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ERNTE 77 – NOCH EIN TIEFERER TIEFPUNKT

ERNTE 77 – NOCH EIN TIEFERER TIEFPUNKT
(Astroholz Records)

“Noch ein tieferer Tiefpunkt“ ist die zweite Langspielplatte des Kölner Trios um Kalle Mallorca, FC Baum und Kilian Schürrle. 17 neuen, durchgeknallten Songs gilt es zu lauschen und da ich die Vorgänger kenne, bin ich natürlich auf Musik und Texte einigermaßen vorbereitet.

Melodisch flotte punkig-poppige Songs, mit dem Hang zu musikalischen Experimenten, tanzen meistens gut gelaunt und ironisch aus den Boxen und tragen Titel wie “Eine Tracht Prügel“, “Der Lidl in Camden“, “Bonn muss Hauptstadt bleiben“ oder “Viertelfinale in Osnabrück“. Fast alle behandelten Themen werden mit dem Schalk im Nacken vorgetragen und kommen mit eingebauter Schmunzelgarantie. Satirepunk aus der Kölner-Punkrock-Schule.

Der Gesang ist schräg, aber war auch schon mal schräger, was mir eigentlich besser gefallen hat. Der Vergleich mit SUPERNICHTS bleibt aber stabil. Reicht dennoch in der Gesamtwertung nicht ganz an den Vorgänger heran. Macht aber auch nichts. Der Stempel der Unterhaltsamkeit bleibt den skurrilen Songs auf alle Fälle erhalten. Steff

www.rentemit77.de

DIE WUT – AM ABGRUND

DIE WUT – AM ABGRUND
(Eigenproduktion)

In den frühen 1980er Jahren gegründet und zwischendurch immer wieder auf Eis gelegt. Das ist DIE WUT. Seit einigen Jahren ist die Band aber wieder verstärkt aktiv und Gitarrist Leo hat sich auch durch die Veröffentlichung diverser „Pogoverdächtig und Kopfkrank“-Sampler in den letzten Jahren sehr engagiert in der Aufrechterhaltung des rustikalen 80er-Jahre-Deutschpunk gezeigt. Nachdem im Jahr 2016 bereits eine neue Scheibe das Licht der Welt erblickte, haben die alten Haudegen erneut zugeschlagen… auch wenn das Release schon ein paar Monate her ist.

Seit ihren ersten Aufnahmen vor fast 40 Jahren hat sich bei DIE WUT nichts geändert. Dies kann man nun als Mangel an Weiterentwicklung sehen, aber auch den „sich treu bleiben“-Faktor ins Spiel bringen. Denn hier wird Gerumpelt wie eh und je. Modernen Sound sucht man hier vergebens. Stattdessen wird der Sound des Kellers und des Dilettantismus zelebriert. Rohe Plakativität ist das, für was das DIE WUT steht. Als ob die Zeit stehen geblieben wäre. Räudiger Krach voller simpler Reime, die sich unstrukturiert gegen das gesellschaftliche Leid auskotzen. Wäre diese Scheibe 1983 herausgekommen, würde man sie heute wohl abkulten. Im Jahre 2018 wird sie von vielen jedoch sicherlich belächelt. Wahrscheinlich auch von denen, die diesen Schrott-Sound damals abgefeiert haben. Man hat sich ja schließlich weiterentwickelt. DIE WUT haben das nicht, scheren sich aber auch nicht drum.

Krachiger Deutschpunk mit starker politischer Attitüde, der was zu sagen hat, wenn auch in einfachen Worten. Rotzig und holprig wie eh und je, aber auch sympathisch und authentisch. Von den heutigen Hörgewohnheiten jedenfalls weit entfernt. Mirko

http://die-wut.de.to/

ARKHAM CIRCLE – EXIST TO EXIT

ARKHAM CIRCLE – EXIST TO EXIT
(Eigenproduktion)

Eine ganze schöne Weile haben ARKHAM CIRCLE herum gewerkelt an ihrem ersten Album. Auch einige Besetzungswechsel haben dazu wohl beigetragen. Aber nun liegt das Debüt-Album der Death Metal Band aus dem Raum Schwäbisch Gmünd vor und kann nicht nur durch das tolle Artwork bestechen.

Da ich ja nicht nur dem Punkrock fröhne und mir auch gerne mal derben Metal reinziehe, war ich auf dieses Album doch sehr gespannt. Auch deshalb, weil ich die Geschichten rund um die Produktion aus erster Hand mit verfolgen konnte. Und ich bin wirklich mehr als positiv überrascht von dem, was da aus den Boxen knallt. Natürlich wird das Rad hier nicht neu erfunden, soviel ist klar. Aber die Songs knallen rein, die Produktion ist wirklich gelungen und eine gewisse Eigenständigkeit kann man den Kopfschüttlern nicht absprechen. Insofern bekommt man hier alles geboten, was man als Freund des Genres erwartet. Einen grunzenden Gesang, fette Riffs und ziemlich treibende und abwechslungsreiche Songs. Textlich bewegt man sich im üblichen Themenbereich, wenig innovativ, wenig peinlich, passend zum Grundtenor und eigentlich auch gar nicht so wichtig für das Gesamtkonzept. Im Vordergrund steht eher die guturale Untermalung der deftigen musikalischen Kost. Und das passt alles auch ganz gut zusammen.

Moderner Death-Metal, der sich aber auch ganz deutlich Motiven der 80er- und 90er-Jahre bedient, gut nach vorne abgeht und sich nicht in Frickeleien verliert. Dazu wird gerne auch mal richtig gebolzt und damit dem Grind-Freund ein Leckerli geboten. Freunde derbster Kost werden um diese Scheibe kaum herum kommen. Mirko

www.facebook.com/ArkhamCircleOfficial

DONNER – TRESENGESCHICHTEN

DONNER – TRESENGESCHICHTEN
(Eigenproduktion)

Mit ihren sechs Tresengeschichten veröffentlichen DONNER aus Aschaffenburg ihre erste EP auf CD und zum Download. Seit knapp zwei Jahren ist die Band bereits aktiv, weshalb es wohl an der Zeit war, eine Aufnahme zu veröffentlichen.

Zu hören gibt es rauen, deutschsprachigen Punkrock, der auch mal den härteren Weg einschlägt. Alles schön roh und ungeschliffen aufgenommen und damit auch energiegeladen. Dennoch fehlt meiner Meinung nach ein wenig der Bums, der letzte Schliff und ein wenig Druck. Aber eben nur „ein wenig“. Fällt also nicht wirklich ins Gewicht. Was mir mehr auffällt ist, dass die Songs, mit Ausnahme des Titelsongs, nicht wirklich in meinen Gehörgängen haften bleibt. Dazu sind die Melodien nicht eingängig genug, aber auch nicht so außergewöhnlich, dass man von Innovativität sprechen könnte. Hört sich jetzt vielleicht aber negativer an als es gemeint ist. Denn ab und an wummst es schon ganz gut. Textlich gibt man sich keine Blöse, was das Ganze auch wieder aufwertet. Politisch, kritisch und ganz und gar unpeinlich, so dass man der Scheibe doch etwas abgewinnen kann.

Wilder, schnörkelloser Punkrock mit der richtigen Einstellung. Musikalisch und vom Songwriting her sicherlich noch mit Luft nach oben, aber die Band befindet sich auf einem guten Weg. Daher auch unterstützenswert. Mirko

www.facebook.com/donnerpunk

100 KILO HERZ –WEIT WEG VON ZU HAUSE

100 KILO HERZ –WEIT WEG VON ZU HAUSE
(Record Jet)

Die Band wurde mir schon mehrmals ans Herz gelegt und mit ihrem ersten Longplayer bekomme ich nun endlich auch mal die Gelegenheit, beide Ohren zu riskieren. Aktiv seit 2014, 2016 schon mal ne´ EP rausgehauen und 7 Menschen umfassend, von denen 3 neben den üblichen Instrumenten Blaswerkzeug bedienen.

Es ist aber kein Ska-Punk, sondern einfach Punk, manchmal auch Rock, mit Trompete und Saxophon. Die Melodien gehen ins Ohr und in die Beine, die Texte erzählen kleine Geschichten, verarbeiten mitunter aber auch selbst Erlebtes. Da ist viel Herz dabei und da wurde vieles einfach geradeaus heraus gesungen und anders als bei den meisten anderen Bands, reimt sich in den Texten wenig.

Die Band präsentiert sich auf diesem Album spielfreudig ohne Ende und auch an der aktuellen Live-Präsenz merkt man, dass die Jungs Böcke haben. Das Album packt mich zwar nicht komplett, aber ich glaub Live tropft es da ganz gut von der Decke. Ein bisschen wie zwischen FEINE SAHNE FISCHFILET und RANTANPLAN. Spike

https://100-kilo-herz.com

DIE LOKALMATADORE – ARME ARMEE

DIE LOKALMATADORE – ARME ARMEE
(Teenage Rebel Records)

Vorweihnachtszeit. Kein „Last Christmas“ von WHAM!, sondern obzön-provokantes Liedgut aus den früheren Neunzigern. Teenage Rebel Records legen die zweite Platte der LOKALMATADORE neu auf. Neu gemastert, leicht verändertes Artwork, Extraausstattung, 180 Gramm Vinyl. Wer also die originale Scheibe von 1992 nicht mehr ergattern konnte, bekommt jetzt hiermit eine neue Chance auf Ruhrpott-Asi-Rock´n´Roll.

Würde ich mit den Songs nicht einen Teil meiner Jugend verbinden, würde ich sagen: „Freunde, die Platte hat auch seine grenzwertigen Momente!“ Aber ich bin natürlich etwas vorbelastet. Und außerdem ist hier überall ganz viel Augenzwinkerei dabei. 15 Songs zwischen Trinkhalle und Bordell, mit Bierfahne und mit viel Sex inner Birne, aber auch mit viel Herz. Von Punk bis Rock, von Schlager bis Oi! – alles dabei!

Lieder über den kleinen Mann und wie arm er dran ist und das er von den großen da oben unterdrückt wird, gibt es viele. Hier gibbet es vielmehr Lieder über die Art von kleinem Mann, die den ganzen Tag mit den Kumpels am Kiosk rumhängt und die kuriosesten Geschichten austauscht. Kannste lieben, kannste scheiße finden, ist aber Kult. Spike

www.lokalmatadore.com