personen besteht. Man switcht hier und da zwischen Gröhlgesang und klaren Passagen, durch die professionelle Produktion kommt das Ganze sehr druckvoll und sortiert daher. Das Problem bei dieser Art der Aufnahme kann unter Umständen sein, dass der Sound bei vielen Bands sehr gleich klingt. Mittlerweile gibt’s auch zahlreiche Bands mit dieser Art von Sänger.

Beim kurzen Durchhören möchte ich nicht für mich entscheiden, ob das hier ein Original wird oder ein weiterer Klon bleibt. Auch deshalb, weil Massen an Bands erscheinen, die sich nach einem Release wieder verabschieden. Mal sehen ob SCHALKO kommen um zu bleiben. Ach ja, der wenig aussagekräftige Bandname und Albumtitel (Schalko – Cool) lenkt vielleicht auch etwas von der guten Musik ab, die hier zweifelsohne fabriziert wird. Kommt ebenfalls am 11.09.20 heraus, via Rookie Records und Flight 13. Chris de Barg

www.facebook.com/schalko.band

BAZOOKA ZIRKUS – ACH, DAS KÖNNTE SCHÖN SEIN

BAZOOKA ZIRKUS – ACH, DAS KÖNNTE SCHÖN SEIN
(Kidnap Music)

Am 11. September erscheint das neue Album von BAZOOKA ZIRKUS aus Koblenz, sieben Jahre nach dem 2013er Album ”Der Gang vor die Hunde”.  Das Promo hab ich schon ein paar Wochen, da das Release aber noch bevorsteht, bin ich ja gut in der Zeit für meine Verhältnisse, hüstel.

Hier ein paar Referenzdaten in Sachen Produktion: Die Drums wurden an einem Tag im Gernhart Studio, Troisdorf aufgenommen, um den Leadgesang hat sich Kurt Ebelhäuser im Tonstudio45 gekümmert. Gitarre, Bass & Backing Vocals wurden im Henschoranch Tonstudio aufgenommen. Gemixt wurde Anfang 2020 von Robert im Whitewood Tonstudio, Liverpool. Gemastert wurde von Michael Schwaabe bei Monoposto, Düsseldorf. So hört sich das Ganze auch an. Megefett, sauber, druckvoll, aber nicht unbedingt glattpoliert. Man merkt, dass hier erfahrene Musiker am Werk sind, die ihr Handwerk verstehen und es technisch doch nicht übertreiben. Hier gibt’s aussagekräftigen Punk/HC, eine Mischung aus schnellen, zackigen, hardcoreriffigen Ballerpassagen und melodischen Zwischenparts im Midtempobereich. So wie man es vom Label Kidnap gewohnt ist, erste Sahne.

Die Platte kommt in schwarzem 180 Gramm Vinyl und bedruckten Innenhüllen. Das Cover kommt auf schwerem Karton und mit einer partiellen Heißfolienprägung in Gold. Außerdem gibt es mit Panzerschokolade und einen exklusiven Bonustrack, welchen es nur auf Vinyl und nicht digital geben wird. Ein Download Code liegt auch jeder Platte bei. Eigentlich wie jede Platte aus dem Hause Kidnap ein Pflichtkauf. Chris de Barg

http://www.bazookazirkus.de/

NOSEBLEEDER – NO

NOSEBLEEDER – NO
(Eigenproduktion)

Die erste Scheibe des Kölner Trios ist mal wieder so eine Platte, bei der ich nicht so recht weiß, was ich schreiben soll. 10 Songs in 15 Minuten und damit laut Eigenaussage „Short Songs for busy punkrockers“.

Auf den ersten Blick könnte man meinen, hier werden ein paar Tracks herunter gebolzt. Dem ist aber nicht so. Stattdessen gibt es melodiösen, rockigen Punk zu hören, der seine Vorbilder, den melancholisch angehauchten Punk der 80er und 90er-Jahren nicht verheimlicht. Allerdings wirken viele Songs wie Fragmente mit ebenso abruptem Anfang wie Ende. Die Aufnahmen sind puristisch, bodenständig und ohne großen Schnickschnack und somit direkt auf den Punkt. Genauso eben, um die Songs angemessen zu präsentieren.

Nette, kurze Scheibe ohne wirkliche Höhepunkte. Eingängiger Punk, den man schon mal anhören kann, aber nicht unbedingt muss. Mirko

https://nosebleeder.net

THE SNACKS – FARBEN

THE SNACKS – FARBEN
(Eigenproduktion)

Sieben Jahre ist es her, dass das erste Album der Reutlinger Band erschienen ist. Nun kommt mit „Farben“ die zweite EP mit sechs neuen Liedern. Am Gesang gab es in der Zwischenzeit einen Wechsel, was sich deutlich auswirkt. Denn mittlerweile hält Sämmy, Schlagzeugerin von THANHEISER, das Mikro in der Hand und so verwöhnen uns THE SNACKS nun mit einer weiblichen anstatt einer männlichen Stimme.

Stilistisch hat sich zwar wenig verändert, aber nach dem eher durchwachsenen Album können THE SNACKS wieder mehr punkten. Die Songs sind flotter, besser produziert und ziemlich eingängig. Auch der Stimmwechsel wirkt sich meiner Ansicht nach positiv auf das Gesamtbild aus. Die Ska-Elemente wurden deutlich zurückgenommen und so gibt es straighten Pop-Punk mit viel Melodie zu hören. Auch textlich ist durchaus eine Entwicklung zu vernehmen, so dass die Aussagekraft der teils deutschsprachigen, teils englischen Lyrics gesteigert werden konnte. Die Aufnahme ist gut gelungen, druckvoll, aber nicht zu glatt, was sich ebenfalls positiv auswirkt.

War ich vom Album doch etwas enttäuscht, gefällt mir die neue Scheibe wieder um einiges besser. Ausfälle sind nicht zu verzeichnen und alle Songs laufen gut rein. Deshalb hoffe ich, dass zukünftig dieses Level gehalten werden kann. Offenbar liegt es der Band eher, kürzere Scheiben aufzunehmen. Mit „Farben“ hat sich das Quartett jedenfalls in allen Belangen gesteigert und sechs hörbare Songs rausgehauen, an denen es eigentlich nichts zu mäkeln gibt. Mirko

https://thesnackspunk.wordpress.com

COLOUR HAZE – WE ARE

COLOUR HAZE – WE ARE
(Elektrohasch)

Schon die Live-Doppel-CD aus dem Jahr 2016 konnte mich nicht wirklich vom Hocker reißen. Das neue Album der bereits seit 1994 bestehenden Band schließt sich nahtlos daran an und stellt mich auf eine Geduldsprobe.

Schleppender Stonerrock bei dem nicht wirklich viel passiert. Die Stücke ziehen sich wie Kaugummi. Ein Langweiler jagt den nächsten, so dass jeder Song gefühlte 20 Minuten vor sich hindümpelt. Gut, ich muss zugeben, dass die Band beim dritten Song ein wenig an Fahrt aufnimmt und wirklich so was wie anständigen Rock hin bekommt und auch im Folgestück nach anfänglichem Dahingesieche doch noch die Kurve zu annehmbaren Hippie-Rock kriegt. Das soll‘s dann aber auch schon gewesen sein mit der Herrlichkeit.

Sedative Musik, bei der ich doch stark mit der Müdigkeit kämpfen muss. Der mittlerweile dreizehnte Longplayer taugt bei mir daher, wie schon das Livealbum, lediglich als Einschlafhilfe. Mirko

www.colourhaze.de