THE TOTEN CRACKHUREN IM KOFFERRAUM (13.04.2019 Keller Klub, Stuttgart)

THE TOTEN CRACKHUREN IM KOFFERRAUM (13.04.2019 Keller Klub, Stuttgart)

Spontan habe ich zugesagt, als mich eine Freundin fragte, ob ich nicht Lust hätte, auf den Tourabschluss der Riotgrrll-Band No. 1 mit zu kommen. Erst später habe ich erfahren, dass am selben Tag, knapp 300 Meter entfernt, auch TOXOPLASMA zum Tanze aufspielen sollte. Aber die Karten waren schon gekauft und gar nicht mal so günstig. 20 Öcken pro Karte haben wir abgelatscht. Da die Konzerte im Keller Klub immer äußerst pünktlich beginnen – danach ist immer noch Alternative Disco – waren wir auch kurz vor angekündigtem Konzertbeginn dort. Nachdem die labbrigen Pommes zur Hälfte verzehrt waren, mussten diese aber schnell in den Rucksack gepackt werden, denn man hörte aus den Räumlichkeiten bereits laute Musik. Also schnell runter in den Keller und URSUS, die als Vorband fungierten, standen bereits auf der Bühne. Allerdings nicht mehr lange.

Nachdem wir 10 Minuten der Trash-Punk-Band aus Stuttgart begeistert aufgenommen haben, war bereits schon wieder Schluss! Was sollte denn der Scheiß?! Als ich nach dem kurzen Vergnügen Gitarrist Fabio zu Rede stellte, teilte dieser mir – nach der verwunderten Frage, warum ich nicht bei Toxoplasma sei – mit, dass sie schon früher Anfangen mussten, da das Crackhuren-Set 90 Minuten dauere, und danach ja alles für die Disse noch fertig gemacht werden musste. Sehr, sehr Schade. Also hab ich mir erst mal eine Flasche überteuerte Plörre geholt, bevor der Kippenautomat meine Kohle gefressen, aber keine Fluppen ausgespuckt hat. Was für eine Scheiße!

Nach kurzer Umbaupause standen dann aber auch schon die 4 Crackhuren auf der Bühne. Zu meiner Überraschung mit Begleitband, so dass die musikalische Untermalung zum Großteil handgemacht war. Davon war ich doch sehr positiv angetan. Etwas verwirrt war ich dann allerdings, als Doreen Bieberface die gut aufgelegte Besucherschaft mit „Hallo Stuggi“ begrüßte. Eine Bezeichnung, die doch eher in anderen Kreisen Anwendung findet und bei den coolen Leuten eher verpönt ist. Aber Provokation gehört eben zum Geschäft. Aber immerhin besser als das „Danke München“, dass der Guten am Ende eines Songs heraus rutschte. Schnell wurde sich die Künstlerin dieses Versprechers aber bewusst, als die Reaktion des Publikums anders als erwartet ausfiel. Aber schön dass die Damen sich selbst nicht allzu ernst nehmen und Doreen ob dieses Fauxpas‘ im weiteren Verlauf von ihren Kolleginnen mehrfach gedisst wurde. Man hat dabei gemerkt, dass die Band richtig Spaß hatte bei dem was sie da machten. Und das am letzten Abend einer sicherlich anstrengenden Tour.

Die gute Stimmung hat sich daher auch schnell auf das Publikum übertragen, so dass der Keller Klub fast kochte, während die Protagonistinnen auch mehrfach den direkten Publikumskontakt suchten. Nach genau 90 Minuten, inklusive einer Zugabe, war dann aber auch schon wieder Schluss, was doch ein wenig bedauerlich war. Hatte ich mich doch wirklich gut unterhalten gefühlt. Außerdem war es gerade mal 22 Uhr. Ganz spontan beschlossen wir dann, noch in den nahe gelegenen Club Zentral zu marschieren, um vielleicht noch was von Toxoplasma mit zu bekommen.

Dort angekommen, asselten einige PunkerInnen vor dem Etablissement herum, während zarte Deutschpunkklänge aus dem Inneren nach draußen drangen. Nach kurzer Verhandlung wurden wir für 2 € dann eingelassen. Viele bekannte Gesichter tummelten sich vor der Bühne, der Schweiß tropfte von der Decke und die Schuhe klebten am bier-getränkten Boden. Und so konnten wir noch 45 Minuten lang den zeitlosen Rhythmen von Toxoplasma lauschen und uns ein wenig betrinken. Da Stuttgart ja nicht gerade als Partystadt gilt, war aber auch hier bereits um kurz nach 23 Uhr Schluss, so dass wir danach noch ein wenig vor dem Jugendhaus Mitte, wie der Schuppen früher hieß, herumlungerten. Einige der Trunkenbolde brachen dann aber auch langsam auf, und zwar ins Stadtteilzentrum Gasparitsch, wo noch ein wenig am Punkrocktresen gefeiert werden sollte. Da ich aber schon ganz gut geladen war und ja auch nicht mehr der Jüngste bin, habe ich mich nach einem  insgesamt doch sehr netten Abend verabschiedet, und bin durch die trostlose Stadt nach Hause gefahren und nach einem Gute-Nacht-Bierchen ins wohlige Bett geschlüpft.