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TYPHOID ROSIE – QUEEN OF SWORDS

TYPHOID ROSIE – QUEEN OF SWORDS
(Eigenproduktion)

Gediegenen Punkrock bieten TYPHOID ROSIE auf ihrem dritten Album. Die Scheibe der New Yorker wurde in diversen Sessions in verschiedenen Heimstudios aufgenommen und von der Band komplett selbst produziert und veröffentlicht.

Leider kann ich die angekündigte Wut genauso wenig entdecken wie die Hardcore-Elemente, was ja aber nicht ins Gewicht fallen soll. Dafür gibt es poppigen Punk mit Melodie und Gefühl zu hören. Meist im Midtempobereich, ab und an auch etwas flotter. Dazu aufgeklärte, emanzipierte Texte. Auch hier kann ich nicht viel Wut erkennen, dafür aber klare Statements zur gesellschaftlichen Lage. Daneben aber auch persönliches und reflektiertes. Den Gesang der Frontfrau finde ich etwas gewöhnungsbedürftig, da nicht jeder Ton sitzt. Allerdings enthält der ein oder andere Track auch schöne Singalongs und eignet sich zum mit wippen.

Wirklich außergewöhnlich ist das Werk, beziehungsweise die Musik, jetzt nicht und erinnert an die ein oder andere Band des Genres wie zum Beispiel TILT, nur eben mit leicht angezogener Handbremse. Anhören kann man sich die Scheibe also schon ganz gut, aber wirklich herausstechend finde ich das Album jetzt nicht. Mirko

www.typhoidrosie.com

MÄNNI – NIETE

MÄNNI – NIETE
(Dackelton Records)

Von MÄNNI hab´ ich zwar schon gehört, aber ihn tatsächlich noch nie selbst gehört. Einerseits ganz schön schwach von mir, zumal „Niete“ mittlerweile schon der dritte MÄNNI Longplayer ist, anderseits kann ich auch nicht überall up-to-date sein. Zumindest weiß ich jetzt, was ich bis hierhin verpasst habe und auch das, was ich in Zukunft nicht mehr verpassen möchte.

MÄNNI ist wohl nur Live und in Videos eine Band, ansonsten ist MÄNNI ein Pseudonym, ein Soloprojekt und spielt im Studio alles alleine ein. Und das macht er richtig gut, egal ob an den Saiten, mit den Sticks oder mit seiner Stimme. Die Songs sind eingängig, erfrischend und stimmig und die Texte bestechen durch viel Wortwitz, aber auch durch politische Statements. Zehn fett produzierte Ohrwürmer zwischen Punk, Rock und Pop, die sofort da sind, mitreißen und in denen man sich auch das ein oder andere Mal gut selbst wiederfinden kann.

Sollten eure WIZO Platten aus irgendeinem Grund mal verloren oder kaputt gehen, kein Problem, MÄNNI kann das genauso gut. Bis auf die Sache mit der übertriebenen automatischen Tonhöhenkorrektur bei „Alles egal“, in Fachkreisen auch Auto-Tune genannt, ist „Niete“ ein richtig gutes Album. Als ganz besonders ansprechende Songs, würde ich gerne „Ich bin perfekt“ und „Dreck Müll Chaos“ hervorheben. Spike

https://mnni.de

THE 69 CATS – SEVEN YEAR ITCH

THE 69 CATS – SEVEN YEAR ITCH
(Cleopatra Records)

Gegründet von einigen etablierten Darkrock-, Garagerock- und Rockabilly-Musikern, gab es den letzten Output dieses Projektes vor sieben Jahren. Mit neuer Besetzung hat THE 69 CATS-Sänger Jyrki 69 das Projekt wiederbelebt. Nachdem es früher vornehmlich Coverversionen zu hören gab, sind auf dieser Scheibe größtenteils Eigenkompositionen, aber auch wieder ein paar nachgespielte Lieder zu hören.

Ziemlich souverän spielt das Quartett ihren Goth-a-billy herunter, bleibt dabei aber meist im gediegenen Tempo. Bluesiges trifft auf Düsteres aber auch Grooviges. Dabei sorgt die tiefe Stimme sowohl für wohlige Wärme, aber auch für eine unheimliche Atmosphäre, die in sich absolut stimmig ist. Während die Rhythmussektion eher im Hintergrund auftritt und für ein solides Grundgerüst sorgt, drängt sich die verspielte Rockgitarre ein ums andere Mal in den Vordergrund. Im Prinzip frickelt man aber auf den altbekannten 3-Akkord-Riffs herum, schafft es aber meist, dass alles nicht ganz so abgenudelt klingen zu lassen.

Auch wenn im Frühjahr erschienen, scheint mir doch der Herbst die richtige Jahreszeit für Grusel- & Dark-Rock dieser Art zu sein. Natürlich kommen auch die Rockabilly-Elemente nicht zu kurz und so liefern THE 69 CATS ein angenehmes, nicht zu aufdringliches Album ab, das sicherlich auf reges Interesse bei der einschlägigen Hörerschaft, aber auch darüber hinaus stoßen wird. Mirko

www.facebook.com/the69Cats

KALTFRONT – SPIEGEL

KALTFRONT – SPIEGEL
(Rundling Records)

Wenn KALTFRONT auf ihr Gründungsjahr zurückblicken, müssen sie ganze 35 Jahre zurück gehen. 1986 gegründet, 1990 aufgelöst, 2005 Reunion. Aber anstatt sich, wie so viele ältere Bands, nur auf dem alten Kram auszuruhen, liefern KALTFRONT immer wieder neues Material ab und begeistern damit nicht nur die alte Fanbase, sondern holen sich auch immer wieder neue Fans ins Boot.

Das die Dresdener wesentlich mehr Wert auf ihre Texte, als auf die Verpackung legen, habe ich mittlerweile bei jeder Review erwähnt und genau das fällt mir auch dieses Mal als erstes auf. Cover wie gewohnt nur schwarz/weiß und einzig und allein mit Bandschriftzug und Albumtitel versehen, fertig! Im Gegensatz zur Aufmachung aber dafür inhaltlich wesentlich umfangsreicher und tiefgehender.

Düsterpunk mit der, für das Genre üblichen melancholischen und pessimistischen Ausstrahlung. Songs wie „Zurück in dein Grab“, „L.W.E.K.“ (Langsam wird es kalt) oder „Tot besser dran“ sind jetzt nicht unbedingt typische Aufbaunummern und haben natürlich auch nicht das Potential für einen „Gute-Laune-Sommerhit“. Sie sind vielmehr die Untermalung für die kalte und dunkle Jahreszeit und fühlen sich im Plattenschrank neben Bands wie EA80 oder FLIEHENDE STÜRME am wohlsten. Spike

www.facebook.com/Kaltfront

TISCHLEREI LISCHITZKI – WIR AHNEN BÖSES

TISCHLEREI LISCHITZKI – WIR AHNEN BÖSES
(Elfenart Records)

Eine böse Vorahnung hat die TISCHLEREI LISCHITZKI und singt, wie gewohnt, auch auf ihrem fünften Longplayer Klartext. „Es brennt wieder in diesem Land, es wurde nichts gelernt, es wurde nichts erkannt“, der Refrain von „Feuer“ bringt die unveränderte Lage auf den Punkt und ist als Warnung, Mahnung und Erinnerung Thema dieser berührenden und beeindruckenden Platte.

Wolfgang Mirosch, geboren 1935 in Celle, ermordet 1943 in Ausschwitz mit nicht mal sieben Jahren. An ihn und andere Opfer wird in „Familiengedicht“ erinnert. Ebenfalls ermordet, Robert Heinrich Salau. Das Instrumentalstück „28463“ trägt seine Häftlingsnummer. Ein „Kein Vergeben, kein Vergessen“ geht diesem voraus und ist so, so wichtig. Das „28463“ in den Song „Blickdicht“ mündet, zeigt am Beispiel Asylpolitik, wie wenig aus der Geschichte gelernt wurde.

Was für ein antifaschistisches Konzeptalbum. Inhaltlich so wertvoll und fern von jeglichem Antifa-Partytourismus mit Konfettikanonen. „Wir ahnen böses“ bleibt hängen, textlich wie auch musikalisch in seiner ganzen Schwermut. In Gedenken an all die Opfer des Faschismus von gestern, heut´ und morgen. Gewidmet Esther Bejarano. Der Kampf geht weiter. Spike

www.tischlereilischitzki.de

RAKETE FEHLSTART – SCHMIDT

RAKETE FEHLSTART – SCHMIDT
(S.N. Rex.)

Vor ungefähr zwei Jahren hatte ich schon mal das Vergnügen mit der Demo-EP von RAKETE FEHLSTART, die damals von ihrem Label als „eigenständiger Deutschpunk mit seltsamen Texten“ beschrieben wurden. Um die Seltsamkeit der Texte noch besser beurteilen zu können, liegt dieses Mal sogar ein Textblatt bei, welches beim Vorgänger fehlte.

Die lyrischen Ergüsse der Stuttgarter haben diesen irren und wirren Touch, den u.a. Bands wie NOVOTNY TV früher zu Papier und ins Mikrophon brachten. Nur musikalisch sind sie halt nicht ganz so breit aufgestellt wie genannte Kollegen und weniger dem 90er Jahre Punk mit Spaßfaktor zugeneigt, sondern mehr dem Geschrammel und der Fuck-You-Attitüde und das alles mindestens ein Jahrzehnt früher. Hatte der Vorgänger noch deutlich zu viel Spielraum für Rock-A-Billy gelassen, regiert hier Punk der alten Schule.

Diesem passt sich auch die ganze Aufmachung an, lediglich der Downloadcode erinnert an die heutige Zeit. Ansonsten eine komplette Reise in die Vergangenheit und nichts, womit ihr euch bei euren Nachbarn beliebt machen könntet, eher im Gegenteil. Spike

www.facebook.com/raketefehlstart