EINSTURZ – FLIEGEN

EINSTURZ – FLIEGEN
(Timezone Records)

Seit über 20 Jahren treibt die Band bereits ihr Unwesen, dennoch habe ich bisher nicht von ihnen gehört. Hier und da mal ein Song auf einem der älteren, berüchtigten Nix-Gut-Sampler, aber das war‘s dann auch schon. Nun also ein neues Album mit acht Liedern, so dass ich mal ein bisschen mehr von der Band aus Visbek zu hören bekomme.

Die Songs sind sehr gut und modern aufgenommen und erinnern vom Sound her eher an einschlägige Deutschrock-Bands. Mit diesen sollte man die Band allerdings nicht in einen Topf werfen, auch wenn die Songs „Zusammenhalt“ und „Jede Stunde…“ doch recht pathetisch daherkommen. Andere Lieder wie „Krieg“ oder „Aufstand“ zeigen aber auch, dass hier immer noch Haltung bewiesen wird. Denn die früheren Songs waren schon kämpferisch. Dass man erwachsen geworden und sich in den letzten Jahren auch weiterentwickelt hat, zeigt der dagegen der Song „Punkrock“. Die meisten Songs sind im treibenden Midtempobereich angesiedelt. Bei „Gestriegelt und gekämmt“ gibt man aber auch ordentlich Gas und kritisiert dabei auch die angepasste, meinungslose Jugend, verschließt aber auch nicht die Augen davor, das diese auch viel zu oft in die falsche Richtung abbiegt. Für mich der beste Song der Scheibe.

Vom Sound der Straße ist die Scheibe weit entfernt, dafür ist sie doch zu gut aufgenommen. Deshalb leider auch ein wenig glatt und kantenlos, auch wenn mit Druck und rauer Stimme gearbeitet wird. Daher, und auch wegen der hymnenhaften Refrains, die (musikalische) Assoziation mit dem „Deutschrock-Genre“. Anhören kann man sich die Scheibe trotzdem ganz gut. Mirko

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COLUMBUS WAS WRONG – NICHT OHIO

COLUMBUS WAS WRONG – NICHT OHIO
(Keine Drogen in Graceland Records)

Aus dem Umfeld der Trierer Punkszene stammen COLUMBUS WAS WRONG, die hier, nach zwei EPs, ihr erstes Album herausbringen. Allerdings ist dieses nur gut 20 Minuten lang. Und deftigen Punkrock sollte man auch nicht erwarten, denn das Quartett lässt es doch eher ruhig angehen.

Acht harmonische Indie-Rock-Lieder beheimatet die Scheibe, die in recht schlichter Aufmachung daherkommt. Gefühlvolle Rockmusik, die man so oder so ähnlich schon recht oft gehört hat. Auch wenn das daher alles nicht wirklich neu ist, gehen die Lieder doch wohltuend ins Ohr. Dazu gibt es mit einer gewissen Emotionalität aufgepeppte Alltagsgeschichten. Vielmehr gibt es eigentlich gar nicht zu sagen über diese Scheibe, und bevor ich mir irgendwelche Phrasen aus den Rippen leiere, will ich mit einem kurzen Fazit schließen.

Authetischer Indie-Rock mit schönen Melodien, der auch mal ein wenig in Pop-Punk-Gefilden umherstreift. Schöne Musik, die keinem weh tut, aber ins Ohr geht, wo sie aber auch nicht besonders lange zu hängen verbleiben mag. Soll heißen: Angenehmer Sound für zwischendurch. Mirko

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LAST HOPE – PEACEMAKER

LAST HOPE – PEACEMAKER
(Coretex Records)

LAST HOPE sind vielleicht nicht jedem Hardcore-Kid gekannt, aber denjenigen, für die Hardcore auch außerhalb der Staaten existiert, dürfte die Band ein Begriff sein. Immerhin befindet sich die Band aktuell im 25ten Bandjahr. Ja, genau, richtig gelesen. Die ganz große Bekanntheit blieb ihnen über die 2 ½ Jahrzehnte zwar verwehrt, aber dennoch ziehen die Jungs munter ihr Ding durch.

Mit „munter“ ist natürlich nicht die Musikrichtung der bulgarischen Band gemeint, die dieses Album in Italien eingespielt und in Dänemark abgemischt hat, denn „Peacemaker“ ist das genaue Gegenteil davon, nämlich zornig, brachial und angepisst. Dementsprechend geht es hier ganz gut zur Sache und die 10 Songs werden geradlinig und ohne große Schnörkel in 25 Minuten runtergebrezelt.

Die Produktion ist zwar fett und die Stücke versprühen mitunter auch die Energie der alten NYHC-Schule, wirken aber dennoch etwas eintönig, auch wenn die Band unüberhörbar ihr Handwerk versteht. Solide und o.k.? Ja! Unter den (wie das Promoschreiben meint) Top-Ten Genre-Alben des Jahres? Eher nein! Spike

www.facebook.com/lasthopehardcore

JUDAS HENGST – DEATH TAPES

JUDAS HENGST – DEATH TAPES
(Fuego)

Aus dem hohen Norden der Republik stammen JUDAS HENGST, die mit ihren „Death Tapes“ ihr erstes, Album präsentieren. Das Album ist bereits im März des letzten Jahres erschienen und so lange wie es gebraucht hat, bis die Scheibe den Weg zu mir gefunden hat, so langsam sind auch die Songs.

Daraus resultiert auch eine Spielzeit von 43 Minuten, in denen gerade mal sieben Songs zu hören sind. Man lässt sich also Zeit, um sich den, wie die Band es nennt, Postcore, entfalten zu lassen. Zu Beginn schleppt man sich so vor sich hin und es dauert eine Weile, bis das Werk in Fahrt kommt. Denn statt auf Geschwindigkeit setzt man auf Gefühl und Härte. Dabei geht es eher düster zu und es werden nicht nur Elemente aus dem Hardcore, sondern auch aus dem Doom und Sludge-Rock verarbeitet. Und so ziehen sich die Stücke dann auch ein wenig. Unterlegt sind die harten Passagen immer wieder mit angenehmen Melodielinien, die sich ganz gut in den meist stampfenden Rhythmus einfügen und ein wenig Harmonie versprühen. Dadurch werden die teils schon etwas langen Instrumental-Passagen dann doch ein wenig aufgepeppt.

Teilweise etwas zäh, aber dennoch ein mit viel Energie ausgestattetes Album. Ein bisschen mehr Abwechslung und Geschwindigkeit hätte es für meinen Geschmack aber ruhig sein können, denn der Grundaufbau der Songs ähnelt sich, trotz der verschiedenen Elemente, dann doch ein wenig. Kann man sich aber schon mal anhören. Mirko

http://judashengst.de

13 CROWES – SOLWAY STAR

13 CROWES – SOLWAY STAR
(Homebound Records)

Mit dem “Young Poets“ Debüt-Album vernahm ich diese Band Mitte 2017 zum ersten Mal und fand das, was die Combo um Sänger Cammy Black da ablieferte ziemlich gut. Nun legt die schottische Band mit einem neuen Longplayer nach.

Die 10 Songs leben wieder von vielen Emotionen, woran die Stimme von Black natürlich großen Anteil hat. Klingt der Gute, ich schrieb es bereits an anderer Stelle, doch stark nach den Kollegen BRUCE SPINGSTEEN oder BRIAN FALLON, deren Gesang ebenfalls immer ganz gut unter die Haut geht. Die Songs sind fast alle in ruhigeren Gefilden angesiedelt. Auf Genreschubladen geben 13 CROWES einen Fuck und da man hier von Rock bis Indie über Country bis hin zu Folk einiges heraushört, erklärt sich auch von selbst, dass sich die Band nicht auf eine bestimmte Richtung festlegen will und festlegen lässt.

Seine größte Inspiration bezieht Frontmann Cammy Black übrigens aus sich selbst als Boxer, Handwerker und Vater, weshalb sich hier auch ein gewisser Working-Class-Charme erkennen lässt. Das Album liegt wieder weit über dem Durchschnitt, toppt aber nicht das starke Debüt. Steff

www.facebook.com/13crowes

THE SWIPES – GENERATION SLAVE

THE SWIPES – GENERATION SLAVE
(No Balls Records)

Fünf Jahre nach dem letzten Album folgt nun der dritte Longplayer der Hessen. Zwischendurch gab es allerdings auch zwei EPs zu hören. Nun also wieder ein komplettes Album mit 11 Songs, die politisch und gesellschaftlich klare Stellung beziehen.

Bereits auf den beiden EPs hat die Band klar Stellung bezogen und sich gegen Not, Elend und die Missstände auf dieser Welt engagiert. So auch hier. Die Texte sind dahin gehend unmissverständlich und schon Liedtitel wie „You call it fake news“, „Requiem for Nepal“ oder „No medals, no hounor“ zeugen von kritischer Attitüde, aber auch Solidarität mit Notleidenden. Allein der Auszug aus der Liste einer Organisation für Flüchtlinge, die zeigt wie viele Menschen in kürzester Zeit ihr Leben auf der Flucht verloren haben, macht sprachlos. Das Engagement der Band spiegelt sich aber auch in einer Spendenaktion für see-watch.org durch Erwerb des Tonträgers wieder. Dieses Engagement und das direkte Benennen der Missstände ändert aber nichts daran, dass ich mich ein wenig schwer tue mit der Scheibe. Grundlegend bleibt man sich musikalisch zwar treu und bietet engagierten Garage- und Indierock, hat aber ein wenig an Druck hinzugewonnen. Aber irgendwie wollen die Songs bei mir nicht so zünden, wie es die etwas poppigeren, seichteren Vorgänger gemacht haben. Komisch, ist aber so. Gut gespielt und abwechslungsreich sind die Songs ja schon, bleiben bei mir aber nicht so richtig im Ohr hängen und wirken auch ein wenig gewöhnlich, was ich doch schade finde.

Die Scheibe punktet daher bei mir hauptsächlich durch die Aussage der Texte, die wichtig und richtig sind. Gutmenschentum im positivsten Sinne. Diese Botschaften hätten daher, wie ich finde, eine ansprechendere (zumindest was mich betrifft), musikalische Untermalung verdient. Enthusiasmus, Herzblut und Eindringlichkeit kann man dem Album dennoch nicht absprechen. Mirko

www.the-swipes.com