TALCO – AND THE WINNER ISN´T

TALCO – AND THE WINNER ISN´T
(Long Beach Records)

Unverhofft kommt mir da die neue, noch nicht veröffentlichte Platte von TALCO ins Haus geflattert. TALCO sind wohl die bekannteste Band aus Italien. Mit ihrer Mischung aus Punkrock gepaart mit hymnischen Bläsern und verschiedenen Elementen aus Folk, Latin und Ska, sind sie eine absolute Institution auf dem Gebiet. Und ständige Touren vor ausverkauften 1500ér Hallen lassen den Status weiter wachsen.

Bei TALCO geht es trotz Gute-Laune Sound, der gleich das Tanzbein zucken lässt, durchaus gesellschaftskritisch zu. Hier wird tief in den seelischen Abgründen der Menschheit, Politik und des Systems gegraben. TALCO klagen an und thematisieren Missstände. So meint das Promoschreiben zumindest. „And The Winner Isn´t“ ist wie der Vorgänger ein Konzeptalbum. Zu den Texten kann ich leider nix sagen, ist fast alles italienisch. Klingt aber mitreißend und kämpferisch und teilweise wird hier ein wahnsinniges Tempo angeschlagen.

Für mich als Nichtfan und Nichtliebhaber des Ska/Tröten/Punk Sektors, läuft das Album angenehm und unterhaltsam durch. TALCO setzen hier garantiert den nächsten Meilenstein und gehen ihren Weg zurecht weiter. Die Platte kommt in verschieden Ausführungen, CD, Vinyl, MP3, Stream und noch verschiedene Deluxe-Versionen mit Bonus Material. Gehört wohl in jedes Plattenregal von Menschen mit gutem Musikgeschmack. Ich werde mich mal ausführlich damit beschäftigen. Die Band ist auf Tour, geht sie euch anschauen! VÖ der Platte ist am 23.2.2018 über Long Beach Europe. Chris de Barg

www.talco-punkchanka.com

SICK OF SOCIETY – PERLEN VOR DIE SÄUE

SICK OF SOCIETY – PERLEN VOR DIE SÄUE
(Eigenproduktion)

Nachdem Sänger und Gitarrist Fizzi vor einigen Jahren gesundheitsbedingt die Band verlassen musste, brachen schwere Zeiten für SICK OF SOCIETY an. Nach längerer Suche und Unstetigkeiten hat man aber nun zwei kompetente Gitarristen gefunden und Bassist Steini hat den Hauptgesang übernommen. In dieser Besetzung wurde nun in Eigenregie ein neues Album eingespielt, das trotz des herben Verlustes ihres Frontmannes genau dort anknüpft, wo die Band mit dem genialen Vorgänger „Niemals wie der Rest“ aus dem Jahre 2012 aufgehört hat.

Begann die Band vor über zwanzig Jahren noch mit chaotischem Metal, hat sich der Stil mittlerweile zu modernem, schnellen Deutschpunk mit klarer politischen Haltung entwickelt. Die zwölf auf diesem Album enthaltenen Songs (plus Intro), werden dann auch in gerade mal 26 Minuten herunter gerotzt. Der Sound ist treibend und fett aber auch rotzig und nicht zu glatt, so dass mir beim Namedropping Bands wie ABSTURTZ oder ALARMSIGNAL in den Sinn kommen. Und da mir genannte Bands ausgezeichnet gefallen, läuft mir natürlich auch der Sound von SOS prima rein. Eingängige Punkrock-Smäsher zeichnen das Album aus, wobei mir der ein oder andere Melodielauf allerdings altbekannt vor kommt. Aber so ist das halt bei einem beschränkten Akkord-Repertoire. Macht aber nix, denn die Songs fräsen sich trotzdem ins Hirn, denn man gibt’s sich sichtlich Mühe, neben einem fetten Schlagzeugbeat auch bei der Gitarrenarbeit nicht nur die gewohnten Akkordfolgen stumpf hintereinander abzuspulen. So laufen die Songs in einem Rutsch durch und laden förmlich dazu ein, nach einer kurzweiligen knappen halben Stunde, erneut den Startknopf zu drücken. Textlich gibt man sich gewohnt kritisch, lässt aber auch mal persönliches mit einfließen. Immer schön direkt, ohne stumpf zu sein. Sehr überrascht bin ich, dass Steinis Gesang dem von Fizzi doch recht stark ähnelt, was ich nur begrüßen kann. War ich doch sehr gespannt, wie sich der Sängerwechsel auswirken würde. Andere mögen vielleicht sagen, hier hätte man auch neue Wege beschreiten können, mir ist‘s ehrlich gesagt so aber lieber.

Wer die letzten beiden Alben der Band schon gemocht hat, wird mit dem neuen Album bestens bedient und kann hier bedenkenlos zugreifen. Der Dampfhammer-Deutschpunk, den SICK OF SOCIETY hier abfeuern, kann sich wirklich hören lassen und die Scheibe wird sicher noch einige Runden in meinem Abspielgerät drehen. Mirko

www.sickofsociety.de

24/7 FUCKED UPS – FUCKED UP FOR LIFE

24/7 FUCKED UPS – FUCKED UP FOR LIFE
(Weird Sounds)

Oha, schon seit 12 Jahren spielt das Trio bereits zusammen und auch von ihnen ist mir bisher nichts bekannt gewesen. Das soll sich aber mit diesem Album ändern. Leider weiß ich nicht, der wievielte Output der Band die ist. Finden konnte ich bei der Schnellrecherche dahingehend nichts. Sollte es etwa das erste Album sein?

Jedenfalls hat man sich laut Beipackzettel „60 Ihrer engsten Freunde ins Studio eingeladen“, um dort unter Livebedingungen diese Scheibe einzuspielen. Bemerkenswert schon mal, dass jemand so viele enge Freunde besitzt, ist es bei mir doch gerade mal eine Hand voll, die ich so bezeichnen würde. Aber ich bin ja auch keine Band. Viel hört man von diesen Freunden auf der Aufnahme allerdings nicht. Aber vielleicht kommt so ja mehr Spielfreude in dem bei so vielen anwesenden Menschen doch recht groß zu sein scheinenden Studio auf. Der Sound ist jedenfalls schön rau und authentisch ausgefallen, was ja schon mal was ist. Und ein paar kurze Ansagen und gediegener Applaus zwischen den Liedern vermitteln dann doch etwas Live-Atmosphäre. Die Band spielt übrigens eingängigen Punkrock, der ganz gut ins Ohr geht, aber auch nichts wirklich Besonderes darstellt. Routiniert auf jeden Fall und mit einer Prise Rock‘n‘Roll versehen wissen die 11 Lieder aber schon ganz gut zu gefallen. Der Selbstvergleich mit SOCIAL DISTORTION ist dabei keineswegs abwegig, aber auch schon diese finde ich relativ gewöhnlich.

Schöne Idee, die Platte auf diese Art und Weise aufzunehmen und meiner Ansicht nach wertet dies die dargebotenen Songs auch zusätzlich auf. Wirkt halt doch direkter, wenn nicht alles glattgebügelt und zusammen geschnippselt wird. Wäre ansonsten sicher alles etwas softer ausgefallen. So aber kann man sich die Platte wirklich gut zu Gemüte führen. Mirko

www.facebook.com/247-Fucked-Ups-192747567405942

ROOSTER BURNS & THE STETSON REVOLTING – TALES FROM THE PONY PARK

ROOSTER BURNS & THE STETSON REVOLTING – TALES FROM THE PONY PARK
(Mad Butcher Records)

Mit einem neuen Werk kommen ROOSTER BURNS & THE STETSON REVOLTING um die Ecke geritten. Hört sich musikalisch tatsächlich nach “geritten“ an und die Bezeichnung Cow-Punk macht es mir leicht, mir eine Horde Cowboys auf ihren Gäulen vorzustellen, die ne´ Kuhherde zusammentreibt. Und das alles mit „Tales From The Pony Park“ als Soundtrack.

Dass die Band von Niederrhein und nicht aus dem wilden Westen kommt, überrascht mich tatsächlich, denn das hört man ihr nicht an. Country, Rockabilly, Psychobilly, Punk – diese Zutaten sind die Bestandteile, die als Ganzes eine nur schwer einzuordnende Mixtur ergeben, aber dafür alle Hörer der eben aufgezählten Genres hinterm Ofen hervorlocken könnten.

Und als wäre der Sound von ROOSTER BURNS & THE STETSON REVOLTING nicht schon lässig und locker genug, gibt’s durch einige Coverversion noch zusätzliche Auflockerung. „Tales From The Pony Park“ kam so unscheinbar daher und hat´s doch total in sich. Könnte mir vorstellen, dass die Band Live sogar noch mehr zündet. Sollte man als Countrybillypunk_ette  auf´m Schirm behalten. Spike

www.facebook.com/roosterburns666

THE BABOON SHOW – RADIO REBELDE

THE BABOON SHOW – RADIO REBELDE
(Kidnap Music)

Gefühlt jedes Jahr schneit aus dem Hause Kidnap (Post von Kidnap – immer ein Grund zur Freude) eine neue Scheibe der umtriebigen Schweden THE BABOON SHOW ins Haus. Ganz so dicht ist die Output – Frequenz dann doch nicht, mal flugs recherchiert, die letzte Scheibe „The World is bigger than you“ kam 2016, “People´s Republic Of The Baboon Show Formerly Known As Sweden“ 2013 und “Damnation“ 2014 raus.

Hier nun also Platte Nummer 8. Durch ständiges Touren, z.B. als Support für DIE TOTEN HOSEN oder BROILERS in größeren Hallen vor Mainstreampublikum oder auf Headliner-Clubtouren, haben sie sich einen enormen Bekanntheitsgrad erspielt. Weiterhin wird hier rock`n rolliger Garagen-Punkrock mit der weiblichen Röhre von Frontfrau Cecilia geboten, der sich meistens im mittleren Tempobereich bewegt. Ich muss sagen, nach mehrmaligem hören, die Kapelle hat es drauf, Hymnen zu schreiben. Dazu tragen sicher auch die mehrstimmigen Backing-Vocals bei. Das Rad wird zwar auch hier nicht neu erfunden, die Zutaten für melodischen Punkrock werden aber in absolut eigenständiger Rezeptur zusammen gerührt, wozu sicher auch das versierte Gitarrenspiel beiträgt.

Für Genre Liebhaber vielleicht noch erwähnenswert, das das Album ein gewisser Pelle Gunnerfeldt produziert hat. Die Platte gibt’s in verschiedenen Ausführungen und Editionen als LP/CD, Download. Kann man bedenkenlos zuschlagen. Die Band ist auf Tour, kuckt sie euch an! Chris de Barg

www.thebaboonshow.com

PISSSHIT – DIREKT AUS LUDWIGSBURG

PISSSHIT – DIREKT AUS LUDWIGSBURG
(SN- Rex.)

PISSSHIT direkt aus… ach, das verrät ja bereits der Albumtitel, legen nach den Demo-Aufnahmen 2016 nun ihre Debüt-Platte vor. Diese kommt als 10-Inch-EP und enthält 6 Songs, denen wir jetzt mal beide Öhrchen widmen wollen.

Den gewohnten Deutschpunkrahmen, der von Gitarre und Schlagzeug zusammengehalten wird, sprengen bzw. bereichern PISSSHIT mit einem zusätzlichen Instrument, nämlich mit einer Orgel. Gibt’s nicht allzu oft und ganz spontan kommen mir da im Deutschpunkbereich gerade auch nur N.O.E. oder NOVOTNY TV in den Sinn, welche auch gerne mal rumorgelten. Die Texte sind ironischer Natur und nicht ganz ernst gemeint – wollte ich gerade schreiben und entdecke das Hinweisschild mit der Aufschrift “Wahregeschichtenorgelpunk“ auf dem Cover. Nun gut, dann glauben wir PISSSHIT mal, dass sie gerne Pinguine wären, gerne Fahrräder klauen und niemals Duschen gehen.

Fun-Punk der anderen Art, der unterhaltsam, aber nie peinlich wirkt. Die Orgel dürfte nicht Jedermenschs Sache sein, aber genau das ist hier das wichtigste Aushängeschild, dass der Band neben der NDW-Frauenstimme eine Besonderheit und jede Menge Wiedererkennungswert beschert. Kannste auf der Bandcamp-Seite der Band direkt mal antesten. Steff

https://pissshit.bandcamp.com