LOU & PETE KOLLER, HOWIE ABRAMS – BLUT UND SCHWEISS – SICK OF IT ALL: DIE GESCHICHTE DER KOLLER-BRÜDER

LOU & PETE KOLLER, HOWIE ABRAMS – BLUT UND SCHWEISS – SICK OF IT ALL: DIE GESCHICHTE DER KOLLER-BRÜDER
(I.P.-Verlag)

Wer kennt sie nicht, die Legende aus New York?! Hardcore Urgestein mit 35-jähriger Bandgeschichte. Aber irgendwie hat mich die Band noch nie interessiert. Ich weiß nicht warum, aber mir waren die immer völlig egal. Nun lag aber plötzlich dieses Buch vor mir. Und das hat mich dann doch dazu genötigt, mich ein wenig einzuarbeiten, mal ein paar Lieder anzuhören, diverse Videos und Liveauftritte anzuschauen. Andererseits konnte ich mich aber auch ganz unvoreingenommen an das Buch wagen.

Interessant ist auf jeden Fall die Form dieser Autobiographie. Hier wird keine Geschichte erzählt oder einem Ghostwriter eine tolle Storyline vorgegeben. Vielmehr handelt es sich um ein gut 260 Seiten langes Interview mit Lou & Pete Koller. Nebenbei kommen aber auch Weggefährten, die anderen Bandmitglieder und die Familien der Beiden zu Wort. Im Endeffekt ist es aber doch ein Rückblick der Koller-Brüder auf ihr Leben. Angefangen in der Kindheit, was teilweise einen ganz guten Einblick in die Lebenssituation im New York der 1960er bis 80er Jahre und speziell in Queens war. Mancher Anekdote hätte ein wenig mehr Kürze allerdings auch nicht geschadet. Danach gibt es einen stringenten Überblick über die Formierung und die Besetzungswechsel, die Aufnahmen zu ihren Alben, den Touren, immer größeren Konzerten, dem Vorwurf des Ausverkaufs & des Kommerzes uswusf. Im Prinzip beinhaltet das Buch alles, was man als Fan über die Band wissen muss. Als nicht-Fan aber auch. Denn das Buch ist auch eine ganz gute Sozialstudie, wie ich finde. Die Aussagen geben Einblicke in die Musik- und Festivalindustrie, die Schwierigkeiten, die eine HC- und Undergroundband hat, sich zu rechtfertigen auf großen Festivals zu spielen oder bei Major-Labels zu unterschreiben, ihren Spirit trotzdem transportieren zu wollen, sich nicht zu verkaufen und es dennoch irgendwie zu tun. Auch wenn die Kollers das ein oder andere Mal Selbstkritik aufblinken lassen, zeigt das Buch aber auch auf, dass die Boys ziemlich von sich überzeugt sind. Muss man aber wohl auch sein, um in diesem Business überleben zu können. Auf der anderen Seite geben sich die beiden aber ebenso bodenständig und geerdet.

Werde wohl auch weiterhin kein Fan der Band werden, aber das Buch hier fand ich schon recht lesenswert. Denn es stellt nicht nur einen ungeschönten Blick in die Band- und Lebensgeschichte der Kollers dar, sondern bietet auch einige amüsante Erlebnisse und Momente. Daneben finden aber auch immer wieder die kleinen Alltagsprobleme sowie das familiäre Leben Platz in dieser recht umfangreichen, 270 Seiten starken Selbstdarstellung. Mirko

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