NOSEBLEEDER – NO

NOSEBLEEDER – NO
(Eigenproduktion)

Die erste Scheibe des Kölner Trios ist mal wieder so eine Platte, bei der ich nicht so recht weiß, was ich schreiben soll. 10 Songs in 15 Minuten und damit laut Eigenaussage „Short Songs for busy punkrockers“.

Auf den ersten Blick könnte man meinen, hier werden ein paar Tracks herunter gebolzt. Dem ist aber nicht so. Stattdessen gibt es melodiösen, rockigen Punk zu hören, der seine Vorbilder, den melancholisch angehauchten Punk der 80er und 90er-Jahren nicht verheimlicht. Allerdings wirken viele Songs wie Fragmente mit ebenso abruptem Anfang wie Ende. Die Aufnahmen sind puristisch, bodenständig und ohne großen Schnickschnack und somit direkt auf den Punkt. Genauso eben, um die Songs angemessen zu präsentieren.

Nette, kurze Scheibe ohne wirkliche Höhepunkte. Eingängiger Punk, den man schon mal anhören kann, aber nicht unbedingt muss. Mirko

https://nosebleeder.net

THE SNACKS – FARBEN

THE SNACKS – FARBEN
(Eigenproduktion)

Sieben Jahre ist es her, dass das erste Album der Reutlinger Band erschienen ist. Nun kommt mit „Farben“ die zweite EP mit sechs neuen Liedern. Am Gesang gab es in der Zwischenzeit einen Wechsel, was sich deutlich auswirkt. Denn mittlerweile hält Sämmy, Schlagzeugerin von THANHEISER, das Mikro in der Hand und so verwöhnen uns THE SNACKS nun mit einer weiblichen anstatt einer männlichen Stimme.

Stilistisch hat sich zwar wenig verändert, aber nach dem eher durchwachsenen Album können THE SNACKS wieder mehr punkten. Die Songs sind flotter, besser produziert und ziemlich eingängig. Auch der Stimmwechsel wirkt sich meiner Ansicht nach positiv auf das Gesamtbild aus. Die Ska-Elemente wurden deutlich zurückgenommen und so gibt es straighten Pop-Punk mit viel Melodie zu hören. Auch textlich ist durchaus eine Entwicklung zu vernehmen, so dass die Aussagekraft der teils deutschsprachigen, teils englischen Lyrics gesteigert werden konnte. Die Aufnahme ist gut gelungen, druckvoll, aber nicht zu glatt, was sich ebenfalls positiv auswirkt.

War ich vom Album doch etwas enttäuscht, gefällt mir die neue Scheibe wieder um einiges besser. Ausfälle sind nicht zu verzeichnen und alle Songs laufen gut rein. Deshalb hoffe ich, dass zukünftig dieses Level gehalten werden kann. Offenbar liegt es der Band eher, kürzere Scheiben aufzunehmen. Mit „Farben“ hat sich das Quartett jedenfalls in allen Belangen gesteigert und sechs hörbare Songs rausgehauen, an denen es eigentlich nichts zu mäkeln gibt. Mirko

https://thesnackspunk.wordpress.com

COLOUR HAZE – WE ARE

COLOUR HAZE – WE ARE
(Elektrohasch)

Schon die Live-Doppel-CD aus dem Jahr 2016 konnte mich nicht wirklich vom Hocker reißen. Das neue Album der bereits seit 1994 bestehenden Band schließt sich nahtlos daran an und stellt mich auf eine Geduldsprobe.

Schleppender Stonerrock bei dem nicht wirklich viel passiert. Die Stücke ziehen sich wie Kaugummi. Ein Langweiler jagt den nächsten, so dass jeder Song gefühlte 20 Minuten vor sich hindümpelt. Gut, ich muss zugeben, dass die Band beim dritten Song ein wenig an Fahrt aufnimmt und wirklich so was wie anständigen Rock hin bekommt und auch im Folgestück nach anfänglichem Dahingesieche doch noch die Kurve zu annehmbaren Hippie-Rock kriegt. Das soll‘s dann aber auch schon gewesen sein mit der Herrlichkeit.

Sedative Musik, bei der ich doch stark mit der Müdigkeit kämpfen muss. Der mittlerweile dreizehnte Longplayer taugt bei mir daher, wie schon das Livealbum, lediglich als Einschlafhilfe. Mirko

www.colourhaze.de

HECKSPOILER – SYNTHETIK ATHLETIK

HECKSPOILER – SYNTHETIK ATHLETIK
(Noise Appeal Records)

Punk aus Österreich, da hat man als erstes immer die Namen TURBOBIER oder MISSSTAND parat. Aber unser Nachbarland hat natürlich noch weitere Kapellen zu bieten. Ebenfalls aus der Alpenrepublik kommen auch HECKSPOILER, fahren aber musikalisch eine andere Schiene und nennen sie selbst „Streetrock / Actionpunk“.

Viel Action und massig Energie kann man ihnen auch ziemlich schnell bescheinigen, denn die Songs krachen ordentlich und paaren sich mit mehreren Genres. Crossover, Stonerrock, Metal, Hardcore, Punkrock, ein lauter Mix, ein heftiger Mix, manchmal fast schon zu viel Durcheinander. Der Stilmix ist aber nicht das einzige Besondere an dieser Band, denn das, was hier fabriziert wird, fabriziert man ausschließlich mit Bass und Schlagzeug. Und mit Gesang natürlich, und selbst dieser fällt aus dem gewohnten Rahmen, denn das Tiroler Duo trägt die Songs mit Dialekt vor. Somit ist zwar nicht alles verständlich, aber man kann sowohl politische Statements wie auch viel Zynismus und Ironie heraushören. Untypisch auf vielen Ebenen also.

Dadurch definitiv nicht uninteressant, aber auch schon mal etwas anstrengend. Für Dauerschleife zu heftig, aber gelegentlich passt das. Ist auf alle Fälle ein Brett und für alle Musikredakteure, die so oft schreiben, dass das Rad nicht erfunden werden kann, der Beweis, dass es doch noch anders geht als üblich. Spike

www.facebook.com/heckspoiler

ZVO55 – III

ZVO55 – III
(Krankenduft Musik)

ZVO55 ist ein Soloprojekt von Peter Lorre, den einige von euch vielleicht von Bands wie STAATSPUNKROTT oder DIE BLUMENTOPFERDE kennen, dass er mit zwei Mitmusikern scheinbar in aller Ruhe und ohne irgendwelchen Druck pflegt. Den Eindruck vermittelt jedenfalls die Tatsache, dass zwischen Debüt und dem Nachfolger, also III, satte sieben Jahre liegen.

Die Songs setzen viel auf Inhalt und der Songwriter bietet viele persönliche Einblicke. In einigen werden sich viele sicherlich auch gut wiederfinden können, denn die Reise ist zwar oft nachdenklich, steckt aber den Kopf nie in den Sand, macht sich vieles bewusst und strahlt trotz diverser Erkenntnisse immer wieder ganz viel Hoffnung aus. Gefällt mir, wenn Musiker sich und alles um sich herum auch mal selbst reflektieren und diese Eindrücke in Songs verpacken.

Musikalisch parken ZVO55 mit III irgendwo zwischen Indie, Punk und Pop. Da sind sie recht flexibel und haben es drauf, dem jeweiligen Inhalt noch die richtige musikalische Stimmung zu verleihen. Geht ungefähr in Richtung BLENDEN, falls ihr auf Vergleiche steht. Schönes Ding. Spike

www.zvo.de

LION‘S LAW – THE PAIN, THE BLOOD AND THE SWORD

LION‘S LAW – THE PAIN, THE BLOOD AND THE SWORD
(HFNW Crew & andere)

Bei dieser Veröffentlichung handelt es sich um eine wirklich internationale Veröffentlichung. Die mittlerweile nicht mehr ganz unbekannte, und bei einigen sicherlich allergische Reaktionen hervorrufende Band stammt aus Frankreich. Die insgesamt 10(!) Labels, die sich daran beteiligt haben, decken den Raum von Brasilien über die USA, Spanien, Portugal, England und Deutschland bis Malaysia ab. Eine ausreichende Reichweite hat man also

Zu hören gibt es eine Mischung aus klassischem, auch mal melodiösem Punkrock, Oi und ein wenig Hardcore. Diese spaltet sich dann folgendermaßen auf: Die Songstrukturen gehen klar in Richtung Oi! und Streetpunk, die Gitarren steuern einige Punkrock-typische Melodien bei, während der rohe, brachiale Gesang die nötige Härte und einen leichten Hardcoretouch mit einbringen. Zusammen ergibt das eine gesunde Mischung, die ganz gut bläst und dennoch Eingängigkeit an den Tag legt. Das Cover der Veröffentlichung mag jedoch stilistisch nicht so recht zu dem passen, was die Band dann aus dem Hut zaubert. Und das kann sich schon hören lassen. Leider liegen keine Texte bei, und alles, was da so geshoutet wird, ist leider nicht immer heraus zu hören. Hinzu kommt, dass der ein oder andere Text in französischer Sprache verfasst wurde, und dem bin ich leider nicht mächtig.

Wer eingängigen, deftigen Oi-Punk der härteren Art mag, der das Gaspedal auch mal ein wenig schleifen lässt, ist mit dieser Scheibe sicherlich gut bedient. Dass die Band, die laut eigener Aussage einen klar antirassistischen Standpunkt vertritt, dann aber doch immer wieder ins Zwielicht gerät, da man sich auch gerne mal von STOMPER 98 featuren lässt, stößt mir allerdings schon übel auf. Da steht dann halt doch auch mal die unkritische und daher auch kritisch zu betrachtende Oi!-Attitüde im Vordergrund. Mirko

www.lionslawparis.com