THE REAKTION – SIMILITUDE

THE REAKTION – SIMILITUDE
(Rockzone Records)

Gegründet wurde THE REAKTION vor knapp 10 Jahren in Chile. Nachdem man den amerikanischen Kontinent abgeklappert hat, ist die Band nun nach Deutschland übergesiedelt und hat ihr neues Hauptquartier in Berlin aufgeschlagen. Um jetzt auch den europäischen Kontinent zu erobern, wurde nun ihr zweites Album in einer remasterten Version auch hier zu Land veröffentlicht.

Darauf zu hören gibt es grungigen Indie-Rock gepaart mit ein bisschen Nu-Metal, gar nicht mal so schlecht ist. Die Stücke kommen meist etwas getragener daher und haben eine starke persönliche und nachdenkliche Note, die auch Emotion und Sehnsucht vermittelt. Die Songs sind dabei abwechslungsreich und gut arrangiert, wobei mir aber ein wenig die nötige Härte fehlt. Die Ansätze dafür sind zwar da, allerdings zögert das Trio dann doch immer wieder und schaltet dann einen Gang zurück, anstatt das Pedal auch mal durch zu drücken. Und so dümpeln manche Nummern doch etwas vor sich her. Zwar kann man auf zum Teil doch außergewöhnliche Ideen und Strukturen zurückgreifen, nur um dann doch wieder in Belanglosigkeiten abzudriften, was doch recht schade ist. Das Potential ist ja vorhanden, aber irgendwie scheint man sich dann doch nicht so richtig zu trauen.

Im Grunde schon eine ansprechende Scheibe, die trotz eines teils innovativen Sounds aber allzu oft auf ausgetretene Pfade zurückkehrt. Ein bisschen mehr Mut aber auch Härte hätte hier sicherlich gut getan. So aber entsteht eine softe und zaghafte Mischung aus SYSTEM OF A DOWN und NIRVANA, die viel von ihrem Potential verschenkt. Mirko

http://facebook.com/thereaktion

DEATH BY HORSE – REALITY HITS HARD

DEATH BY HORSE – REALITY HITS HARD
(Twisted Chords)

Zweites Album von DEATH BY HORSE. Kannte zuvor weder die erste Platte noch die Band, also surprise, surprice. 12 Songs warten darauf gehört zu werden.

Eine unglaubliche Spielfreude wird sofort mit dem Opener „Narcissist“ versprüht und steckt fast das ganze Album an. Gibt vielleicht 2-3 kleine Hängerchen, aber ansonsten ist die Hitdichte ordentlich, wofür in erster Linie diverse Ohrwurmmelodien verantwortlich sind. „Summers up“ und „Dear Jim“ sind meiner Meinung nach die stärksten Songs des Albums, dass sich viel am Melody-Pop-Punk-Core orientiert, aber auch gerne mal Richtung Indie abtaucht und nach THE CRANBERRIES klingt (White Christmas) oder auch Ska-Punk ala´ THE INTERRUPTERS beherrscht (Little Boy).

Keine eintönige Sache also, die die Schweden um Sängerin Jahna hier abliefern, sondern von allem ein wenig dabei. Nicht auszuschließen, dass DEATH BY HORSE irgendwann mal durch die Decke gehen. „Reality hits hard“ klingt jedenfalls nicht nach Untergrund. Spike

http://www.deathbyhorse.com

INSPECTOR BOWSER & DIE DILDOFEE

INSPECTOR BOWSER & DIE DILDOFEE
(Eigenproduktion)

Er hat wieder zugeschlagen. INGFERNO, der trashige Alleinunterhalter, der sich für (fast) nichts zu schade ist. Glücklicher Weise haben wir es hier aber nicht mit einer neuen Musik-CD des Multitalents zu tun, denn INGFERNO geht hier ein Schritt weiter. Denn bei vorliegender Veröffentlichung handelt es sich um ein kurzes Musical, oder wie die Info es schreibt, ein Bumsical. Das inhaltliche Niveau dürfte damit auch schon mal klar sein.

Die Story ist so bescheuert wie einfach. „Dirndl“ wird nach einer Dildo-Party tot aufgefunden. Im Verdacht steht ihr versoffener Mann Horsten. Doch Inspector Bowser stößt bei seinen Ermittlungen auf einen mysteriösen Zeitreisedildo. So weit, so bekloppt. Die Story ist jedenfalls ziemlich pubertär und von Anspruch weit entfernt. Auch die Gags sind von eher platter Natur, meist ziemlich flach. Teilweise aber auch wieder so blöde, dass ich mir das ein oder andere Schmunzeln doch nicht verkneifen kann. Allerdings bin ich aber auch wirklich überrascht, denn die Umsetzung ist doch ziemlich gut gelungen. Die Sprecher machen ihre Sache ziemlich gut und auch die Arrangements sind auf den Punkt und gut abgestimmt. Erstaunlicher Weise finde ich die Musik auch ziemlich cool. Liegt vielleicht auch daran, dass Ingo nicht selbst singt, sondern dies Menschen überlässt, die auch die Töne treffen. Musikalisch ziemlich abwechslungsreich, irgendwo zwischen Punk, Rock und auch Ska. Teils recht kurz, manchmal auch etwas länger, sind die eingängigen und auch wirklich gut komponierten Songs passend zwischen den Sprechpassagen platziert, so dass der ganze Unsinn doch recht kurzweilig rüber kommt. Auf der musikalischen Ebene gefällt das Werk also schon. Da merkt man, dass sich Ingo doch sehr viel Mühe gegeben und viel Herzblut hinein gesteckt hat.

Man sollte schon einen speziellen Humor mitbringen, um das alles lustig zu finden. Menschen mit ausgeprägter political correctness-Attitüde und einer Allergie gegen albernen, pubertären Fäkalhumor, sollten aber von vorn herein die Finger davon lassen. Wer sich zwischendurch auch mal von trashigem Nonsens unterhalten lässt und nicht alles so bierernst nimmt, kann aber doch Freude daran finden. Mirko

www.facebook.de/bowserdildofee

STONE BLUE ELECTRIC – SPEAKING VOLUMES

STONE BLUE ELECTRIC – SPEAKING VOLUMES
(OMN)

Ein ganz übles, gekünsteltes Poser-Foto ziert die Titelseite der Homepage dieser Band. Vielleicht muss das ja so sein, wenn man ein Rockstar sein will. Jedenfalls habe ich nicht den Eindruck, dass das selbstironisch gemeint ist, sondern dass die vier Finnen das wirklich cool finden. Mit ihrem Debüt-Album zeigt die Band aber auch, das musikalisches Potential durchaus vorhanden ist. Ob es aber dafür reicht, den lässigen, unnahbaren Rocker raus hängen zu lassen?

Offensichtlich strebt man schon nach höherem, das suggeriert zumindest sowohl die Aufmachung der CD, die sich am klassischen Mainstream der Sparte „Modern Rock“ orientiert, als auch das, was dann auf der Scheibe zu hören ist. Denn zu hören gibt es klassischen, zeitlosen und produzierten Rock mit ein wenig Badass-Attitüde, aber auch mit viel Gefühl. Ein bisschen Bluesgitarre findet dann auch noch Platz, so dass man eigentlich alles abdeckt, was auch den in die Jahre gekommenen Rockfan anspricht, aber sicher auch bei Radiostationen dufte ankommen könnte. Vor allem bei alternativen Sendern oder im Nachtprogramm der ansonsten hippen und auf ein jüngeres Publikum zugeschnittenen Stationen. Hat schon Hand und Fuß, was die Finnen hier fabrizieren, ist aber halt doch nichts was mich jetzt vom Hocker reißen würde.

Bodenständiger Rock, der zwar durchaus gut gespielt ist, aber eben auch nichts wirklich Neues bietet. Mich lockt man mit diesem Sound jedenfalls nicht hinterm Ofen vor. Als Nachmittagsband auf einem der großen Festivals aber sicherlich richtig positioniert. Mirko

www.stoneblueelectric.com

PIEFKE – MENSCHENMÜHLE

PIEFKE – MENSCHENMÜHLE
(Bakraufarfita Records)

„Piefke“, so nennen die Österreicher oftmals die Kartoffelköppe aus Deutschland und meinen das, völlig zu recht natürlich, meistens abwertend. Ob PIEFKE sich deshalb so genannt haben oder ob sie nur das Wort lustig fanden? Kein Ahnung und auch egal! Nach einer Debüt-EP im Jahre 2017 (die es nur auf Kassette und als Download gibt oder gab) ist „Menschenmühle“ ihr erster Longplayer.

12 Songs füllen das gute Stück, 4 davon kennen eingefleischte Bandstalker bereits von angesprochener EP. Schnörkelloser Punkrock mit dem rauen Charme der frühen Achtziger, hier und da aber auch mal bisschen NDW-ähnlich. Alle Texte bewegen sich zwischen angepisst, kritisch und politisch, sind direkt, aber nicht platt. Und Wortspiele wie beim Opener „Wehrmacht das Licht aus“ können was.

Mit ihrem Mix aus, ich sag mal FRONT, KOTZREIZ und SKEPTIKER, wird das Leipziger Quartett bei der Deutschpunkgemeinde sicherlich gut landen können. Gibt’s, wenn meine Infos stimmen, 250x auf schwarzem und 250x auf weißem Vinyl. Checkste Mal das aktuelle Video hier unten ab und dann weißte ungefähr woran du bist! Spike

www.facebook.com/PiefkePunk

BETWEEN OWLS – WELLNESS

BETWEEN OWLS – WELLNESS
(Twisted Chords)

Ich muss ja sagen, die Genreeinordnung „beschwingter Indie-Post-Punk-Pop-Garage-Mix“ schreckt mich ja schon ein wenig ab. Und auch das seltsam anmutende Artwork des Digipaks macht mich jetzt nicht besonders an. Ich wage es aber dennoch und schiebe die Scheibe etwas zaghaft in den CD-Schlitz.

Nach erstem Durchhören stelle ich nun aber fest, dass das Cover eigentlich ganz gut zum Inhalt passt. Denn hier gibt es facettenreichen Indie-Pop, der eigentlich nicht wirklich einzuordnen ist. Süße Melodien paaren sich mit flotten Rhythmen, die verschiedenste Einflüsse besitzen. Alles sehr eingängig und beschwingt, aber auch mit Tiefgang, was die Texte betrifft. Diese sind hauptsächlich in englischer Sprache verfasst, aber auch deutsche Lyrics schleichen sich mit ein. Aber man kann sich die Stücke auch getrost anhören, ohne auf diese zu achten. Somit kann die Scheibe als gediegene Hintergrundmusik fungieren, aber auch den intensiven Hörgenuss bedienen. Gut, ich würde mir die Sachen jetzt nicht dauernd reinziehen, dafür ist mir das Gesamtwerk dann doch etwas zu seicht, aber für zwischendurch taugt der Sound der Freiburger dann doch und kann auch in verschiedenen Stimmungen Anwendung finden. Das zeigt, dass es der Band gelungen ist, verschiedene Elemente zu einer Einheit zu bündeln, die auf vielen Ebenen funktioniert.

Auch wenn das eigentlich nicht mein bevorzugter Musikstil ist, muss ich doch sagen, dass BETWEEN OWLS ein ansprechendes, stimmungsvolles Werk gelungen ist, das einen Blick über den Tellerrand durchaus gerechtfertigt. In eine bestimmte Nische lässt sich die Band nämlich keinesfalls stecken. Mirko

http://betweenowls.com/