NOWHEREBOUND – MOURNING GLORY

NOWHEREBOUND – MOURNING GLORY
(Drunken Ship Records, Ring Of Fire Records, State Line Records, Stars At Night)

Da hauen NOWHEREBOUND mal eben 19 neue Songs aufgeteilt auf ein Doppelalbum raus. Schlichtes Cover, aber durch viel weiß (die Farbe überträgt sich vom Cover auch auf´s Vinyl) dennoch eine wirklich edle Aufmachung.

Der Inhalt setzt mal wieder auf Abwechslung, wie es auch schon auf den Vorgängeralben zu vernehmen war. Streetpunk, Folk-Punk, Rock´n´Rock, viel Medlodie, vieles im Midtempo. Den absoluten Hit der Platten zünden NOWHEREBOUND gleich zu Beginn mit „Frankfurt, Am“. Auch „No Horse Town“, „Southpath“, „A Blessing & A Curse“ und „Forever Blue“ fressen sich im weiteren Verlauf als Ohrwürmer in den Gehörgängen fest. Die kratzige Gesangsstimme passt perfekt zu den Songs und harmoniert auch super mit der Frauenstimme, die immer mal wieder zum Einsatz kommt.

Warum diese vielseitige, texanische Band nicht schon längst durch die Decke gegangen ist, kann ich nicht so ganz nachvollziehen. Immerhin steht sie qualitativ den bekannteren Vertretern im Street- / Folk- / Punkrock-Genre in nichts nach. Spike

http://nowhereboundband.com

DIE DÖDELSÄCKE – LETZTE FAHRT

DIE DÖDELSÄCKE – LETZTE FAHRT
(Hulk Räckorz)

30 Jahre gibt es nun DIE DÖDELSÄCKE. Aber jetzt ist Schluss. Sechs Jahre nach dem letzten Album kommt zum Abschied jetzt noch diese Scheibe mit 7 neuen Liedern. Zudem gab‘s im September 2019 das Abschiedskonzert der Band.

Viel geändert hat sich in den letzten Jahren wohl nicht. Zumindest musikalisch. Die neuen Songs schließen genau da an, wo man mit der letzten Scheibe aufgehört hat. Spaßiger Deutschpunk, der durch den Einsatz von Mandoline, Dudelsack und Pfeife dem keltischen Folkrock huldigt. Trinkfreudigkeit ist daher auch ein zentrales Thema und so werden schon im Liedtitel gleich dreier Songs dem Rum- und Whisky-Konsum gehuldigt. Aber man macht sich auch wieder über das ein oder andere Klischee lustig. Das alles verpackt in flotte Melodien, die zum Pogotanz einladen. Zum Schluss lassen es sich DIE DÖDELSÄCKE aber auch nicht nehmen, noch ein feuchtfröhliches Abschiedslied zu schmettern.

Mit flottem, Alkohol geschwängerten Deutsch-/Folkpunk wird das Tanzbein nochmals ordentlich zum Schwingen gebracht, während die Band mit einem Schmunzeln im Gesicht und ausreichend Stoff im Blut zu Grabe getragen wird. Mit „Letzter Fahrt“ haben die Schotten aus dem Pott ein zwar relativ kurzes, aber würdiges Abschiedswerk veröffentlicht, das einfach Spaß macht. Mirko

www.doedelsaecke.de

SCHWINDELBUDE – SEID IHR WIRKLICH SO ZUFRIEDEN

SCHWINDELBUDE – SEID IHR WIRKLICH SO ZUFRIEDEN
(Eigenproduktion)

Bereits 2007 gegründet und 2010 wieder aufgelöst, folgte im Jahr 2013 die Neugründung der Deutschpunk-Band aus Finsterwalde. Weitere sechs Jahre später folgt nun das erste, selbstproduzierte Album der Band.

Zu hören gibt es 13 Mal recht einfach gestrickten Deutschpunk, der auch mal ein wenig rumpeln darf. Die Texte schwanken zwischen politisch und kämpferisch, wobei sich auch der ein oder andere Spaßtext mit einschleicht. Auch glänzen die Texte nicht durch Tiefgang, sondern sind ziemlich direkt. Dies schließt natürlich nicht aus, dass die ein oder andere Parole und Plattitüde mit einfließt. So wirkt manches auch ein wenig abgenudelt und ausgelutscht. Wirklich Neues gibt es jedenfalls nicht zu hören. Dafür ist der Sound schön räudig. Die Schleimkeim-Coverversion der „Kneipe“ hätte man sich aber sicherlich schenken können. Nicht nur dass das Lied schon zig-fach gekoffert wurde, wirkt diese Version doch ein wenig unbeholfen. Also Live-Zugabe ginge das aber sicher in Ordnung.

Bodenständige Scheibe, deren etwas stumpfe Lyrik sicherlich ausbaufähig ist. Auch sonst bewegt man sich auf den eher ausgetrampelten Pfaden des 90er-Jahre Deutschpunks. Auf einen späten Schlachtrufe- oder Punkinvasion-Sampler hätte das Material aber sicherlich gut drauf gepasst. Mirko

www.schwindelbude.de

DYLAN DISASTER – REMISSION

DYLAN DISASTER – REMISSION
(Ring of Fire Records)

Wäre mir diese Scheibe doch beinahe durchgerutscht. Zum Glück hab ich sie aber noch in einer Ritze entdeckt. Da die Platte bereits im August erschienen ist, will ich die Besprechung doch gleich mal nachholen.

DYLAN DISASTER, der auch in diversen anderen Bands musikalisch aktiv ist, beschert uns hier sein zweites Soloalbum, welches er mit befreundeten Gastmusikern eingespielt hat. Darauf befinden sich 12 poppige Punkrock Songs, die allesamt doch ziemlich eingängig sind. Teils gefühlvoll, aber auch nachdenklich und manchmal ein wenig schwermütig, dabei aber wenig schmalzig oder gar gefühlsduselig, dafür ab und zu ein wenig pathetisch, beschreibt DYLAN DISASTER hier seine persönliche Gefühlswelt, die sich stets im Kampf mit den emotionalen Übeln dieser Welt befindet. Während die Texte also eher tiefgründig sind, besticht die Mucke durch Lockerheit und wirkt ziemlich unverkrampft. Zudem kann durch eine ansprechende Instrumentalisierung das Songwriting ansprechend umgesetzt werden.

Zwar ist einiges dann doch arg poppig geraten, kann aber durch Glaubwürdigkeit auch einiges davon wieder wett machen. Wer auf gefühlvollen, melodiösen Pop-Punk steht, darf hier also gerne zugreifen. Mirko

www.dylandisaster.com

ERNTE 77 – KIPPEKAUSEN

ERNTE 77 – KIPPEKAUSEN
(Astroholz Records)

Kannste fast die Uhr nach stellen. Seit 2016 bringen ERNTE 77 jedes Jahr eine Veröffentlichung heraus. 2016, 2017, 2018 und jetzt 2019 kommt “Kippekausen“. Da wir schon Ende 2019 haben, dürfe es schwer werden im Rhythmus zu bleiben und 2020 wieder nachzulegen, aber darum geht’s ja auch gar nicht. “Kippekausen“ ist nach einer Straßenbahnhaltestelle in Bergisch Gladbach benannt und das Artwork bzw. die Songs wurden auch als Haltstellen auf der Rückseite aufgebaut. Gute Idee, wie ich finde.

Inhaltlich erwartet einen das, was man bei ERNTE 77 erwartet. Lockerer, flockiger, poppiger, spaßiger Punkrock mit großer Schippe, auf die er alles und jeden nimmt. Natürlich auch sich selbst. Wie immer höchst unterhaltsam und skurril, was allein schon beim Blick auf Liedtitel wie “Alles klingt wie Turbostaat“, “Antarktiskritik“ oder “Soße, die Durchfall macht“ festzustellen ist.

Wozu was anders machen als sonst? Das haben sich ERNTE 77 sicherlich gedacht und so machen sie genau das, was sie immer machen. Fröhliche Songs mit ironischen Texten ala´ SUPERNICHTS, über die die eine Hälfte schmunzeln kann und die andere nicht. Mit 19 Tracks übrigens wieder überdurchschnittlich viele Songs. Gibt schlimmere Alben. Spike

www.rentemit77.de

SPERMBIRDS – GO TO HELL THEN TURN LEFT

SPERMBIRDS – GO TO HELL THEN TURN LEFT
(Rookie Rec.)

Über 35 Jahre Bandgeschichte haben die SPERMBIRDS bereits hinter sich und haben in Teilen der Szene wahren Kultstatus. Irgendwie hat mich die Band komischer Weise aber nie richtig interessiert. Mal ein paar Songs irgendwo gehört, mehr auch nicht. Hab mich einfach nicht damit beschäftigt. Darum ist der neunte Longplayer der Band um Sänger Lee Hollis für mich sozusagen die Albumpremiere.

Die 13 neuen Stücke wagen den Spagat zwischen geradlinigem Metal-Rock, Punk und Hardcore. Ziemlich direkt und mit einer enthusiastisch rotzigen Stimme, die dem Ganzen viel Ausdruck und Emotion verleiht. Obwohl der Sound modern ausgefallen ist, kann doch deutlich der Charme der 1980er und 1990er-Jahre vernommen werden. Die SPERMBIRDS schaffen daher auch diesen Spagat und präsentieren eine homogene Mischung der verschiedenen Elemente, die gepaart mit den ironisch-sarkastischen Texten und der rohen Stimme auch mich überzeugen kann. Nicht nur vom Songwriting her, auch spieltechnisch geht die Band dabei durchaus kompetent zu Werke, so dass hier schon einige starke Songs zu hören sind, die nicht dem 08/15-Schema entsprechen.

Angefixt worden bin ich von den SPERMBIRDS jetzt zwar nicht, aber ich kann diesem Album doch einiges abgewinnen. Druckvoller Sound mit angenehmer Härte, eigenständig und authentisch. Mehr muss man nicht sagen. Gute Platte! Mirko

www.facebook.com/Spermbirds