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SYSTEMO – ZEHNE VERDAUEN

SYSTEMO – ZEHNE VERDAUEN
(Abbruch-Records)

10 Jahre haben SYSTEMO nun schon auf dem Buckel. Zum Jubiläum schenkt man sich und den Fans dieses Album. Lediglich drei neue Songs sind darauf zu finden, ansonsten gibt es Songs quer durch die Bandschichte, die entweder re-gemastert, neu eingespielt oder neu eingesungen wurden.

Wer die Band dennoch bisher nicht kannte, dem/der sei gesagt, dass sich das Trio seit nun mehr einem Jahrzehnt, wie es die Internetpräsenz auch vermuten lässt, dem gepflegten Partypunk hingibt. Manch eine(r) würde vielleicht auch Fun-Punk sagen. So befinden sich die politischen Beiträge (wie z.B. „Krieg dem Kriege“) in der Unterzahl. Stattdessen gibt es kurze Anekdoten direkt aus dem Leben, Spaßtexte und Gute-Laune-Hits. Dabei reichen die Texte von pubertär bis hin zu ‚ganz ansprechend‘. Peinlichkeiten wie in „Pornostar“ oder „Lesbe“, ist man dabei leider auch nicht abgeneigt. Das Niveau solcher Sexaulphantasien ist doch ganz weit unten anzusiedeln. Da dies alles aber auch zur Bandgeschichte gehört, bringt man dennoch den Mut auf, solchen Mist nochmals zu veröffentlichen, obwohl man auch einiges an weniger primitivem im Repertoire hat. Kommen wir zum musikalischen Teil. Eingängig sind die 3-Akkordlieder, die eine gute Aufnahmequalität aufweisen. Da kann man nicht meckern. Gut, wirklich besonderes kann man nicht heraushören, darf sich aber auf melodische Pogorhythmen freuen, wobei auch das ein oder andere etwas langsamere Stück mit dabei ist.

Die Scheibe gibt einen guten Überblick über das Schaffen der Band, auch wenn dies nicht immer von lyrischen oder musikalischen Highlights geprägt war. Trotzdem kann man die Scheibe ganz gut in einem Rutsch durchhören. Auf oben genannte Sex-Lieder hätte man aber gut und gerne verzichten können. Mirko

www.partypunk.de

GRANDMASTER JAY – WAS SOLL MAXIMAL SCHIEFGEHEN

GRANDMASTER JAY – WAS SOLL MAXIMAL SCHIEFGEHEN
(Eigenproduktion)

Da dem hier zu besprechenden Werk lediglich ein Papierfetzen mit den zwei Worten: „Review bitte“ beiliegt, das Cover keine Kontaktinformationen enthält und es offenbar auch keine Netzpräsenz von GRANDMASTER JAY gibt, kann hier leider nicht viel zum Hintergrund der Band, bei der es sich vermutlich um ein One-Man-Projekt handelt, gesagt werden. Lediglich das kurze Sprech-Stück „Telefongespräch“ lässt auf einen schwäbischen Barden schließen, der sich hier auf niedrig anzusiedelndem Niveau selbst verwirklicht. Die vorliegende CD-R im Vinyl Look ist jedenfalls auf 100 Stück limitiert und wird in einer DVD-Hülle ausgeliefert.

Musikalisch ist das, was uns der selbsternannte Großmeister bietet, grundsolider Oi-Punk mit eingängigen Melodien. Nichts besonders ausgefeilt, aber auch nicht schlecht. Ab und an wird das Ganze dann auch noch mit einem Kazoo und einer Orgel angereichert. Dazu ein roher, nicht immer ganz tonsicherer Gesang, der durch den ein oder anderen Chor Unterstützung erfährt. Vom Songwriting und der musikalischen Umsetzung her ist somit eigentlich alles in Ordnung. Was negativ ins Gewicht fällt sind die oftmals doch ziemlich stumpfen Texte, die sich gerne mal ums Saufen drehen, aber auch vor plattem Sexismus und Machismus nicht zurückschrecken. Soll sicherlich humorvoll sein, ist es aber leider nicht und ich sehe vor meinem inneren Auge die hohlen, zugesoffenen Vollpfosten, die sich darüber beömmeln und grölend in diese Peinlichkeiten mit einstimmen. Da schüttelt‘s mich doch glatt vor lauter Schreck. Nun gut, die Suffgeschichten kann man trotz des niedrigen Niveaus ganz gut ertragen, aber Songs wie „Zwischen deine Beine“ und „Passpartout“ sind doch ziemlich daneben.

Auch wenn sich die Mucke auf dieser Scheibe ganz gut verkaufen lässt, verärgern die primitiven Texte doch mehrheitlich. Der ein oder andere wird anmerken, dass das eben so ist im Oi!-Punk. Sex & Suff und Rock‘n‘Roll halt, den man nicht zu ernst nehmen sollte. Im Endeffekt ist das alles aber doch oftmals ziemlich blöde und pubertär. Mirko

STRASSENJUNGS – HITZ

STRASSENJUNGS – HITZ
(Tritt Records)

Ups, 40 (!) Jahre STRASSENJUNGS. Hatte die Band bereits Anfang der Neunziger aus den Augen verloren. Bis dahin immer so Licht und Schatten nach meinem Empfinden. Für die Punkszene oft zu rockig und für die Rockszene oft zu punkig. Klar, die provokante „Dauerlutscher“ von 1977 genießt unter den frühen Punkplatten absoluten Kultstatus, aber es war halt auch viel sexistischer Nonsens dabei.

Nun also, im vierzigsten Jahr Bandbestehen, ein neues Album der RockPunkBand aus Frankfurt. 14 Songs über TTIP, Facebook Junkies oder Gen-Mais und, wie schon damals, auch welche in typisch hessischer Mundart (Mir sin Hesse oder Was e Hitz). Die politisch oftmals aktuell aufgegriffenen Themen, versuchen die STRASSENJUNGS mit einer großen Prise Ironie anzugehen. Ganz ehrlich, hierzu braucht man als Hörer wirklich einen speziellen Humor. Mag sein, dass ich den früher mal hatte, aber heute ist er ein anderer.

Fun-Punk, der auch gerne mal Richtung Deutschrock Reißaus nimmt. Kann er gerne machen, denn dort findet er vielleicht die passendere Hörerschaft. Wenn schon STRASSENJUNGS, dann greif ich auf diverse Hits von früher zurück, denn hier passt das blöde Sprichwort ausnahmsweise wirklich mal, dass früher alles besser war. Ich werd´ mit „Hitz“ nicht warm. Spike

www.diestrassenjungs.de

iLL! – WENN ALLES ENDLICH WERTLOS IST

iLL! – WENN ALLES ENDLICH WERTLOS IST
(Righteous Fuck Records / Santa Diabla / Koloss Skateboards)

Neue Single (ihre zweite mittlerweile) von iLL! mit 12 Songs. 12 Songs? Single? Jo, zumindest das Format betreffend. 12 Songs auf ne´ 7Inch klatschen geht natürlich nur, wenn die Maxi-Versionen weggelassen werden, was iLL! auch getan haben. Lediglich 1/3 der Songs knackt die Minute, der Rest bleibt schön darunter.

Geht in so kurzer Zeit dann auch derbe zur Sache. Keine großen bzw. vielen Worte und keine Intro-Outro-Soli-Spielerein. Mucke, Text drauf geschrien, fertig, nächster Song, selbes Spiel. Die Texte sind frei von Klischees, aber Textblatt wird dringend benötigt, denn Mensch versteht kein Wort… na ja, vielleicht 1-2 Wortfetzen, aber mehr lässt das Gekreische nicht zu.

Da glüht die Nadel und da hecheln die Boxen vor lauter Erschöpfung. Das ist übelster Fastcore bzw. Fuck You Hardcore, mit dem die Band aus Münster ungebremst und in Lichtgeschwindigkeit über die Plattenteller prescht. Oder um es mit Handwerkerjargon auszudrücken: „Das ist ein Brett!“ Spike

www.facebook.com/illFastcore

EA80 – DEFINITIV: JA!

EA80 – DEFINITIV: JA!
(Major Label)

Sechs Jahre nach der „Definitiv: Nein!“ kommt mit „Definitiv: Ja!“ ein neues Studioalbum der Düsterpunkband aus Mönchengladbach. Leichte Verwechslungsfahr beim Frontcover nicht ausgeschlossen, aber in Verbindung mit dem Albumtitel wohl auch genauso gewollt.

Gewohnt anders und sich vom typischen Punkbandgedöns abgrenzend, ziehen EA80 ein weiteres Mal die Gardinen zu und lassen kaum Tageslicht zu. „Ramputage“, „Insektengott“ oder „Die Rückkehr des Kreises“. Schmerzerfüllt, nachdenklich, traurig, persönlich, dramatisch, ja einfach die Seele öffnend und alles an Melancholie regelrecht freilassend – genauso klingt das und genauso fühlt es sich an. Stimmig dazu ist das Artwork schlicht und einfach gehalten und natürlich alles andere als farbenfroh.

Wer EA80 erwartet, bekommt EA80 und zwar genau in der Art und Weise, die er an dieser Band liebt – oder eben hasst. EA80 sind nur „Definitiv: Ja!“ oder „Definitiv: Nein!“. Ein dazwischen, also ein „Definitiv: Jein“, scheint bei der nahezu einzigartigen, eigenwilligen und unverkennbaren Musikkunst unmöglich. Spike

www.ea80.net

INWIEFERN – IRGENDWAS IST IMMER

INWIEFERN – IRGENDWAS IST IMMER
(Bakraufarfita Records)

Hatten die fünf Straußberger ihr Debüt-Album im Jahre 2014 noch in Eigenregie herausgebracht, hat man nun mit Bakraufarfita ein Label gefunden, welches das zweite Album der Deutschpunker veröffentlicht. Und zwar nicht als schnöde CD, sondern als Vinylscheibe in farbigem Vinyl, der das komplette Album nochmals als digitales Medium beiliegt und auch noch einen Downloadcode bereithält. Es wird also geklotzt anstatt gekleckert.

INWIEFERN spielen modernen, schnörkellosen Deutschpunk, der in makelloser und druckvoller Soundqualität daher kommt und vom Grundton her eine positive Ausstrahlung besitzt. Dies schlägt sich auch in den Texten nieder, die meist persönlicher Natur sind, aber auch den ein oder anderen kritischen Ton beinhalten. Nichts Weltbewegendes, aber auch nichts, wovor man sich schämen müsste. Geht also absolut in Ordnung. Im musikalischen Bereich hat man sich in positivem Sinne weiterentwickelt und auch das Songwriting empfinde ich als abwechslungsreicher als beim Erstling. Die Lieder sind aber weiterhin eingängig, geradeaus und laden zum Mitsingen ein. Als kleines Manko empfinde ich den etwas schwankenden Hauptgesang, was aber durch die zahlreichen Chöre ganz gut kaschiert werden kann. Am auffälligsten ist dies bei der ansonsten wirklich gelungenen Coverversion von „Ich liebe dich für immer“ von CASANOVAS SCHWULE SEITE.

Auch wenn das Rad hier sicherlich nicht neu erfunden wird, legen INWIEFERN ein solides Deutschpunkalbum vor, das zwar keinem weh tut, dafür aber dadurch besticht, dass hier kein musikalischer Ausfall zu verzeichnen ist. Vielleicht könnte der Sound etwas roher und ungeschliffener sein, ist im Endeffekt aber auch nicht weiter tragisch. Mein Daumen geht jedenfalls schräg nach oben. Mirko

www.facebook.com/inwiefern