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HARRY GUMP – VON MAUERN, TÜRMEN, BRÜCKEN UND WEGEN

HARRY GUMP – VON MAUERN, TÜRMEN, BRÜCKEN UND WEGEN
(True Trash Records, 30 Kilo Fieber Records, Never Grow Up)

War die letzte Veröffentlichung des sympathischen Liedermachers noch eine Compilation aus diversen EPs, gibt es knapp ein Jahr später neues Material in Form von 12 Stücken, die auf diese CD gepresst wurden.

Bewaffnet mit einer Akustik-Gitarre und der Unterstützung von diversen Gastsänger*innen schrubbt sich HARRY GUMP durch die simpel gestrickten 4-Akkord-Songs, die durchweg gut ins Ohr gehen. Dabei geht er durchaus mit Leidenschaft zu Werke. Gut, die Melodien und Akkordfolgen sind wahrlich nichts Neues, sondern eher wohlvertraut, laden aber dennoch zum Mitschunkeln ein. So simpel wie die Musik gestaltet sich die Aufmachung der CD. Im Gegensatz zu seiner Compilation, die zusammen mit einem fetten Buch erschien, wirkt das schon ein bisschen lieblos. Dadurch stehen aber die Songs im Vordergrund. Textlich gesehen ist der Anspruch ein wenig höher gelegt. Persönliches, kritisches und politisches gehen Hand in Hand. Auf Parolen wird verzichtet, aber auch nichts verkompliziert, sondern klar und unmissverständlich ausformuliert, ohne allzu radikale Positionen zu vertreten.

Angenehmes Liedermaching aus München, das man sich zwischendurch schon mal geben kann. Auch wenn die Musik und die Melodien recht gewöhnlich sind, geht mir hier kein Lied auf die Eier. Mit 35 Minuten Spielzeit auch von der Länge her genau richtig, bevor es eventuell langweilig werden könnte. Mirko

https://linktr.ee/harrygump

FIGHTING CHANCE – THINGS THAT SET US FREE

FIGHTING CHANCE – THINGS THAT SET US FREE
(Horror Business Records)

Ein ziemlich fettes Brett blasen FIGHTING CHANCE aus Dortmund aus den Boxen. Fünf Jahre nach ihrem Debüt legt die Band mit diesem Longplayer nach. Und der hat sich wirklich gewaschen.

Mit ihrem fetten Hardcore/Metalcore bläst die Band ordentlich die Gehörgänge durch und lässt kein Stein auf dem anderen. Aber hier wird nicht nur gebolzt, sondern es finden sich immer auch wieder auflockernde Elemente wieder. Nicht nur was das Tempo betrifft, sondern auch der eigentlich ziemlich fiese Brüll-Gesang wagt den ein oder anderen Ausflug in verschiedene Melodielinien, die mit klarer Stimme vorgetragen werden. Nicht mehr ganz so häufig wie ich es gewohnt war, aber verzichtet wird darauf glücklicher Weise nicht. Auch bei den mehrstimmigen Einsätzen kommt dies ganz gut zur Geltung. Leider verstehe ich so gut wie nichts von den Texten und ein Textblatt liegt der Promo-CD auch nicht bei. Schade. Dafür sticht die Band gerade durch das Nutzen der verschiedenen Gesangsstile und auch diverser Elemente aus verschiedenen Metalspielarten aus der breiten Masse hervor.

Wer es gerne etwas härter mag, ist bei FIGHTING CHANCE sicherlich gut aufgehoben. Zehn brachiale Stücke mit Groove, deftigen Rhythmen und derbem Gesang. Hier schlägt das Hardcore-Herz höher. Brutaler als das Debüt, aber immer noch mit einer gewissen Abwechslung versehen, auch wenn die brutalen Parts zu Lasten der Punkaffinen Versatzstücke mehr in den Vordergrund rücken. Mirko

www.facebook.com/fightingchanceofficial

DIAMOND DOGS – S/T

DIAMOND DOGS – S/T
(Rebellion Records)

Da leider keinerlei Infos zu dieser Band und dieser EP vorliegen, hat es doch bestimmt 5 Minuten gedauert, bis ich etwas über dieses niederländische Quartett gefunden habe. Schließlich trägt nicht nur eine legendäre LP von David Bowie diesen Namen, sondern es gibt/gab sowohl eine schwedische als auch eine Schweizer Band, die sich so nennt. Nun gut…

Da ich auf die Schnelle keine digitale Version gefunden habe und auch kein Download Code dieser Debüt-EP beiliegt, musste ich das Teil dann doch auf den Plattenteller werfen. Präsentiert bekommt man vier Mal recht langsamen, schleppenden Oi-Punk mit derbem Gesang und leichtem Rock-Einschlag. Vor allem was die Gitarren betrifft. Die Songs handeln von Hass und Gewalt, ohne inhaltlich irgendwie aussagekräftig zu sein. Die Liedtitel „Raw Vision“, „The Executioner“, „Ship of Fools“ und „Fortress of Hate“ sprechen für sich. Meiner Meinung nach werden hier eher Gewaltphantasien ausgelebt, anstatt irgendwelche klassischen, ausgelutschten Oi-Punk-Themen nochmals durchzukauen. Der ungeschliffene, rohe Sound passt da ganz gut dazu, aber irgendwie ist mir das alles ein bisschen zu langsam. Dafür schön derb und very oldschool.

Anstatt auf Melodie und Mitgröl-Parts setzen die Niederländer auf destruktiven, rohen Mid-Tempo Oi der alten Schule. Ist ganz OK, mehr halt leider auch nicht. Aber hört selbst, hab die komplette EP nämlich doch noch gefunden :) Mirko

https://www.youtube.com/watch?v=UCKCf5ge4Fc

MEGATON – SPIELBALL

MEGATON – SPIELBALL
(Bakraufarfita Records)

Dass der Sänger der Ska-Kultband BUSTERS nebenbei noch ne´ andere Band am Laufen hat, erfahre ich erst mit diesem Album. Tja, man lernt nie aus. Hier ist dann auch vieles anders. Statt wie die BUSTERS mit 9 Personen, musizieren MEGATON als Trio, mit (zumindest auf dieser Platte) ausschließlich deutschen Texten und ohne Gebläse.

Unterm Strich steht ein Album zwischen Rock und Pop und auch ein wenig Punk. Eines was sich nicht aufdrängt, aber sich vielleicht auch genau deshalb nicht festsetzt. Zumindest nicht sofort und zumindest nicht bei mir. Ist mir dann vielleicht doch ne´ Spur zu nett und zu aufgeräumt

Der Nieten- und Iroträgerfraktion dürfte es ähnlich gehen. Aber an alle, die z.B. auf FARIN URLAUB´s Sologeschichten stehen oder auf MONTREAL oder auf JUPITER JONES: Gönnt euch, dass ist ne´ Platte für euch. Spike

www.facebook.com/megatonband

RUYNOR – HERE WE GO

RUYNOR – HERE WE GO
(SN-Rex)

Lange Haare, Jeanshosen, Lederjacken, dazu ein giftgrüner Classic-Metal Schriftzug. Eine Band ganz in der Tradition der RAMONES oder ganz in Tradition von POISON? Tatsächlich gibt’s bei RUYNOR mehrere Einflüsse, auch wenn Punkrock am deutlichsten durchdrückt – dieser aber total offen für Metal oder Hardrock ist.

Der erfreuliche an diesem Trio aus´m Ländle ist, dass die musikalische Mischung nicht neu ist, aber die Umsetzung wirklich herrlich locker und erfrischend. Dass liegt vielleicht auch daran, dass das Album nicht auf ultrahart macht, sondern auch genügend Fuck-You-Attitüde ausstrahlt und sich selbst nicht zu ernst nimmt.

Passt in seiner Gesamtheit einfach perfekt in diese Musikwelt, weshalb es mir ein Rätsel ist, warum die Band nach (dieses mitgezählt) drei abgelieferten Longplayern nicht bereits mehr durch die Decke gegangen ist. An ihren Songs kann es jedenaflls nicht liegen, wie die Anspieltipps “Still believe in Punk“, “Why don´t you believe in us?“ oder auch das angefügte “You are not invisible“ beweisen. Steff

www.facebook.com/RUYNOR

LOU & PETE KOLLER, HOWIE ABRAMS – BLUT UND SCHWEISS – SICK OF IT ALL: DIE GESCHICHTE DER KOLLER-BRÜDER

LOU & PETE KOLLER, HOWIE ABRAMS – BLUT UND SCHWEISS – SICK OF IT ALL: DIE GESCHICHTE DER KOLLER-BRÜDER
(I.P.-Verlag)

Wer kennt sie nicht, die Legende aus New York?! Hardcore Urgestein mit 35-jähriger Bandgeschichte. Aber irgendwie hat mich die Band noch nie interessiert. Ich weiß nicht warum, aber mir waren die immer völlig egal. Nun lag aber plötzlich dieses Buch vor mir. Und das hat mich dann doch dazu genötigt, mich ein wenig einzuarbeiten, mal ein paar Lieder anzuhören, diverse Videos und Liveauftritte anzuschauen. Andererseits konnte ich mich aber auch ganz unvoreingenommen an das Buch wagen.

Interessant ist auf jeden Fall die Form dieser Autobiographie. Hier wird keine Geschichte erzählt oder einem Ghostwriter eine tolle Storyline vorgegeben. Vielmehr handelt es sich um ein gut 260 Seiten langes Interview mit Lou & Pete Koller. Nebenbei kommen aber auch Weggefährten, die anderen Bandmitglieder und die Familien der Beiden zu Wort. Im Endeffekt ist es aber doch ein Rückblick der Koller-Brüder auf ihr Leben. Angefangen in der Kindheit, was teilweise einen ganz guten Einblick in die Lebenssituation im New York der 1960er bis 80er Jahre und speziell in Queens war. Mancher Anekdote hätte ein wenig mehr Kürze allerdings auch nicht geschadet. Danach gibt es einen stringenten Überblick über die Formierung und die Besetzungswechsel, die Aufnahmen zu ihren Alben, den Touren, immer größeren Konzerten, dem Vorwurf des Ausverkaufs & des Kommerzes uswusf. Im Prinzip beinhaltet das Buch alles, was man als Fan über die Band wissen muss. Als nicht-Fan aber auch. Denn das Buch ist auch eine ganz gute Sozialstudie, wie ich finde. Die Aussagen geben Einblicke in die Musik- und Festivalindustrie, die Schwierigkeiten, die eine HC- und Undergroundband hat, sich zu rechtfertigen auf großen Festivals zu spielen oder bei Major-Labels zu unterschreiben, ihren Spirit trotzdem transportieren zu wollen, sich nicht zu verkaufen und es dennoch irgendwie zu tun. Auch wenn die Kollers das ein oder andere Mal Selbstkritik aufblinken lassen, zeigt das Buch aber auch auf, dass die Boys ziemlich von sich überzeugt sind. Muss man aber wohl auch sein, um in diesem Business überleben zu können. Auf der anderen Seite geben sich die beiden aber ebenso bodenständig und geerdet.

Werde wohl auch weiterhin kein Fan der Band werden, aber das Buch hier fand ich schon recht lesenswert. Denn es stellt nicht nur einen ungeschönten Blick in die Band- und Lebensgeschichte der Kollers dar, sondern bietet auch einige amüsante Erlebnisse und Momente. Daneben finden aber auch immer wieder die kleinen Alltagsprobleme sowie das familiäre Leben Platz in dieser recht umfangreichen, 270 Seiten starken Selbstdarstellung. Mirko

www.sickofitall.com