DIE LOKALMATADORE – ARME ARMEE

DIE LOKALMATADORE – ARME ARMEE
(Teenage Rebel Records)

Vorweihnachtszeit. Kein „Last Christmas“ von WHAM!, sondern obzön-provokantes Liedgut aus den früheren Neunzigern. Teenage Rebel Records legen die zweite Platte der LOKALMATADORE neu auf. Neu gemastert, leicht verändertes Artwork, Extraausstattung, 180 Gramm Vinyl. Wer also die originale Scheibe von 1992 nicht mehr ergattern konnte, bekommt jetzt hiermit eine neue Chance auf Ruhrpott-Asi-Rock´n´Roll.

Würde ich mit den Songs nicht einen Teil meiner Jugend verbinden, würde ich sagen: „Freunde, die Platte hat auch seine grenzwertigen Momente!“ Aber ich bin natürlich etwas vorbelastet. Und außerdem ist hier überall ganz viel Augenzwinkerei dabei. 15 Songs zwischen Trinkhalle und Bordell, mit Bierfahne und mit viel Sex inner Birne, aber auch mit viel Herz. Von Punk bis Rock, von Schlager bis Oi! – alles dabei!

Lieder über den kleinen Mann und wie arm er dran ist und das er von den großen da oben unterdrückt wird, gibt es viele. Hier gibbet es vielmehr Lieder über die Art von kleinem Mann, die den ganzen Tag mit den Kumpels am Kiosk rumhängt und die kuriosesten Geschichten austauscht. Kannste lieben, kannste scheiße finden, ist aber Kult. Spike

www.lokalmatadore.com

KALEB STEWART – TROPICAL DEPRESSION

KALEB STEWART – TROPICAL DEPRESSION
(Sounds of Subterrania)

KALEB STEWART ist ein Singer Songwriter aus Florida, der nicht, wie man es vielleicht gewohnt ist, als Alleinunterhalter auftritt, sondern eine voll instrumentalisierte Band um sich geschart hat. War der Sound von Stewart vor 15 Jahren noch dem Punkrock zuzuordnen, ist er mit den Jahren immer softer geworden, was auch auf diesem Album deutlich zu Tage tritt.

Folglich gibt es hier rockige Popsongs zu hören, die musikalisch weit vom Punkrock entfernt sind. Harmonische und seichte Klänge herrschen auf dem Album vor. Geht alles gut ins Ohr und  bleibt auch irgendwie haften. Auch weil der Barde mit seinen reflektierten, nachdenklichen Texten durchaus etwas zu sagen hat. Das ist nicht irgendein belangloses Tralala, sondern eine Bestandsaufnahme der eigenen Lebensumstände und der politischen und gesellschaftlichen Realität, in der man sich als aufgeklärter Mensch zurechtfinden muss. Die Songs regen zum Nachdenken an und machen Mut, sich mit den gegebenen Umständen nicht zufrieden zu geben, sondern selbstbewusst seinen Weg zu gehen. Und das ist auch die Stärke dieses Albums, das auf musikalischer Ebene vielen Freunden der härteren Rockmusik sicher viel zu soft und zu poppig erscheinen mag. Dennoch versteht es KALEB STEWART auf diese Art seine Anliegen zu transportieren.

Wer mal wieder einen Blick über den Tellerrand wagen will und sich auch mit Pop-Rock anfreunden kann, darf gerne mal ein Ohr riskieren, auch ohne sich dafür schämen zu müssen. Denn die Botschaften, die hier verbreitet werden, sind es durchaus wert gehört zu werden. Mirko

www.facebook.com/kaleb.stewart.52

FLORIAN LUDEWIG – BRANDENBURG MUSS BRENNEN, DAMIT WIR GRILLEN KÖNNEN

FLORIAN LUDEWIG – BRANDENBURG MUSS BRENNEN, DAMIT WIR GRILLEN KÖNNEN
(Satyr-Verlag)

Dies ist der bereits zweite Roman von Florian Ludwig, punk-affinemFussball-Fan aus der Brandenburger Provinz, der mittlerweile in Berlin lebt. Bereits in seinem Erstling beschäftigte er sich mit seinem Leben als Fußball-Fan und „Feierabendterroristen“, der deshalb auch schon mal im Knast gelandet ist. Hier nun sein neues Buch, das im Wesentlichen aus Zwei Komponenten besteht. Fußball und Punk.

In den 24 Kapiteln erzählt der Autor zum einem Erlebnisse aus seinem Leben als Fan, wobei nicht so ganz klar ist, ob sich das alles tatsächlich so zugetragen hat. Diese Kapitel, die meist recht kurz gehalten sind, mischen sich mit dem zweiten Kernthema. Hier werden die Erlebnisse von Berndte erzählt, einem Provinz-Punk aus Brandenburg. Sowohl das Abhängen mit den Kumpels, Konzert- und WG-Parties, Besuche im Stadion aber auch Berndtes Liebschaften, Beziehungen und sein Versuch in der Metropole Berlin Fuß zu fassen, werden hier geschildert. In wie weit es sich hier um Fiktion handelt, bleibt ebenfalls unklar. Allerdings handelt es sich bei der Hauptfigur und den anderen Typen um Charaktere, die wie aus dem Leben gegriffen sind und auch tatsächlich so existieren könnten. Und da Lude, wie der Autor auch genannt wird, aus eben diesen beiden Milieus stammt, weiß er auch wovon er schreibt und zeichnet ein authentisches Bild vom Leben als Punk vom Lande zwischen TeBe Berlin, dem FC St.Pauli, dem Stress mit Nazis und Polizei. Der Schreibstiel ist flüssig und unterhaltsam, die Anekdoten empfinde ich dennoch als etwas spannungsarm und wenig mitreißend. Sie erscheinen mir eher wie eine lose Bestandsaufnahme von Episoden aus verschiedenen Lebensphasen als eine stringente Geschichte, so dass es mir schwer fällt, mit den Protagonisten ‚mitzufiebern‘.

Obwohl vieles etwas sprunghaft wirkt und mir die Identifikation mit den Personen fehlt, lesen sich die gut 180 Seiten, dank des lockeren Schreibstils von Florian Ludwig, gut durch und sorgten auf der täglichen S-Bahnfahrt für angenehme Unterhaltung ohne wirklichen Tiefgang, aber mit viel Herz. Mirko

https://satyr-verlag.de/?p=1579

CANINE – BLEAK VISION

CANINE – BLEAK VISION
(Bacillus Record / Bellophone)

Wenn man sich das brave Bandfoto so anschaut, ist man ein wenig irritiert von der düsteren und bedrohlich wirkenden Aufmachung des Debüt-Albums der Frankfurter Kapelle. Und danach auch gleich etwas überrascht, was die Combo hier vom Leder zieht. Von Heiterkeit und Frohsinn ist das weit entfernt, aber einen solch brachialen Sound hätte ich den Jungs dann doch nicht zugetraut.

Derber Hardcore wird hier geboten, der aber auch gut durchdacht ist und sich trotz der Härte als sehr abwechslungsreich darstellt. Sofort fühle ich mich (auch des Covers wegen) an SPECHT RUPRECHT erinnert, die einen ähnlichen Sound fabrizieren und noch etwas experimenteller vorgehen, dafür aber auch nicht die Wucht von CANINE besitzen. Nichts desto trotz verstehen es auch die Hessen verschiedene Einflüsse mit einander zu kombinieren und ein anspruchsvolles, komplexes Soundgewitter zu fabrizieren, das sich gewaschen hat. Daher sind die Songs auch nicht wirklich eingängig. Dennoch bleiben die prägnanten Parts im Ohr hängen, so dass die Scheibe unweigerlich gleich eine zweite Runde im Abspielgerät dreht um auch wirklich alles erfassen zu können, was da über einen hereinbricht.

Anspruchsvoller Brachialsound, der musikalische Kompetenz und Härte gekonnt vereint. Eine Platte also, die es absolut wert ist, mehrfach zu rotieren und bei der man dadurch auch immer wieder neue Elemente heraushört. Sehr gut, sowas. Mirko

www.facebook.com/caninemusic

E-ALDI – TENNISSOCKEN IN SANDALEN

E-ALDI – TENNISSOCKEN IN SANDALEN
(Aldi-Punk)

Aldi hat wieder zugeschlagen. Nach etlichen CD-Rs und Kassetten beglückt uns der werte Herr nun mit einer 4-Track EP, die optisch schon was hermacht. Farbiges Coverbild, farbige Labels und ein schön gestaltetes Textblatt.

Musikalisch, wenn man es denn so nennen will, bekommt man das, was man von Aldi gewohnt ist. Miserabler Elektro-Trash, gegen den sogar LESBIAN RANK INGFERNO glänzen kann. Und das will was heißen. Die Texte sind zwar ganz annehmbar und von der Aussage her auch gar  nicht schlecht. Proleten, Faschos und gläserne Kunden werden hier zum Thema gemacht und deren Ablehnung zum Ausdruck gebracht. Der Gesang ist nicht wirklich tonsicher, die Vertonung, die mit einem Keyboard gefertigt wurde, dagegen noch schlechter. Nach vier Liedern bin ich daher froh, dies überstanden zu haben, denn das was da aus den Boxen wabert grenzt eindeutig an Körperverletzung. Da tropft einem schon fast das Blut aus den Ohren.

Natürlich bleibt sich Aldi mit dieser Scheibe treu und zieht sein Ding gnadenlos durch. Und das ohne Rücksicht auf den Hörer und die -innen. Dafür sieht die Scheibe, wie bereits erwähnt, gar nicht schlecht aus. Ich rate dennoch dringend ab. Mirko

https://e-aldi.jimdo.com/

VON HÖLLE – ALLES MUSS RAUS

VON HÖLLE – ALLES MUSS RAUS
(Eigenproduktion / Brausebeat)

Seit etlichen Jahren macht das Trio aus der Nähe von Magdeburg schon Musik. Allerdings nicht mit dieser, sondern mit verschiedenen anderen lokalen Acts. Die Band beschreibt ihren Stil selbst als wilde Mixtur diverser Punk-Stile der 90er-Jahre und so kann man das auch stehen lassen.

In 14 Songs besingen die Sachsen-Anhaltiner alles Mögliche, was einem so im Alltag passiert. Eine Bestandsaufnahme direkt aus dem Leben. Mal zwanglos, mal nachdenklich aber nie verklausuliert oder metaphorisch. Das alles zu einer Musik, die zwar rau, aber nicht assig rüber kommt. Das ist eher Indie-Rock mit Punk-Einflüssen aus dem emotionalen Bereich. Beim ersten Stück fühle ich mich etwas an TOXIC WALLS erinnert. Danach wird aber das Tempo etwas heraus genommen und man konzentriert sich mehr auf die rockigeren Elemente. Das Songwriting kann dabei schon überzeugen, auch wenn das nicht ganz mein bevorzugter Stil ist. Zudem hört man der Aufnahme und den Liedern den Enthusiasmus an, den die Band hier reingesteckt hat.

Zwar hat man schon oft solche, oder so ähnliche Musik gehört, die vom Stil ein wenig in Richtung CHEFDENKER tendiert, nur nicht ganz so ausgefeilt, dafür ein bisschen roher und kratziger mit dem Charme des Untergrunds. Deshalb werte ich die Scheibe als brauchbares, punkiges Rockalbum, das man sich schon das ein oder andere Mal reinziehen kann. Mirko

www.facebook.com/vonhoelle