CONYO – TOTES KAPITAL

CONYO – TOTES KAPITAL
(Eigenproduktion)

Mit dem provokanten Begriff „Fotzencore“ bezeichnet die gemischt-geschlechtliche Band den Sound, den sie mit dieser 6-Track-CD präsentieren. Offenbar basiert dies auf dem Bandnamen. Das spanische „coño“ (gesprochen conyo) ist nämlich unter anderem ein vulgärer Ausdruck für das weibliche Genital. Wohl um ein wenig Verwirrung zu stiften, wurden auf die Liedtitel der CD mit anderen Namen und Interpreten versehen. Lustig.

Neben diesen sicherlich humorvoll gedachten Nebensächlichkeiten macht der Vierer aus Düsseldorf auch noch Musik. Sechs Lieder befinden sich auf diesem Tonträger, der sich quer durch verschiedene Musikstile fräst. HipHop, Rap, Funk, Rock, Punk, Hardcore bilden die Elemente des Crossovers. Neben dem im Grunde auch kritischen, aber auch ein wenig albernen „Keine Hose, kein Problem“, das mich an den “hosenlosen Widerstand” von DIE DORKS erinnert. Dasselbe hatte ich aber auch schon über ein Lied mit demselben Namen der Oi-Band LUCKY PUNCH geschrieben. Aber auch skurrile Bands wie ZWIEBELGESCHMACK oder SCHMÄNDY haben dies bereits thematisiert. In den folgenden Liedern wird die Kritik an gesellschaftlichen Umständen dann etwas ernster vorgetragen. Kapitalismus, Konsumgeilheit, Egoismus, Gentrifizierung sowie der immer wieder auftretende Rechtsruck und das Verhalten der Ordnungsmacht werden dabei angeprangert. Mit „Rage“ wurde auch ein Song der mir unbekannten Düsseldorfer HC-Band MYTERROR gecovert, jedoch mit einem neuen Text ausgestattet. Den Abschluss bildet ein „Lobgesang“ auf die Düsseldorfer Kultur, die leider genau das ausstrahlt, was sie kritisieren möchte und auch musikalisch eher profan daherkommt.

Mal abgesehen vom letzten Track, sprechen mich die abwechslungsreichen Songs auf jeden Fall an. Man merkt der Band dabei, auch bei den ernsteren Songs, den Spaß an der Musik an, was sich auf die Hörerschaft überträgt. Auch dass man trotz der ganzen Scheiße um einen herum nicht verzweifeln sollte, sondern dem Mist auch mit Schwung und Elan entgegentreten kann. Mit leichten Abstrichen also eine durchaus hörenswerte EP. Mirko

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