HAUSVABOT / ONE STEP AHEAD – SPLIT 7

HAUSVABOT / ONE STEP AHEAD – SPLIT 7
(Save The Scene Records / Riot Bike Records)

Boah ey, ewig nichts Neues mehr von HAUSVABOT gehört. Der Beilagezettel meint 9 Jahre, dass kommt wohl hin. Nach dieser langen Zeit gibt die Band auf dieser Split mal wieder zwei neue Songs zum Besten. Echt schade, dass das Berliner Trio nicht fleißiger ist, denn die zwei neuen Songs machen wirklich Lust auf mehr. Hardcore-Punk, gut produziert, schön basslastig noch dazu und straight nach vorne gehend.

ONE STEP AHEAD sind im selben Genre beheimatet, aber da die Band Live sehr umtriebig ist, dürfte wohl kaum jemandem entgangen sein, dass der Hardcore-Punk des sächsischen Trios handwerklich nicht nur gut gemacht ist, sondern auch klare Kante zeigt. Im Gegensatz zum 2017´er Vorgänger „Hinter Fassaden“ ging es produktionstechnisch auch noch mal 1-2 Stufen nach oben und der Sound wirkt deutlich saftiger.

Beide Bands dieser Split-7 harmonieren super. Die Songs kennen nur eine Richtung und zwar nach vorne und beide Bands schaffen es trotz Härte, die jeweiligen Stücke auch mit einer guten Portion Melodie auszustatten. Dazu deutliche gesellschaftskritische, politische Texte. Wundert mich nicht, dass das Ding nach kurzer Zeit kurz vor „ausverkauft“ steht. Spike

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LOSER YOUTH – WARUM HAUST DU DICH NICHT SELBST?

LOSER YOUTH – WARUM HAUST DU DICH NICHT SELBST?
(RilRec)

Punk gegen Bullen und Deutschland, ach nee, das war ja Bier gegen Bullen und Deutschland. Und nochmal ach nee, das war ja ne´ andere Band. Egal, LOSER YOUTH sind auch dagegen und nicht nur dagegen, sondern auch gegen anderes. LOSER YOUTH sind eigentlich gegen alles, auch wenn es selbstverständlich Dinge gibt, für die sie einstehen, aber wenn du so´n Old-School-Fuck-You-Punk machst, dann is´ ja logisch, dass dagegen erstmal besser kommt als dafür.

Also, Mittelfinger-Punk mit Mittelfinger-Texten. Kleiner Einblick in die Tracklist: „Was zum Fick bist du kämpfend für“, „Punk und Polizei II“, „Ich bin ein Punk“, „Unfreundlicher, alter Mann“, „Keine Arme, keine Kekse“ und so weiter. Wisst ihr bescheid? Ihr wisst bescheid!

Schön direkt, entgegen aller Trends, in die Magenkuhle geschrammelt. Die Würze liegt wie gewohnt in der Songkürze. Die angepissten Texte kommen nicht selten mit humoriger Note und überhaupt – in Wirklichkeit sind LOSER YOUTH ganz nett, aber ich glaub, dass darf niemand wissen. Also, dieses angepisste Album pisst auf euch ihr Pisser. Habe ich so die Kurve noch bekommen? Ich glaube ja! Spike

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INGFERNO – PISSEN IS MY PASSION

INGFERNO – PISSEN IS MY PASSION
(Eigenproduktion)

Er hat wieder zugeschlagen! Nach seinem ganz annehmbaren Hörspiel und mehreren miserablen CD-Rs, hat Ingo nun ein neues Machwerk fertig gestellt, dessen Titel bereits das Niveau erahnen lässt. Diesmal nur als Downloadversion veröffentlicht, ist bei „Pissen is my Passion“ eine weiterhin, zumindest musikalische Steigerung zu beobachten.

Singen kann Ingo zwar immer noch nicht, aber auch hier ist eine dezente Steigerung zu beobachten. Er wird doch wohl nicht heimlich geübt haben? Der Sound ist jedenfalls einwandfrei. Was man mit moderner Computertechnik nicht alles machen kann. Das Schlagzeug kommt jedenfalls wieder aus dem Rechner, Gitarren und Gesang wurden vom Ingo selbst eingespielt. Und die meisten Songs sind, und das meine ich ehrlich, gar nicht mal schlecht. Allerdings, wie schon oben geschrieben, hauptsächlich musikalisch. Aber auch der ein oder andere Text ist gar nicht mal so übel. Vor allem wenn es, was ich von Ingo bisher gar nicht gewohnt bin, auch mal etwas ernster wird. Denn auch wenn vieles immer noch reiner Quatsch ist, kann (wie bei „Aktion saubere Behörde“) doch der ein oder andere gesellschaftskritische Ansatz erahnt werden. Ansonsten verarbeitet Ingo seine persönlichen Ängste, Erfahrungen als Ehemann und Vater, aber auch seine Fetischismen (ist das der Plural von Fetischismus). Großteils natürlich auf ziemlich niedrigem, pubertärem aber auch bewusst provozierendem Niveau. Dennoch haben Songs wie der ultra-schwachsinnige Titeltrack, aber auch „Lemming“, der eingängige, leidenschaftlich vorgetragene Opener „Danke“ oder das selbstbeweihräuchernde Stück „Kennst Du schon Ingferno“ nicht nur Charme, sondern sind (ich kann mich nur wiederholen) musikalisch wirklich klasse Songs. Aber auch „Mein Abend mit den Fuckers“ ist ein richtiger Hit. Ich glaub es ja kaum, dass ich bei einem Album von INGFERNO so viel des Lobes sein kann. Größtes Manko ist und bleibt aber immer noch der teils ziemlich schiefe Gesang. Sollte dieser irgendwann mal tonsicher werden, sehe ich INGFERNO, auch wenn ich mich jetzt ein wenig weit aus dem Fenster lehne, fast schon auf einem Level mit humoristisch und inhaltlich ähnlich gestrickten Bands wie EISENPIMMEL.

„Pissen is my Passion“ ist auf jeden Fall das bisher beste Album von INGFERNO. Politisch wie immer ziemlich unkorrekt und inhaltlich teilweise auch echt peinlich. Gerade deshalb aber auch wieder ziemlich lustig. Jedenfalls, wenn man gegenüber Fäkalhumor aufgeschlossen ist. Vor allem sollte man das aber bitte nicht so ernst nehmen. Denn wer das nicht kann, hat Punk nicht verstanden. Mirko

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HARD MOOD – MENSCHENZOO

HARD MOOD – MENSCHENZOO
(Eigenproduktion)

Überhaupt keine Info habe ich zum ersten Album von HARD MOOD aus Halle/Saale erhalten. Der Bandname scheint jedenfalls ein lustiges Wortspiel zu sein und das Cover kann mich so gar nicht ansprechen. Ich bin also auf das schlimmste vorbereitet, denn auch das mit Synthieklängen unterlegte Instrumentalintro lässt schlimmes befürchten.

Aber weit gefehlt. Gleich mit dem ersten „richtigen“ Song können mich HARD MOOD mit ihrem ungewöhnlichen Sound für sich gewinnen. In eine Schublade lässt sich die Band dabei nicht stecken. Punk, Hardcore, D-Beat, Elektro, Hardcore und eine ordentliche Schippe Trashrock finden sich in diesem wilden Mix wieder. Die Bassdrum ist vielleicht ein bisschen zu dumpf und dominant geraten, was gerade bei den Doublebase-Einlagen etwas arg ist. Ansonsten wirkt das Klangglomerat aber ausgezeichnet, intensiv und strotzt nur so vor frischen Ideen. Dennoch gibt es viele eingängige Passagen und die Band legt auch eine gesunde Härte an den Tag. Textlich wird der moderne Alltag und der Wahnsinn des Lebens auf gekonnte Weise seziert und mit sarkastischem Unterton präsentiert. „Asoziale soziale Medien“ werden hier ebenso thematisiert wie der „Menschenzoo“ im Reality-TV. Egoismus, Moderne Sklaverei, Gier, Selbsmitleid & Selbstaufgabe, aber auch Traditionalismus sind nur einige weitere Punkte, die hier auf intelligente Weise verarbeitet, angeprangert und durch den Kakao gezogen werden. Der Beat könnte dabei manchmal ein wenig abwechslungsreicher sein, aber das ist wirklich nur ein kleiner Makel. Ebenso wie das Rammsteinsche rollende R, dem doch etwas viel Platz eingeräumt wird. Dies ist angesichts des kantig und sperrig umgesetzten Ideenreichtums aber verschmerzbar.

Endlich mal wieder eine originelle Scheibe, die die Hörgewohnheiten durchbricht und dabei auch noch begeistern kann. Dazu gesellen sich viele stilistische Referenzen an großartige Bands, sowie Texte, die auf erstklassige Weise gesellschaftliche Absurditäten auseinandernehmen. Sicherlich für das ein oder andere Ohr gewöhnungsbedürftig, für mich aber ein toller Einstand. Bitte mehr davon. Mirko

www.hardmood.de

BLACKUP – CLUB DOROTHEE

BLACKUP – CLUB DOROTHEE
(Rookie Records)

Neun Jahre haben BLACKUP benötigt, um einen Nachfolger zu ihrem Debütalbum aus dem Jahr 2011 fertig zu stellen. Allerdings gab es zwischendurch auch noch eine EP mit 4 Liedern. Nun ist das neue Werk über Rookie Records auch in Deutschland erschienen.

Die vier Belgier spielen schraddeligen Post-Punk mit einem gewissen Retrocharme und, vom Sound her, auch Garage-Rock-Anleihen. Daher geht die Musik auch eher in Richtung Rock als in Richtung Punk. Druckvoll und leidenschaftlich sind die Songs zwar geworden, aber auch jetzt wirklich nichts Besonderes. Irgendwie dümpelt die Scheibe so vor sich hin, ohne wirklich im Ohr hängen zu bleiben. Dabei gibt man sich schon alle Mühe, bei mir will das ganze aber nicht so recht zünden. Viele Songs sind mir dazu einfach nicht flockig genug. Viel mehr fällt mir zu der Scheibe aber eigentlich auch gar nicht ein.

Bodenständiger Rock mit Postpunk-Feeling, dem man die Leidenschaft nicht absprechen kann. Mir erscheint vieles aber irgendwie nicht ausgereift. Vielleicht weiß die Band aber auch nicht genau, in welche Richtung sie gehen will. Anhören kann man sich das Teil aber dennoch ganz gut. Mirko

www.weareblackup.com

MEANBIRDS – CONFESSIONS OF AN UNREST DRAMA QUEEN

MEANBIRDS – CONFESSIONS OF AN UNREST DRAMA QUEEN
(Concrete Jungle Records)

Acht Jahre nach der Auflösung der großartigen REJECTED YOUTH, hat es deren Sänger und Gitarristen Magenta Caulfield wohl wieder in den Fingern gejuckt. Obwohl, in den Fingern hat es ihn schon früher gejuckt, aber nun ist das Ergebnis zu vernehmen. Eine neue Band, ein Trio, welches auf den Namen MEANBIRDS hört und mit „Confessions Of An Unrest Drama Queen“ ihr Einstandswerk abliefert.

Ähnlichkeiten mit der Vorgängerband sind nicht wirklich viele zu finden, aber das Ding hier ist ja auch ein komplett neues und anderes, von daher sollte man von Vergleichen absehen. Hier wird feinster Midtempo Punk´n´Roll geboten, der mit melodischen, ja fast schon hymnischen Parts nicht geizt, somit ins Ohr geht und aufgrund der persönlichen Texte zugleich berührend wirken kann. Das Gesamtpaket passt und „Out Of Vogue“, „Black Dyed Soul“, „Kiss Me Goodbye“ und „The Real Me“ platzieren sich in meinen Gehörgängen gleich mal als Highlights der Platte.

Diese ist mit einer halben Stunden zwar nicht allzu lang, aber dafür gibt’s keine Lückenfüller. Lieber so, anstatt mit halbgarem Liedgut zu strecken. Eine wirkliche ausgereifte und facettenreiche Mischung aus Punk und Rock´n´Roll, die mich in angenehmer Weise an die älteren THE BONES erinnert. Starkes Debüt! Spike

http://meanbirds.com