ALARMSIGNAL – ATTAQUE

ALARMSIGNAL – ATTAQUE
(Aggressive Punk Produktionen / Antikörper Export)

Auf das neue Album von Alarmsignal war ich schon gespannt. Im Vorfeld hat man ja nur Lobeshymnen gehört und auch die Fanreaktionen waren ausnahmslos positiv. Nach „Sklaven der Langenweile“ stagnierte meinem Empfinden nach der qualitative Output der Band. Die beiden darauffolgenden Alben waren zwar nicht schlecht, hatten für mich aber auch kaum wirkliche Highlights zu bieten. Und um es gleich vorweg zu nehmen, mit “Attaque“ haben Alarmsignal dagegen wieder ein herausragendes Album abgeliefert.

Natürlich gibt es auch die typischen AS-Songs wie “Labyrinthe aus Beton“ oder “Fertig“ zu hören, die mit eingängigen Mitgröl-Refrains und den obligatorischen Chören aufwarten, aber schon beim ersten Song merkt die Hörerschaft, dass die Band diesmal auch andere Wege beschreitet und somit für neue Impulse und Abwechslung sorgt. Hier mischt sich altbekanntes mit neuem auf beste Weise, wie es “Arthurs Bekenntnis“ nicht besser verdeutlichen könnte. Sowohl textlich als auch musikalisch wird man hier wieder richtig an den Eiern gepackt. Hatte ich schon die Befürchtung, dass sich das sechste Album erneut in Wiederholungen verliert, bin ich doch ein wenig überrascht, dass diese Scheibe wieder richtig fetzt und mich absolut kein Song auf der Scheibe langweilt. Auch die bereits angesprochenen Songs im Stil, für den Alarmsignal bekannt ist. Spätestens als ich mir die Scheibe im Skulpturenpark von Klaipeda mit dem sechsten Bier in der Hand auf Volume 10 über Kopfhörer reingezogen habe, wusste ich, dass hier eine grandiose Deutschpunkscheibe vorliegt, die es schafft, kritische und politische Aussagen sowie persönliche Erfahrungen und Emotionen eindringlich und glaubwürdig rüber zu bringen und zu vereinen. Was für ein Monstersatz! Der wie immer geile, druckvolle Sound trägt natürlich sein Übriges dazu bei.

Wer denkt, ich wolle mich hier jetzt bei meinem Chef-Red einschleimen, liegt selbstverständlich falsch. Ganz unabhängig davon kann ich nämlich nur sagen, dass mich “Attaque“ wieder mitreißen und begeistern kann. Etwas, was mir bei den letzten zwei Scheiben doch ein wenig gefehlt hat. Mirko

www.alarmsignal-punkrock.de

MIKE STÄNDER BAND – BADUMM TSSS!

MIKE STÄNDER BAND – BADUMM TSSS!
(Middle Ear Recordings)

Überhaupt keine Infos liegen mir zu dieser Combo vor. Lediglich bekannt ist, dass das Duo aus der Schweiz, genauer gesagt aus Zürich stammt. Auf der Scheibe befinden sich zwei Songs, über Bandcamp bekommt man auch noch einen dritten Song geboten.

Obwohl eigentlich nur ein Bass-Spieler und ein singender Schlagzeuger zur Band gehören, kann man im ersten Lied mit dem Namen „Alkohol“ auch eine Trompete wahrnehmen, die wohl auch vom Trommler bedient wird. Die Musik ist recht minimalistisch gehalten und der erste Track ist im Singer/Songwriter-Stil gehalten. Der zweite Song „Adolf“ ist etwas kratziger ausgefallen und hat sowohl NDW- als auch Punkanleihen. Die Liedtitel sagen eigentlich schon alles zum Inhalt. Die Aussagen sind mit „Alkohol macht blöd“ und „Führer sind scheiße“ kurz und knapp zusammengefasst. Allerdings bedient man sich einem Vokabular, das vom Niveau her schon als einigermaßen gehoben bezeichnet werden kann.

Bei nur zwei Songs kann man zwar nicht mehr viel sagen, aber das was es hier zu hören gibt, ist für mich relativ ansprechend. Man hört auch, dass hier der Spaß an der Musik nicht zu kurz kommt und man auch dem Sarkasmus nicht abgeneigt ist. Kann man also schon mal reinhören. Mirko

http://mikestaenderband.bandcamp.com/

AFFENMESSERKAMPF – SEINE FREUNDE KANN MAN SICH NICHT AUSSUCHEN

AFFENMESSERKAMPF – SEINE FREUNDE KANN MAN SICH NICHT AUSSUCHEN
(Twisted Chords)

Wenn Andy Schlüter mal gerade nicht im Dienst ist (bei DIE BULLEN), dann heißt er Hannes und singt auch außerdienstlich ganz gerne, nämlich bei AFFENMESSERKAMPF. Hat er auch schon vor seiner Beamtenlaufbahn getan. Aber das wisst ihr Kleinkriminellen bestimmt.

„Seine Freunde kann man sich nicht aussuchen“ erschein bereits 2009, ist aber längst vergriffen, weshalb sie nochmal neu aufgelegt wurde. 9 Jahre später, optisch kaum älter geworden, höchstens mit etwas mehr Barthaaren und um zwei weitere Brillen reicher. Kann man schön vergleichen, da sich das Originalcover auf der Rückseite befindet. Gepimpt wurde das Ding noch mit den 6 Songs vom 2008´er Demotape, welche selbstverständlich nochmal neu gemasterd wurden.

Unverwechselbar, in erster Linie wegen der Stimme, rotzfrech, provokant, verrückt, großmaulig, zeigefingerzeigend, mittelfingerzeigend, hektisch, aufgedreht, überdreht, dauergenervt. Deutschpunk, der dir den Finger in die Nase steckt und Bock darauf hat dich vollzulabern, egal ob du willst oder nicht. Spike

www.facebook.com/affenmesserattitude

KEN HETZEN – S/T

KEN HETZEN – S/T
(Twisted Chords)

Ist das CASPER der da singt? Nee, natürlich nicht! Hört sich aber ähnlich an, also rein stimmlich. KEN HETZEN aus Dortmund ham´ sich 2016 spontan gegründet und waren oder sind nebenbei noch in diversen anderen Bands aktiv. Keine Anfänger also, und das hört man auch.

Moderner Deutschpunk mit klischeefreien Ansagen voll auf Fresse. Gefühlt irgendwo zwischen KAPUT KRAUTS und MANN KACKT SICH IN DIE HOSE mit Songs wie „Bachelor of Arsch“, „100 Kilo Befindlichkeitsscheisze“ oder „Konversation Exekution“. Meistens schlecht gelaunt, total genervt von irgendwas oder schlichtweg angepisst von allem. Und das verdammt nochmal zu recht!

Acht von den neun Songs sind gerade mal so knapp über ein Minütchen, der andere sogar unter einer Minute. Zusammengerechnet wird also alles in etwas über 10 Minuten runter gehobelt. Die Aufmerksamkeitsspanne ist somit leicht zu bewältigen, da braucht echt niemand zu labern, da können echt alle mal zuhören. Spike

www.facebook.com/kenhetzen

PUNISHABLE ACT – X

PUNISHABLE ACT – X
(Steeltown Records)

Twenty Five Years PUNISHABLE ACT. Glückwunsch. Gefeiert wird das Jubiläum mit einem neuen Album, dass auf den Namen bzw. den Buchstaben „X“ hört. 5 Jahre nach ihrem letzten Longplyer „Under The Flag“ ist diese Scheibe ihre mittlerweile achte.

Man könnte meinen, dass eine Band nach 25 Jahren auch irgendwann mal ausgelaugt, lustlos oder ideenlos ist, aber PUNISHABLE ACT sind weder das eine noch das andere, eher im Gegenteil. Sie klingen trotz deutlicher Einflüsse der alten Schule frisch und spielfreudig und scheuen sich weder vor Metal noch vor Crossover, was dem ganzen Werk enorme Abwechslung verleiht und jeglicher Monotonie vorbeugt. So verspielt die Musik von PUNISHABLE ACT auf „X“ aber auch sein mag, die Reife und Erfahrung merkt man ihnen natürlich an, und die kommt vor allem in manchen Texten, von denen einer (Unsere Werte) sogar ausnahmsweise mal nicht englischsprachig ist, deutlich zum Ausdruck.

Ein wirklich ausgereiftes Album, das jung und erwachsen zugleich wirkt, weil es eben nichts von der früheren Energie eingebüßt hat. Gut, das Cover ist jetzt keine Offenbarung, aber unterm Strich hat der Inhalt ja immer mehr Gewicht. Hardcorekids und Hardcorehaudegen – gönnt euch! Spike

www.facebook.com/punishableact

9/11 YOUTH – ANGST

9/11 YOUTH – ANGST
(S.N. Rex.)

Vor drei Jahren erschien von 9/11 YOUTH bereits die EP „Chains”. Wer dachte, das jetzt ne´ Langrille nachgeschoben wird, hat allerdings falsch gedacht, denn es ist wieder eine EP geworden. Diese allerdings als 12Inch – wirkt somit also wie ne´ große Scheibe. Weißes Vinyl (optisch total edel), einseitig bespielt und mit besprühter Rückseite, bei der ich mal davon ausgehe, dass die Band selbst zu Schablone und Spardose gegriffen hat.

In Sachen Produktion haben die Nürnberger nochmal gut nachgelegt und der Sound klingt druckvoll und passt gut zur Spielrichtung, die zwar als Hardcore durchgeht, sich aber dort nicht komplett festfährt und auch gerne mal Richtung Metal tendiert. Man hört jedenfalls deutlich, dass die Bandmitglieder ihre Inspirationen nicht nur aus einem Genre aufsaugen und verarbeiten.

Die Texte sind mitunter etwas klischeebeladen, aber wenigstens sozialkritisch und politisch bemüht. Aber würde man die Dichterkunst diverser angesagter Hardcore- oder Metalbands mal ins Deutsche übersetzen, würde man jetzt in vielen Fällen auch keine literarischen Meisterwerke bekommen. Da es 1 ½ deutsche Texte auf dieser Platte gibt, lässt sich aber feststellen, dass 9/11 YOUTH damit besser beraten wären. Einerseits können sie sich damit besser ausdrücken und andererseits wären sie dann eine von wenigen Bands, die diese Art von Musik mit deutscher Sprache belegt – anstatt eine von vielen Bands, die dieses Genre bereits englischsprachig bedient. Spike

www.facebook.com/09.11.youth