GUTS PIE EARSHOT & NOMI AND AINO – DECKNAME JENNY

GUTS PIE EARSHOT & NOMI AND AINO – DECKNAME JENNY
(Majorlabel)

Bei vorliegendem Album handelt es sich um den Soundtrack zu dem Film „Deckname Jenny“, den ich leider nicht kenne. Auch der OfdB ist der Film bisher nicht bekannt, allerdings existiert er tatsächlich. Jedenfalls läuft der Film seit Ende April in verschiedenen ausgewählten Kinos. Die Filmmusik stammt von dem schwer einzuordnenden und seit Ewigkeiten aktiven Fusion-Duo GUTS PIE EARSHOT sowie NOMI AND AINO, von denen ich bisher noch nichts gehört habe, die aber ebenfalls als Duo unterwegs sind.

Die einzelnen Songs funktionieren allerdings nicht nur als Soundtrack, sondern bilden auch ohne den Film oder das Wissen, das es sich hier um einen Soundtrack handelt, eine Einheit. Man findet eine Mischung aus Pop, Indierock und Elektro, die auch textliche Aussagekraft besitzt und nicht nur simple Hintergrundmusik darstellt. Verzerrte Gitarren und harte Beats sucht man (mit wenigen Ausnahmen) dabei vergebens. Dafür nachdenkliche und reflektierte Songs, die musikalisch eingängig, aber dennoch recht ungewöhnlich sind. Verschiedene Emotionen werden hier mit viel Ausdruck transportiert und ziehen die HörerInnen in ihren Bann. Auch wenn das nicht ganz meine musikalische Schiene ist, kann auch ich diesem Album somit einiges abgewinnen.

Wer den Blick über den Tellerrand nicht scheut, wird hier mit tollen Songs verwöhnt, die emotional und ergreifend sind. Natürlich zündet nicht alles, denn die Musik ist schon auch auf einen Film zugeschnitten. Aber auch wenn ich diesen nicht kenne, kann ich mir zu dieser Musik doch diverse szenische Darstellungen ausmalen. Daher habe ich mich mit diesem Album auch wirklich gut angefreundet. Mirko

www.gutspieearshot.de
www.facebook.com/nomiandaino

SOOMA – S/T

SOOMA – S/T
(Holy Fail Records / Distrokid)

Mit diesem selbstbetitelten Werk legt das Schweizer Trio SOOMA ein Rockalbum vor, das auf das Wesentliche reduziert ist. Schlichtes Cover, minimale Besetzung und ein Sound, der roh und ungeschliffen daher kommt. 10 krachige Songs werden dabei in knapp 30 Minuten abgerotzt.

Nicht nur der Sound, sondern auch die Musik scheinen dabei wie aus der Zeit gefallen. Rockig, krachig, roh und wild. Von der Geschwindigkeit her setzt man auf ein mittleres Tempo, legt dafür aber umso mehr Kraft und Ausdruck in die Songs. Geprägt sind diese durch Emotionalität und Härte und erscheinen einerseits ungezügelt, andererseits aber auch wieder kontrolliert und durchdacht. Wenn im Beiblatt die Stilarten Grunge-, Noise-, Punk- und Stoner- Rock in Spiel gebracht werden, kann man dem nicht widersprechen. Denn genau diese Stilelemente mischen die Schweizer gekonnt zu einem zeitlosen, intensiven Rock-Sound. Viel mehr gibt es über diese Scheibe dann auch gar nicht zu sagen.

In sich stimmiges Album, das in keine der vier genannten Schubladen einzuordnen ist, aber das Beste aus deren Elementen zusammen zimmert. Hier wird mit geringem Aufwand maximales erreicht. Mirko

www.facebook.com/soomaband

RAPTUS DI FOLLIA / PEST CONTROL – SPLIT LP

RAPTUS DI FOLLIA / PEST CONTROL – SPLIT LP
(Incredible Noise Records / DirtFi Records)

RAPTUS DI FOLLIA / PEST CONTROL Split-LP, soso. Beide sind mir völlig unbekannt, was sich aber jetzt mit dieser Platte ändern soll. Turbulenter und im höheren Geschwindigkeitsbereich vorgetragener Punk mit deutlichen Hardcore-Anleihen, bläst mir von RAPTUS DI FOLLIA ins Gesicht. Alles ziemlich direkt und kurz und schmerzlos vorgetragen, was auch die Spielzeit der 5 Songs (ca. 1 ½ Min. Durchschnitt pro Lied) belegt. „In Silence“ kommt richtig geil und ist für mich der Hit. Der Rest ist zwar nicht schlecht, aber jetzt auch nicht das Nonplusultra. Glatte 3 als Schulnote würd ich sagen.

PEST CONTROL (ein Duo aus zwei Musikerinnen) holen mit 3 Liedern zum Rundumschlag aus, haben mit diesen aber mehr als eine doppelt so lange Laufzeit wie ihre Split-Partner. Brutalo-Screamo-Gaballer zwischen Kruste, Punk, Hardcore und Metal. Mal schleppend, mal schneller, auf alle Fälle ziemlich facettenreich in den Songstrukturen. Die Sängerin kreischt alles so dermaßen an die Wand, dass ich froh bin, den Texten über´s Textblatt folgen zu können. Im Gegensatz zur Musik recht wenig Worte, aber ich denke, damit drücken sie alles aus, was sie ausdrücken wollen.

Musikalisch sind beide Bands weit voneinander entfernt, verbinden tut sie allerdings der Inhalt… und wahrscheinlich die Freundschaft… und jetzt auch diese Split. Wie gesagt, rein musikalisch ziemlich gegensätzlich, aber genau das macht auch einen gewissen Reiz aus und beugt zu schnellem Überhören vor. Spike

https://incrediblenoiserecords.bandcamp.com/album/inr013-raptus-di-follia-pest-control-split-lp

BERLIN DISKRET – ARBEITEN UND WOHNEN

BERLIN DISKRET – ARBEITEN UND WOHNEN
(Twisted Chords)

BERLIN DISKRET schwingen zum zweiten Mal die Schrammel / Retro Keule. Paar Mitglieder der Band sind bekannt von anderen Bands, wie z.B. TERRORGRUPPE, THE SHOCKS oder AUWEIA. Mit diesen Bands hat das hier alles aber weniger zu tu – aber am dichtesten dran wären wohl THE SHOCKS, soviel können wir trotzdem schon mal festhalten.

Wie gesagt klingt das mega Retro und orientiert sich klar an „Ende der Siebziger“. Nichts für die breite Masse, die einen klaren und fetten Sound bevorzugt, sondern für den kleineren Kreis der Liebhaber, die das Kratzen und den Dreck mögen. Musikalisch bisschen weniger Punk als KOTZREIZ, dafür aber bisschen mehr Punk als FEHLFARBEN, alles in allem irgendwo dazwischen. Die Texte durchgeknallt aber nicht doof und die meistens vorhandene Message nicht immer auf den Punkt gebracht, aber dennoch vernehm- und erkennbar.

Kann ich mir ganz gut geben und bin auch generell selten abgeneigt, wenn ne´ Band von heute den Sound von früher spielt. Muss natürlich einigermaßen gekonnt und gerne auch halbwegs authentisch rüberkommen. Beides gelingt BERLIN DISKRET auch, obwohl das neue Teil im direkten Vergleich mit dem Debütalbum nicht ganz mithalten kann. Spike

https://berlindiskret.wordpress.com

DEEP SHINING HIGH – GUILTY

DEEP SHINING HIGH – GUILTY
(Incredible Noise Records / Maniac Attack Records)

Die letzte Single von DEEP SHINING HIGH liegt schon wieder 3 Jahre zurück. Zeit also für was Neues und das ist dieses Mal ne´ 12Inch  und mit 11 Songs auch der erste Longplayer der Band aus Dresden.

Die Bande hat nochmal ein paar Kohlen mehr ins Feuer geworfen und heizt richtig ein. Fetterer Sound, die Songs noch ausgereifter und das Gesamtpaket wesentlich kompakter. Klingt auf alle Fälle mehr nach Hudson River als nach Elbe und erinnert an diverse Streetpunk Urgesteine aus Übersee.

Rau, rotzig und durch die Chöre immer leicht hymnisch und mit guten Melodien. Richtig solide Punkrock Scheibe mit wirklich gutem Sänger, bei der sich gerade „Drag me out“ und „This one is for you“ als meine Anspieltipps qualifiziert haben. Spike

www.facebook.com/DeepShiningHigh

RISING RESISTANCE – PRIMETIME RIOT

RISING RESISTANCE – PRIMETIME RIOT
(Eigenproduktion)

Passend zum Bandnamen präsentieren sich RISING RESISTANCE aus dem Chiemgau auf ihrem Bandfoto im Innencover mit Basebalkeule & Axt, aber auch mit verbundenen Augen, was sicherlich symbolisch gemeint sein soll. Denn eigentlich kommen mir die Jungs trotz dieser Aufmachung doch eher brav als revolutionär und kampferprobt vor. Aber das sind mal wieder nur Äußerlichkeiten, auf die man bekanntlich nicht so viel geben sollte.

Textlich gesehen geht man allerdings in etwa in diese Richtung. Denn ganz so aufrührerisch, wie Liedtitel sowie der Opener „We will rise“ vermuten lassen, präsentiert sich die Band dann  doch nicht. Dennoch werden Missstände klar beim Namen genannt und der Wunsch nach Veränderung lautstark kund getan, allerdings ohne die straighte Straßenkämpfer-Attitüde, die man vielleicht vermuten könnte. Die Botschaften werden mit druckvollem, aber auch melodiebehaftetem Punkrock vorgetragen, der auch eine gewisse Energie in sich trägt.

Manchmal wird der an sich schon relativ kämpferische Inhalt aber ein wenig halbherzig vorgetragen, so dass ich den Jungs nicht immer alles abnehme, auch wenn man sich Mühe gibt, ausdrucksstark zu wirken. Versteift man sich aber nicht allzu sehr darauf und sieht über die auch hier offensichtliche deutsch-akzentuierte Aussprache der englischen Texte hinweg, hat die Band schon ein paar ordentliche, temporeiche und eingängige Songs am Start. Wirklich hängen bleibt bei mir aber trotzdem nicht viel.

Wirklich gut gemeinte Scheibe, die versucht, einen revolutionären Charakter zu vermitteln, was aber nicht immer gelingen mag. Die Einstellung stimmt jedoch, auch wenn diese nicht immer transportiert werden kann. Mit ein bisschen mehr Enthusiasmus könnte hier in Zukunft vielleicht noch was richtig Gutes draus werden. Mirko

www.facebook.com/RisingResistanceBand