FLOWERS IN CONCRETE / DIM PROSPECTS – SPLIT-LP

FLOWERS IN CONCRETE / DIM PROSPECTS – SPLIT-LP
(Noise Appeal Records)

Einige Jahre haben die FLOWERS IN CONCRETE pausiert. Nach 15 Jahren gab es dann das Comeback und nun das erste neue Material der Österreicher. Daher nun diese Split-LP mit den Kollegen von DIM PROSPECTS, die musikalisch in eine ähnliche Kerbe schlagen.

FLOWERS IN CONCRETE beginnen mit melodischem Punkrock, der auch einige Härten aufzuweisen hat. Die markante Stimme sorgt dabei für einen gewissen Wiedererkennungswert. Schnelles wechselt sich dabei gekonnt mit Midtempo-Parts ab und auch der ein oder andere Ska-Beat, sowie einige gut platzierte Hardcore-Elemente finden Einzug. Auch die phrasenfreien politischen und kritischen Texte können gefallen. Neben vier eigenen Liedern verwursten sie auch den Song „Auf ein Neues?“ von STRAHLER 80, was meiner Meinung nach sehr gut gelingt.

Der Split-Partner geht ein wenig mehr in Richtung Hardcore und setzt im Gegensatz zu den FLOWERS auf englische Texte. Dennoch kommen Melodien nicht zu kurz. Ansonsten ähneln sich Sound und textlicher Inhalt doch relativ stark, so dass beide Bands doch ganz gut zusammen passen und ich keinen klaren Favoriton ausmachen kann. Die DIM PROSPECTS gehen vielleicht etwas aggressiver zu Werke, vor allem was das Stimmliche betrifft, aber auch hier schenkt man sich nicht viel.

Insgesamt gesehen eine gut hörbare Scheibe zweier Bands, die sich auf einer Wellenlänge und einem ähnlichen Niveau befinden. Zwölf abwechslungsreiche Songs mit Melodie, Härte und Aussagekraft. Läuft gut rein. Mirko

www.flowersinconcrete.at
www.med-user.net/~dimprospects

HASS – MACHT KAPUTT, WAS LÄNGST KAPUTT IST

HASS – MACHT KAPUTT, WAS LÄNGST KAPUTT IST
(Aggressive Punk Produktionen)

TON STEINE SCHERBEN haben uns damals empfohlen, dass kaputt zu machen, was uns kaputt macht. Haben wir gemacht bzw. haben wir versucht. Unbestreitbar haben wir früher viel kaputt gemacht und die SCHERBEN lieferten den Soundtrack dazu. Jetzt kommen HASS und rufen dazu auf, dass kaputt zu machen, was längst kaputt ist. Jungs, echt jetzt? Ich komme gefühlt aus dem Kaputtmachen ja gar nicht mehr raus.

Sechs Jahre sind seit dem letzten Album von HASS ins Land gezogen und genügend Hass ist immer noch vorhanden. Da scheint über die vielen Jahre, die HASS schon aktiv sind und die Deutschpunkszene mitgeprägt haben, nichts verloren gegangen zu sein. Dem Sound ist natürlich eine Weiterentwicklung zu entnehmen, aber die Rauheit älterer Tage drückt dennoch recht häufig durch. Die besungenen Themen wie z.B. Medien, Krieg, Kirche, Konsum, Nazis oder USA sind nicht neu, aber auch hier schimmert bei der Ausdrucksweise immer so ein wenig die typische Plakativität früherer Tage heraus, für die Deutschpunk berühmt und berüchtigt ist und geliebt oder gehasst wird.

Man kann HASS jedenfalls nicht vorwerfen, dass sie sich komplett verdreht, verändert oder dem Trend angebiedert haben. Sie bleiben sich und ihrem Genre treu und das schon seit Jahrzehnten. Mich können die HASS-Alben nach den Klassikern „Zurück in die Zukunft“ (1989) und „Gebt der Meute was sie braucht“ (1990) leider nur teilweise packen – und dazu zählt somit auch dieses hier. Das liegt wohl in erster Linie an den vielen Erinnerungen, die mit den alten Schinken verknüpft sind. Die Dinger, in Verbindung mit meinen vielleicht wildesten Jahren, haben die Messelatte einfach zu hochgelegt. Spike

www.facebook.com/hass.punkrock

NOIHAUS – ANTIFASCIST STREETPUNK

NOIHAUS – ANTIFASCIST STREETPUNK
(Incredible Noise Records)

Nachdem die bisherigen Veröffentlichungen, ein Album und eine fast schon an Albumlänge heran reichende EP in Eigenregie veröffentlicht wurden, kommt der neueste Output als schmucke 7“-Vinylscheibe daher. Das Posterfaltcover, das auch alle Texte enthält, kann jedenfalls schon mal ganz gut gefallen.

Der einminütige Opener, der die Attitüde der Band zum Ausdruck bringt, beginnt noch etwas lahm und ist dann auch ziemlich schnell wieder vorbei, als Intro aber sicherlich tauglich. Es folgen vier gradlinige Streetpunksongs in englischer Sprache, wenn man mal von einer Strophe bei „Kings without a crown“ absieht, die auf Deutsch verfasst ist. Intellektuelle Höhenflüge und inhaltliche Innovation sollte man derweil nicht erwarten. Es geht um Zusammenhalt gegen die Faschobrut, Bock auf‘s sich Prügeln und die Umgebung unsicher machen und sich nicht unterkriegen lassen. Das alles in rustikalem Soundgewand, bei dem die Bassläufe aus dem musikalischen Durchschnitt hervorstechen. Dazu gibt es ein paar nette Singalongs und Mitgrölpassagen, die man zwar auch alle schon mal gehört hat, die aber halt immer noch ziehen.

Vom Niveau her keine große Offenbarung und auch nicht wirklich originell. Dennoch läuft die Scheibe ganz gut durch und bietet neben dem Intro vier bodenständige, flotte und rohe Streetpunksongs, die man sich schon mal anhören und live auch bestimmt gut dazu abfetzen kann. Mirko

www.facebook.com/noihaus

PROUD TO BE PUNK #32

PROUD TO BE PUNK #32

Schon wieder ein halbes Jahr rum und das bedeutet, eine neue Ausgabe des ehrwürdigen „Proud to be Punk“ liegt auf meinem Tisch. Erneut proppevoll mit allerlei lesens- und wissenswertem.

Auch wenn das Cover das Thema „Black lives matter“ hervorhebt, wird diesem Bereich doch vergleichsweise wenig Platz eingeräumt, was ich ein bisschen schade finde. 1½ Seiten Reflexion einer Demo/Kundgebung und eine gute Seite Interview mit Bubu, dunkelhäutigem Sänger und Gitarrist bei Asselterror, der ein wenig von seinen Erfahrungen erzählt. Offenbar haben sich auf die Schnelle nicht noch weitere selbst betroffene Gesprächspartner finden lassen. Dafür ist das Interview mit den Machern des mir auch sehr sympathischen BROT-Fanzines mit 10 Seiten doch recht ausführlich, aber auch sowohl unterhaltsam als auch informativ ausgefallen. Ein weiteres Interview gibt es mit EMBOSCADA aus Halle/Saale. Der Bericht über Punk aus München beschränkt sich auf das Vorstellen einiger weniger Punk-Scheiben und der zugehörigen Bands. Ich denke, dass die bajuwarische Landeshauptstadt einiges mehr in Sachen Punkrock zu bieten hat, als diese kleine Auswahl. Sehr gut gefallen hat mir sowohl der Blick auf die Song-History des Songs „Indo China“ von CRUZIFIX, als auch das „Name-Dropping mal anders“. In ersterem Artikel findet man eine kompakte Zusammenfassung des Indochina-Krieges zwischen den französischen Kolonialisten einerseits und den Staaten Vietnam, Laos und Kambodscha andererseits. Aber auch einen kurzen Blick auf den Beginn des Vietnam-Krieges, der unmittelbar darauf folgte. Im Name-Dropping werden zu diversen Bandnamen die geschichtlichen und begrifflichen Hintergründe diverser Bandnamen wie DIASPORA, OI POLLOI, BLUT + EISEN, HAYMARKET oder SAPERE AUDE erläutert und die jeweilige Band kurz vorgestellt. Per Interview wird, um auch den politischen Aspekt mit einzubringen, die linke Gruppierung SPEKTRUM 360° und das Bildungswerk Stanislaw Hantz vorgestellt. Abgerundet wird diese vielfältige Ausgabe durch die üblichen Rubriken mit Reviews und dem Sachsen Szenereport sowie einem Konzertbericht des L‘ATTENTAT Revival-Konzertes in Leipzig.

Im Vergleich mit der letzten Ausgabe ist hier etwas mehr Abwechslung geboten, was ich positiv hervorheben will. Auch daher wieder eine sehr lesens- und lohnenswerte Ausgabe dieses idealistischen Heftest. Kann ich nur empfehlen. Mirko

COCHON DOUBLE – BRUXISME

COCHON DOUBLE – BRUXISME
(Hummus Records)

Brynjar Thorsson, der schweizerisch-isländische Liedermacher, der sich hinter dem Namen COCHON DOUBLE verbirgt, hat nach jahrelangem Tingeln und vielen Live-Performances nun acht seiner Songs aufgenommen, bei denen er von zwei seiner Bandkollegen von WELLINGTON IRISH BLACK WARRIOR“ unterstützt wurde. Herausgekommen ist ein für mich sehr schwer zugängliches Album.

Nicht nur dass ich die ausnahmslos französischen Texte inhaltlich nicht verstehe, auch die Musik ist für mich doch recht befremdlich. Ein wenige Rock, Chanson, Elektrokram und Traditionals vermischen sich zu einer fast schon experimentellen Melange, die mir ziemlich schwer ins Ohr geht. Die Melodien, die hier Eingang finden, können mich auch auf keinster Weise für sich vereinnahmen. Irgendwie ist das ein simples vor sich hin dudeln verschiedener Töne, die mit technischen Mitteln, Hall, Echo und so Krimskrams irgendwie besonders sein wollen, dabei aber einfach nur nerven.

Von mir aus hätte der Künstler sich nicht von seinen Kumpels bequatschen lassen müssen, das Zeug hier aufzunehmen und besser seinen Plan weiterverfolgt, die Lieder hinter sich zu lassen. Jetzt ist die Platte aber nun mal da, ich muss mich damit herumquälen. Vielen Dank. Eine Scheibe, die es meiner Meinung nach sicher nicht gebraucht hätte. Eine Homepage scheint der Herr übrigens nicht zu haben, daher auch keinen Link. Mirko

MDC – MILLIONS OF DEAD COWBOYS

MDC – MILLIONS OF DEAD COWBOYS
(Twisted Chords)

Ein Schlag ins Gesicht für alle MDC Fans? Oder das Sahnehäubchen auf der MDC-Torte? Schon während des ersten Songs „Well Travelled Man“ ziehe ich bereits das erste Fazit, dass man dieses Album voraussichtlich entweder lieben oder hassen wird. Dazwischen sehe ich wenig Möglichkeiten. Dave Dictor, seineszeichens MDC-Sänger und Mike Smith, seineszeichens MDC-Basser, drehen hier MDC-Klassiker gnadenlos durch den Country Wolf.

Ich weiß gerade nicht, ob es ein Vor- oder Nachteil ist, wenn man die Songs bereits im Original kennt, aber obwohl ich beiden Genres wirklich nicht abgeneigt bin (tatsächlich kann ich auch mit ein paar Country Acts was anfangen), klingt das hier fast schon befremdlich auf mich. „John Wayne Was A Nazi“, „Nazis Shouldn´t Drive“ und zehn weitere ausgewählte Songs aus 4 Jahrzehnten MDC auf der Akustik Klampfe, angereichert und unterstützt mit weiterem Klangwerkzeug.

Puh, dass ist irgendwie zu hart für mich, auch wenn es musikalisch ja das genaue Gegenteil von hart ist. Aber gut, ich finde Esel auch geiler als Pferde und bin allein deshalb schon kein richtiger Cowboy. Wie dem auch sei, die Ironie hab ich schon verstanden, aber meiner Meinung nach hätten Dave & Mike sich das echt verkneifen können. Spike

www.facebook.com/mdcpunkbandofficial