BANANA SLUGS – DER UNGLAUBLICHE ALK

BANANA SLUGS – DER UNGLAUBLICHE ALK
(Eigenproduktion)

Heidenei, wie man im Schwäbischen sagt, wenn man solch ein famoses Wortspiel als Titel einer EP/Mini-CD präsentiert bekommt. Und wenn die Band sich dann auch noch solch einen  Bandnamen gibt, kann die Freude auf das zu Erwartende kaum größer sein. Obwohl…optisch sind Bananenschnecken ja schon eher ungewöhnlich.

Der Inhalt dieser 5-Track-CD dagegen ist es nicht. Bekommt man doch das geboten, was man eigentlich erwartet. Zumindest das was ich erwartet habe. Technisch zwar sauber gespielter und gut produzierter, flotter und melodiöser Deutschpunk, der aber irgendwie total zwischen den Seilen hängt. Das liegt vor allem an den Texten, in denen versucht wird, auf ironische Weise Ernsteres zu verarbeiten. Und das gelingt leider nicht besonders gut. Das ist zwar alles gut gemeint, wirkt doch oft etwas unausgegoren. Sei es nun das obligatorische Anti-AfD-Lied, der Veganer-Song oder das pubertäre Lied über‘s Furzen. Der selbstzweifelnde Titeltrack hat dagegen Potential, wirkt durch den Band-Slogan „Beer, Slugs & Rock‘n‘Roll“ aber ein wenig unglaubwürdig und bei „Rache“ kommt zumindest so etwas wie Bauchgefühl rüber. Ansonsten will man ein wenig provozieren, aber doch keinem so richtig auf die Füße treten.

Musikalisch geht die EP auf jeden Fall in Ordnung und man hat auch ein paar gute Einfälle.  Durch die inkonsequente Art der Lyrics wird das alles oftmals aber zu dem, was der „true rebell“, und auch der, der sich dafür hält, als Abi-Punk bezeichnet. Im Endeffekt deshalb schon eher etwas für Leute, die gerade ihre wilde Phase haben. Mirko

www.bananaslugs.de

VODKA JUNIORS – WARRIOR ANTHEMS

VODKA JUNIORS – WARRIOR ANTHEMS
(Diverse DiY-Labels)

Punkrockbands aus Griechenland waren mir bisher völlig unbekannt. Dies soll sich nun mit diesem Album ändern. Seit dem Jahr 2000 bestehen die VODKA JUNIORS aus Athen und dies ist bereits ihr sage und schreibe siebtes Studioalbum.

Man hört auch gleich, dass hier keine Anfänger am Werke sind, denn die Band ist nicht nur gut eingespielt, sondern bietet dem geneigten Hörer auch gut abgestimmte und arrangierte Songs, die vorzüglich produziert sind. Zu hören gibt es soliden Punkrock, der wirklich gut rein läuft. Harmonisch, melodiös und abwechslungsreich in Geschwindigkeit und stilistischen Einflüssen. Wenn man dem Spülwisch glauben darf, ist doch es erstaunlich, dass die Band schon wieder ein komplettes, ideenreiches Album abgeliefert hat, denn erst im Jahre 2015 wurde ein Triple-Album mit unglaublichen 45 Songs veröffentlicht. An Ideenreichtum scheint es der Band jedenfalls nicht zu mangeln. Und es ist auch nicht so, dass hier jeder Hirnfurz aufgenommen wurde, sondern es sich um wohldurchdachte Songs handelt, die auch textlich ansprechend sind. Hier findet sich eine große Bandbreite an Themen, die auch ansprechend umgesetzt wurden. Kritisch, emotional und politisch, aber auch mal nachdenklich geht es hier zu. Das alles wird in eine Mischung aus Punkrock, Hiphop und Elektro und Pop verpackt, wobei der Fokus aber ganz klar auf dem melodischen Punkrock liegt.

Zwar nicht die absolute Innovation im Punkbereich, aber das Album glänzt mit Ideenreichtum, ist gut eingespielt und produziert und ist sicherlich auch für ein breiteres Publikum ansprechend und größere Bühnen geeignet. Mir gefällt‘s wirklich gut, auch wenn mir manchmal ein wenig Härte fehlt. Auf jeden Fall eine Empfehlung wert. Mirko

www.vodkajuniors.com

ABBRUCH – LIEBER LINKSRADIKAL

ABBRUCH – LIEBER LINKSRADIKAL
(Abbruch Records / Impact Records)

Den Beweis für den Hinweis, dass dieses Album in punkto Sound „schmaler, dreckiger und direkter“ als seine Vorgänger wäre, liefern ABBRUCH sofort mit dem Einstieg von „Uniform des Kapitales“. Auch nachfolgend wird deutlich, obwohl Tasten- oder Blasinstrumente nicht ganz gewichen sind, dass ABBRUCH mit denen nicht groß herumexperimentieren, sondern sich auf die üblichen, musikalischen Punkwerkzeuge konzentrieren.

So bekommen die Hörer_Innen tatsächlich einen etwas anderen ABBRUCH-Sound präsentiert, als sie vielleicht aus der Vergangenheit von dem Randberliner Trio gewohnt waren. Alles wirkt eine Spur härter, der Gesang böser, mehr klassischer Deutschpunk mit Oi!-Einschlag, dafür weniger Fun-Punk. Auch die sonst gerne mal lustigen Texte sind wesentlich bissiger und kämpferischer. Provoziert wird natürlich nicht komplett ohne die ironische Art, aber nie albern, sondern wirklich auf einem guten Level.

Der Gesang klingt dieses Mal in seinen rauen Parts stellenweise etwas nach Tommy Molotow (MOLTOW SODA). Passt zum neuen Sound der Band und zu den politischen, und gesellschafts- sowie szenekritischen Texten. Ihre beste Platte bis jetzt. Spike

www.abbruch-records.de

TEQUILA AND THE SUNRISE GANG – OF PALS AND HEARTS

TEQUILA AND THE SUNRISE GANG – OF PALS AND HEARTS
(Uncle M Music)

Ska und ich, dass ist bekanntlich eine komplizierte Beziehung. Wenn wir denn überhaupt von Beziehung sprechen können. Manchmal laufen wir uns über den Weg und strafen uns mit Missachtung, manchmal bleibt es bei einem One-Night-Stand und wir wissen beide nicht warum – und in den seltesten Fällen, da mögen wir uns auch mal über einen längeren Zeitraum. Manchmal sogar ohne Alkohol.

Na gut, ganz so dramatisch ist das alles vielleicht nicht, aber dennoch ein wenig. So erlebe ich auch mit dem aktuellen Werk von TEQUILA AND THE SUNRISE GANG eine Achterbahnfahrt der Gefühle. Diese lassen mit ihrem fünften Album einen regelrechten Orkan aus Saxophon, Posaunen und Trompeten wüten – und blasen Dir diesen direkt in die Beine. In manchen Momenten packt es mich gar nicht, in anderen kann ich gar nichts anderes, als den Kopf wie ein Wackeldackel zu bewegen und den Zuckungen der Beine freien Lauf zu lassen.

Guter-Laune-Sound, ohne Frage, gekonnter Spagat aus Ska, Reggae und Rock, allerdings könnten die Gitarren nach meinem Geschmack etwas mehr braten, was den Punkanteil automatisch etwas erhöhen und mich somit mehr ansprechen würde. Hat aber dennoch, auch wenn ich wie gesagt nicht mit jedem Lied was anfangen kann, einige schöne Songs dazwischen, die mich ansprechen. Allen voran sicherlich „Keep Me Arrested“, zu dem es auch ein Video gibt. Das ist der Hit der Scheibe und den könnte ich mir in Dauerschleife anhören. Spike

www.tatsg.de

AMEN 81 – ATTACK OF THE CHEMTRAILS

AMEN 81 – ATTACK OF THE CHEMTRAILS
(Twisted Chords)

Frontalangriff auf alle Verblendeten und Vernebelten, denen die Chemntrails-verseuchte Luft zu Kopf gestiegen ist und das Chemntrails-verseuchte Regenwasser Löcher ins Hirn gebrannt hat. Der geniale Albumtitel hält genau was er verspricht und wer AMEN 81 kennt, weiß, dass die vorgebrachte Kritik nicht auf die sanfte Tour vorgetragen wird.

Gewohnt bissige Texte, die ihrer eigenen Fassungslosigkeit und Wut Luft verschaffen und jedem Verschwörungstheoretiker die musikalischen Kondensstreifen um die Ohren schlagen. Reichsbürger, die besorgten Rechten und das ganze Nationalistenpack kriegt auffe Alu- oder Fleischmütze. Bämm!

Brachiales, angekotztes Hardcore-Punk-Brett und bis jetzt die fetteste Produktion der Band. Auch die Aufmachung kann was und kommt mit Zeitungsinlay, genannt „Chemtrail Kurier“. Macht was her. Wie bei AMEN 81 so üblich, nicht auf CD erhältlich. Nur auf LP + Downloadcode und Tape. Ballert! Spike

www.amen81.de

URINPROBE – SCHLECHTE KARTEN

URINPROBE – SCHLECHTE KARTEN
(Kellerassel Records)

Oha, eine neue Veröffentlichung von Urinprobe. Nach zwei Tapes und einer Vinyl EP hat die Bands sechs neue Lieder am Start, die wieder auf einer, auf 111 Stück limitierten, Musikkassette daher kommen, aber auch bei Bandcamp angehört werden können.

Gespielt wird immer noch wilder Deutschpunk, der diesmal sogar einen richtig guten Sound besitzt. Also nicht wirklich der frühere kratzige Kellersound, sondern wirklich gut aufgenommen und abgemischt. Dennoch ist das alles immer noch ungestüm und rotzig, mit Ecken und Kanten und weit weg von glattgebügelter Sterilität. Lediglich der immer noch recht angepisste Gesang könnte ein weniger deutlicher sein. Aber glücklicher Weise sind die Texte ja im Inlay abgedruckt. Auch diese sind wieder direkt aus dem Bauch heraus und voll geballter Wut. Deshalb bleibt es auch nicht aus, dass hier die ein oder andere Phrase und so manche Plattitüde Platz findet. Aber so ist das eben, wenn man sich auskotzt. Da wird nicht nach tiefgründigen Metaphern gesucht sondern das Kind beim Namen genannt. Passend dazu findet sich als letzter Song dann noch ein Cover von „Die Bombe“ von VKJ, denn mit diesen kann man den Stil doch recht gut vergleichen.

Musikalisch bleibt man sich mit diesem Tape also treu, während aufnahmetechnisch doch ein großer Schritt nach vorne gemacht wurde. Deshalb knallt das rohe Tape auch wirklich gut rein und präsentiert authentischen Gossenpunk mit viel Leidenschaft und der richtigen Einstellung. Mirko

https://urinprobe.bandcamp.com/