ANSCHLAG – S/T

ANSCHLAG – S/T
(Abbruch Records / Save The Scene Records)

Vor ca. 4 Jahren hat die Debut-7Inch des Aachener Deutschpunkquartetts schon für ordentlich frische Luft aus den Boxen gesorgt. Immer wieder konnte vernommen werden, dass die Jungs an ihrer ersten Langspielplatte dran sind und hier ist das selbstbetitelte Werk endlich.

Auf das Intro folgen 12 Songs, inkl. der bereits von der 7Inch bekannten “Es brennt“ und “Revolution“. Die Songs sind durchweg unmissverständliche Ansagen und Abrechnungen und zeigen sich somit angriffslustig und kämpferisch. Das Gaspedal wird überwiegend durchgedrückt und trotz Geschwindigkeit ist immer ein gutes Gespür für Melodien zu vernehmen. “Ihr seid das Volk“, “Eigentlich“ oder auch “WaWe 10.000“ sind gute Beispiele dafür. Die Dinger ballern konsequent und verankern sich sofort im Ohr.

Läuft mit gutem Tempo, guten Melodien, politischem Anspruch und sogar mit ein paar persönlichen Lyrics (Tage) richtig gut rein. Deutschpunk mit geballten Fäusten statt nur mit offener Hand. Deutschpunk mit ganz vielen Mittelfingern statt mit erhobenem Zeigefinger. Geiles Ding! Steff

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TANTE INGE – PARTYROCK & DOSENBIER / TITTEN RAUS ES IST SOMMER

TANTE INGE – PARTYROCK & DOSENBIER / TITTEN RAUS ES IST SOMMER
(Wiewaldi Tonträger)

Mensch, seit 25 Jahren gibt‘s nun schon TANTE INGE und ich kenne nur einen recht peinlichen Verkupplungs-Song für den Bassisten von denen. Zum Jubiläum hat die Band nun ihre beiden ersten Alben neu abmischen und mastern lassen und auf diese CD gepresst und unters Volk geworfen. Daher kann ich mir nun fast 80 Minuten lang einen Überblick verschaffen.

Seichte Unterhaltungsmusik steht hier im Vordergrund, auch wenn man sich zwischendurch auch klar positioniert. Ansonsten geht‘s aber meist um persönliches, die Liebe, das Leben und die Party. Dabei werden auch durchaus mal ernste Töne angeschlagen. Aber natürlich findet auch viel sinnbefreites Platz. Auch so Sachen eben wie: „Partyrock & Dosenbier das ist unserer Welt“. Meine nicht. Großteils machen TANTE INGE aber genau das. Dabei muss ich sagen, dass schon ein paar kleine Ohrwürmer unter den Liedern zu finden sind. Aber auch schmalziger, sentimentaler Kram. Musikalisch bewegt sich die liebe Tante irgendwo zwischen Rock, Schlager, Pop und Punk, wobei man auch vor der ein oder anderen gräulichen Schnulze nicht zurückschreckt. Das remixen und -mastern scheint sich aber gelohnt zu haben, denn hier gibt‘s es wirklich nicht zu mäkeln.

Die Spannweite des Niveaus ist groß und das Endergebnis für mein Empfinden ziemlich durchwachsen. Am meisten kann ich was mit den ernsteren, kritischeren Beiträgen anfangen. Die können schon was. Die Schnulzen fallen dagegen allesamt durch, wobei das emotionale „Lügen“ hier noch ein wenig heraussticht. Und auch die Pop-, Schlager- und Party-Songs sind mir größtenteils einfach zu banal. Zumindest bietet diese CD 25 Songs, auch wenn diese meinen Geschmack jetzt nicht immer treffen. Mirko

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CONVULSIF – EXTINCT

CONVULSIF – EXTINCT
(Hummus Records)

Ein ganz besonderes Stück Musik erwartet uns mit dem fünften Album der Schweizer Band CONVULSIF. Und das nicht nur, weil alle Stücke instrumental sind. Die Spielzeit der fünf Songs bewegt sich zwischen knapp zwei und vierzehn Minuten und auch die Instrumentierung mit Schlagzeug, Bass, Bass-Klarinette, Geige sowie ein paar elektronischen Effekten lässt auf Experimentierfreude schließen.

In dieser Besetzung wagt man den Spagat zwischen Noise, Jazz und Metal. Der Sound ist düster, impulsiv und durchbricht die Konventionen gängiger Hörgewohnheiten. So wechseln sich nicht nur schleppende Parts mit deftigen Grindcore-Attacken ab, sondern es werden auch harmonische Grundgerüste mit dissonantem Lärm gepaart. Ledier fällt es mir dabei schwer, die einzelnen Lieder auseinander zu halten und wirklich eingängig sind die Tracks auch nicht. Es handelt sich eher um diverse Klang- und Rhytmusfolgen, die nicht immer ganz nachvollziehbar, dafür aber sicherlich dazu geeignet sind, den Geist in anderen Sphären schweben zu lassen.

Avantgardistisches, düsteres Lärmspektakel, auf das man sich einlassen muss. Hier werden weniger Inhalte als Stimmungen transportiert, die experimentell und expressionistisch verklanglicht werden. Sicherlich nicht jedens Tasse Tee und oftmals schwankend zwischen banal und over the top. Mirko

www.convulsif.ch

KRAUSE GLUCKE WELTVERSCHWÖRUNG / PARKBANK 5.000 – SPLIT-TAPE

KRAUSE GLUCKE WELTVERSCHWÖRUNG / PARKBANK 5.000 – SPLIT-TAPE
(Eigenproduktion)

Die beiden Bands vom Bodensee sind grenzübergreifende Projekte aus Konstanz und dem benachbarten Kreuzlingen auf Schweizer Seite. Beide Bands sind noch recht frisch und haben sich nun zusammengeschlossen, um ein gemeinsames Tape aufzunehmen, von dem es nur 50 Stück gibt. Dabei beinhaltet das Tape einen Downloadcode und ist zudem recht hübsch aufgemacht.

Den Anfang machen KGW, die im letzten Jahr bereits ein Tape veröffentlicht haben. Auf ihrer Seite gibt es vier eigene Songs und eine Coverversion zu hören. Die Mucke ist einerseits melodiös und eingängig, andererseits aber auch relativ ungeschliffen. Textlich ist die Band nah am Puls der Zeit, kritisch und politisch, wobei aktuelle Missstände direkt angesprochen und dem braunen Pack der Mittelfinger gezeigt wird. Das gelungene Cover von „Vertigo“ (SUICIDAS) rundet den Beitrag der KGW ab.
PARKBANK 5.000 existieren erst seit Mitte 2019 und bringen hier ihre erste Veröffentlichung an den Start. Der Sound der 7 Lieder ist rustikaler als der der Split-Partner, aber auch experimentierfreudiger. Melodien rücken oftmals in den Hintergrund, dafür wird auch mal mit dem Keyboard herumgespielt und ufta-ufta-Beats werden eingestreut. Daraus resultiert dann ein angenehmer Garagensound, der die Low-Fi-Punksongs ansprechend transportiert. Und auch wenn sich „Keine Gnade“ von ISOLIERBAND in diesem Soundgewand auch ganz ordentlich anhört, kommt es an das Original leider nicht ran.

Beide Bands gefallen und passen trotz deutlicher musikalischer Unterschiede doch ganz gut zusammen. Auf der einen Seite melodischer und politischer, auf der anderen experimentierfreudiger und sarkastischer. Somit eine hörenswerte Sache in hübscher Aufmachung. Mirko

www.facebook.com/KrauseGluckeWeltverschwoerung
www.parkbank5000.bandcamp.com

DETLEF. – SUPERVISION

DETLEF. – SUPERVISION
(Bakraufarfita Records)

Als SUPERNICHTS vor ca. 3 Jahren nicht mehr mit SUPERNICHTS weitermachen wollten (oder konnten), war ich tatsächlich ein wenig traurig. Schließlich brachten sie immer viel provokanten Humor in den oft auf hart machenden und nie lächelnden Punkrock. Dann wurde mit DETLEF. der legitime Nachfolger und militante Arm von SUPERNICHTS angekündigt, dann war ich erst skeptisch, dann kann das erste Album, dann war ich nicht mehr skeptisch, jetzt kommt das zweite Album und spätestens jetzt weiß ich, alles ist gut und ein wenig wie früher – nur die Überschrift ist anders.

19 Songs in 36 Minuten haut das Kölner Trio raus und liegt mit dieser Anzahl schon mal weit über dem Durchschnitt, denn die modernen Punkbands von heute quälen sich ja nicht selten auf 10, höchstens 11 Songs und sind dann fertig. Passend dazu verkünden DETLEF. auch, dass sie nicht groß struggeln mussten und Bands nicht verstehen, die jahrelang an 10 Songs rumeiern und verzichten auf den üblichen “Blut-Schweiß-Tränen-harte-Arbeit“ Kram. Oi!

Besser isses, denn “Supervison“ schnörkelt nicht viel rum, sondern kotzt sich aus und kommt auf den Punkt. Mal mit Mittelfinger, mal mit Augenzwinkern, aber immer so, dass es sitzt. Die Protagonisten in den Lyrics bzw. die Feindbilder ergeben sich meistens aus scharfer Beobachtungsgabe und weit oben auf der Liste stehen typisch “Deutsche Männer“ oder der so oft zitierte “Kleine Mann“. Natürlich verteilen DETLEF. nicht nur Seitenhiebe, denn es gibt auch Dinge, die sie mögen – Fußball z.B. oder Saufen. Unterstützung gibt’s von ein paar (auch vertrauten) Gastsänger*Innen. Viel Abwechslung, viel Unterhaltung, dass Ding macht Laune. Steff

www.facebook.com/detlef.cgn

THE SPARTANICS – DECLINED

THE SPARTANICS – DECLINED
(Rockers Records)

Es macht den Eindruck, hier eine Rarität aus den 80gern vorliegen zu haben. Das vergilbte Cover dieser 10Inch, das Motiv, irgendwie die ganze Aufmachung / Ausstrahlung. Und tatsächlich würde sich dieser Verdacht auch mit dem Sound, der hier von Platte kommt, verhärten, wenn… ja wenn das Promoschreiben nicht aufklären würde.

THE SPARTANICS sind nämlich eine aktuelle Band. Sie kommen aus Leipzig und legen nach ihrem Debutalbum „It Sounds Spartanic“ mit neuem Material nach. 7 Songs auf mittelgroßem Vinyl, die allesamt an diverse britische Oi!-Bands erinnern, die vor 35-40 Jahren mit ihren einfachen und ehrlichen Songs den Soundtrack für die rebellische Jugend lieferte.

THE SPARTANICS schlagen in eine ähnliche Kerbe. Nostalgischer Old School Sound, der hymnisch ist, einige Singalongs beinhaltet und ins Ohr geht. Eigentlich hätte das in Verbindung mit der Platte gemachte Video schwarz/weiß oder in schlechter Quali sein müssen, um die Sache noch runder zu machen, aber wollen wir mal nicht kleinlich werden. Spike

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