TRAVEL IN SPACE – DAS SCHLAGZEUG MEINER MUTTER

TRAVEL IN SPACE – DAS SCHLAGZEUG MEINER MUTTER
(Off Label Records)

Aus Berlin und Dresden stammen die beiden Musiker, die sich hier zusammen geschlossen haben um sich mit ihrer Band auf eine Reise in Raum und Zeit zu begeben. Dabei bedient sich das Duo Elementen verschiedener Genres, die da wären Lo-Fi Rock, Blues, Psychedelic, Country, Indie- & Noise-Rock und auch ein wenig Punk.

Die Klänge, die die beiden auf Ihre Debütscheibe gebannt haben, besitzen einen zeitlosen Retro-Charme, der sich nicht um Konventionen kümmert und sich ob der oben genannten Einflüsse auch schwer in eine Schublade stecken lässt. Als Grundgerüst dient dabei der scheppernde Sound aus der Garage, der mit einem stark hallenden Gesang verziert wird. Mal etwas ruhiger, mal etwas flotter, aber immer ungeschliffen und kratzig, zeigen die beiden, was die Rockmusik so alles zu bieten hat. Dazu gesellen sich immer mal wieder psychedelische Effekte und Geräusche, die dem Ganzen eine besondere Note verleihen.

Mit einfachsten Mittel werden hier eingängige Songs aus dem Hut gezaubert, die weit entfernt sind von dem, was der moderne Einheitsbrei hergibt. „Das Schlagzeug meiner Mutter“ ist somit ein Album, das jeden Freund bodenständiger Garagenmusik begeistern dürfte. Indierock also, der diese Bezeichnung auch wirklich verdient. Mirko

www.travelinspace.de

JOHNNY FIREBIRD / MOTOR CITY MAYHEM – R‘N‘R NEWS

JOHNNY FIREBIRD / MOTOR CITY MAYHEM – R‘N‘R NEWS
(Ghost Town Noize)

Mit dieser Split-EP bereiten uns die beiden R‘n‘R-Punk Bands auf ihre anstehenden Alben vor. Wobei dies bei Johnny Firebird aus Regensburg bereits das vierte (und offenbar bereits erschienene), bei Motor City Mayhem aus Stuttgart das Debüt-Album sein wird. Von beiden Bands gibt es jeweils ein eigenes, nicht auf den jeweiligen Alben enthaltenes Stück, sowie eine Coverversion zu hören.

Es starten die Regensburger mit einem Mitklastsch-Song, dessen erste Textzeile „Baby, you  you you are the only one“ mich etwas verwirrt. Auch im weiteren Verlauf des Songs wird man hier mit Rock‘n‘Roll-Klischees verwöhnt, die mich ein wenig an KISS erinnern. Für mich stellt sich der Song daher mehr als Lückenfüller dar. Das Cover von „My favourite game“ von THE CARDIGANS ist da schon überzeugender und in meinen Ohren besser als das Original. Selbes gilt fast auch für „Search an Destroy“, welches MCM covern. Musikalisch auf jeden Fall mehr als gelungen, vom Gesang her allerdings etwas gewöhnungsbedürftig. Dennoch eine tolle Interpretation dieses bereits oft gecoverten Songs. Die Eigenkomposition läuft mir um einiges besser rein, als des neue Stück von Johnny aus der Oberpfalz. Der rotzige Rock‘n‘Roll mit seiner extrovertierten Gitarrenarbeit und in authentischem Soundgewand aufgenommen, kommt doch sehr authentisch rüber und deshalb haben die Stuttgarter mit ihren Beiträgen für mich die Nase auch vorn.

Ob‘s diese EP wirklich gebraucht hätte? Als Promo für die Alben ist das Teil auf jeden Fall tauglich, wobei ich allerdings die beiden Coverversionen als die gelungeneren Stücke empfinde. Hätte man aber auch alles mit auf die Alben packen oder aber als Bonustracks raushauen können. Gut hörbare Rockmusik ist‘s dennoch. Mirko

www.johnnyfirebird.de
www.facebook.com/motorcitymayhemband

HIJACK BROADCAST – SMALLTOWN PARANOIA

HIJACK BROADCAST – SMALLTOWN PARANOIA
(Salt City Punk Rock)

Erstling von HIJACK BROADCAST aus Halle / Saale. Das 2016´er „Rehearsals“ ging diesem voraus, jedoch kann ich gerade nicht festmachen, ob als Demo-CD oder 7Inch oder nur als Download. Ist aber eigentlich auch wumpe, denn alle Vorboten-Songs finden sich auch auf „Smalltown Paranoia“ wieder.

Stilistisch fährt die Band die Streetpunk-Schiene, stellt die Weichen aber auch gern mal Richtung Hardcore. Ungestüm und wütend geht’s in den 10 Songs zur Sache, die überwiegend mit schön kratziger Stimme vorgetragen werden. Mich erinnert es total an die älteren Stücke von TIME AGAIN – sofern ihr die denn überhaupt kennt. Das waren so RANCID-Klone, die es sogar auf Hellcat schafften und gar nicht mal schlecht waren.

Ganz so rund wie die klingen HIJACK BROADCAST zwar nicht, aber für Streetpunk ist das schon ne´ akzeptable Portion Schmutz, die einem hier entgegenbläst. Auch wenn es mit diesem Debüt schwer werden sollte, sich aus der Masse hervorzuheben, merkt man an den Songs, dass die Band auf alle Fälle Potential hat. Unbedingt am Ball bleiben. Spike

www.facebook.com/pg/hijackbroadcast

THE ZSA ZSA GABOR´S – BLACK ROADS BLANK THOUGHTS

THE ZSA ZSA GABOR´S – BLACK ROADS BLANK THOUGHTS
(Mad Butcher Records)

Erst im Frühling dieses Jahres brachten THE ZSA ZSA GABOR´S eine 7Inch raus, die sie sich mit THE BLACK TAPE teilten. Gerade mal ein halbes Jahr später legt die Band aus St. Pölten mit einem Longplayer nach, welcher auf Mad Butcher Records erscheint.

Dieses Werk (ihr drittes) hinterlässt den wohl ausgereiftesten und zugleich auch abwechslungsreichsten Eindruck des bisherigen Outputs. Es gibt überwiegend dreckigen Streetpunk zu hören, der mit „Forever Punk“ eine wahre Punkrockhymne vorzuweisen hat, aber die Ausflüge reichen mit der kneipentauglichen Trinksportnummer „Three Beers“ auch zu Folk-Punk bis hin zu klassischem Deutschpunk mit „Gefangen“ – dem einzigen deutschsprachigen Stück. Obwohl, mit „Beschissen“ ist noch ein Song in diese Richtung dabei, dieser wird jedoch in Mundart (Niederösterreichisch, oder?) vorgetragen. Klingt mir aber zu sehr nach TURBOBIER, aber als kleiner Spaß zum Ende der Platte geht’s schon klar.

„Black Roads Blank Thoughts“ ist ein bodenständiges Punkrockalbum, dass handwerklich gekonnt und abwechslungsreich seinen Job erledigt und in Sachen Musik und Texte diverse Bereiche abdeckt. Da gibt’s nicht groß was zu beanstanden. Spike

www.zsazsagabors.at

HUELSE – IM KREIS GEDREHT UND JETZT IM KRIEG

HUELSE – IM KREIS GEDREHT UND JETZT IM KRIEG
(Bakraufarfita Records)

Bakraufarfita Records beweisen mit dieser Veröffentlichung mal wieder ihre Vielseitigkeit. Neben klassischen Punkbands schießen mir in Verbindung mit dem Label gerade Bands von Rock über Elektro bis hin zu Schlager durch die Birne. Und nun HUELSE, eigentlich eine Punkband, die aber jegliche Punkrahmen zu sprengen oder auf sie zu scheißen scheint. Ugly-Punk-Kollege Mirko hatte es vor etwas über einem Jahr mit dem Demo der Jungs zu tun. Dieses hab ich mir eben auch mal zum Vergleich gegeben und merke, welch einen Sprung die Kapelle aus Hessen gemacht hat.

Allein von der Aufnahmequalität her machen die sechs Songs dieser EP hier schon wesentlich mehr Spaß. Zwischen Post- und Wavepunk singen HUELSE manchmal, schreien auch manchmal, aber am liebsten erzählen sie ihre Texte. Vom Aufbau her gerne vertrackt, nicht immer harmonisch und immer zwischen Ausbrechen und wieder runterkommen. Melancholie ist dabei ständiger Begleiter aller Stücke, von denen ich allerdings lediglich das erste (Trauma) und das letzte Stück (Kyrill) als zu schleppend und dadurch als zu anstrengend empfinde. Mit den dazwischenliegenden Nummern (Horstgedanken, Rede von, Kevin P. hat Probleme und Neuer Herbst) bin ich sofort warm geworden.

Das Promoschreiben schließt mit dem Satz: „HUELSE sind Bene, Jan, Niklas und Fabian, alle Anfang 20.“ Wer mit Anfang 20 schon so klingt wie eine Mischung aus BOXHAMSTERS, DACKELBLUT, EA80 und TURBOSTAAT, dem könnte ein nicht unbedeutendes Stück musikalischer Zukunft gehören. Spike

www.facebook.com/huelse.punk

FRAU MANSMANN – MENSTRUATION IN STEREO

FRAU MANSMANN – MENSTRUATION IN STEREO
(Bakraufarfita Records)

Nach 5 Jahren Wartezeit mal wieder ein neues Scheibchen von FRAU MANSMANN. Von einigen auch liebevoll als Haus- und Hofkapelle von Bakraufarfita Records bezeichnet. Ach, und guck mal da, der HERRBINNER mischt da jetzt auch mit, fein fein. Beschallen wir diese edlen Räumlichkeiten, in deren Mitte ich mich befinde, mal mit dem Material, welches sich auf diesem Tonträger befindet.

Wer die Band kennt, weiß sie ohnehin einzuordnen. Für alle anderen: FRAU MANSMANN machen eine Mischung aus abgefucktem Deutschpunk mit einer Prise Oi. Mit Oi! haben sie aber ansonsten nichts am Hut, außer dass sie manchmal so klingen. Aber die meisten Oi-Bands klingen ja so, weil sie es nicht anders können. FRAU MANSMANN könn(t)en anders. Wollen sie aber nicht! Dennoch keine Sorge, der dreckige Deutschpunk regiert dieses Album mit großer Mehrheit. Wenn Schlagzeugerin Emilie Krawall das Mikrophon übernimmt, erinnert das sogar etwas an punkige NDW-Zeiten. Klingt dann ein wenig nach HANS-A-PLAST und stimmlich noch viel mehr nach NINA HAGEN.

Textlich wie immer leicht durchgeknallt, aber bei aller Ironie auch oft dicht dran an ernsten und wahren Umständen. Kein Wunder, dass bei allen Vergleichen auch alle Claus Lüer Bands aufgeführt werden müssten und kein Wunder auch, dass Claus Lüer sein unverwechselbares Stimmchen als Gastsänger zur Verfügung stellt. Entertainment-Punk mit Fuck-Off-Attitüde der auch mal über sich selbst Schmunzeln kann – that´s it! Steff

www.facebook.com/fraumansmann