THE LOST LYRICS – FREAK PREVIEW

THE LOST LYRICS – FREAK PREVIEW
(Hulk Räckorz)

30 Jahre THE LOST LYRICS, unglaublich. In dieser Zeit zehn Longplayer rausgehauen, die ich tatsächlich alle kenne und zwischendurch auch noch die ein oder andere EP, die ich fast alle kenne und außerdem noch die grandiose Split mit N.O.E. Gefühlt immer am Rackern, regelmäßig mit neuen Platten am Start, aber von vielen trotzdem zu oft und völlig unverständlich nur nebenbei wahrgenommen. Und dabei sind sie doch eine Punkrockband, wie man sie sich wünscht. Mit guten Texten, mit bewährten Akkorden, die zu einprägsamen Melodien zusammengefügt werden und dazu noch authentisch.

Das alles bekommt die Hörerschaft auch mit “Freak Preview“. THE LOST LYRICS werfen einen kritischen Blick auf diverse Umstände dieser Welt, klagen an, geben sich kämpferisch und begegnen dem Wahnsinn mal mit “Zweierminderheit“ und mal mit “Tausend Fäusten“. Zwischen den kritischen Tönen hat die Band auch viele Träume, ist selbstreflektiert und will mindestens “Einmal um die Erde“ und noch mehr. Hier geht’s insgesamt nicht um Coolness oder darum sich zu verbiegen und auf dicke Hose zu machen, sondern um Musik aus Liebe und als Ventil. Oder wie sie so schön singen: “Alte Riffs mit neuer Liebe“ (Punkrock Generation Gap) oder “3 Akkorde und den 4ten für ein kleines bisschen Mut und den…“ (Rest von deiner Wut).

Die Texte von THE LOST LYRICS sprechen mir ganz oft aus der Seele, ich mag diesen unverwechselbaren Sound und nach 30 Bandjahren und so vielen Alben, verbinde ich auch einiges damit. Wilde Partys, alte Freundschaften, stundelange Autofahrten und vieles mehr. Eine Platte des Trios aus Kassel klingt deshalb auch immer so vertraut. Fast so wie “Euch zu sehen“ vom “Vor allem“ Album, dass hier nochmal in aufgepeppter Version zu hören ist. Steff

www.lost-lyrics.de

CUTTIN‘ EDGE – FACE DOWN

CUTTIN‘ EDGE – FACE DOWN
(Rebellion Records)

„Face Down“ ist das erste Album von CUTTIN‘ EDGE, die sich in Edinburgh zusammengefunden hat um der wilden Rockmusik zu frönen und dabei quer durch die Szenen hinweg zusammen gewürfelt scheint.

Hier verschmelzen Punk, Oi! und Metal zu einer harten Mixtur, die gut ballert. Das Fundament bildet die treibende Rhythmus-Fraktion. Die Gitarre kommt sowohl mit messerscharfen Riffs als auch mit dem ein oder anderen metallischen Sologeklimper daher, dass erstaunlicher Weise überhaupt nicht fehl am Platze wirkt. Die rohe Stimme besitzt viel Power und rundet, zusammen mit den satten Chören, den kraftvollen Sound ab. Dazu Texte von der Straße, die auch politische Missstände in direkter Weise artikulieren. Hier wird einem heftiger Rock‘n‘Roll um die Ohren gehauen, der sich schnell ins Hirn fräst und dabei auch in ausreichender Weise zum Mitgrölen animiert.

Ein heftiges Debüt der Band aus Schottland. Hier werden keine Gefangenen gemacht. Die vier Herren gehobenen Alters wissen, wie man mit viel Kraft nach vorne loslegt, aber auch mit dem Fuß auf dem Gaspedal deftige Songs raus hauen kann – und dabei auch im Ohr hängen bleibt. Ein starker Erstling, der mir wirklich gut gefällt. Mirko

www.facebook.com/cuttinedge2018

LOUIS JUCKER & COILGUNS – KRÅKESLOTTET [THE CROW'S CASTLE] & OTHER SONGS FROM THE NORTHERN SHORES

LOUIS JUCKER & COILGUNS – KRÅKESLOTTET [THE CROW'S CASTLE] & OTHER SONGS FROM THE NORTHERN SHORES
(Hummus Records)

Louis Jucker, Sänger der experimentierfreudigen Schweizer Post-HC/Mathcore Band COILGUNS ist nebenbei auch noch als solistischer und ebenfalls experimenteller Liedermacher unterwegs. Mit Unterstützung seiner Band war er nun einige Zeit unterwegs, um sein letztes Album auch live zu präsentieren. Zum Abschluss der Tour wurde das Set, das auch Songs seiner früheren Veröffentlichungen enthält, live im Studio aufgenommen, um die Songs auch in diesem musikalischen Gewand zu präsentieren.

Ich hab mal in das Originalalbum rein gehört und muss sagen, dass ich mit dem Sound nicht besonders viel anfangen konnte. Ähnlich ging es mir auch mit den früheren Alben der COILGUNS, wobei der letzte Output doch ein wenig besser in mein Ohr drang. Diese Scheibe ist noch weniger von Krach gezeichnet, ist aber weiterhin recht verschroben. Hier nähern sich der Liedermacher in LOUIS JUCKER und die Band ganz gut an und präsentieren so ein Mittelding aus den beiden Sounds. Soll heißen, das Liedermaching etwas kraftvoller, den Methcore etwas seichter. Da die Produktion wirklich gut ist, kommt mir der Output dann auch weniger chaotisch vor. Dennoch bleibt die Musik recht sperrig und ist sicherlich nicht für jeden geeignet. Mit der Zeit kann das Ganze auch ein wenig anstrengend werden. Dennoch zolle ich den Musikanten meinen Respekt, dieses Gemisch live so hinzubekommen.

Verschrobener Indie-Rock mit großer DIY-Attitüde und dem Hang zum Ungewöhnlichen. Daher nicht immer ganz einfach zu Hören und auch nicht wirklich mein Geschmack. Dafür aber mal wieder was anderes, das aus dem Rahmen fällt und entgegen stringeter Hörgewohnheiten arbeitet. Mir reicht‘s allerdings die Scheibe einmal durchlaufen gelassen zu haben. Mirko

www.louisjucker.ch
www.coilguns.ch

DIE MIMMI´S – WICHTIG IST AM STRAND

DIE MIMMI´S – WICHTIG IST AM STRAND
(Weser Label)

Ich freu mich immer, wenn ich was Neues von DIE MIMMI´S höre. Immerhin waren die mein ständiger musikalischer Begleiter in meinen Teenager Jahren und ihr “Alles zuscheißen“ Album gehört bestimmt zu den 10 der von mir am Häufigsten gehörten Punk-Platten – was man ihr auch ansah, bis ihr schließlich ein Wasserschaden den Rest gab. Im Gegensatz zu einigen anderen Fun-Punk-Bands (ein Stempel, für den sich die Band nicht schämt und den sie sich auch selbst aufdrückt), konnten und können die DIE MIMMI´S auch ernst und politisch.

Hier serviert uns die Bremer Urpunkband um Fabsi, der der beste Beweis dafür ist, dass Punk auch mit Mitte 60 noch funktioniert und nicht kaputt zu kriegen ist, zwei Songs, die musikalisch typisch MIMMI´S sind und textlich mit seiner Tätigkeit als “Rock‘n’Roll Butterfahrt Booker“ einhergehen. Es geht um Strand “Wichtig ist am Strand“ und “Helgoland“. Eine Hommage auf die Butterfahrt, auf Helgoland.

Melodisch und gut mitsingbar, produziert nach dem altbewährten Fun-Punk-Rezept. Die B-Seite “Helgoland“ dürfte MIMMI´S Fans sogar bekannt vorkommen, denn hier handelt es sich um einen Klassiker von ihnen aus dem Jahre 1984, nämlich um “Up’n Land“, nur halt mit Text über die Nordseeinsel. Das Weser Label bringt es mit einem Satz gut auf den Punkt: “Wichtig ist am Strand ist eine kleine Brise von Freiheit!“ Steff

www.diemimmis.eu

KANGA – ETERNAL DAUGHTER

KANGA – ETERNAL DAUGHTER
(Artoffact Records)

Hört doch bitte auf, uns dauernd so einen Scheiß zu schicken. Die Seite heißt Uglypunk, was doch eigentlich unmissverständlich ist. Ja, ein Blick über den Tellerrand schadet bekanntlich nie und ich bin ja auch recht aufgeschlossen gegenüber artfremder Musik. Aber so ein weichgespültes poppiges Elektro-Synthie-Gedudel kann ich mir getrost sparen.

Angepriesen als postapokalytischer Darkwave ist hier wirklich nichts echt. Alles aus dem Rechner und der Gesang ist maximal elektronisch bearbeitetes Gesäusel. Die Künstlerin, die für diese Scheibe verantwortlich ist, wird in bestimmten Kreisen mit diesem Sound sicherlich ankommen und auch gefeiert werden.

Ja, da bin ich mir ziemlich sicher, denn Melodien sind vorhanden und eine halbwegs düstere Stimmung ist nicht von der Hand zu weisen. Für mich aber absolut langweilig und uninteressant. Mehr gibt es dazu nicht zu sagen. Mirko

www.facebook.com/kangakult

1000MODS – YOUTH OF DESCENT

1000MODS – YOUTH OF DESCENT
(Ouga Booga and the mighty Oug)

Fast 15 Jahre haben die 1000MODS mittlerweile auf dem Buckel und sind sich und ihrem Stil stets treu geblieben. Das ändert sich auch mit dem neuen Album nicht, für das sich die Band vier Jahre Zeit gelassen hat und das in London und Seattle aufgenommen wurde.

Herausgekommen sind elf emotionale Songs, die viel Leidenschaft in sich bergen und stimmungsvoll daher kommen. Oftmals getragen, aber mit viel Wucht bahnt sich der psychedelisch angehauchte Stoner-Rock seinen Weg aus den Boxen und lässt den Körper vibrieren. Zumindest, wenn man dem Album die angemessene und auch notwendige Lautstärke zukommen lässt. Allerdings empfinde ich das Dargebotene nicht wirklich abwechslungsreich und so macht sich bei knapp einer Stunde Spielzeit auch mal die ein oder andere Abnutzungserscheinung bemerkbar. Finde ich jetzt aber nicht ganz so dramatisch, denn an vielen Stellen weiß die Musik im richtigen Moment wieder Stoff zu geben und rein zu knallen. Dafür vermisse ich ein wenig die Eigenständigkeit. Denn obwohl der Waschzettel davon spricht, die Band habe eine eigene Nische erschaffen, kommen mir einige Versatzstücke und Soundelemente doch recht bekannt vor.

Endlich mal wieder eine Stoner-Rock-Album, das – trotz der angesprochenen Kritikpunkte – zu überzeugen weiß. Gefühl und Härte verschmelzen hier auf ansprechende Weise und somit kann ich dem Album durchaus einiges abgewinnen. Mirko

www.1000mods.com