HARD MOOD – MENSCHENZOO

HARD MOOD – MENSCHENZOO
(Eigenproduktion)

Überhaupt keine Info habe ich zum ersten Album von HARD MOOD aus Halle/Saale erhalten. Der Bandname scheint jedenfalls ein lustiges Wortspiel zu sein und das Cover kann mich so gar nicht ansprechen. Ich bin also auf das schlimmste vorbereitet, denn auch das mit Synthieklängen unterlegte Instrumentalintro lässt schlimmes befürchten.

Aber weit gefehlt. Gleich mit dem ersten „richtigen“ Song können mich HARD MOOD mit ihrem ungewöhnlichen Sound für sich gewinnen. In eine Schublade lässt sich die Band dabei nicht stecken. Punk, Hardcore, D-Beat, Elektro, Hardcore und eine ordentliche Schippe Trashrock finden sich in diesem wilden Mix wieder. Die Bassdrum ist vielleicht ein bisschen zu dumpf und dominant geraten, was gerade bei den Doublebase-Einlagen etwas arg ist. Ansonsten wirkt das Klangglomerat aber ausgezeichnet, intensiv und strotzt nur so vor frischen Ideen. Dennoch gibt es viele eingängige Passagen und die Band legt auch eine gesunde Härte an den Tag. Textlich wird der moderne Alltag und der Wahnsinn des Lebens auf gekonnte Weise seziert und mit sarkastischem Unterton präsentiert. „Asoziale soziale Medien“ werden hier ebenso thematisiert wie der „Menschenzoo“ im Reality-TV. Egoismus, Moderne Sklaverei, Gier, Selbsmitleid & Selbstaufgabe, aber auch Traditionalismus sind nur einige weitere Punkte, die hier auf intelligente Weise verarbeitet, angeprangert und durch den Kakao gezogen werden. Der Beat könnte dabei manchmal ein wenig abwechslungsreicher sein, aber das ist wirklich nur ein kleiner Makel. Ebenso wie das Rammsteinsche rollende R, dem doch etwas viel Platz eingeräumt wird. Dies ist angesichts des kantig und sperrig umgesetzten Ideenreichtums aber verschmerzbar.

Endlich mal wieder eine originelle Scheibe, die die Hörgewohnheiten durchbricht und dabei auch noch begeistern kann. Dazu gesellen sich viele stilistische Referenzen an großartige Bands, sowie Texte, die auf erstklassige Weise gesellschaftliche Absurditäten auseinandernehmen. Sicherlich für das ein oder andere Ohr gewöhnungsbedürftig, für mich aber ein toller Einstand. Bitte mehr davon. Mirko

www.hardmood.de