RISKEE & THE RIDICULE – BODY BAG YOUR SCENE

RISKEE & THE RIDICULE – BODY BAG YOUR SCENE
(Bomber Music)

Lange Zeit war die Band aus Kent (GB) als DIY-Band unterwegs. Die dritte LP wurde nun erstmals nicht in Eigenregie veröffentlicht, sondern man geht mit Label und Vertrieb an den Start. Leider ist dies daher auch meine erste Berührung mit der Band.

Geboten wir auf dieser Scheibe ein munteres Potpourri verschiedener Punk-Stile aber auch andere Genreversatzstücke aus Pop, Rock und Rap aber auch HC. Der Fokus liegt aber klar auf Punkrock, der mal Pfeffer im Arsch haben kann, aber auch mal melodiereich daher kommt. Die Mischung ist hier wirklich gut gelungen und so kann man durchaus in verschiedene Stimmungen versetzt werden, anderes herum aber auch für jede Stimmung etwas geboten bekommen. Auch textlich spiegelt sich das wieder. Emotional, wütend, aber auch fröhlich und sarkastisch hält man den Menschen den Spiegel vor. Das kann schon was und läuft gut rein. Auch die etwas längere Spielzeit der einzelnen Songs lässt einen sich nicht langweilen. Man braucht halt ein wenig Platz um das alles unterzubringen.

Mit der Scheibe lassen die vier Herren von der Insel auf jeden Fall nichts anbrennen und man sollte hier schon unbedingt rein hören. Abwechslungsreicher und einfallsreicher Punkrock mit Blick über den Tellerrand. Einen Platz auf meiner Küchenliste hat die Platte auf jeden Fall sicher. Mirko

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RICHIES – AUTUMN FALL

RICHIES – AUTUMN FALL
(Hulk Räckorz)

Hätte irgendwer gedacht, dass die Band 23 Jahre nach ihrem letzten Album noch mal was Aktuelles nachlegt? Und das auch noch in Originalbesetzung? Wohl kaum, oder? Ist aber so gekommen und mit „Autumn Fall“ kommt 16x neuer Stoff.

Das Trio aus Duisburg, selbstverständlich gut gekleidet in Jeans und Lederjacke, bleibt natürlich beim simplen, Ramones-ähnlichen Bubblegum-Pop-Surf-Punk. Ist melodisch, geht ins Ohr, kannste locker-flockig zur jeder Gelegenheit und auch mal mit Oma und Opa hören. Bis auf die letzten zwei Songs vielleicht, denn gegen Ende sinkt das Niveau. Wenn irgendeine Teenie-Band Lieder wie „In tits we trust“ bringt, kann man das vielleicht noch auf´s Alter schieben. Oder wenn ein Song wie das darauffolgende „Oh my God“ überwiegend aus Frauengestöhne besteht. Aber die Teenie-Karte kann man nach 30 Jahren Bandbestehen hier wohl kaum ziehen.

Ist ja auch schön und gut, wenn sich die Band ein bisschen jugendliche Unverkrampftheit bewahrt hat, aber die letzten beiden Songs sind mir echt etwas zu infantil. Ansonsten ist das Album aber absolut hörbar und gefällt mir bis auf die erwähnten Ausnahmen recht gut. Die Band hat musikalisch nichts verlernt und passt im Plattenregal auch weiterhin gut zwischen SCREECHING WEASEL und THE QUEERS. Spike

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BLENDEN – IN DEN WIRREN EINER NACHT

BLENDEN – IN DEN WIRREN EINER NACHT
(Hulk Räckorz)

2018 erschien die Debüt-EP von BLENDEN und die Band war schnell in vielerlei Munde. Auf dem nun folgenden Longplayer kommen 13 neue Songs der Kölner und die Aufmerksamkeit dürfte ihnen gewiss bzw. die Neugierde durch die Videovorboten angefacht sein.

Die Musik des Fünfers ist eine Mischung aus Pop und Indie mit deutschen Texten und einer Prise Punk. Waren deutsche Texte zu dieser Art von Musik früher mal peinlich, so erfreut sich diese Mischung heute immer größerer Beliebtheit. Das beweisen nicht zuletzt Bands wie KETTCAR, MADSEN, TURBOSTAAT und alles was dazwischen und drum herum liegt. „In den Wirren einer Nacht“ ist ein Soundtrack für den Kopf und für´s Herz, der weit davon entfernt ist, die üblichen Parolen zu dreschen, aber dennoch Message hat, die ankommt. Wenn auch gerne mal durch die Hintertür, aber Texte auch mal selbst zu interpretieren oder selbst zu Ende zu denken, ist immer eine interessante Sache und dafür lassen BLENDEN den Spielraum.

Die Musik ist sehr eingängig – nicht kompliziert, aber gut gespielt und einem Faden folgend, der sich angenehm durch ein komplett sauber produziertes Album zieht. Das mag eingefleischten Deutschpunkhörern oder denjenigen, die wissen das Thorsten von ddp / DER DICKE POLIZIST hier mitspielt und vielleicht etwas anderes erwarten, unterm Strich vielleicht zu viel Pop sein, aber das ist ja deren Problem. Ich jedenfalls kann dem Album durchaus einiges abgewinnen. Spike

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GLOOMSTER / KILLBITE – IF YOU FOLLOW THE TUNES OF PERDITION

GLOOMSTER / KILLBITE – IF YOU FOLLOW THE TUNES OF PERDITION
(Riot Bike Records + diverse weitere)

Das sich beide Bands eine Platte teilen, ist nicht weiter verwunderlich. Bevorzugen beide doch eine klare Kante und sind auch musikalisch im ähnlichen, härteren Genre zu verorten. Es gibt sechs Songs pro Band, die im Fall der mir vorliegenden Platte auf rot/transparent gepresst wurden.

GLOOMSTER rechnen mit Doppelgesang kompromisslos mit Nation und Besorgtbürgern ab. Im Wechsel zwischen schleppend und schnell wird mit Ansagen und Kritik nicht gespart. Die Mischung aus Crustpunk und Hardcore erinnert mich bei diesen neuen GLOOMSTER Song-Schwergewichten an die guten, alten BAFFDECKS. Ballert!
KILLBITE schlagen ebenfalls deutlich in die Crustpunk / Hardcore Kerbe, sind jedoch etwas metallischer. Und englischer. Und sogar 1x portugiesisch. Neben diversen Gastsänger_Innen schließt sich hier der Kreis mit Fabio (ODIO SOCIAL) und Jef (AGROTÓXICO). Ansonsten textlich auch unmissverständlich direkt und kritisch.

Wer´s hart, deutlich und politisch mag, wird seine Plattensammlung mit dieser geteilten Scheibe vermutlich erweitern. Hier passt jedenfalls alles zusammen. Spike

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FCKR – KIEZPILLE

FCKR – KIEZPILLE
(Kopperation Records, Major Label)

Zeitlich nicht weit von der Split 7“ mit SHUTCOMBO entfernt, kommt auch noch ne´ große und alleinige Platte von FCKR. Groß allerdings nur in Punkto Format, denn die 12“ kommt als EP mit 6 Songs.

Ungeschliffen und minimalistisch schrammeln sich FCKR zurück in die Achtziger. Deutschpunk mit Synthie, der dadurch schön nach New Wave und NDW klingt. Die Texte sind kritisch und kehren auch vor der eigenen Haustür / Szene. „Applaus“ handelt z.B. davon, wenn die eigenen Leute und Projekte abgezockt werden (Applaus, Applaus, Zecken nehmen Zecken aus). Auch die anderen Songs haben einiges zu sagen und auch einiges zu fragen (Bist du noch dabei wenn die Straße brennt?“) aus „Strasse“ oder (Nützt es noch was, sag es mir. Revolution und Demonstrieren. Haben wir nicht schon resigniert? Uns still und leise voll blamiert?) aus „Pille“.

6 Knallersongs und kein Lückenfüller. Und auch soundmäßig ist die Band sich treu geblieben. Richtig gutes Ding. O.k., bis auf die Covergestaltung vielleicht. Aber was die Plattencover angeht, hatten die Leipziger ja schon immer einen sehr eigensinnigen Geschmack. Spike

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A TIME TO STAND – LIGHT YEARS

A TIME TO STAND – LIGHT YEARS
(Fond of Life / Keep it a secret / Disconnect Disconnect / ‘59SRS)

Da auch bei dieser Scheibe kein Infozettel aus dem Päckchen heraus fiel, habe ich mich nur oberflächlich über die Band Informiert. Kurz zu den Fakten: Saarländer, 5 Jahre Pause hinter sich, erstes Album nach ein paar EPs. Soviel also zur Vorgeschichte.

Vier Labels aus dem In- und Ausland haben sich für diese Produktion zusamme getan. Zu hören gibt es melodischen (Hardcore-)Punk, wie man ihn schon 1000 Mal gehört hat. Dieses Umstandes ist sich die Band durchaus bewusst und gibt dies im „Generic Pop Punk Intro“ auch so zu Protokoll. Schnell gespielt, schnell ins Ohr und auch schnell wieder heraus. So könnte ich die Mucke von A TIME TO STAND beschreiben. Sieben Gastmusiker haben sich die Jungs für die Aufnahmen mit ins Studio geholt, um die eingängigen Songs ein wenig auf zu peppen, den Gesang zu unterstützen und auch mal die Geige oder das Cello zu schwingen. Ihr Handwerk versteht die Band dabei ziemlich gut und auch die Produktion kann sich absolut hören lassen. Doch auch wenn diese Eigenschaften sicher als positiv zu bewerten sind, will das alles nicht so recht in meinen Gehörgängen haften bleiben. Zugute halten muss man der Band auch unbedingt, dass die Songs mit viel Leidenschaft vorgetragen werden. Und auch thematisch geht man durchaus kritisch zu Werke und verliert sich nicht in Belanglosigkeiten, so dass am Ende dann doch ein positives Fazit gezogen werden kann.

Eingängiges Album, frei von Innovation oder erhöhtem Wiedererkennungswert, dafür aber voller Herzblut, und auch Aussagekraft. Schnell, voller schöner, poppiger Melodien und einer rundum gelungenen Produktion. Daher sei diese CD den Hörern von flottem, melodischem Skate-, Hardcore- oder Pop-Punk auch ans Herz gelegt. Mirko

http://atimetostand.de