BULLI (Alarmsignal, Disco//Oslo, Antikoerper-Export, Angry Beard Design)

Corona ist weiterhin Thema Nummer 1 im momentanen Alltag der meisten. Darum haben wir jetzt auch jemanden ausgegraben, der etwas zum Thema zu sagen hat. Und zwar handelt es sich dabei um BULLI, der gleich in mehrfacher Hinsicht betroffen ist und war. Zum einen war BULLI zum Zeitpunkt der Grenzschließungen mit dem Auto in Albanien unterwegs, zum anderen ist er sowohl als selbstständiger Kleinunternehmer als auch Bassist/Gitarrist bei DISCO//OSLO und ALARMSIGNAL aktiv. Somit wird auch Beruf und Berufung in Mitleidenschaft gezogen. Also hab´ ich mal bei BULLI nett angeklopft und auf meine Fragen folgende Antworten erhalten:

UglyPunk: Hi Bulli, schön, dass Du dich bereit erklärt hast, mir ein paar Fragen zur aktuellen Lage und deinen Erfahrungen als in mehrerer Hinsicht betroffenem der momentanen Sanktionen zu beantworten. Starten wir doch gleich mal. Du warst gerade im Urlaub in Albanien, als der Lockdown begonnen hat. Wie hast Du denn von den Beschränkungen im Land erfahren?
Bulli:
Hey Mirko. Gerne doch! Ja – ein Urlaub war mehr als überfällig und so sind meine Freundin und ich mit dem Auto bis nach Albanien gefahren. Die Strecke ging durch Österreich, Slowenien, Kroatien, Bosnien und Herzegowina, Montenegro und Albanien. Klar war die Pandemie vorher auch schon ein Thema, aber es gab keine wirklichen Einschränkungen geschweige denn Anzeichen (aus unserer Sicht), dass es zu diesem globalen Lock-Down kommen könnte. Bis zur Einreise nach Albanien haben wir davon nichts gemerkt. Als wir dann an der Grenze standen wurden wir als eines der einzigen Fahrzeuge rausgezogen. Der Grenzbeamte hat kein Englisch gesprochen und uns keinen Grund genannt. Wir mussten aussteigen und wurden in die Polizeistation geschickt. Ich dachte, wir werden wegen Drogen kontrolliert. Vor allem an Grenzen vermutet die Polizei ja in gefühlt jeder Person mit Tattoos und Piercings einen potentiellen Pablo Escobar und alle Alarmleuchten gehen bei denen an. In der Polizeistation saßen dann aber drei Frauen, die uns Fragen über unsere Reiseroute stellten. Unsere Personalien, Handynummern und Temperaturwerte wurden ebenfalls aufgenommen. Dann hat uns ein anderer Grenzbeamter erzählt, dass es in der Hauptstadt Tirana 30 Fälle von „diesem Corona“ gibt. Überall stehen anscheinend Polizist_Innen mit Maschinengewehren rum – es sei wie ein „War State“. Dann hat er gelacht. Dann haben wir gelacht und dachten es wäre ein Scherz. So haben alle gelacht und wir sind lachend nach Albanien reingefahren. Es hat nicht lange gedauert und wir kamen wirklich in Kontrollen (ab da wurde in keiner Kontrolle mehr gelacht…). An jeder zweiten Ecke standen Gruppen von Polizist_Innen mit Maschinengewehren. Jedes Mal wurden unsere Pässe kontrolliert, aber da wir nicht nach Tirana reisen wollten, durften wir immer weiterfahren. Am zweiten Tag kamen wir dann in Shëngjin an. Ein Dorf direkt am Meer. Dort haben wir noch einen Kaffee getrunken und uns dann ein Zimmer gesucht. Das war noch easy und der Zufall hat uns dann zu der „Vila Analipsi“ geführt, die von Lila und ihrer Familie geführt wird. Die wohnen da ebenfalls und vermieten 6-8 Zimmer. Eine Stunde später wollten wir wieder ins Cafe gehen und haben gesehen, dass Leute mit Masken und Warnwesten (sie sahen sehr offiziell aus) aus dem Laden kamen und dieser, so wie alle anderen, geschlossen wurden. Und ab dann war alles geschlossen. Lila und ihre Familie sprachen sehr gut Englisch und waren super gastfreundlich. Das war wirklich unser Glück. Sie berichtete uns dann, dass alles vorerst über das Wochenende geschlossen bleiben muss. Und alle hielten sich dran.

UglyPunk: Welcher Art waren denn die Einschränkungen in Albanien und was musstet Ihr als Touristen beachten?
Bulli:
Es wurde eine Ausgangssperre eingeführt. Autofahren durfte man nur mit Sondergenehmigung von der Staatspolizei. Alle Geschäfte waren ebenfalls geschlossen. Nach einiger Zeit wurde die Ausgangssperre etwas gelockert und man durfte morgens für einige Stunden raus um einkaufen zu können. Es gab ein, zwei Kiosks, wo man wenigstens die Chance hatten Brot, Nudeln und Getränke einzukaufen. Die Auswahl war sehr beschränkt, aber natürlich besser als gar nichts.Die Ausgangssperre wurde auch kontrolliert. Die Polizei ist ständig durch die Straßen gefahren und hat Lautsprecherdurchsagen gemacht.Wir lagen einen Tag am Strand, da hat uns die Polizei direkt weggeschickt und leider sprach einer von denen deutsch – so gab es unsererseits wirklich keine Ausreden, man hätte es nicht verstanden. Zudem wurde uns auch direkt mit Strafe gedroht. Die Entscheidung rauszugehen wurde uns dann zusätzlich vom Wetter abgenommen, da es zeitweise geschneit hat.


UglyPunk:
Du warst mit dem Auto dort unterwegs. In wie weit konntet Ihr Euch denn im Land bewegen?

Bulli:
Ab dem Lock-Down, der dort ja super schnell ausgerufen wurde, gar nicht mehr.

UglyPunk: Wie wurdet Ihr über die aktuellen Entwicklungen im Land und zu einer möglichen Ausreise auf dem Laufenden gehalten?
Bulli:
Wir haben einige Male mit der Botschaft in Albanien gesprochen. Unsere Familien hatten irgendwann in Deutschland mit der Botschaft telefoniert, in der Hoffnung man bekommt neue Infos oder wenigstens irgendwelche Tipps. Die konnten aber meist nicht mehr sagen, als die Infos, die bereits im Internet standen. Dann gab es noch zwei Listen. Die Krisenliste und eine Art Übersichtsliste für Deutsche, die sich im Ausland aufhalten. Da wir Individualreisende waren, wusste ja eigentlich niemand wo wir uns befanden.

UglyPunk: Wie lange musstest Du auf eine Ausreisemöglichkeit warten und wie bist Du denn schlussendlich zurückgekommen?
Bulli:
Wir wurden von der Botschaft immer wieder vertröstet. Es wurde sich immer auf die aktuellen Ausgangssperrenzeiten berufen und „danach schauen wir weiter“ – da für Albanien keine Rückholaktion geplant war. Nach den ersten drei Tagen wurde die zweite Ausgangssperre für weitere zwei Wochen ausgerufen – das mussten wir aussitzen. Danach habe ich wieder die Botschaft angerufen und mir wurde gesagt, dass wirklich gar nichts geplant sei. Als er sagte, dass es mindestens noch weitere 4-6 Wochen dauern würde und danach sei dann wohl auch nichts klar, war es echt nicht mehr lustig. Wir hingen halt zu zweit auf einem kleinen 15m² Zimmer – man konnte eigentlich nur im Bett liegen, weil raus ging ja nicht. Es war saukalt, warmes Wasser gab es auch nicht mehr. Seit zwei Wochen Weißbrot und Nudeln und dann die Aussicht, dass man hier noch viele weitere Wochen verbringen wird. Da kamen dann natürlich noch viele weitere ungeile Dinge hinzu, die diese Situation mit sich brachte, wie z.B. finanzielle Probleme. Natürlich alles totale Wohlstandprobleme. Tja und dann bekamen wir völlig unerwartet einen Anruf der Botschaft, dass wir in 2,5 Std beim Flughafen in Tirana sein sollen, wenn wir nach Deutschland wollen. Es gibt sehr wahrscheinlich einen inoffiziellen Diplomatenflug, der uns in den Allgäu bringen kann. Lila und ihre Familie hatten einen befreundeten Taxifahrer, der uns dann ohne Sondergenehmigung (die man nicht bekommen konnte, da der Flug ja inoffiziell war), dafür mit viel Überredungskünsten meinerseits und Bargeld, wirklich zum Flughafen geschafft hat.

UglyPunk: Musst Du in irgendeiner Art für die Kosten der Rückführung aufkommen?
Bulli:
Der erste Flug, den wir für 200€ / p.P. gebucht hatten, wurde gecancelt. Das Geld haben wir bis heute nicht wieder, aber soll wohl „ganz bald kommen“. Für den Diplomatenflug mussten wir im Endeffekt nichts zahlen.

UglyPunk: Dein Auto musstest Du dann ja in Albanien lassen. Was kommt da noch auf dich zu? Du wirst den Wagen ja nicht dort irgendwo stehen lassen wollen.
Bulli:
Ja, fast alle Sachen sind noch dort – wir konnten nur eine Tasche mitnehmen. Mein Auto steht bei der Familie, die uns das Zimmer vermieteten. Ich vertraue denen eigentlich. Aber da ich es für sicherer hielt das Auto bei denen auf dem Hof stehen zu lassen, als am Straßenrand, haben die auch meinen Autoschlüssel. Der Taxifahrer meinte am Flughafen zu uns, wir sollten uns keine Sorgen um das Auto machen, das steht bei einem Bekannten von ihm. Haha – den Typen habe ich ne´ Stunde vorher das erste Mal gesehen und weiß auch nicht wie der heißt. Ich habe den Tachostand fotografiert – bin mal gespannt, ob da später 100.000km mehr drauf sind. Was will man machen. Das war auf die Schnelle die sicherste Variante. Im Sommer habe ich einige konzertfreie Wochen – mittlerweile ja wohl eher Monate. Der Plan war, dann wieder nach Albanien zu fliegen und alles abzuholen. So wie sich alles entwickelt, wird das aber im Sommer nicht möglich sein. Wir müssen einfach abwarten.

UglyPunk: Wenn Du die Maßnahmen in Albanien und in Deutschland vergleichst, welche Unterschiede gibt es denn dahingehend?
Bulli:
In Albanien wurde sehr strikt durchgegriffen. Sehr viele Leute trugen Masken, manche im Supermarkt sogar Schutzanzüge usw. Die Polizeipräsenz war ebenfalls stärker. An dem Tag als der Lock-Down stattfand, sind wir an zwei Zelten der UN Flüchtlingshilfe vorbei gefahren. Die standen in Vorgärten von Privathäusern und es sah für mich so aus, als ob es sich hier um Quarantänezelte handelte. Dieser Anblick hat glaube ich meine Sicht der Dinge etwas geändert. Als wir wieder nach Deutschland kamen, wurde ich schräg angeschaut, weil ich ein Tuch vorm Gesicht trug. Die Leute haben keinen Abstand gehalten und keiner hat irgendetwas berücksichtigt. Das fand ich schon krass. Im Flugzeug haben die Leute Schutzanzüge getragen und zwischen den Sitzen teilweise Folie gehängt, wie man es hier mittlerweile an einigen Kassen in z.B. Supermärkten sieht. In Deutschland war die Empörung auf jegliche Maßnahmen größer und wenigstens hier wo ich wohne waren weitaus mehr Leute auf der Straße als vorher. So habe ich es wahrgenommen.

UglyPunk: Inwiefern hat sich deine Sicht auf die Dinge denn geändert?
Bulli:
Ich meine, die Erkenntnis des Ernstes der Situation. Natürlich wird man hierzulande auch täglich damit konfrontiert, aber in Deutschland fühlt sich das für mich alles gleichzeitig viel weiter weg an. Aber dadurch, dass ich die Zelte, die Sicherheitsmaßnahmen und den anderen Umgang der Gesellschaft in einem anderen Land wahrgenommen habe, denke ich, dass viele Maßnahmen hierzulande Sinn machen. Wäre ich die ganze Zeit in Deutschland gewesen, hätte ich das gewiss ignoranter und egoistischer gesehen.

UglyPunk: Wie ist denn die Flüchtlingssituation in Albanien. In Griechenland sind die Zustände ja katastrophal und eine vernünftige Hilfe gibt es nicht. Hat Albanien mit ähnlichen Schwierigkeiten zu kämpfen?
Bulli:
Das kann ich gar nicht genau sagen. Ich weiß gar nicht, ob so viele flüchtende Menschen nach Albanien kommen. Mitbekommen habe ich davon nichts.

UglyPunk: Wie beurteilst Du denn die staatlichen Eingriffe und Maßnahmen? Sowohl hier als auch dort.
Bulli:
In Albanien kann ich den krassen Lock-Down verstehen, weil das Gesundheitssystem ein anderes ist. Die Kapazitäten und Mittel sind einfach nicht mit denen in Deutschland zu vergleichen. Das ist denen wohl auch klar. Ich denke schon, dass es Sinn macht mindestens Masken zu tragen. Natürlich finde ich die Situation ebenfalls sehr übel und würde auch gerne einfach rausgehen, Konzerte spielen usw., aber für mich machen viele Maßnahmen wie gesagt schon Sinn. Gerade weil ich den Unterschied zu Albanien gesehen habe. Da sind die Maßnahmen so strikt gehalten, was man aber auch total in den Zahlen sehen kann. Natürlich gibt es da eine Grauzone, da wohl vor allem in den ländlichen Gebieten weitaus weniger getestet wird, doch selbst wenn man die Zahlen in Albanien verzehnfachen würde, wären diese immer noch sehr gering. Das heißt natürlich nicht, dass ich alles abfeiere, was aktuell gemacht wird, aber einiges macht Sinn für mich.

UglyPunk: Wie hat denn die albanische Bevölkerung auf die Maßnahmen reagiert?
Bulli:
In dem kleineren Ort, in dem wir waren, hat die Bevölkerung die Maßnahmen weitestgehend eingehalten. Allerdings wurde ja auch stärker kontrolliert. Einige Arbeiter auf Baustellen hatten sich nicht dran gehalten oder keine Sondergenehmigung und wurden alle von der Polizei zwei Mal weggeschickt. Kann auch sein, dass die beim zweiten Mal eine Strafe zahlen mussten, die waren sichtlich geknickt und aufgeregt.

UglyPunk: Hast Du denn noch Kontakt zu den Leuten dort und weißt Du wie die Situation dort mittlerweile aussieht?
Bulli:
Ich habe denen bei Facebook geschrieben, aber noch keine Antwort erhalten (sollte mich das verunsichern…).

UglyPunk: Du bist ja als selbstständiger Grafiker und Labelbetreiber tätig. Welche Auswirkungen hatte denn der unfreiwillig verlängerte Aufenthalt auf deinen Job?
Bulli:
Ich habe alle meine Einkünfte verloren, da so ziemlich all meine Einkünfte veranstaltungsabhängig sind. Das war mir vorher gar nicht so klar. Mein Label und Mailorder hatte ich schon vor einem Jahr in soweit runter gefahren, dass es kein „Daily Business“ mehr ist, weil ich mal etwas verschnaufen musste. Von daher stand glücklicherweise auch kein Release an, wobei dies ja für kleinere Labels wie Antikoerper-Export es ja auch ist, theoretisch keine Einschränkungen gab. Aktuell läuft mein Corona Benefit Sale noch und der wird ganz gut aufgenommen.

UglyPunk: Bist Du auf staatliche Unterstützung für deinen Betrieb angewiesen? Wie beurteilst Du die staatlichen Unterstützungsmaßnahmen, vor allem für Kleinbetriebe?
Bulli:
Ich bin darauf angewiesen, aber dann ist es natürlich letztendlich doch nicht so einfach. Ich weiß, dass einige (Klein-) Betriebe etwas bekamen, kenne aber auch einige – mich eingeschlossen – bei denen es anders aussieht. Die Richtlinien sind dann doch recht speziell. Genauso diese Künstlerhilfe. Das soll ja alles ganz unbürokratisch laufen. Das ist Quatsch und einfach nur Hartz 4. Das sind ganz normale Anträge und ganz normale Prüfungen. Und die Leute ,die nun gerade gut durch die „unbürokratischen Prüfungen“ gekommen sind, bei denen wird in einigen Monaten nochmal spezieller nachgeprüft. Wenn da dann rauskommt, dass denen doch nichts zusteht, dann dürfen die alles schön zurückzahlen. Das trifft natürlich nur Menschen, die sowie schon finanzielle Probleme haben, sonst müssten die das nicht beantragen. Für mich ist das völlig populistisch.

UglyPunk: Wie sind denn die weiteren Aussichten? Welche Pläne hast Du denn, das beste aus der Misere zu machen?
Bulli:
Ich habe letztes Jahr angefangen zu studieren. Das findet aktuell online statt und ich komme vom Schreibtisch gerade nicht weg. Dann mache ich aktuell super viel Musik und nehme zuhause Demos auf, was mich wirklich richtig freut, da ich dies die letzten Jahre so nicht hinbekommen habe.

UglyPunk: Im Moment machen sich einige Menschen, nicht nur in Deutschland, sorgen darüber, dass ihre Freiheit beschnitten wird, der Staat zu viel kontrolliert und beschränkt. Wie siehst Du das?
Bulli:
Wie gesagt, kann ich einen Teil der Maßnahmen verstehen und die machen Sinn für mich. Auf der anderen Seite laufen unter dem Coronadeckmantel, gewiss auch einige üble Geschichten ab.

UglyPunk: Auch aus der Aluhutecke und in rechten Kreisen werden hier Stimmen laut. Dabei werden viele Falschmeldungen kolportiert, Experten, wie der Virologe Dr. Dorsten, erhalten Morddrohungen usw. Allerdings sinken auch die Umfragewerte der AfD stetig. Inwiefern unterliegen wir denn der Manipulation und könnten Rechte Parteien auf lange Sicht nicht doch profitieren, wenn die aktuellen Beschränkungen nicht bald weiter gelockert werden?
Bulli:
Ich finde es erschreckend, wie sich einige Menschen aktuell verändern, was für Sachen gesagt und Meinungen verbreitet werden. Solche Extremsituationen verändern Menschen – oder kehren einfach nur die Gedanken nach außen. Von völligem Egoismus, über Verschwörungstheorie, Angst und Panik bekommt man ja aktuell alles mit. Geschichtlich gesehen hat es nach großen Epidemien ja anscheinend meist einen Rechtsruck gegeben. Ich weiß nicht, ob es wirklich einen Unterschied macht, ob Beschränkungen gelockert werden. Es werden neue rechte Parteien kommen, und die werden m.E. leider immer eine Anhängerschaft finden. Und das soll nicht resigniert klingen, sondern jede*r wird m.E. einfach immer etwas dagegen tun müssen.

UglyPunk: Nun werden ja tatsächlich einige Maßnahmen gelockert, wenn auch meiner Meinung nach nicht unbedingt die richtigen und es scheint auch nicht alles logisch.  Natürlich passiert das auch in Hinsicht auf die wirtschaftlichen Folgen. Wird dies die Menschen hier dennoch beruhigen können? Es sind ja sehr viele kleine Unternehmen und auch Kulturschaffende betroffen und in der Existenz bedroht?
Bulli:
Wenn ich jetzt mal nur von meiner persönlichen Situation spreche: als selbstständiger Künstler und Musiker, würde ich mich natürlich einerseits total freuen, wenn Veranstaltungen endlich wieder stattfinden. In unserer Alarmsignal Jubiläumstour steckt ein Jahr Planung und sehr viel Arbeit – und das ist ja nicht das einzig was wegfällt. Aber ich kann völlig verstehen, dass solche Veranstaltungen gerade nicht stattfinden. Das jetzt einiges gelockert und wieder eröffnet wird, ist zwar aus wirtschaftlicher Sicht verständlich, aber wird die Zahlen ja eher wieder nach oben treiben, denke ich.

UglyPunk: Es besteht dadurch ja die Gefahr einer zweiten Welle und damit einem erneuten Lockdown? Was würde das, natürlich auch mit Blick auf Konzertveranstaltungen und Kulturbetriebe bedeuten?
Bulli:
Sobald wieder alle Menschen aufeinandertreffen, wird die Zahl wieder nach oben gehen. Ein zweiter Lock-Down wäre wirklich krass – kann ich mir aber gerade nicht vorstellen (mit Blick auf die Wirtschaft). Aber wenn das passieren würde, dann würde dies ja vielleicht erst Richtung Herbst einsetzten und Festivals und Konzerte frühestens im Sommer wieder starten. Das wäre eine totale Katastrophe für die Festivals, wenn es so laufen würde wie dieses Jahr (erstmal bis 31.08. – vielleicht länger). Ich denke mit dieser Planungsunsicherheit, würden einige Festivals von der Bildfläche verschwinden. Die Werbung, Lizenzen etc. müssen ja trotzdem bezahlt werden, weil das geplante Event ja vielleicht stattfinden könnte. Und da ist man ja total schnell im mindestens fünfstelligen Bereich. Da hängt so viel dran. Es arbeiten hinter den Kulissen ja auch so viele Menschen in der Kulturbranche.

UglyPunk: Dann bedanke ich mich nochmals für die interessanten Einblicke und deine Ansichten. Ich wünsche Dir alles gute und dass es mit dem Betrieb, aber auch mit den Bands bald weitergehen kann. Hast Du noch irgendwelche letzten Worte?
Bulli:
Gerne Mirko! Bleibt alle gesund und denkt an eure Mitmenschen.