DIE VISITOR – DER ERSTE STEIN

DIE VISITOR – DER ERSTE STEIN
(Anarchy of Sounds)

Rustikaler Streetpunk aus Neubrandenburg. Damit könnte schon fast alles gesagt sein. Provokant & Asozial hatte sich die Band auf die Fahnen geschrieben und ist auch schnell mit der Staatsmacht aneinander geraten. Danach war nicht mehr viel los im Hause DIE VISITOR. Da es aber noch einige Songs zu veröffentlichen galt, hat sich Gitarrist Fu, der einigen womöglich von der kontroversen Band EXKREMENT BETON bekannt sein könnte, entschlossen, das Erbe der Band mit Hilfe eines externen Schlagzeugers nochmals einzuspielen und im Namen der Band zu veröffentlichen.

Musikalisch bewegt sich das ganze zwischen Oi!, Streetpunk, Hardcore und Metal und vom Sound her ist der ganze Scheiß doch ziemlich heavy ausgefallen. Fett, treibend, aber dennoch rotzig und ungeschliffen. Modern political correctness gibt es natürlich nicht unbedingt und so wird sich der und vor allem die ein oder andere schon mal auf den Schlips getreten fühlen. „Pogo, Sex & Promille“ oder „wir sind gegen Hausdursuchungen aber fürn geilen Fick – Oi!“, wie im Opener „Anti“ und vor allem der pornographische Song „Prinzessin“ könnte da manchen schon in den falschen Hals rutschen. Die Zeiten ändern sich eben und nicht jede(r) kommt heutzutage mit solch proletarischen Machozeilen oder pubertären Gernfick-Liedern klar. Einerseits könnte man darüber schmunzeln, andererseits passt es aber einfach auch nicht mehr zum modernen Bewusstsein. Grundsatzdiskutierenswürdig allemal. Denn das „scheiß auf alles“ und „fickt das Establishment“ des frühen Punkrocks, welches hier kompromisslos vertreten wird, ist mittlerweile ja einem „pass bloß auf, was Du sagst“ gewichen. Für einen anregenden Diskurs dazu bin ich immer gerne bereit, falls jemand meint, ich würde hier irgendwelche Tendenzen verharmlosen. Denn in diesem Review ist leider zu wenig platz, so was differenziert darzulegen. Ansonsten stellen sich DIE VISITOR kompromisslos gegen Nazis, Kapitalismus, Bullen, aber eben auch sexuellen Missbrauch und alles was einen sonst noch so alles ankotzt in dieser perversen Welt.

Sowohl musikalisch als auch textlich kompromissloser Oi!-/Streetpunk, wie man ihn aus den frühen 1990er-Jahren kennt. Provokant, asozial, radikal & absolut Anti-alles. Der LP liegt übrigenz noch eine CD anstatt eines Downloadcodes bei. Mirko

https://www.facebook.com/DieVisitor-Streetpunk-aus-Brandenburg-172580488313