CRUOR HILLA – ANGST / BLITZ

CRUOR HILLA – ANGST / BLITZ
(Eigenproduktion)

Vor fast zwei Jahren habe ich bereits das letzte Album des Berliner Trios besprochen, kann mich aber beim besten Willen nicht mehr daran erinnern. Spricht erstmal nicht für die Band. Aber bei der Menge die ich mir reinziehen muss, kann das schon mal passieren. Also schnell das damalige Review gelesen und schon kommen wir zur neuen,  erneut selbstproduzierten Scheibe, die ganze 23 Lieder enthält.

Wenn ich jetzt mal das letzte Review als Grundlage nehme, wage ich zu behaupten, dass sich die Band treu geblieben ist. Denn zu hören gibt es immer noch ungezwungenen Punkrock, der eher poppig und melodiös daher kommt. Einfach frei von der Leber weg, ohne große Schnörkel, eingängig, aber auch nichts was richtig im Hirn hängenbleibt. Die Ungezwungenheit spiegelt sich auch in den Texten wieder, die kleine Geschichten und Anekdoten erzählen, die meist humorvoll daher kommen oder es zumindest gemeint sind. Klar, der HC- oder Streetpunkfreund wird sich hier nicht zu Hause fühlen. Als reine Teenie- oder Funpunk-Band möchte ich das nun aber auch nicht bezeichnen, auch wenn die Tendenz in diese Richtung geht und ich mich komischer Weise immer mal wieder an die Sportfreunde Stiller*, allerdings mit erhöhter Punkattitüde,  erinnert fühle. Auch was den leicht schrägen Gesang betrifft. Das Booklet ist übrigens sehr ausführlich, beinhaltet alle Texte sowie Linernotes und ein Vorwort. Hier hat man sich schon Mühe gegeben.

Trotz 51 Minuten Spielzeit flutschen die Songs zügig durch und ich fühle mich doch ganz gut unterhalten von dem Werk. Man merkt eben, dass hier mit Spaß an der Freude operiert wird. Nicht weltbewegend, aber doch recht nette Unterhaltung. Mirko

www.cruorhilla.de

*offensichtlich hat die Band dies schon öfter gehört, ansonsten hätte sie sicher nicht schon vor etlichen Jahren den Song „Niemals Sportfreunde Stiller“ veröffentlicht : )

EGOKILLS – MELLOWHEAD

EGOKILLS – MELLOWHEAD
(My Fate Music / recordJet)

Wie schön, dass der erste optische Eindruck auch mal genau das wiederspiegelt, was es ist. Denn beim Anblick des Covers dachte ich mir schon: ganz schön hippie-esk. Die abgerissenen Musiker auf  dem Bandfoto sehen dagegen eher aus wie irgendwelche Metal-Fritzen. Und siehe da, wer bei einer großen Suchmaschine danach recherchiert, findet den Slogan: „Band of metal loving hippies from Tampere, Finland“.

Was einen dann musikalisch erwartet ist ein wilder Mix verschiedener Rock-Stile. Das Grundgerüst bildet dabei bodenständiger, klassischer Metal, der mit allerlei Variationen aufwartet. So finden sich Elemente aus dem Doom, dem Grunge und dem Melodic-Rock in den Kompositionen wieder. Gespickt ist das Ganze mit eingängigen, manchmal sogar leicht hymnischen Melodien, aber auch exotischen Gitarrenläufen aus dem multiethnische-traditionellen. Dieser Mix harmonisiert auch ziemlich gut und bietet dennoch viel Abwechslung. Die Texte beschäftigen sich meist mit psychischen Konfliktsituationen, mal auf persönliche, mal auf allgemeinere Art, und bringen Sehnsucht aber auch Verzweiflung und innere Zerrissenheit glaubhaft zum Ausdruck.

Obwohl das Endprodukt mit Punkrock oder Hardcore jetzt nicht wirklich viel zu tun hat, lohnt sich auch hier der oft beschworene Blick über den Tellerrand. Denn hier legen die Finnen ein wirklich starkes Rock/Metal/Crossover-Album vor. Mirko

http://egokills.net/

SUBVERSIVE BRATS – STRANGE WORLD

SUBVERSIVE BRATS – STRANGE WORLD
(Eigenproduktion)

Vor etwas über einem Jahr flatterte mir die Debüt-EP der Düsseldorfer Band auf den Schreibtisch. Bis auf einen Song sind alle Stücke der „kleinen“ Platte auch auf der „großen“, allerdings in anderen Versionen, denn das, was damals nur Live zu hören war, wurde nochmal im Studio eingezockt.

12 Songs sind´s insgesamt und ein Blick auf Songtitel wie „Arseholes“, „Bastards in blue“, „Church Song“ oder „Greyzone Wanker“ macht deutlich, welchen Themen sich textlich gewidmet wird. Die Brechstange, mit der SUBVERSIVE BRATS bereits auf der EP werkelten, ist auch hier wieder im Einsatz. Es ist rau, es ist kompromisslos, es rumpelt und es rappelt im Karton. Textlich sieht das ähnlich aus, also Tiefgang darf nicht unbedingt erwartet werden. Aber dafür wird natürlich das Klischee erfüllt. Wütend sein, angepisst sein, draufhauen, abkotzen und weg. Zusammenfegen können die anderen, nachdem sie die Cops gecalled haben.

Direkter geht kaum und Studentenpunk mit kryptischen Texten machen andere. Bisschen Streetpunk, bisschen Oi, bisschen Hardcore und gelegentlich auch ein bisschen nach MOTÖRHEAD-Lemmy klingend, das sind SUBVERSIVE BRATS. Mich hat die vorherige 4-Song-EP damals mehr mitgerissen, in zweiter Linie vielleicht wegen meiner aktuellen Stimmungslage, in erster Linie aber vor allem wegen der B-Seite mit den Live Songs. Spike

www.facebook.com/subversivebrats

FRONT – DISSONANZ & WAHNSINN

FRONT – DISSONANZ & WAHNSINN
(Twisted Chords)

Vor gut zwei Wochen wurde ich gefragt, ob ich die neue Scheibe von FRONT schon gehört habe, was ich auch ehrliche Weise verneinte. Ebenso wie die vorherigen drei Alben auch schon nicht. Daraufhin wurde mir die Platte wärmstens empfohlen. Leicht desinteressiert entglitt mir ein nicht ganz so ehrliches: „Werd ich machen!“ Zack – und schon findet sich die LP in meinem Review-Stapel wieder und nun höre ich mir die Scheibe doch an. Die Begeisterung meines Kollegen kann ich aber nur bedingt teilen.

Offenbar unter erschwerten Bedingungen, die ich nicht weiter recherchiert habe, wurde die Aufnahme gestemmt und dabei die Besetzung auch noch eingedampft. Zu hören gibt es Punk, der irgendwo zwischen Retro- und Post-Punk schwankt. Manchmal ein bisschen monoton, dann wieder mit Ecken und Kanten, kaum verzerrten Gitarren, dafür mit viel Hall, wurden die Lieder aufgenommen. Dazu einen ausdrucksstarken Gesang, der voller Emotionen steckt. Minimalismus und Komplexität geben sich dabei die Klinke in die Hand. Relativ wild ist die Performance zwar, dann aber auch irgendwie wieder klar strukturiert. Der Plattentitel beschreibt dabei ziemlich gut den musikalischen Inhalt. Die Texte sind für mich allerdings nicht immer verständlich, wobei am Ende die Aussage dann doch wieder recht klar ist. Auch eine Kunst für sich. Nur leider nicht so ganz meine Wellenlänge. Allerdings ist dies reine Geschmackssache. Und den meinen trifft das leider nicht so ganz.

Aus künstlerischer Sicht kann man diese Scheibe sicherlich loben und auch wirklich klasse finden, denn der Anspruch ist sicherlich vorhanden. Nur ist das eben nicht wirklich meine Tasse Bier. Mirko

www.front-punk.de

NARCOLAPTIC – NEVER FALL IN LINE

NARCOLAPTIC – NEVER FALL IN LINE
(Antikörper-Export)

Zwischen den ersten beiden Alben lagen satte acht Jahre. Nach nur zweijähriger Wartezeit erscheint nun das dritte Album der Hamburger, die mittlerweile zum Trio geschrumpft sind. 13 neue Songs kloppt die mittlerweile weit gereiste Band hier raus, und die können sich wirklich hören lassen.

Im Vergleich zum Vorgänger konnte die Band nochmals eine Scheibe drauf packen. Sowohl was das Äußere als auch das Inhaltliche betrifft. Verpackt ist die Scheibe in ein hübsch gestaltetes DigiPak, das diesmal auch ein Textblatt enthält, auf dem allerdings nur zehn der dreizehn Texte Platz gefunden haben. Aufgenommen, produziert und gemischt worden, sind die Songs ausgezeichnet. Schön druckvoll das alles. Aber auch das Songmaterial hat sich stark verbessert. Konnte ich mich mit dem Erstling noch nicht wirklich anfreunden, war das zweite Album schon etwas stärker. Mit „Never fall in line“ kann mich die Band aber nun überzeugen. Zu hören gibt es meist flott gespielten Skate-Punk, der auch den ein oder anderen Haken schlägt und Elemente aus dem melodischen Punkrock, aber auch dem Hardcore mit einfließen lässt. Dazu gibt es Texte, die eindeutige, kritische und politische, aber auch persönliche Inhalte besitzen. Das alles ist recht eingängig, aber auch mit einer gesunden Portion Härte versehen, so dass es für mich hier überhaupt nichts zu meckern gibt.

Schön, wie sich NARCOLEPTIC entwickelt haben. Mit diesem Teil hier haben die Hamburger ihr bisher eindeutig bestes Werk vorgelegt, das ich nur empfehlen kann. Ich hoffe, die Band kann dieses Niveau auch zukünftig halten. Mirko

www.narcolaptic.net

SLAPSHOT – MAKE AMERICA HATE AGAIN

SLAPSHOT – MAKE AMERICA HATE AGAIN
(Bridge Nine Records)

Du willst dich mal eben kurz abreagieren und „voll-in-die-Magengrube“ Hardcore hören, hast aber eigentlich nicht viel Zeit? Dann versuche es mal mit dem neuen Album von SLAPSHOT, damit biste in nur 23 Minuten durch.

Tatsächlich, 11 Songs, etwas über 20 Minuten, überwiegend Vollgas. SLAPSHOT bzw. deren Nebenprojekt ist bekanntlich nicht gerade unumstritten, aber die Hauptband schlägt da textlich in andere Kerben. So deutet schon der Albumtitel darauf hin, dass die kritische Auseinandersetzung mit der amerikanischen Politik sowie der amerikanischen Gesellschaft keine unwesentliche Rolle spielt.

Direkt und wütend wie die Texte, erklingt auch die Musik, die ihre Stärken vor allem in den Stücken entfaltet, wo die Geschwindigkeit etwas gedrosselt wird und wo vom Hardcore Richtung Streetpunk/Oi gelenkt wird. „I got your number“ oder „It´s all about you“ zecken mich richtig an. Wer denkt, nach über 30 Jahren im Geschäft müsste man eigentlich ausgelaugt, lustlos und satt sein, der irrt. Die Old School Veteranen liefern ab. Spike

www.facebook.com/SlapshotBoston