DIE ANGST – VERSCHIMMELTE BLUMENWIESEN

DIE ANGST – VERSCHIMMELTE BLUMENWIESEN
(Moon Records)

Angesichts des unleserlichen Logos und des eher depressiven Titels könnte man fast denken, dass hier eine emotionale HC oder Metal-Scheibe vorliegt. Aber die EP der Band aus Brandenburg geht (zumindest musikalisch) dann doch in eine andere Richtung. Trotz der Existenz von bereits 15 Jahren und sechs zurückliegenden Tonträgern ist mir die Band bisher unbekannt, was mich dann ganz vorbehaltlos an die Sache ran gehen lässt.

Das Emotionale, aber auch das (leicht) Depressive kommt in den Texten der vier Songs auf jeden Fall zur Geltung. Somit lag ich da mal nicht ganz verkehrt. Das drum herum kann man aber dann doch eher im Punk verorten. Um Namedropping kommt man hier aber kaum vorbei, was vor allem an der Stimme bzw. dem Gesang liegt. Denn sofort fühle ich mich in Bezug darauf an Bands wie FLIEHENDE STÜRME erinnert. Vom musikalischen her dann aber auch ein wenig an EA80. Denn ganz so monoton wie erstgenannte Band geben sich DIE ANGST auf musikalischer Ebene nicht. Dennoch kann man hier von einem Klon beider Bands sprechen. Blöd, dass ich mit beiden nie so ganz warm geworden bin, was natürlich auf diese Band abfärbt. Weiterhin schlägt mein Vorwurf der Kopie ins Gewicht. Etwas mehr Eigenständigkeit wäre hier sicher nicht schlecht gewesen. Aber besser gut kopiert als schlecht selbst gemacht.

Freunde der genannten Vergleichsgruppen können hier sicherlich bedenkenlos zugreifen, denn qualitativ steht die Mucke den Vorbildern, Kopie hin oder her, in nichts nach. Meine Flasche Bier ist‘s halt nicht, aber Geschmäcker sind glücklicher Weise ja verschieden. Mirko

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BROT #4

BROT #4

Zum ersten Mal halte ich das BROT-Fanzine in Händen, welches mit dieser Ausgabe in die vierte Runde geht. Das Heft wird von Thommy & Yannig aus Hamburg herausgegeben, hergestellt und mit Inhalt gefüllt. Das Teil ist gebunden und im A5-Format. Und bei einem Umfang von knapp 100 Seiten (!) ist es auch sicherlich ganz gut, das Ding in einem stabilen Format heraus zu bringen.

Inhaltlich sind die beiden mit diesem Heft ziemlich breit aufgestellt und es gibt eine Fülle an Themen. Da gibt es ein paar Interviews mit (mir) unbekannten Bands, was immer ganz gut ist, um auch mal neues kennen zu lernen und nicht das zwanzigste PASCOW Interview lesen zu müssen. Dann gibt es Festivalberichte, kleine Anekdoten, einen kurzen Reisebericht, eine umfangreiche Musik- und Fanzine-Rezensionsecke, einen Comic, und ein paar humorvolle und sarkastische Beiträge zu allerlei Alltagsthemen. Sicher nicht jedermanns Geschmack, aber mir recht zuträglich. Das alles locker-flockig geschrieben, ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen. Nicht nur dadurch, sondern gerade auch wegen der Vielfalt gefällt mir das Teil doch wirklich gut und durch den großen Umfang hat man auch eine ganze Weile an dem Ding zu lesen. Ideal daher für die Bahnfahrt oder auch als Klolektüre.

Wäre schön, wenn die geplante 6-monatige Erscheinungsweise eingehalten wird, denn das Heft macht echt Spaß und steckt auch voller Idealismus. Bei 98 Seiten aber sicherlich gar nicht so einfach, das Heft voll zu kriegen. Lassen wir uns überraschen. Ich freue mich jedenfalls auf eine neue Ausgabe, den diese hier finde ich sehr gelungen. Mirko

brotfanzine@gmx.de

KRACHMAKERS – S/T

KRACHMAKERS – S/T
(Eigenproduktion)

Eigentlich gab´s die KRACHMAKERS ja schon mal. Um Ende der 1980er, Anfang der 90er-Jahre für ungefähr zwei Jahre lang. Ca. 2 Demos gab‘s da wohl von denen. Nun hat man sich aber wieder zusammengefunden und zwei (jedoch relativ lange) Lieder auf eine EP gepresst. Optisch macht das Teil ja schon was her. Aber was ist mit dem Inhalt.

Tja, irgendwie hören sich die Lieder an, als ob die Herren Künstler ihre Instrumente in den letzten 30 Jahren nur recht selten in Händen gehalten hätten. Das Schlagzeug holpert in mehr als gemächlichem Tempo dahin, Bass und Gitarre beschränken sich auf das Nötigste und der Gesang versucht vergeblich, die richtigen Töne zu grunzen. Das ist wirklich einfachster, ziemlich lahmer Deutschpunk, den ich irgendwie so überhaupt nicht ernst nehmen kann. Auch was das Textliche betrifft. Der erste Song handelt vom Warten bzw. der Ungeduld im Alltag. Der zweite Song ist Stanislaw Petrow gewidmet, der russische Offizier, der im Jahr 1983 einen Atomkrieg nicht ausgelöst hat. Die Texte sind jedoch auf niedrigstem sprachlichen und lyrischen Niveau zusammen geschustert und wirken somit eher unfreiwillig komisch. Ob das so gewollt ist wage ich allerdings zu bezweifeln. Auch dass beide Lieder relativ lang sind, fördert das Hörvergnügen nicht gerade.

Gut aussehen tut sie, die Scheibe. Aber ansonsten? Wenn auf einem Album 2 von 12 Songs kacke sind, ist das ja zu verschmerzen. Aber wenn nur zwei Lieder vorhanden sind, sieht‘s da schon anders aus. Und so ist‘s halt bei diesem Teil hier, dass mich daher wirklich nicht vom Hocker reißt. Mirko

www.krachmakers.de

DUN FIELD THREE – S/T

DUN FIELD THREE – S/T
(Noise Appeal Rec.)

Aus Wien stammt dieses obskure Trio, welches mit diesem selbstbetitelten Werk ihr erstes Album veröffentlicht. Für mich ist das musikalische Schaffen der Band allerdings nicht wirklich zugänglich, dies schon mal vorab. Ungewöhnlich ist die Scheibe allerdings schon.

In den neun Liedern gibt sich das Trio recht experimentierfreudig, aber auch nostalgisch, so dass es gar nicht so einfach ist, die Musik zu beschreiben. Ich versuch es trotzdem mal. Das Grundgerüst fundiert auf zeitlosem Kneipenrock mit us-amerikanischen Folkelementen, der eher seicht und gefühlvoll daherkommt. Darin verflechten die Musiker diverse Elemente von Blues über Jazz bis Noise-Rock. Das alles in getragenem bis gemächlichem Tempo. Ein bisschen fühlt man sich wie in einem verqualmten Kellerclub, in dem abgestürzte Existenzen sich zu lauwarmem Cognac ihren Sentimentalitäten hingeben. Den Soundtrack dazu bieten die DUN FIELD THREE. Ich werde mit dem Kram allerdings überhaupt nicht warm und da ändern auch die recht schrägen Texte nichts.

Die Scheibe dürfte wohl eher Menschen gefallen, die auf abgedrehtes Musik-Theater stehen und sentimentaler Stimmung nicht abgeneigt sind. Daher sicher nicht für jedermann, -frau oder was auch immer geeignet. Ich tu mich jedenfalls doch ziemlich schwer mit dieser Platte. Mirko

www.dunfieldthree.com

REFLECTOR – TURN

REFLECTOR – TURN
(Noise Appeal Rec. / Rock is Hell Rec.)

Seit über zwanzig Jahren aktiv und schon mehrere Alben auf dem Buckel hat die Grazer Band, die jahrelang als Duo unterwegs war. Nun hat man aufgestockt und einen Bassisten mit an Bord, der die Band zum Trio anwachsen lässt. Das neue Album, dieser mir bisher unbekannten Band, beinhaltet lediglich sieben Songs bei einer Spieldauer von fast 45 Minuten.

Wenn man dann die ersten Töne vernimmt, weiß man auch schnell, warum die Songs so lange sind. Die Band geht etwas tiefer gestimmt und vom Tempo her mehr als gemächlich zur Sache. Dennoch kommt der Sound wuchtig daher. Aber eben auch sehr schleppend, so dass man schon ein wenig Geduld mitbringen muss. Gesang ist im Gegensatz zu den musikalischen Längen aber relativ spärlich, aber dennoch vorhanden. In diesen Passagen wird auch das Tempo etwas angezogen, aber der Rest drum herum ist für meinen Geschmack stellenweise doch ziemlich zäh geraten. Vor allem da die schleppenden Passagen doch ziemlich eintönig geraten sind.

Also mehr als ein bis zwei Songs am Stück kann ich mir von dem Sludge-Rock mit düsteren Metal- und Noise-Elementen, wie es im Promo heißt, nicht wirklich anhören, sonst schlafen mir die Füße ein. Ist halt echt ne´ zähe Angelegenheit und für Leute, die sich in solchen Instrumentalphasen verlieren können. Mirko

www.reflector.at

V.A. – BEKANNT UND BELIEBT – 28 BANDS SPIELEN NOTDURFT

V.A. – BEKANNT UND BELIEBT – 28 BANDS SPIELEN NOTDURFT
(Überfall Records)

28 (oder 27?) Bands spielen NOTDURFT bzw. Songs von NOTDURFT und mit diesem Tribute-Projekt setzen vier Bielefelder Musikliebhaber der Band ein Denkmal. Einer Band, begonnen in den frühen Achtzigern, die mit ein paar Klassikern an den Deutschpunkgeschichte mitgeschrieben hat, aber irgendwie nie den Status von Bands wie SLIME, DAILY TERROR oder TOXOPLASMA erreichte, die in dieser Zeit richtig durchstarteten.

Ihre erste Platte auf Aggressive Rockproduktionen wurde dennoch Kult und das NOTDURFT auch etliche andere Bands inspirierten, davon zeugt diese CD / Doppel-LP. CAMINOS, MURUROA ATTÄCK, BRUTAL VERSCHIMMELT, ÜBERFLÜSSIG feat. Micro “Abstürzende Brieftaube“ Bogumil, HANS AM FELSEN, ZELLE B und und und. Mal dicht am Original, mal in ganz eigener Umsetzung.

Teilweise Songs, die ich schon seit Ewigkeiten nicht mehr gehört habe und die sich jetzt in neuem Gewand präsentieren. Und mit über 2 dutzend Bands auch irgendwie ein Mammut-Projekt, denn so viele Bands die ihr Cover so gescheit abliefern, musste erstmal finden. Hat ja geklappt und NOTDURFT dürften glücklich darüber sein, dass ihre Songs so prägend waren. Spike

https://ueberfall-records.bandcamp.com/album/bekannt-beliebt-28-bands-spielen-notdurft