KALIK – UNSATISFIED

KALIK – UNSATISFIED
(Eigenproduktion)

So, erstmal den Namen KALIK in den Google-Übersetzer reingehauen und auf dänisch-deutsch gestellt. Kommt nur KALIK bei raus, die Aufklärung des Bandnames ist also gleich mal gescheitert. Die Band gibt es seit 2005, aber da ihre Mitglieder immer noch so frisch aussehen, würde ich mal vermuten, dass die Besetzung einmal durchgewechselt hat. Und ein für Deutschpunkexperten bekanntes Gesicht ist auch mit dabei, nämlich Tomo, die einst bei ABSTURZGEFÄHRDET für Bass und Stimme verantwortlich war. Nun also Dänemark und neue Band.

Auch wenn der erste Song “Unsatisfied“ erstmal fröhlich beginnt, wird es schnell ungemütlich und die Platte wird ihrem düsteren Artwork gerecht. Angepisster Gesang, kritische Texte und Einflüsse von Crust über Hardcore bis hin zu 77´ Punk kommen hier zusammen und kotzen in 5 Songs ordentlich Wut aus.

Die Aufnahme ist schön dreckig, die Aufmachung DIY und rund rum ist alles somit schön stimmig. Im Gegensatz zur Vorgänger-EP, die ich mir gerade nochmal als Vergleich angehört habe, wesentlich rauer, direkter und viel mehr auf die Mütze. Wer Bands mag, die auf Platte noch diese alte, ungestüme Punk-Ausstrahlung der Achtziger haben, wird hier nicht schlecht bedient. Steff

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GHOSTMAKER – ROOM SERVICE ROMEO

GHOSTMAKER – ROOM SERVICE ROMEO
(GHSMKR / Recordjet)

Bei dieser Band handelt es sich ein paar gestandene Musiker, die mit verschiedenen Bands Punk-, Indie- und Rockerfahrung rund um den Globus sammeln konnten. Vom Trio zu Duo geschrumpft hat man nun dieses Album zu zweit eingespielt. Ein paar EPs gab‘s davor aber auch schon von den Jungens.

Indierock mit einer düster angehauchten Note gibt es darauf zu hören. Gut gespielt, arrangiert und bla bla bla. Das übliche. Damit kann man jedenfalls punkten. Einiges ist dabei auch etwas poppig geraten (Amerikan Limbo), aber das ist sicher so gewollt. Mich sprechen eher die rockigen Beiträge an, die doch ganz gut ins Ohr gehen. Teilweise sind aber auch diese für meinen Geschmack etwas überfrachtet. Purismus ist jedenfalls was anderes. Spricht aber auch für die Ideenvielfalt der beiden. Für mich ist es dann aber auch wieder so ein Album, das halt nebenbei läuft. Hat ein paar gute Grooves, langweilt nicht und geht auch nicht auf die Nerven. Da dem Promo keine Texte beilagen und ich mich nicht so auf die englischen Gesänge konzentrieren konnte, kann ich zu den Texten eigentlich nicht sagen. Ist aber glaube ich nicht so wichtig.

Auch wieder so ein Album, das ich wohl nie angehört hätte, wenn ich hier nicht was dazu schreiben müsste. Dafür ist es aber ganz passabel geworden und Liebhaber sowie natürlich *innen leidenschaftlich-subtiler Rockmusik dürfen das gerne mal antesten. Mirko

http://www.ghostmaker.net

SAM RUSSO – BACK TO THE PARTY

SAM RUSSO – BACK TO THE PARTY
(Red Scare Industries)

Da sich Chris de Barg lieber mit irgendwas anderem beschäftigt und nicht dazu kommt alle ihm zugeteilte Platten zu besprechen, habe ich mich ganz selbstlos dazu erbarmt, ihm ein paar davon abzunehmen. Die erste davon: Sam Russo, ein britischer Liedermacher, der hier sein neues Album präsentiert.

Und wenn man hier Liedermacher, respektive Singer/Songwriter hört, bekommt man genau das was man erwartet. Emotionale Songs mit Akustik-Gitarre unterlegt. Dazu noch ein paar Effekte und das ein oder andere Hintergrundinstrument. Der Künstler betont natürlich auch die Pop-Punkaffinität, die angeblich zu hören sei. Diesem kann ich leider nicht so ganz folgen. Des Weiteren wird die inhaltliche Nähe zum Thema „Sterben“ beschrieben, auch wenn der Titel der Platte vielleicht etwas anderes vermuten lässt. Für mich ist das großteils sentimentale, poppige Gitarrenmusik. Auch wenn die Stimme ein wenig kratzig klingt, wirkt sie dennoch ab und an ein wenig schnulzig. Die weniger emotionsgeladenen Songs dagegen scheinen doch sehr gewöhnlich zu sein. Geht zwar ins Ohr, bleibt aber nicht haften. Jedenfalls nicht bei mir.

Ja, was soll ich fazitieren? Ist halt Akustik-Gitarren-Liedermaching ohne große Überraschungen. Handwerklich solide, gefühlsbetont, aber eben auch nichts wirklich besonderes oder gar herausragendes. Stimmungsmusik halt. Geht aber schon ganz OK. Mirko

www.facebook.com/SamRusso113

OH HENRY – WO MEIN HERZ SCHLÄGT

OH HENRY – WO MEIN HERZ SCHLÄGT
(Wolverine Records)

Wenn ich eine Platte oder CD bespreche, wird sie aufgelegt oder eingeschoben und während sie abgespielt wird, studiere ich nebenbei das Textblatt oder stöbere im Booklet. Kleiner Textevorabcheck. Dieser fällt hier allerdings aus, denn bei der CD-Version gehört ein Booklet offensichtlich nicht zur Grundausstattung. Ist aber auch kein Problem, denn OH HENRY singen mehr und schreien weniger, so ist alles gut zu verstehen.

Diese neue Band, bestehend aus vier Freunden, klingt auf Anhieb interessant. Für Deutschpunk zu viel Midtempo, für Indie fast schon zu straight, aber auf deutschsprachigen Indie-Punk können wir uns trotzdem einigen, denn diese Schublade ist am passendsten. Eine Mischung aus SUPERNICHTS und MUFF POTTER irgendwie. Mit unüberhörbar reichlich Potential im Gepäck, stehen die Chancen um aus der Masse an Neuerscheinungen heraus zu stechen, vielleicht gar nicht mal so schlecht. Warten wir´s mal ab.

Die 11 Songs bilden jedenfalls eine große Hitdichte und somit ein doch recht eindrucksvolles Debüt. Wie bereits erwähnt fahren OH HENRY zwar mehr im mittleren Geschwindigkeitsbereich, aber das stellt die Melodien, für die die Band ein gutes Händchen hat, noch deutlicher in den Vordergrund. Aktueller Streifen zum Abchecken in 3, 2, 1… Spike

www.facebook.com/ohhenryband

PESTPOCKEN – ANOTHER WORLD IS POSSIBLE

PESTPOCKEN – ANOTHER WORLD IS POSSIBLE
(Maniac Attack Records)

Über 20 Jahre PESTPOCKEN. Das waren jede Menge Chaos, der ein oder andere Besetzungswechsel, lange Wartezeiten zwischen den Full-Length-Alben und (vor allem damals) jede Menge Haarspray und Haarfarbe. Nun könnte Mensch meinen, dass im Hause PESTPOCKEN nach über 2 Jahrzehnten Bürgerschreck der Mittelfinger vielleicht etwas runtergekurbelt wird, aber Musik wie auch Texte signalisieren da was völlig anderes.

Das Band klingt mit ihrer Mischung aus Street- und Hardcorepunk nach wie vor wütend und angepisst, vielleicht sogar noch wütender und angepisster als je zuvor, und in Tönen und Wörtern kompromisslos. Die Gründungsmitglieder Andrea und Danny brüllen sich im Wechsel die Kehlen rau, während Tom, Eddy und Tille von der Seite bzw. von hinten drücken, ebenfalls singen und fette Chöre platzieren. Zudem gibt es wesentlich mehr kleinere Spielerein auf den Saiteninstrumenten als zuvor und auch bei der Aufnahmequalität ging es nochmal eine druckvollere Stufe nach oben.

Inhaltlich verteilen die PESTPOCKEN, wie sollte es andere sein, klare Ansagen. Kämpferisch, politisch, überdeutlich. Gerade bei so Streetpunk-Nummern wie “Another World Is Possible“ oder “A Struggle For The Whole“ wird klar, warum Vergleiche mit THE CASUALTIES absolut naheliegend sind. Der Opener “Wir stehen wieder auf“ oder “Treibsand“ pusten auch mächtig Schmalz aus den Ohren und der Refrain von “Wie ein Faustschlag“ ist ein ganz, ganz fieser Ohrwurm. Das Ding ist richtig gut geworden und ballert gewaltig! Steff

www.facebook.com/pestpocken

REIZ – DAS KIND WIRD EIN ERFOLG

REIZ – DAS KIND WIRD EIN ERFOLG
(Spastic Fantastic Records / Kink Records / Pifia Records)

Drei Jahre nach dem selbstbetitelten Debüt folgt die zweite Langspielplatte von REIZ, obwohl Langspielplatte bei 9 Songs fast ein bisschen dick aufgetragen ist… aber lassen wir mal durchgehen. Kurze Platten mit eher weniger als zu viel Songs sind ja heute modern – ganz im Gegensatz zum Sound von REIZ.

Der inoffizielle SHOCKS-Nachfolger musiziert natürlich auch in eine ähnliche Richtung, sonst wäre er ja auch kein inoffizieller SHOCKS-Nachfolger. Rock´n´Roll, Punk, Garage, Power-Pop, viel Geschrammel, keine Scheu vor uffta uffta, aber dabei immer spielfreudig und auch mal mit leicht verschnörkelten Gitarrenmelodien. Der gewollt minimalistische Charme wird natürlich auch durch die Produktion bewahrt, die sich davor hütet, aufgepumpt und sauber zu sein und darin liegt auch der Reiz von REIZ.

Textlich sind die Jungs mit einem guten Schuss Ironie allerdings nicht weniger reizvoll, jedoch ohne Textblatt definitiv eine Herausforderung, aber das muss und soll wohl so. REIZ sind alte Schule und trotzdem total erfrischend und REIZ haben ordentlich Pfeffer im Arsch. Die Platte macht Laune! Spike

www.facebook.com/reizdieband