LESBIAN RANK INGFERNO – FÜRST PÜCKLER

LESBIAN RANK INGFERNO – FÜRST PÜCKLER
(Eigenproduktion)

Ingferno hat wieder zu geschlagen. Und das gleich in doppelter Hinsicht. Nicht nur, dass der schwäbische Barde mit dieser CD-R ein komplett neues Werk am Start hat, so ist gleichzeitig eine „Best Stoff“-CD-R erschienen, auf der Ingferno die „32 geschmeidigsten Top-Hits“ seiner vier bisher erschienenen Alben zusammen fasst. Hier wollen wir uns aber dem neuesten Machwerk widmen.

Wie bei seinen anderen Scheiben auch, hat Ingo alles selbst im heimischen Kinderzimmer gemacht. Soll heißen, die Musik am Rechner programmiert, dazu ein bisschen Gitarre gespielt und Gesungen, wenn man das denn so nennen will. Die Musik bewegt sich erneut zwischen Schlager, Pop, HipHop und Punk, gepaart mit Texten zwischen Pubertät und Infantilität, was zeitweise richtig Spaß machen kann. Vor allem, wenn man sich gut einen hinter die Binde gegossen hat. Vor ein paar Wochen hatte ich dann auch das Vergnügen, Ingo bei einer Proberaumparty kennen zu lernen – und sein Auftritt als Alleinunterhalter mit Halbplayback war grandios. Manch einer warf ihm in der Vergangenheit ja Sexismus vor, was ich aber nach diesem Auftritt und einem anregenden Gespräch keineswegs bestätigen kann. Jedenfalls findet man genug Ironie in den teils doch recht blödsinnigen Liedern/Texten, um dies entkräften zu können. Die anwesenden Mädels haben Ingo und seine Show zudem am meisten abgefeiert und waren erstaunlich textsicher. Ein bisschen Spaß sollte man nämlich schon verstehen können und nicht alles allzu ernst nehmen. Dennoch finde ich LESBIAN RANK INGFERNO live doch um einiges besser als die Aufnahmen es vermuten lassen könnten. Vor allem weil der Gesang bei den Aufnahmen doch so schräg ist, dass es einem die Fußnägel hochrollt. Dafür ist musikalisch aber für ungemeine Abwechslung gesorgt.

Man muss schon den Sinn für eine gewisse Art Humor haben, um Ingos Trash-Punk etwas abgewinnen zu können und die Meinungen werden sicherlich sehr gespalten sein. Dafür zieht er aber eben sein Ding durch und lässt sich von keinem rein reden. Der Dilettantismus und das „Alles ist erlaubt“ der frühen Punk-Tage wird hier jedenfalls beim Wort genommen und auch genauso umgesetzt. Mirko

https://lesbianrankingferno.bandcamp.com

THE BARBECUTIES – ETERNAL DORKNESS

THE BARBECUTIES – ETERNAL DORKNESS
(Monster Zero)

Ihr mittlerweile sechstes Album haben THE BARBECUTIES, die auf eine bereits 16-jährige Bandhistorie zurück blicken können, am Start. Dieses wurde aufgeteilt in vier Kapitel mit jeweils 3-4 kurzen Liedern und so weist die Scheibe auch gerade mal knapp 25 Minuten Spielzeit auf.

Musikalisch sind sich die Mannheimer treu geblieben und so gibt es erneut eingängigen, leicht poppigen Punkrock zu hören, der eigentlich niemandem weh tut. Man beschäftigt sich mit Themen aus dem Alltag, mit Liebe, Herzschmerz und persönlichen Anliegen, die mal etwas melancholischer, mal etwas freudiger, aber immer mit schönen Melodien vorgetragen werden. Auch hier erfindet man das Rad sicherlich nicht neu, legt dafür aber viel Spielfreude an den Tag. Dennoch sticht die Band nicht wirklich aus der Masse hervor. Die Lieder gehen zwar gut ins Ohr, bleiben bei mir aber irgendwie nicht hängen. Für meinen Geschmack sind die Songs, die mit vielen Chören unterlegt sind, eben irgendwie zu gewöhnlich. Insofern hat sich zu den Vorgängern ebenfalls nicht viel geändert. Nette, gut hörbare, Songs, die zudem gut produziert wurden, sind es dennoch.

Nichts Neues auf dem Pop-Punk-Sektor könnte man bei dieser Scheibe also zusammenfassend sagen. Auch wenn hörbar viel Herzblut und Enthusiasmus in die Aufnahmen gesteckt wurde, schafft es die Band leider nicht, eigene Akzente zu setzen oder auf Dauer im Ohr hängen zu bleiben. Mirko

www.thebarbecuties.de

ERNTE 77 – GEBENEDEIT UNTER DEN PUNKBANDS

ERNTE 77 – GEBENEDEIT UNTER DEN PUNKBANDS
(Astroholz Records)

Nach der 7“ im letzten Jahr kommt nun die erste große Platte von ERNTE 77. Wer die kleine Scheibe noch nicht hat, hat allerdings nichts verpasst, denn alle sich darauf befindenden Songs gibt’s auch auf dieser LP zu hören. Wer die Bands allerdings nicht kennt, hat schon was verpasst – denn das ist eine, die mit ihrer Art locker aus der Masse heraussticht.

Unglaublich humorvolle Texte, die sicherlich auf manche albern wirken mögen, treffen auf flotte Songs mit meistens wunderschönen und eingängigen Refrains. Richtig genial finde ich, dass sich hier nicht alles auf Teufel komm raus reimen muss, nö, ganz in Gegenteil, es wird sogar penibel drauf geachtet, dass sich vieles extra NICHT reimt. Ein schöner Überraschungseffekt, gerade nach den ersten Durchläufen, der mir durch die eigensinnige Weise zu texten eine ganze Serie an Schmunzlern entlockt. Versehen mit einer Stimme, die gerade in den höheren Tonlagen brüchig wird und dabei nicht selten herrlich schön abkackt.

Obwohl sich auf dieser Platte satte 20 Songs befinden, klingt kein einziger davon nach Füllmaterial, sondern weiß wie Entertainment funktioniert. Stimmlich nach SCHLIESSMUSKEL´s Schlaffke klingend, textlich mit der Satire, mit der auch SUPERNICHTS oder CHEFDENKER hantieren, musikalisch zwischen Deutschpunk und Melodic-Punk – das sind ERNTE 77 (in einem Satz beschrieben). Steff

www.facebook.com/rentemit77

SEDLMEIR – FLUCHTPUNKT RISIKO

SEDLMEIR – FLUCHTPUNKT RISIKO
(Rookie Records)

Der gute Herr SEDLMEIR ist schon seit geraumer Zeit musikalisch aktiv, auf den Bühnen unterwegs und findet mit seinem bereits sechsten Album nun auch den Weg zu meinen Ohren. Nun müht er sich also schon seit Jahren mit einer Mischung aus Singer/Songwriter und Rockmusik ab, sein Publikum quer durch die Republik zu begeistern. Bei mir gelingt das aber nur bedingt.

12 Lieder befinden sich auf der Scheibe, die auf jeden Fall ihre Qualitäten besitzen. Diese liegen vor allem in den Texten, die auf nachdenkliche Art aber auch mit leisem Humor verschiedene Alltagsgeschichten und persönliche Themen verarbeiten, die direkt aus dem Leben gegriffen und auch gut nachvollziehbar sind. Dabei erinnert mich der Stil etwas an die textlichen Ergüsse eines gewissen Claus Lüer, ohne diesen aber zu kopieren und somit für sich selbst stehen. Vertont werden diese mit melodiösem Pop-Rock, der zwar eingängig ist, aber auch die ein oder andere erfrischende Abwechslung zu bieten hat. Mal etwas softer, mal etwas knackiger, ab und an mit elektronischen Effekten angereichert, aber immer mit dem Charme der Straße. Ein bisschen Kneipen-Philosophie rundet dieses Werk zusätzlich ab.

Auch wenn das nicht wirklich meine Art von Musik ist, kann ich der Scheibe doch einiges abgewinnen. Sowohl was die Texte, als auch den musikalischen Einfallsreichtum, aber auch die authentische Umsetzung betrifft. Dennoch fällt es mir angesichts fehlender Härte und Geschwindigkeit schwer, die Scheibe komplett am Stück durch zu hören. Ihren Reiz versprüht die Platte dennoch. Mirko

www.sedlmeir-rock.de

ILLEGALE FARBEN – GRAU

ILLEGALE FARBEN – GRAU
(Rookie Records)

Gerade mal eineinhalb Jahre ist es her, dass ILLEGALE FARBEN ihr erstes Album veröffentlicht haben und schon steht der Nachfolger in den Startlöchern. Wirklich viel hat sich stilistisch nicht geändert und eigentlich könnte ich das Review vom Mai 2016 im selben Wortlaut hier nochmals reinkopieren.

Zu hören gibt es immer noch leicht poppigen, aber ausdrucksstarken Indie-Rock, der sicher auch von der frühen Neuen Deutschen Welle beeinflusst ist. Die Songs sind vielleicht ein bisschen minimalistischer als beim Erstling, ansonsten schenkt sich das aber wirklich nicht viel. Auch wenn man das musikalische und textliche Niveau halten kann, stellt sich beim neuen Werk bei mir schon etwas früher die Langeweile ein. Nicht nur, weil erneut eine gewisse Monotonie und Melancholie sämtliche Lieder prägt, sondern wohl auch, weil ich mittlerweile vorbelastet bin. Zudem ist das so `ne Musik, die in meinen Ohren nicht viel Neues bietet und auch nicht wirklich aus der Masse ähnlich gearteter Musik deutschsprachiger Indiebands heraussticht. Sicherlich hat das alles auch einen gewissen Anspruch, mit dem ich mich aber nicht wirklich anfreunden kann.

Mit Ihrem zweiten Longplayer knüpft die Band genau da an, wo sie mit dem Erstling aufgehört hat und so wird sicher auch dieser Output sein Publikum finden. Ob dieses bei Freunden härterer Punkmusik zu finden ist, kann ich mir aber nicht wirklich vorstellen. Mir ist das alles, bis auf wenige Ausnahmen jedenfalls, etwas zu lahm und auch nicht wirklich aufregend oder aufrüttelnd. Mirko

www.illegalefarbenmusik.de

RUYNOR – CITIES TO RUIN

RUYNOR – CITIES TO RUIN
(Unholy Fire Records)

RUYNOR sind drei zottelige Freaks aus dem beschaulichen Donzdorf, welches vielleicht der/dem ein oder anderen als Heimstatt des global agierenden Metal-Imperiums Nuclear Blast bekannt sein dürfte. Ob dies das traditionelle, (im positiven Sinne) schäbige Trash-Metal-Outfit des Trios beeinflusst haben mag, ist aber nur Spekulation. Die Musik die man hier zu hören bekommt, ist auf den ersten Blick zwar nicht das, was man von der Optik der Protagonisten zu erwarten glaubt. Aber man soll ja ein Buch nicht nach dem Umschlag beurteilen und am Ende passt das alles doch irgendwie ausgezeichnet zusammen.

Seit 2013 ist die Band aktiv und hat bereits eine EP und ein Album veröffentlicht. Allerdings spielen die Burschen erst seit 2016, also nach der Veröffentlichung dieser Aufnahmen, auch live. Nun also ist der zweite Longplayer erschienen und dieser bietet, entgegen den bereits angesprochenen Vermutungen, simplen aber deftigen Punk mit derber Rock‘n‘Roll-Note und einer assigen Überheblichkeit, wie man es von einer richtigen Rockband auch haben will. Glücklicher Weise besitzt man aber auch die nötige Selbstironie, die das alles zu einem großen Spaß macht. Ich sag nur Shoo-bee-doo-bop, shoo-wop, shoo-wop! Die Selbsteinschätzung, die vorgibt, eine Mischung aus RAMONES und MOTÖRHEAD zu sein, trifft dabei voll ins Schwarze. Musikalisch geht es eher ruppig und ziemlich rustikal zu Sache, wobei man sich beim ein oder anderen lyrischen Erguss, welcher gut und gerne als plakativ einzustufen ist, das Grinsen nicht verkneifen kann. Leider ist die Scheibe relativ kurz und wird durch das fast achtminütige, recht gelungene MOTÖRHEAD-Cover „1916“ auf eine knappe halbe Stunde gestreckt. Nun ja. Eigentlich geht der Song dann aber doch nur dreieinhalb Minuten, wird aber von zwei versteckten Bonus-Liedern („I ain‘t a nice guy“ ebenfalls von MOTÖRHEAD, und David Bowies „Rebel, Rebel“) auf diese Spielzeit gestreckt.

Deftiger Asi-Punk-Metal-Rock, der sich selbst nicht zu ernst nimmt und auch als eine Art Hommage, sowohl an den dreckigen Gossen-Rock vergangener Tage als auch an die Helden des Rock‘n’Roll, gesehen werden kann. Macht auf jeden Fall Spaß und der zur CD mitgelieferte Pappaufsteller ist sowieso das ultimative Band-Fun-Gimmick! Mirko

www.facebook.com/ruynor