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    RESIST TO EXIST (2017)

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QUELLMANN – ALLE ANNE LUFT

QUELLMANN – ALLE ANNE LUFT
(Teenage Rebel Records)

Neue Platte, aber schon ältere Band bzw. ältere Aufnahmen. Nach Jahren endlich veröffentlicht (dank Teenage Rebel Records) und dies zu Ehren des völlig unerwartet verstorbenen Bassisten der Band. Die Band ist mit neuem Bassisten aber weiterhin aktiv, setzt sich u.a. aus Leuten zusammen, die von den RUHRPOTTKANAKEN oder den LOKALMATADOREN bekannt sind und kommt… natürlich, aus Mülheim an der Ruhr.

Ein bisschen Pott-Proll-Charme darf da natürlich nicht fehlen, allerdings kommt dieser nicht über Asi-Oi-Punk zum Ausdruck, sondern mehr über Dicke-Eier-Stoner-Punk-Rock. Ziemlich dreckiger Stoner-Rock sogar, mit nicht weniger sauberer Note Garage-Punk. Angereichert mit Texten, die nicht immer ganz ernst zu nehmen sind, die aber auch mal kritisch können und garniert mit einem Plattencover, das auch direkt aus den Siebzigern stammen könnte.

Könnt ihr euch noch an die große Fun-Punk Welle Ende der Achtziger / Anfang der Neunziger erinnern? Zwischen all den damaligen Bands mit den lustigen Namen schwamm so ne´ Band mit, die mehr so dreckigen Hardrock´n´Roll als Punk spielte und damit immer etwas herausstach. LÜDE & DIE ASTROS hießen die. Genau an die erinnern mich QUELLMANN. Spike

MILENRAMA – CORAZÓN Y ACITUD

MILENRAMA – CORAZÓN Y ACITUD
(Sarna Social / Cn‘r / RilRec / Gabba)

Dies ist bereits das dritte Album der katalanischen Band, die schon seit etwas mehr als 10 Jahre existiert. Oder muss ich sagen spanische Band? Man wird einerseits ja schnell als Nationalist abgestempelt, wenn man Volksgruppen unterstützt, die für eine Abspaltung von einem Land kämpfen, dem sie sich nicht zugehörig fühlen und für ihre eigene Identität. Andererseits wird so was aber ja auch oft als Befreiungskampf gegen die oktroyierende Besatzungsmacht angesehen. Hmmm… so ist das dann wohl, wenn Dogmatismus und blinder Aktionismus mit Verständnis und Rationalität konkurrieren. Das durften in letzter Zeit auch andere Bands erfahren, die sich gegen völkische Gewalt und Staatsterror stellten und es dennoch wagten, ihre Herkunft und Identität in ihre Lieder mit ein zu bringen. Das aber nur am Rande. Hier soll es ja um die neue Scheibe von MILENRAMA gehen.

Die Band stellt sich konsequent gegen Homophobie und Faschismus, gegen Kapitalismus, Politik gegen das Volk und kämpft für Verständnis und ein soziales Miteinander. Ganz egal, wer man ist und woher man kommt. Für eine offene Welt ohne diesen Dogmatismus, der auch innerhalb der „Szene“ zu Spaltungen führt. Für alle, die kein Spanisch oder Katalonisch verstehen, sind die Texte daher auch in englischer Übersetzung abgedruckt und vermitteln eine klare Haltung, über die man sich schon mal Gedanken machen sollte. Verpackt wird das Ganze in melodischen HC-Punk, der keine Wünsche offen lässt. Schnelle Beats, eingängig und treibend. Dazu eine markante weibliche Stimme, die nicht auf Anhieb als solche zu erkennen ist. Hier könnte sich der Kreis fast schon wieder schließen, denn warum muss ich auch extra betonen, dass die Band mit einer Frontfrau aufwartet. Nur weil ich diese nicht auf Anhieb als solche erkannt habe oder weil Frauen in Punk-Bands immer noch als exotisch gelten? Aber sei‘s drum. Ich will mich da jetzt nicht rein steigern. Diese Band und diese Scheibe sind nämlich ein gutes Beispiel dafür, wie man diesen Dogmatismus bestens umschiffen kann, dabei klare Ansagen formuliert und dazu noch richtig geilen Punkrock zum besten gibt. Dass sich die Band nach einer unscheinbar anmutenden, aber wirkungsvollen Heilpflanze benannt hat, passt da wie die Faust auf‘s Auge.

Eine fette Scheibe, die sowohl musikalisch als auch textlich überzeugen kann, Mauern ein- und einfach mitreißt, wichtige Themen anspricht und sich einen Scheiß um überflüssigen, kontraproduktiven Firlefanz schert. Hier werden die Dinge beim Namen genannt, und das ist gut so. Mirko

www.milenramahcpunk.com

PENADAS POR LA LEY – MALOS TIEMPOS PARA LA LIBERTAD

PENADAS POR LA LEY – MALOS TIEMPOS PARA LA LIBERTAD
(Cn‘r / Guerrera Rec. / G.B.R / Mass Prod. / BamBam Rec. / RilRec.)

Das Trio aus Bilbao besteht bereits seit über zwanzig Jahren, wenn man dem Veröffentlichungsdatum des ersten Tapes anno 1996 Glauben schenken darf. Das erste Album erschien jedenfalls erst im Jahre 2012 und nun legt die im Steam-Punk-Style gekleidete Band  ihre bereits dritte Scheibe vor. Grund dafür könnt auch sein, dass die Band argentinischen Ursprungs nun aber in Spanien beheimatet ist und es daher zwischendurch etwas Leerlauf gab.

Zu hören gibt es melodiösen Punkrock, deren Texte ich leider nicht verstehe, denn eine englische Übersetzung selbiger liegt nicht vor. Zumindest lässt sich vermuten, dass es vorwiegend kritisch und politisch sowie freiheitsliebend zu geht. Die Songs sind schnörkellos und eingängig. Meist auch recht treibend und immer im Vorwärtsgang. Dazu der passt auch der ausdrucksstarke Gesang von Bassistin Fabi und die gut eingesetzten Chöre. Dennoch fehlt mir irgendwie der letzte Kick bei den Songs, der mich wirklich mitreißen könnte.

Engagierter Punkrock auf gehobenem Niveau, den man auf jeden Fall mal antesten kann. Abwechslungsreich und eigenständig, eingängig und authentisch,  aber auch mit noch ein wenig Luft nach oben. Mirko

www.facebook.com/penadasporlaley

PROUD TO BE PUNK #28

PROUD TO BE PUNK #28

Schon wieder ein halbes Jahr vergangen und wieder ist eine neue Ausgabe des Proud to be Punk am Start. Leider bin ich nicht so wirklich zum Lesen gekommen und so hat es diesmal doch ein paar Tage länger gedauert, das Teil durch zu schmökern.

Auf die Standard-Rubriken, wie die Reviews und den Sachsen-Szene-Report will ich gar nicht groß eingehen. Alles wie gehabt. Zu Beginn dreht sich alles um Punk im Osten Europas. So präsentiert uns Jan einen Abriss über die Geschichte des Punk hinter dem sogenannten eisernen Vorhang. Beleuchtet wird dabei die Historie in Polen, der Tschechoslowakei, Ungarn, der Sowjetunion, Rumänien und noch ein paar anderen Ländern des Warschauer Paktes. Alles sehr aufschlussreich. Aber auch der Osten der Republik wird in Form einer ausführlichen Vorstellung der Band Wutanfall sowie deren Protagonisten behandelt. Als wäre das noch nicht genug, kommt auch Gerald von Gleichlaufschwankung zu Wort, der kürzlich seine Autobiographie „Untergrund war Strategie“ veröffentlicht hat. Auch diese Beiträge und Interviews finde ich ziemlich gelungen und informativ. Ebenso wie das Interview mit dem Hamburger Label Riot Bike Records. Ein wenig enttäuscht war ich dagegen vom Interview der mir außerordentlich gut gefallenden F*CKIN‘ ANGRY. Entgegen bisheriger Interviews sind die Fragen hier nicht so tiefschürfend, wie man es von Jan gewohnt ist. Gleiches gilt für das Interview mit gleich drei Fanzines, die allesamt von weiblichen Menschen verantwortet werden. Hier hält sich Jan auffallend zurück, weshalb ich es etwas vermisse, dass hier auch mal nachgebohrt wird. Ist aber auch nicht ganz einfach bei so einem Gruppen-Interview. Vor allem aber auch, da die Antworten dabei meist doch recht lange ausfallen. Ist aber auch kein  Wunder, wenn fünf Personen was zu sagen haben. Andererseits kann sich so jede/r auch ein eigenes Bild machen, ohne eine Wertung vorgekaut zu bekommen. Für Geschichtsinteressiert bekommt man dafür diesmal einen tieferen Einblick und Hintergründe zur Entstehung des Weber-Liedes, welches ja auch von einigen Punk-Bands in verschiedener musikalischer Qualität vertont wurde. Ansonsten hält sich Jan in Bezug auf historische Ereignisse abseits des Punks diesmal vornehm zurück.

Wie immer ist das Heftchen mit seinen 80 Seiten sehr lesenswert, auch wenn es diesmal ein paar Abzüge in der B-Note gibt. Dennoch ist auch diese Ausgabe eine klare Empfehlung für interessierte Menschen, die nicht nur Suff im Kopf haben. Mirko

THE HEISENBERGHS – SWIMMINGPOOL VOLL BIER

THE HEISENBERGHS – SWIMMINGPOOL VOLL BIER
(Hicktown Records)

Aha, eine metallische Punkband – oder anders herum – die sich nur einem Thema verschrieben hat: Dem exzessiven Alkoholgenuss und allem was damit zu tun hat. Nicht wirklich originell und natürlich auch prollig scheint das hier also zu werden. Nach einer EP veröffentlichen die vier gestandenen Trinker aus München nun also ihr erstes Album.

Ganz in der Tradition von Suff-Bands wie den DIMPLE MINDS brettert der erste Song „Jetzt geht es los“ aus den Boxen, der nur eine Textzeile beinhaltet. Im Weiteren stellt sich die musikalische Darbietung dann aber als ziemlich rustikal heraus. Alles recht einfach gehalten und das ein oder andere mal holpert‘s auch ein bisschen. Darf‘s ja eigentlich auch, wenn man das Zeug auch hackendicht vorspielen muss (oder will). Ein bisschen interessanter hätten die Lieder aber schon gestaltet werden können. Klingt alles ein wenig nach Pressbetankung und anschließender, deprimierender Suche nach dem letzten Schluck Plörre in einer vergessenen Bierflasche voller Kippenstummel, anstatt nach fröhlichem Umtrunk unter Gleichgesinnten. Das lyrische Niveau erreicht dabei selten die Tischkante, was ich ehrlich gesagt auch nicht erwartet habe. In kurzen Momenten kann man zwar einige Lichtblicke erahnen, insgesamt gesehen bleibt aber doch vieles auf der Strecke. Ebenso wie der ein oder andere satirische Seitenhieb, wie er zum Beispiel in „Trumpelei“ zu hören ist. Für mich ist das alles einfach ein wenig zu gezwungen und gewollt. Nix gegen die Sauferei, aber die  HEISENBERGHS schaffen es weder,  ausgelassene Stimmung zu verbreiten, noch wirklich die volle Latte an Primitivität und Proletentum aufzufahren, die dieses Thema bieten kann.

Mein Fazit fällt daher eher nüchtern aus. Hier wird mit aller Gewalt versucht, Unterschichten-Säufer-Mucke zu produzieren. Leider fehlt dabei einfach der nötige Witz und der Charme, dem zumindest das gelungen Cover-Artwork gerecht wird. Fühlt sich für mich eher an wie ein zu langer Besuch in der Cannstatter „Schwemme“ als ein freudiges, assiges Trinkspektakel. Mirko

http://theheisenberghs.de

ANGRY YOUTH ELITE – READY! SET! NO!

ANGRY YOUTH ELITE – READY! SET! NO!
(Sportklub Rotter Damm)

Darf man sich denn noch als jugendlich bezeichnen, wenn man die 30 schon längst hinter sich gelassen hat? Warum eigentlich nicht. Jung ist man schließlich im Herzen und auch im „besten Alter“ muss man ja noch lange nicht zum alten Eisen gehören. Das Debüt des Trios strahlt jedenfalls jugendlichen Charme aus, auch wenn man sich am us-amerikanischen Skate-Punk und (Melodic-)Hardcore der 1990er Jahre orientiert.

Namedropping wäre hier zwar grundsätzlich möglich, allerdings müsste man dann schon diverse Kapellen anführen, deren Stil sich doch relativ stark unterscheidet. Und so sind auch die 12 Stücke auf dieser CD von unterschiedlichem Charakter. Mal geht es ruppig und schnell zu, mal bewegt man sich im mittleren Tempobereich und lässt dabei auch rockige und sogar poppige Elemente mit einfließen. Eingängige Melodien sind aber überall zu finden. Oft schnörkellos und straight nach vorne, manchmal aber auch geeignet zum Mitgrölen. Das alles in Oldschool-Manier präsentiert und schön ungeschliffen. Inhaltlich immer kritisch, auch politisch und kämpferisch. Man trägt das Herz am rechten Fleck und gibt sich trotz aller Ernsthaftigkeiten in den Lyrics nicht allzu verbissen, was dem Gesamteindruck sehr gut tut.

Auch wenn hier kein Meilenstein des Punkrocks erschaffen wurde, läuft diese zitatreiche Retroscheibe doch sehr gut rein und man sollte das Release nicht nur als Huldigung an die großen Ami-Punkbands der vergangenen Tage sehen, denn hier steckt viel Enthusiasmus und Liebe drin. Gefällt mir jedenfalls ziemlich gut. Mirko

www.angryyouthelite.com