JOHNNIE ROOK


Es ist wahrlich nicht immer einfach, aus der Masse an Punkrockbands heraus zu stechen. Manche machen das über das Outfit, andere über provokante Vocals und wieder andere über die Bühnenshow. Da wird sich auch schon mal nackig ausgezogen um Aufmerksamkeit zu erregen oder um in Erinnerung zu bleiben. Entertainment kann viele Gesichter haben, aber das Beste davon ist immer noch, mit Musik zu punkten. Und genau jetzt fällt die Überleitung zu JOHNNIE ROOK auch nicht mehr schwer, denn genau darin liegt ihre Stärke. Eingängige Songs, schöne Melodien, Frauengesang und obendrein auch noch ein sympathischer, lustiger und trinkfester Haufen. Da sie ein neues Album in den Startlöchern haben, was ab dem 01. Februar auch endlich für die Öffentlichkeit freigegeben wird, erschien der Anlass mehr als passend, Sängerin und Texterin Franziska sowie Gitarrist, Komponist und Bandgründer Micha mit ein paar Fragen zu löchern.

Ugly Punk: Wollen wir eingangs doch erstmal kurz das Geheimnis des Bandnamens lüften. Warum stand bei der Namensgebung ein Greifvogel Pate?
Franziska:
Weil wir Punkrock machen, da passt ein aggressiver Vogel, der sich durchboxen muss sehr gut zu.
Micha:
Der Vogel is einfach der Knaller. Frech, rebellisch und verdammt gut aussehend. Genauso wie wir, hehehe.

Ugly Punk: Spatzenterror, Randale-Raben oder Bullentaube wären doch auch super Alternativen gewesen, oder etwa nicht?
Micha:
Sind wir doch mal ehrlich, JOHNNIE ROOK klingt einfach viel besser als deine plakativen Vorschläge. Aber ich bin es ja nicht anders von dir gewohnt, lieber Steff. Übrigens hatte Franziska die Idee zu dem Namen, nachdem sie im ZDF eine Reportage über diesen wunderschönen Greif-Vogel gesehen hat.

Ugly Punk: Man munkelt ja auch, dass die BAMBIX euch bei einem ihrer Livekonzerte dermaßen begeistert haben, dass die musikalische Richtung schon vor Bandgründung feststand.
Micha:
Ja, das stimmt. Ich hab die BAMBIX damals so ca. 2000 das erste Mal live gesehen, und war von der Musik dermaßen begeistert, dass ich auch so was in die Richtung machen wollte. Also auf jeden Fall was mit Frauengesang, wo ich doch bis dato nur in Bands mit Männergesang mitgespielt habe. Daraufhin habe ich JOHNNIE ROOK gegründet. Es hat aber noch bis 2003 gedauert bis wir richtig an den Start gehen konnten.

Ugly Punk: Weil Du keine passenden Musiker finden konntest?
Micha:
Doch, doch Musiker gab es, aber ich war selber noch nicht soweit für eine 2. Band, denn ich hab ja zu dem Zeitpunkt noch bei ROTORFON Bass gespielt. Also zog sich das alles ein wenig hin. Aber dann so ca. im November 2001 ging es langsam los. Die erste Besetzung bestand aus mir (Git), Biggi (Gesang), Manu (Git) von HAUSVABOT und Jan (Drum) von DIE KOLPORTEURE. Wir waren fast so was wie ´ne Berliner Allstar-Band hehehe. Einen Namen und einen Bassisten hatten wir damals aber noch nicht. Leider hielt diese Besetzung aus Zeitmangel der einzelnen Musiker nicht sehr lange. Ich habe aber nicht aufgehört Musiker für mein Vorhaben zu suchen, und irgendwann unseren Bassisten Jan im Jugendclub Maxim, wo wir heute noch proben, kennen gelernt. Dann ging es langsam Berg auf, obwohl wir noch ein paar Besetzungswechsel an Schlagzeug und 2. Gitarre hatten. In der jetzigen Besetzung spielen wir seit Mai 2006.

Ugly Punk: Anfang Februar wird euer vierter Longplayer mit dem Namen “Stimmungsgerät“ erscheinen. Gnädigerweise durfte ich das Teil vorab schon mal hören und musste feststellen, dass es wesentlich härter als seine Vorgänger ausgefallen ist. Wie kommt´s?
Franziska:
Das war beabsichtigt. Ich wollte einige Sachen ganz klar, ohne Umwege, ohne Schnörkel, ohne Beschönigungen sagen. Dieser direkte Weg spiegelt sich dann im Text aber auch besonders gesanglich wieder. Angst, Verzweiflung und Enttäuschung kann man nicht “schön singen”. Im doppeltem Sinn des Wortes. So ist der Gesang sehr viel härter geworden. Ich denke, dass sich musikalisch, bei den Songs an sich, ansonsten nicht viel geändert hat.
Micha:
Ich finde schon, dass auch die Musik ein bisschen härter geworden ist. Irgendwie hatte ich grundsätzlich Bock darauf, bei der Scheibe schnelle, kurze und schnörkellose Songs zu schreiben. Wir haben viel Schnick Schnack weggelassen, was wir bei den Vorgänger-Alben teilweise eben nicht gemacht haben. Viele der neuen Songs kamen einfach so aus mir heraus, ohne dass ich lange darüber nachgedacht habe.

Ugly Punk: Ebenfalls eine leichte Änderung sind die durchweg deutschen Texte, die ihr früher immer fleißig mit englischen Texten gemischt habt. Hattet ihr einst mal vor, auch im Ausland Anklang zu finden oder einfach nur Angst vor dem Etikett “Deutschpunk“?
Franziska:
Das wir Deutsch und Englisch gemischt haben, hatte sich so ergeben. Vorbild waren ja die BAMBIX, eigentlich sollte alles auf Englisch sein. Aber ich kam dann mit einem deutschen Text an. So hatten wir plötzlich beide Sprachen. Nun haben wir uns für eine Sprache entschieden. Das liegt daran, dass wir festgestellt haben, dass live deutsch besser funktioniert. Da singen die Leute mit. Sie kennen die Texte, weil sie sie verstehen.
Micha:
Ja, ja ich muss zugeben, dass ich letztendlich immer so ein bisschen die Bremse war, sonst hätten wir wahrscheinlich schon bei der letzten Scheibe alles auf deutsch gesungen. Ich fand damals halt englisch besser. Jetzt finde ich aber endgültig OK das wir nur noch deutsch singen, und das kann meinetwegen auch so bleiben.

Ugly Punk: Neben 14 neuen Songs gibt es auch ein Lied, das keines ist. Einer glorreichen Hörspielkarriere scheint wohl nichts mehr im Weg zu stehen, oder? Warum war es Euch wichtig eine viertelstündige erzählte Geschichte auf dem Album zu platzieren und wer hat sich diese ausgedacht?
Franziska:
Eigentlich sollte das Booklett ein Comic werden. Das hat aber zeitlich nicht geklappt. Also hab ich das Ding eingesprochen und Jan hat quasi nur ein paar Bilder dazu gemalt, anstatt hundert. Wer weiß, vielleicht klappt das noch mit einem Comic als Fortsetzung.

Ugly Punk: Sei ehrlich… das hast Du aber nicht in einem Take eingesprochen?
Franziska: Nö, ein Take war das nicht. Aber es ging tatsächlich sehr schnell und war nicht großartig stressig. Hat Spaß gemacht.

Ugly Punk: Euer letztes reguläres Album erschien 2009 auf Rügencore, das jetzige bei Major Label. So ein Labelwechsel wirft immer einige Fragen auf und hat natürlich auch Gründe. Welche waren das bei Euch?
Micha:
Das hat sich halt so ergeben. Wir haben 2011 ein Label für die Split-EP mit den Bambix gesucht, und bei Rügencore Records ging das irgendwie nicht. Ich weiß ehrlich gesagt gar nicht mehr genau warum. Wir waren ja auch nicht richtig bei RCR unter Vertrag, sondern die Jungs von COR, denen das Label gehört, haben uns damals aus Freundschaft unterstützt, damit wir einen Vertrieb, einen Barcode, einen Labelcode und diesen ganzen Schnick Schnack erhalten. Auf jeden Fall sind wir damals bei der Suche für die Split auf das “Major Label” gestoßen, und da das dort so gut geklappt hat, sind wir für die neue Scheibe einfach dort geblieben.

Ugly Punk: Gefördert wurde die Scheibe durch die Initiative Musik gGmbH, mit, so steht es im Booklet geschrieben, Projektmitteln des Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien auf Grund eines Beschlusses des deutschen Bundestages. Das hinterlässt sicher bei einigen drei große Fragezeichen. Wie schafft man es auf diesem Wege gefördert zu werden und wie sieht diese Förderung konkret aus?
Micha:
Das ist so was wie das Hartz 4 für Musiker hehehe. Man muss sich nur ein wenig klug anstellen und den Leuten von der Initiative Musik einen vernünftigen Businessplan vorlegen, und dann kann man von denen mit einer Geldsumme gefördert werden. Na ja, ganz so einfach ist es jetzt auch nicht, man muss auch viele Sachen beachten. Ich kann das hier jetzt schlecht in Kurzform erklären. Am besten ihr lest euch das mal in Ruhe auf der Seite der IM durch: www.initiative-musik.de. Das is im Endeffekt halt eine vom Staat geförderte Sache. Wir haben damit aber kein Problem, denn so holen wir uns die Steuern zurück, die wir jahrelang in diesen Staat eingezahlt haben. Also zumindest einen Teil davon.


Ugly Punk: Dass ihr schon zu Beginn von JOHNNIE ROOK keine Anfänger mehr wart, ist nicht zu überhören. Ich geh mal davon aus, dass Ihr zuvor bereits in anderen Bands Erfahrung sammeln konntet. Wollt oder könnt ihr da mal ein paar Namen nennen?

Micha:
Meine erste Band hieß KSD, damals in Parchim (MeckPomm), wo ich ursprünglich herkomme. Man waren wir schlecht. Das war noch richtig räudiger Punkrock. Ich hab in Parchim nach KSD noch in ein paar anderen Bands gespielt, bevor ich Mitte der 90er nach Berlin gezogen bin. In Berlin habe ich dann unter anderem bei THE STRIKES (Git) und bei ROTORFON (Bass, Sideproject von DIE SKEPTIKER) mitgespielt. Jan (Bass) hat vor JOHNNIE ROOK in einer Ska-Punkband namens FINISHIT gespielt. Einen Song von FINISHIT spielen wir sogar heute noch mit JOHNNIE ROOK. Er heißt “Smile”. René (Drum) hat vor J.R. bei ADS (NO/FX-Coverband) gespielt und Roman (Git) bei SCHALL UND RAUCH (Nu Metal).
Franziska:
Ich hatte vorher nur eine andere Band. SINESSENCE, das war so Trip/Hop- Darkelektro- Kram. Ich kam also aus einer ganz anderen Ecke. Ich fand live- gemachte Musik aber schon immer besser als elektronische. Das war auch mein Grund zu wechseln.

Ugly Punk: Tauchen wir mal kurz in Euer Privatleben ein. Seit 2010 tragen zwei von Euch denselben Nachnamen. Wart Ihr vor JOHNNIE ROOK schon ein Paar oder hat sich die Lovestory im Laufe der Bandgeschichte entwickelt und schließlich zur Hochzeit geführt?
Franziska:
Na endlich liest mal einer den ganzen Kram, den wir schreiben! Micha und ich haben uns tatsächlich wegen JOHNNIE ROOK kennen gelernt. Micha hat eine Sängerin gesucht und mich angesprochen. Wir wollten dann aber lieber zusammen sein, als zusammen Musik machen, weil das ja normaler Weise sonst nie funktioniert, aber als Micha nach ein paar Wochen immer noch keine Sängerin gefunden hatte, musste/wollte ich mitmachen. Zum Glück klappt es bei uns sehr gut. Schwein gehabt!
Micha:
Seit nunmehr 10 Jahren klappt es gut. Äähhmmm, ich meine sehr gut.

Ugly Punk: Von anderen liierten Musikern weiß ich, dass sie das Wochenende als Ausgleich zum Familienleben nutzen. Habt ihr diesen Ausgleich auch oder braucht ihr diesen Ausgleich nicht? Und ist es nicht so, dass ein Part immer ein Auge auf den anderen Part gerichtet hat?
Franziska:
Wie gesagt, bei uns gibt´s keine Probleme damit. Im Gegenteil. Wir wollen beide das Gleiche: Konzerte spielen. Platten machen. Der Rest ist uns egal. Während wir im Studio waren, war z.B. unser Klodeckel zu Hause kaputt. Und da fiel mir auf, dass es in anderen Familien sicher Stress deswegen gibt, aber uns war das egal. Das Studio war extrem viel wichtiger. Scheiß auf den Klodeckel! Wir brauchen keinen Ausgleich. Wovon auch. Trotz gemeinsamer Konzerte gibt es viel zu tun, wir haben nicht viel Zeit füreinander. Da ist es fast gut, dass wir die Konzerte haben um überhaupt Zeit miteinander verbringen zu können.

Ugly Punk: Und wie steht´s ums Thema “Eifersucht“?
Franziska:
Ich glaube, du hast zu viele romantische Filme über das Tourleben gesehen.
Micha:
Du bist ja ein kleiner Voyeur. Wat der alles wissen will. Also ich bin nicht Eifersüchtig, solange ich nicht offensichtlich einen Grund dazu habe. Und den hatte ich bis jetzt noch nicht.

Ugly Punk: Was war denn, rückblickend betrachtet, Euer geilstes Livekonzert und was das lustigste Vorkommnis bei einem Eurer Konzerte oder der Fahrt dorthin?
Franziska:
Oh je, ich denke immer nur von Wochenende zu Wochenende, so was vergesse ich immer. Bis vor ein paar Jahren war es das Konzert im East End/ Berlin. Da sind alle wie verrückt gesprungen, das war toll. Dresden und Halle liegen stimmungstechnisch auch immer weit vorne.
Micha:
Mir fällt da ein lustiges Vorkommnis ein. Vor kurzem auf der Fahrt zu einem Gig musste ich, dank meines Bierkonsums, so dringend pissen, dass wir eine Colaflasche aufschneiden mussten, weil ich es nicht mehr bis zum nächsten Parkplatz ausgehalten habe. Die anderen wollten das unbedingt mit ihren Handys filmen. Ich hätte fast den ganzen Bus vollgepisst, weil die mir einfach keine Ruhe gelassen haben und wir uns so über die Situation kaputt gelacht haben. Ich hab es dann aber zum Glück noch geschafft in die Flasche zu pinkeln. Dann gab es noch im letzten Sommer eine Situation mit Roman. Der hat sich nach einem Open Air-Gig dermaßen mit Rum abgeschossen, dass er nichts mehr auf die Reihe gekriegt hat. So krass erlebt man ihn echt selten. Aber was dann noch genau passiert ist kann ich hier nicht erzählen, das wäre Roman gegenüber gemein. Auf jeden Fall lachen wir heute noch darüber. Es gibt noch unzählige solcher oder ähnlicher Geschichten, aber das würde hier den Rahmen sprengen.

Ugly Punk: Und wie sieht´s umgekehrt aus? Das schlechteste Konzi?
Franziska:
Das habe ich verdrängt.
Micha:
Kommt immer darauf an voran du schlechte Gigs fest machst. Also ob an der geringen Zuschaueranzahl oder an schlechter Stimmung. Wir haben Konzerte gehabt bei denen wenig Leute da waren, aber eine Bombenstimmung herrschte, und umgekehrt genauso, wo viele Leute da waren, diese aber ihren Stock nicht aus dem Arsch gekriegt haben. Spaß haben wir aber trotzdem irgendwie immer. An schlechten Vorkommnissen fällt mir da noch ein Konzert aus 2007 ein. Da haben wir auf einem Festival mit mehreren Bühnen, die zeitgleich von Bands beschallt wurden gespielt. Unser Konzert war mal so richtig Scheiße. Der Sound war miserabel, es waren wenig Leute bei uns vor der Bühne, und abgegangen is auch keine Sau. Als Krönung wurde Roman dann noch die Gitarre geklaut.

Ugly Punk: Welche (realistischen) Träume oder Wünsche sind im Bezug auf die Band noch unerfüllt geblieben?
Franziska:
Deine Mutter war noch nicht beim Konzert.
Micha:
Viele. Einer der wichtigsten Wünsche ist sicherlich der, dass wir unseren Bekanntheitsgrad stetig steigern und so viele Leute wie möglich mit unserer Musik erreichen wollen. Mal sehen was die neue Scheibe da so mit sich bringt.

Ugly Punk: Doch, meine Mutter war schon beim Konzert, nur eben nicht bei JOHNNIE ROOK. War aber auch Punkrock mit Frauengesang. Ich glaub die Band hieß ANDREA BERG oder so ähnlich. Auf jeden Fall ziemlicher Trash ;- )
Micha:
Ja, von dieser ANDREA BERG habe ich auch schon gehört. Die soll immer in so krassen Lederklamotten auftreten und die Bude richtig rocken. Punkrock eben ;- )

www.johnnierook.de