O CAPTAIN! MY CAPTAIN! – SLEEP WELL SOON

O CAPTAIN! MY CAPTAIN! – SLEEP WELL SOON
(Fond of Life)

Der Name ist mir durchaus geläufig und ich bin gefühlt schon so einige Male darüber gestolpert. Das musikalische Schaffen der Band drang allerdings noch nicht bis zu meinen Ohren durch, aber wie ich soeben lese, war die Gruppe bisher im Akustik- / Folkgenre verankert, hat diese Verankerung allerdings mit diesem Album gelöst und sich mehr Richtung Rock und Punk bewegt.

Überwiegend verzerrte Midtempo Nummern begleiten mich auf der kleinen Reise durch dieses Album. Die meisten sehr eingängig, nicht aufdringlich, aber mit vielen vermittelten Emotionen, die sitzen – zumindest bei mir. Die Songs sind sehr angenehm zu hören und es stört überhaupt nicht, dass hier nicht auf´s Tempo gedrückt wird.

Für die ganz harten Punkrocker ist das natürlich nichts, aber dafür für alle, die beispielsweise THE GASLIGHT ANTHEM etwas abgewinnen können. Indie-Rock / Indie-Punk auf einem entspannten und guten Niveau. Spike

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DEATH BY STEREO – WE´RE ALL DYING JUST IN TIME

DEATH BY STEREO – WE´RE ALL DYING JUST IN TIME
(Concrete Jungle Records)

DEATH BY STEREO, unermüdlich am Rackern, hier unterwegs, da unterwegs und zwischendurch Alben raushauen. Auch wenn die Wartezeiten dazwischen nach hinten raus immer etwas länger wurden, aber die Jungs um Efrem Schulz befinden sich ja bereits im dritten Bandjahrzehnt, da muss der damalige „alle-zwei-Jahre-ein-Album“ Durchschnitt nicht mehr stabil sein. Da reicht es, wenn die Band und ihr Sound stabil ist und bleibt.

Das sich über die letzten Jahre, auch bedingt durch die aktuelle Politik und die Regierung vor ihrer Haustür, einiges aufgestaut hat, wird zu Beginn der Platte sofort deutlich und zieht sich wie ein roter Faden durch sie. Man bekommt oft das Gefühl, die Band muss sich selbst zügeln, um nicht zu explodieren, was allerdings in den Songs nicht gelingt, denn die fegen so einiges weg. Eine wilde Mischung aus Hardcore und Punkrock mit einer charismatischen Stimme, die in 10 Songs fast nur eine Richtung kennt – nach vorne und zur Not auch mal mit dem Kopf durch die Wand.

Auch wenn die Band vorab die ersten beiden Songs der Platte ausgekoppelt hat, sehe ich die stärkeren Stücke in der zweiten Plattenhälfte platziert, nämlich „I Sing For You“ oder auch „300 Tribes“, aber das ist natürlich wie immer Geschmackssache. Zusammengefasst ein Album wie ein Orkan, aber vom Gefühl her gibt es schon das ein oder andere Vorgängerwerk, dass mich mehr mitgenommen hat. Spike

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T-KILLAS – AWARENESS

T-KILLAS – AWARENESS
(Fire and Flames Records / Grover Records)

T-KILLAS sind mir eigentlich nur vom „Skannibal“ Sampler ein Begriff, deshalb kurz mal einen Überblick verschaffen. Aha, zweites Album, Quintett aus Aschaffenburg und „Awareness“ war wohl keine leichte Geburt. Danke liebes Infoschreiben.

Mit üblichem Klangwerkzeug, aufgestockt mit Saxophon und Orgel, gehen T-KILLAS zu Werke und liefern einen ziemlich ausgereiften Mix aus Ska, Reggae, Soul und Mod ab, der viele kleinere Spielerein beinhaltet und zudem man sich durchgängig bewegen, also Tanzen kann. Man schneller, mal langsamer, denn T-KILLAS sind auch bei der Geschwindigkeit sehr variabel. Wer nicht nur durchtanzt, sondern auch mal den Texten lauscht, hört einiges von Liebe und Kampf.

Die Band selbst sieht sich inspiriert von THE CLASH und THE SPECIALS, was auch unüberhörbar ist. Auf aktuelle Bands bezogen, kann man auch sagen, dass sie sich in einer Schublade mit THE MOVEMENT oder THE OFFENDERS befinden und deshalb eigentlich THE T-KILLAS heißen müssten ;- ) Wer also die genannten Bands mag, für den ist dieses Album bestens geeignet. Spike

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THRILL OF JOY – HERZLICH WIR KOMMEN

THRILL OF JOY – HERZLICH WIR KOMMEN
(Barhill Records)

Mal wieder eine Singer-/Songwriter-CD, die mir der Werte Chris de Barg hier zum Besprechen untergejubelt hat. Und diesmal gleich im Duett. Denn gleich zwei Gitarrenspieler haben sich zu diesem Projekt vereint. Der typische Akustik-Sound herrscht aber auch hier vor.

Das Duo beschäftigt sich, untermalt von lieblichen Gitarrenklängen, hauptsächlich mit zwischenmenschlichen Herausforderungen und selbstreflektierenden Gedanken, die teilweise aber auch auf gesellschaftspolitische Aspekte ausgerichtet sind. Also hauptsächlich Alltägliches mit Blick auf die eigenen Lebensumstände. Hatte ich schon die lieblichen Gitarren als klangliches Fundament erwähnt? Ja, ist schon OK. Das übliche Geklimper halt und lyrisch gesehen gibt es auch keine Peinlichkeiten zu verzeichnen. Ganz im Gegenteil. Es werden die passenden Worte gefunden, die der Thematik und der Aussage gerecht werden, ohne allzu dramatisch, klischeehaft oder gar intellektuell zu wirken. Aber musikalisch ist das alles dann halt doch eher smooth und gediegen. Also nichts was wirklich aufrüttelt. Zumindest nicht vom expressionistischen Standpunkt aus. Dafür generiert sich das Werk zu nachdenklich und hintergründig.

Ja was soll ich sagen. Eingängige Pop-Songs halt, die eigentlich nicht weh tun. Also nicht immer nur reine Gitarrenmusik, sondern schon auch gerne mal mit weiteren Instrumenten angereichert. Dennoch recht seicht. Textlich dafür umso tiefgründiger, wobei es mir nicht immer leichtfällt, mich ob der angesprochenen Seichtheit und der teilweise vorherrschenden Melancholie wirklich darauf einzulassen. Mirko

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REVERSE – SONICS

REVERSE – SONICS
(Rockzone Records)

Auf den ersten Blick erstaunlich, wenn das erste Album einer Band 16 Jahre nach Bandgründung erscheint. In vorliegendem Falle liegen aber auch gute 5 Jahre Pause dazwischen und auch eine eher gemächliche Herangehensweise nach dieser. Eine EP gab‘s wohl schon, aber das ist auch nur ein paar wenige Jahre her.

Nach einem schmusigen Klavierintro klatscht uns das Quartett rohen, stampfenden Ruhrpott-Grunge um die Ohren, der deutlich von den Veteranen dieses Subgenres beeinflusst ist. Innovation sollte man daher nicht unbedingt erwarten. Dafür kommen die Songs wuchtig und teils auch recht dreckig daher. Allein die Akustik-Ballade „Tell me why“ fällt hier etwas aus dem Rahmen und kann mich auch nicht wirklich überzeugen. Dazu trägt sicherlich auch der wenig tonsichere Hauptgesang bei. Bei den restlichen Songs fällt dies dagegen kaum ins Gewicht, denn hier fügt sich die raue Stimme gut ins Klangbild ein. Aber auch sonst laufen diese doch ganz gut rein.

Bodenständiger, traditioneller Grunge mit leichten Schwächen und wenig Originalität. Dennoch eingängig, druckvoll und ausdrucksstark, so dass man hier schon mal rein hören kann. Mirko

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100 KILO HERZ – STADT LAND FLUCHT

100 KILO HERZ – STADT LAND FLUCHT
(Bakraufarfita Records)

Der Bläserpunk-Sechser aus Leipzig legt mit „Stadt Land Flucht“ ein neues Album vor. Wer der Band in den sozialen Netzwerken folgt oder sich mindestens ein wenig für Punkrock-Neuerscheinungen interessiert, dem wird nicht entgangen sein, dass von der Platte mit „Drei Jahre ausgebrannt“ und „Sowas wie ein Testament“ bereits zwei Songs veröffentlicht und verfilmt wurden. Der Rest bzw. das Album erscheint dann am Ende der ersten Augustwoche.

Wie ich bereits beim Vorgängeralbum geschrieben habe, sind 100 KILO HERZ trotz viel Gebläse kein Ska-Punk, sondern Punk mit Trompete und Saxophon. Sie sind somit auch nicht komplett in dieser Gute-Laune-Schiene gefangen, sondern können ihren persönlichen und politischen Botschaften ohne zu viel fröhliche Klänge unterstreichen. Und das machen sie nicht nur mit Punkrock, sondern gerne auch mal mit Rock, was absolut nicht schlimm ist. Eher im Gegenteil, sie können damit viele ihrer Texte nochmal emotionaler unterstreichen.

Die Produktion klingt sehr fett und sauber, aber ich denke, dass sich 100 KILO HERZ nach dem Aufstieg in die Punkrock-Bundesliga auch nicht mit einem Mittelfeldplatz zufriedengeben wollen. Viel Spielfreude, viel Herz, viel kleiner Perfektionismus, der auch gerne mal im Detail steckt. Why not? Spike

www.100-kilo-herz.com