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RUYNOR – CITIES TO RUIN

RUYNOR – CITIES TO RUIN
(Unholy Fire Records)

RUYNOR sind drei zottelige Freaks aus dem beschaulichen Donzdorf, welches vielleicht der/dem ein oder anderen als Heimstatt des global agierenden Metal-Imperiums Nuclear Blast bekannt sein dürfte. Ob dies das traditionelle, (im positiven Sinne) schäbige Trash-Metal-Outfit des Trios beeinflusst haben mag, ist aber nur Spekulation. Die Musik die man hier zu hören bekommt, ist auf den ersten Blick zwar nicht das, was man von der Optik der Protagonisten zu erwarten glaubt. Aber man soll ja ein Buch nicht nach dem Umschlag beurteilen und am Ende passt das alles doch irgendwie ausgezeichnet zusammen.

Seit 2013 ist die Band aktiv und hat bereits eine EP und ein Album veröffentlicht. Allerdings spielen die Burschen erst seit 2016, also nach der Veröffentlichung dieser Aufnahmen, auch live. Nun also ist der zweite Longplayer erschienen und dieser bietet, entgegen den bereits angesprochenen Vermutungen, simplen aber deftigen Punk mit derber Rock‘n‘Roll-Note und einer assigen Überheblichkeit, wie man es von einer richtigen Rockband auch haben will. Glücklicher Weise besitzt man aber auch die nötige Selbstironie, die das alles zu einem großen Spaß macht. Ich sag nur Shoo-bee-doo-bop, shoo-wop, shoo-wop! Die Selbsteinschätzung, die vorgibt, eine Mischung aus RAMONES und MOTÖRHEAD zu sein, trifft dabei voll ins Schwarze. Musikalisch geht es eher ruppig und ziemlich rustikal zu Sache, wobei man sich beim ein oder anderen lyrischen Erguss, welcher gut und gerne als plakativ einzustufen ist, das Grinsen nicht verkneifen kann. Leider ist die Scheibe relativ kurz und wird durch das fast achtminütige, recht gelungene MOTÖRHEAD-Cover „1916“ auf eine knappe halbe Stunde gestreckt. Nun ja. Eigentlich geht der Song dann aber doch nur dreieinhalb Minuten, wird aber von zwei versteckten Bonus-Liedern („I ain‘t a nice guy“ ebenfalls von MOTÖRHEAD, und David Bowies „Rebel, Rebel“) auf diese Spielzeit gestreckt.

Deftiger Asi-Punk-Metal-Rock, der sich selbst nicht zu ernst nimmt und auch als eine Art Hommage, sowohl an den dreckigen Gossen-Rock vergangener Tage als auch an die Helden des Rock‘n’Roll, gesehen werden kann. Macht auf jeden Fall Spaß und der zur CD mitgelieferte Pappaufsteller ist sowieso das ultimative Band-Fun-Gimmick! Mirko

www.facebook.com/ruynor

CHOKE ON ME – BRAIN FREEZE

CHOKE ON ME – BRAIN FREEZE
(Eigenproduktion)

Mit dieser gut 14-minütigen CD gelangt die Band aus Wien, die seit 2013 besteht, zum ersten Mal in mein Bewusstsein. Alles selbst gemacht haben die drei Herren und die Dame, die hier zusammen musizieren.

Zu hören gibt es relativ simplen aber sympathischen Punkrock, der herrlich unperfekt daherkommt. Bis auf einen Song sind alle Texte in englischer Sprache gehalten und beim Gesang wechseln sich weibliche und männliche Stimme ab. Wobei mir die weiblichen Parts um einiges besser reinlaufen. Nicht nur weil die Stimme sehr angenehm ins Ohr geht, sondern zusätzlich auch noch tonsicher ist, was man vom maskulinen Gegenpart nicht immer behaupten kann. Musikalisch schwankt man zwischen rustikalem und poppigen Punkrock, der nette Melodien bereithält und sich als sehr eingängig herausstellt. Die textliche Bandbreite ist groß und beschäftigt sich dabei mit persönlichem, emotionalem, leicht melancholisch angehauchtem aber auch politischem. Abwechslung wird also nicht nur musikalisch, sondern auch inhaltlich geboten.

Herausgekommen ist eine Scheibe, bei der sich die Band nicht darauf versteift, ausgeklügelte Riffs oder eine anspruchsvolle Performance abzuliefern, sondern trotz handwerklicher Mängel das umsetzt, was in ihren Möglichkeiten steckt. Und genau diese Unbeschwertheit macht die Scheibe auch so sympathisch. Mirko

www.chokeonme.com

SAVANTS – ZUM GLÜCK ZU FAUL

SAVANTS – ZUM GLÜCK ZU FAUL
(Hulk Räckorz)

In Sachen Deutschpunk ist Fratz sein Label Hulk Räckorz nicht mehr wegzudenken. Wenn ich an so alte Geschichten wie diverse VÖ´s von TOXIC WALLS oder SWOONS zurückdenke, verirre ich mich sofort in nie vergessene nostalgische Zeiten. Und dann sind da natürlich auch noch die von mir sehr geschätzten LOST LYRICS oder, na klar, das Aushängeschild WIZO. Und zwischen bekannten und unbekannteren Bands finden sich irgendwo auch SAVANTS wieder, die mit “Zum Glück zu faul“ ihr mittlerweile viertes Album abliefern.

Der Albumtitel mag einige Kenner_Innen aufgrund der vorherigen englischen Albumtitel vielleicht etwas verwundern und wer jetzt die Verwandlung in eine Punkrockband mit deutschen Texten vermutet, irrt nicht, denn es gibt nur eine englischsprachige Ausnahme. Somit haben die Songs schon mal ne´ ganz andere Ausstrahlung und aufgrund der stimmlichen Ähnlichkeit zu Axel Kurth, legen bereits die ersten Minuten Vergleiche mit WIZO offen. Melodisch, dadurch eingängig, ein Spagat zwischen Punk und Pop, dazu spaßig/ironische Texte. Nach Faulheit klingt das jedenfalls alles nicht, denn hier hat man handwerklich bzw. auf dem jeweiligen Instrument nämlich Einiges zu bieten.

SAVANTS könnten es mit diesem Album schaffen, den einst peinlichen Begriff “Fun-Punk“ wieder positiv zu besetzen – auch wenn die Sparte “Fun-Punk“ nicht zu 100% zutreffend ist. Macht auf alle Fälle Laune und mit 18 Songs liegt man auch weit über dem Durchschnitt der sonstigen, mittlerweile üblichen 10-11 Songs Longplayer. Kriegste als CD im Digipack, als MP3-Album oder als LP im grünen Vinyl. Steff

http://the-savants.de

ZYSTEM – S/T

ZYSTEM – S/T
(Eigenproduktion)

Eigentlich ist diese Demo-CD ja schon ein bisschen älter, mir aber erst jetzt in die Hände gefallen, weshalb ich sie dennoch kurz vorstellen will. Auch wenn mir Amir, einer der beiden Brüder, die hier die Gitarren bedienen, sagt, dass man selbst mit diesem Demo unzufrieden sei, finde ich die Aufnahmen doch recht gelungen und es ist allemal wert, diese auch hier vorzustellen.

ZYSTEM stammen aus (Str)Esslingen und sind aus den Trümmern der Band „Kotze am Boden der Gesellschaft“ hervorgegangen. Die vorliegende, selbstgemachte CD stammt aus dem Jahr 2016 und beinhaltet elf Mal politischen Deutschpunk und als Bonus das Cover von MONO FÜR ALLEs „Langeweiliges Leben“. Stumpfen Pogopunk sollte man hier nicht erwarten, sondern teils nachdenklichen, teils kämpferischen Punkrock, der gut ins Ohr geht. Die intelligenten und dennoch direkten, wenig verkopften Texte sprechen mir dabei aus der Seele. Von der Geschwindigkeit her bewegt sich die Band dabei eher im Midtempo-Bereich, was dem Gesamtbild aber eher förderlich ist und den aussagekräftigen Lyrics mehr Intensität verleiht, als wenn man hier auf die Ufta-ufta-Schiene setzen würde. Überhaupt sind die Songs recht gut durchdacht und arrangiert, so dass sich musikalische Qualität und lyrische Kompetenz auf ansprechendem Niveau befinden. Als einziges, kleines Manko könnte man vielleicht den etwas unsicheren Gesang anführen, der zwar recht ausdrucksstark daher kommt, sicherlich aber noch ausbaufähig ist. Es gibt also ziemlich wenig zu meckern.

So richtig nachvollziehen kann ich also nicht, warum die Band mit dieser CD nicht wirklich zufrieden ist. Gute Mucke, gute Texte, guter Sound und auch von der Umsetzung her um Weiten besser, als das was andere Bands so raus hauen. Da kann man nur gespannt sein auf das hoffentlich bald fertig eingespielte, erste offizielle Album von ZYSTEM. Mirko

www.zystem.bandcamp.com

WEEKLY CAROUSE – S/T

WEEKLY CAROUSE – S/T
(Eigenproduktion)

Ich bekomme beim abgespacten Intro direkt mal einen kleinen Schreck, denn WEEKLY CAROUSE hatte ich ganz anderes in Erinnerung. Aber während ich mich noch wundere, ist das Intro auch schon vorbei und es geht direkt in den ersten “richtigen“ Song. Also musikalisch gemeint, denn das Instrumentalstück „Ascher, Fenster, Halleluja“ ist eigentlich das wahre Intro und ab geht’s.

Die nächsten beiden Songs „White Men Suck“ und „Lieber Popsongs“ sind bezeichnend für das neue Album des Punk-Quartetts aus Voerde. Hardcore-Knüppel trifft auf melodischen Deutschpunk mit einem Hauch Pop ala´ TERRORGRUPPE. Deutsche und englische Texte im häufigen Wechsel. Alles absolut vielseitig. Teilweise hat man dadurch nicht selten das Gefühl einen Sampler zu hören, so unterschiedlich weiß sich das Songmaterial zu präsentieren.

Selbst der gute BOB DYLAN wird mit einer Punkversion von „Don’t Think Twice“ gewürdigt. Die Texte sind bis auf wenige Ausnahmen kritisch, werden jedoch nicht gepredigt, sondern meistens leicht schelmisch vorgetragen. Insgesamt weniger der California-Style vom letzten Album, dafür mehr Deutschpunk mit einer gesunden Portion Hardcore, ja einfach mehr Rotz. Sehr anhörliches Album der Band. Eigenregie, farbiges Vinyl, auf 330 Exemplare limitiert. Spike

www.facebook.com/WeeklyCarouseOfficialPage

KRATZREIZ – ORKS VS. PUNKROCK

KRATZREIZ – ORKS VS. PUNKROCK
(Eigenproduktion)

Gut zwei Jahre nach ihrer ersten CD bringt die Band, deren Bandname ich ja beim letzten Mal schon kommentiert habe, nun das zweite Werk an den Start. Wieder im Pappschuber und wieder mit einer Spielzeit von mehr als 50 Minuten. Viel Musik für wenig Geld also.

Eine große musikalische Weiterentwicklung ist beim neuen Output allerdings nicht zu beobachten. Wie gehabt gibt es poppigen Deutschpunk auf die Ohren, der neben kritischen (aber immer mit einem Augenzwinkern versehenen), auch lustig gemeinte Lieder zu bieten hat. Hält sich so ziemlich die Waage, wie ich finde. Die Songs haben viel Melodie und sind auch recht eingängig. Leider ist die Aufnahme ein bisschen glatt ausgefallen. Da hätte man doch etwas rustikaler und roher zu Werke gehen können. Das Pogobein lässt sich dennoch ganz gut zu den Songs schwingen. Wie schon beim Vorgänger hätten die Texte ebenfalls ein bisschen deftiger und weniger brav ausfallen können. Nichts desto trotz finde ich die Scheibe aber sehr sympathisch und man merkt, dass die drei Thüringer mit viel Enthusiasmus an die Sache gehen.

Alles in allem eine nette D-Punk-Scheibe, die wohl eher das jüngere Publikum ansprechen dürfte. Auch wenn manches etwas glatt und eher harmlos anmutet, gehen die Songs gut ins Ohr und auch die Aussagen der kritischeren Lieder gehen vollkommen in Ordnung. Allzu tiefgründiges oder kämpferisches sollte man aber nicht erwarten, denn hier steht doch eher  Spaß und Unterhaltung im Vordergrund – und das ist manchmal aber ja auch ganz OK. Mirko

www.kratzreiz.de