MISSILES OF OCTOBER – BETTER DAYS

MISSILES OF OCTOBER – BETTER DAYS
(Qualitativus Recordicus)

Ich beschalle mich und meine Umgebung gerade mit dem zweiten Durchlauf der aktuellen Scheibe von MISSILES OF OCTOBER und hab ein großes Fragezeichen im Kopf. Soll ich das jetzt gut finden oder schlecht? Läuft das unter Kunst? Und vor allem: Wo ist der rote Faden, der diesem Album – würde er sich durch dieses ziehen – so gut tun könnte?

Das belgische Trio spielt eine ziemlich abgefahrene Mischung aus Noise- und Stoner-Rock, auch als Experimentalrock umschrieben. 10 Songs lang viel Krach und wenig Melodie. Ziemlich dreckig, ziemlich ungeschliffen, ziemlich crazy. Und ziemlich genau die Musik, vor der mich meine Eltern immer gewarnt haben und die ich auf ihr Anraten hin immer gemieden habe.

Ich will nicht sagen, dass es nicht irgendwie auch interessant wäre, aber in erster Linie ist es für meine verwöhnten Ohren anstrengend. Vielleicht ist es aber auch einfach nicht förderlich, dass ich gerade nüchtern bin. Ich werd´s vielleicht bei Gelegenheit nochmal besoffen antesten, denn mit klarem Kopf komm ich echt schlecht drauf klar. Spike

https://missilesofoctober.bandcamp.com

LAMBS – EIS BESTELLEN / INVENTAR ZERLEGEN

LAMBS – EIS BESTELLEN / INVENTAR ZERLEGEN
(Twisted Chords)

Vor fast genau 4 Jahren hatte ich bereits die Debüt-EP der Band auf dem Plattenteller und zur Besprechung vorliegen. In der Zwischenzeit gab´s noch eine Split mit KENNY KENNY OH OH und die Band ist bei Twisted Chords gelandet.

Das neue Werk kommt als 12Inch mit 6 Songs. Diese schrammeln sich minimalistisch aber dennoch mit Nachdruck, weil eingängig, in die Gehörgänge. Ein bisschen DACKELBLUT, ein wenig DÜSENJÄGER, aber auch viel Eigenständigkeit formen den Sound der Band aus Köln. Die Stücke transportieren viele Emotionen, sind mal traurig, mal kritisch, mal angepisst, mal resigniert. Aktuelle Stimmungslagen vertont, Zeigefinger aber unten gelassen.

Am intensivsten finde ich das gleichnamige „Inventar zerlegen“, vor allem wegen den mehr gesprochenen und weniger gesungenen Parts, aber die Hitdichte der 6 Songs ist generell sehr dicht. Weniger kann manchmal doch mehr sein. Spike

www.facebook.com/lambspunk

SUBVERSIVE BRATS – STUPID RULES

SUBVERSIVE BRATS – STUPID RULES
(Commi Bastards Records)

Aus dem Hause Commi Bastards Records trudelt die zweite Veröffentlichung ein, für SUBVERSIVE BRATS ist es ihr Debüt, welches sie mit dieser 4-Song-EP feiern. Seit 2015 ist man bereits unter diesem Namen aktiv, hat aber zuvor schon bei Bands wie u.a. STAGE BOTTLES und UNITED STRUGGLE mitgemischt und ist quasi vom Fach.

Die 4 Songs sind inhaltlich mit Köpfchen vorgetragen und setzen sich mit Kapitalismus, Nazis, Grauzone und Polizeigewalt auseinander und zugleich ein klares Zeichen dagegen. Genauso kämpferisch und kompromisslos ist auch die Musik. Eine Mischung aus rauem Streetpunk und härterem Oi bzw. mehr das Grobe als das Melodische.

Seite A besteht aus Studioaufnehmen und Seite B aus zwei Live-Stücken in guter Qualität. Auch wenn´s mir musikalisch oft zu viel Brechstange ist, kann ich der Band vor allem für ihre Haltung und ihrer Einstellung der Szene gegenüber ne´ Menge abgewinnen. Wenn Brutalo-Oi/Streetpunk, dann so. Spike

www.facebook.com/subversivebrats

20 LITER YOGHURT – L’ART D’OUBLIER

20 LITER YOGHURT – L’ART D’OUBLIER
(Eigenproduktion)

Aufgrund des Bandnamens erstmal an Deutschpunk gedacht, als zweites dann an Nachtisch. Mit beidem hat die Band, die nach der „Thoughts Of The Modern Youth“-EP im letzten Jahr mit „l’art d’oublier“ ihre zweite EP veröffentlicht, recht wenig zu tun.

Emotionaler, teilweise recht brachialer Hardcore steht auf ihren Fahnen und den beherrschen sie auch ganz passabel. Ungestüme Ausbrüche, melancholisches Abbremsen und melodische Höhepunkte wirbeln abwechselnd durch die 7 Songs, die einen politisch korrekten und deutlichen Anspruch besitzen. Aufnahmetechnisch könnte man durchaus noch mehr Power rausholen, aber die Emotionen kommen auf die raue Art vielleicht noch authentischer rüber.

Nach knapp über 20 Minuten beenden 20 LITER YOGHURT ihre Vorstellung und es bleibt das Gefühl zurück, hier eine CD gehört zu haben, die das Rad zwar nicht neu erfindet (erfinden möchte), die aber mit einer Selbstverständlichkeit die Betätigung der Repeat-Taste einfordert. Spike

www.facebook/com/20lyhc

SLUTS – BÄH!!!

SLUTS – BÄH!!!
(Twisted Chords)

Bevor unter dem Bandnamen SLUTS´N gemuckt wurde, brachte die Band in Erstbesetzung und ohne „N“ am Ende des Bandnamens eine LP mit Namen „Bäh!!!“ heraus. Da das Teil 1982 (damals auf Aggressive Rockproduktionen) erschien, zählt es zu den Deutschpunkvorreiteralben und hat, auch weil es nur ein Re-Release gab (was 27 Jahre zurückliegt), längst Kultstatus erlangt. Mitte der Neunziger waren SLUTS`S dann wieder – auch bedingt durch die Größe und Reichweite von Impact Records – in vielerlei Ohren, aber „Bäh!!!“ konnte meiner Meinung nach von der Band nie mehr getoppt werden.

Ein typisches Deutschpunkalbum der alten Schule, was aufzeigt, dass sich thematisch zwischen 1982 und 2017 gar nicht mal so viel geändert hat und die Punker von heute mit ganz ähnlichen Umständen zu kämpfen haben. Ungeschliffen, frustriert, mit jeder Menge Wut im Bauch, aber auch mit viel Spaß in der Birne haben sich SLUTS damals 18 Songs zusammen gezimmert, die – sogar passend zur ursprünglichen Herkunftsstadt – musikalisch immer etwas von DAILY TERROR hatten.

Neben der LP-Neuveröffentlichung hauen Twisted Chords die Scheibe, erstmals überhaupt, auch als CD raus. Die Stücke wurden remastered und das Artwork dem Original nachempfunden. Kannste nicht meckern, kann man mal machen. Spike

www.twisted-chords.de

OI! OF THE TIGER – S/T

OI! OF THE TIGER – S/T
(Rockers Records)

Bei diesem Bandnamen erstmal 5 Öcken in die Wortspielkasse.. aber fix! Danach können wir zur Besprechung übergehen. Hinter diesem Bandnamen verbirgt sich (natürlich) eine Oi-Band, die keinen Zweifel daran lässt, dass Glatzenmusik auch links-politisch sein kann und mehr als nur Geprolle. Denn die Hannoveraner zählen sich zur RASH-Bewegung und treten lautstark faschistischen Umtrieben und den damit einhergehenden Auswüchsen entgegen.

Lediglich neun Lieder befinden sich auf der LP, aber die können dafür einiges. Im Stile der 1980/90er-Jahre zeigen die Hannoveraner von Anfang an klare Kante und positionieren sich eindeutig gegen Nazischeiße, Rechtsoffenheit, Polizeigewalt und Homophobie. Musikalisch eher simpel gestrickt präsentieren OI! OF THE TIGER ihre Botschaften mit eingängigen, altbekannten Riffs, die zum mitgrölen einladen und somit auch sicher für Stimmung vor der Bühne sorgen. Die unmissverständlichen, vielleicht manchmal etwas simpel gestrickten Botschaften werden jedenfalls auf angenehme Weise verpackt. Der Sound ist vielleicht ein klein wenig dumpf geraten, was aber nicht weiter tragisch ist. Räudig kommt er auf jeden Fall rüber. Dadurch versteht man allerdings auch nicht alles, was da in englischer Sprache gesungen wird. Aber der LP wird sicherlich auch ein Textblatt beiliegen, auf das man bei der Promo-CD leider verzichten muss.

Leider ein etwas kurzes, aber stimmiges Debüt mit rustikalem und melodiebehaftetem Oi-Punk, der durch die politischen Texte zusätzlich aufgewertet wird, aber auch etwas Nostalgie vermittelt. Gefällt mir daher ausgesprochen gut. Mirko

www.facebook.com/oiofthetiger