A GLOBAL MESS – EINE SUBKULTOUR DURCH SÜDOSTASIEN

A GLOBAL MESS – EINE SUBKULTOUR DURCH SÜDOSTASIEN
(Bundschuh/Ringelsiep)

Entstanden aus einer Schnapsidee heraus haben sich Felix Bundschuh und Diana Ringelsiep im Jahr 2018 für drei Monate wilde Tour begeben, um dort die Musik- und Künstlerszene im Untergrund der südostasiatischen Metropolen zu ergründen und zu dokumentieren. Heraus gekommen dabei ist ein ca. 280-seitiges Buch, eine 93-minütige Dokumentation sowie ein LP-Sampler mit diversen Bands der dortigen Szenen.

Zuerst habe ich mir das Buch vorgenommen, das mir auf zweierlei thematischen Ebenen interessant vorkam. Zum einen aus touristischer Sicht, da ich auch gerne mit dem Rucksack fremde Welten erkunde, zum anderen um etwas über den Untergrund in der Ferne kennen zu lernen. Natürlich kommen mir da sofort die Dokus „Punk im Jungel“, „Komunitas – Auf Tour durch Südostasiens Punkszene“ und „My Buddha is Punk“ in den Sinn, die dies auch zum Thema haben, aber auch der auf YouTube zu sehende Video-Reisebericht von ABSTURTZ auf ihrer Tour durch Indonesien. Allerdings unterscheiden sich diese Berichte, die die Bands auf ihrer Reise beobachten vom Ansatz her schon, denn bei „A Global Mess“ wird der Blick nicht nur auf Musik, sondern auch andere künstlerische Aspekte gerichtet. Zudem handelt es sich ja auch um ein multimediales Projekt. Felix und Diana, die beiden Autoren, haben bereits im Vorfeld einige Kontakte geknüpft, starteten dann aber getrennt. So hat Felix die Reise alleine begonnen und neben Hongkong die Philippinen, Bali und Java ins Visier genommen. In Singapur stieß dann Diana hinzu und zu zweit wurden dann auch noch Malaysia und Thailand bereist. Neben den Interviews mit Künstlern, Musikern und Veranstaltern wurde aber auch ein wenig Sightseeing betrieben, so dass eine Mischung aus Reisebericht und Dokumentation entstand, die nicht nur einen Einblick in das Leben der verschiedenen dargestellten Personen gibt, sondern auch ziemlich unterhaltsam und interessant zu lesen ist. Auf den letzten Seiten hält das Buch sogar noch einen kleinen Thriller bereit. Die Menschen, mit denen sich die beiden getroffen und unterhalten haben sind recht vielfältig. Nicht nur was Nationalität, Religion oder Kultur betrifft, sondern auch in Bezug auf Lebensinhalt und Wirken. Somit bekommt man einen doch vielfältigen Eindruck des dortigen Untergrunds. Allerdings wird vieles auch nur angerissen, was bei dem Umfang an Erlebnissen sicher auch nicht anders möglich ist. Dennoch erhält man einen guten Einblick in eine Szene, die sich stetigen staatlichen Repressionen ausgesetzt sieht und auf verschiedene Art und Weise damit umgeht. Aufgelockert wird dies immer wieder durch kleine Episoden und Erlebnisse aus dem Backpacker-Leben, die ich sehr gut nachvollziehen und mich in die beiden hineinversetzen kann.

Außerdem waren die Beiden mit Kameras unterwegs und so ist auch der Dokumentarfilm entstanden, den ich eher als Ergänzung zum Buch sehen. Denn im Film fehlen die Erlebnisse drum herum fast gänzlich. Dafür bekommt man, obgleich das Buch bereits reich bebildert ist, auch einen visuellen Eindruck der Menschen, die dort getroffen wurden und auch der Konzerte, die man besucht hat. Auch die Interviews finden mehr Platz und vermitteln einen besseren Eindruck, wenn man die Leute dabei sieht, als nur das geschriebene Wort und auch die Atmosphäre bei den Events wird zusätzlich transportiert. Der Film allein könnte mich jetzt nicht so fesseln, hätte ich das Buch nicht vorher gelesen. Daher rate ich auf jeden Fall dazu, sich das flüssig zu lesende Buch zu Gemüte zu führen und bei weiterem Interesse, sozusagen als Bonus oben drauf, sich dann noch die Doku, die mit relativ einfachen Mitteln gefilmt und zusammengezimmert wurde, dafür aber Authentizität versprüht, rein zu ziehen. Zum Sampler kann ich nichts weiter sagen, da ich diesen nicht gehört habe, aber auch im Film werden einige Konzertausschnitte präsentiert, so dass man sich hier ein kleines Bild der musikalischen Vielfalt machen kann.

Dieses Herzensprojekt besticht durch den Enthusiasmus und die Unbekümmertheit der Beiden, sowie der Freude daran, sich ins Ungewisse zu stürzen. Das alles ist nicht nur sehr sympathisch, sondern auch wirklich unterhaltsam. Auch wenn viele politische und gesellschaftliche Probleme angesprochen werden, bleibt vieles eher an der Oberfläche. Dabei sollte man aber auch bedenken, dass es nicht die primäre Intention des Projektes war, sozialen Missständen auf den Grund zu gehen, sondern den ostasiatischen Raum auf eine andere Weise zu erleben, wie es die meisten Touristen tun. Daher sollte man das Buch auch nicht auf investigativer Ebene einordnen, sondern einfach an den Erlebnissen und den Erfahrungen sie sie gemacht haben teilhaben. Daneben bekommt man einen ganz Guten, wenn auch teilweise eben oberflächlichen Einblick in die ostasiatische Untergrundszene, bei dem vielen Aktiven der dortigen Szenen ein Wort gegeben wird. Mirko

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