RAZZIA – AM RANDE VON BERLIN

RAZZIA – AM RANDE VON BERLIN
(Rookie Records)

Oha! Eine neue RAZZIA CD im Briefkasten, Päckchen von Rookie Promotion, sogar die Originalversion im schönen Digipack.  Soweit so gut.  Zur Zeit kommen richtig viele gute DeutschPunkscheiben raus (für mich KEIN Schimpfwort, sondern einfach nur die Bezeichnung für das was es ist, nämlich deutschsprachiger Punk, bin ja nicht vom Plastic Bomb ;- ). RAZZIA hauen hier in der wiederbelebten Originalbesetzung ein Album mit neuen Songs raus. Da steigt die Spannung. Erstmal herrschte da bei mir Skepsis. RAZZIA veröffentlichten ja in den 90igern bis in die 2000er Jahre rein weiter Platten, allerdings in komplett anderer Besetzung, mit anderem Sänger usw. Ich bin mir nicht mal sicher, ob da überhaupt Originalmitglieder dabei waren. Hab ich öfter live gesehen, waren gut, aber halt nicht original. Irgendwann wurde dann lose angefangen, in der Originalbesetzung zu proben, ursprünglich wohl für einen einmaligen Gig zum 30. Bandbestehen, welcher aber nie stattfand, wobei jedenfalls ein Gig beim Revival Rodeo (2010?) herauskam, den ich auch gesehen habe und naja, der etwas steif und projektmäßig rüberkam. Dann konkretisierte sich in den letzten paar Jahren die neue Platte, die nun vorliegt.

Gleich das instrumentale Intro ist ein absoluter Ohrwurm mit seiner prägnanten Gitarrenmelodie. Weiter geht’s dann mit „nicht in meinem Namen“, welches mit einfachen, aber poetisch zusammengesetzten Worten die größten aktuellen Probleme der Menschheit anprangert. („Alte die im Müll rum wühlen, Kinder die auf Halden spielen“…Wasserklau, Krankheiten, Korruption, Religion…) Ein Rundumschlag, der die Grundpfeiler des Lügenkonstruktes, welches die Menschheit in ihrer Matrix hält, mal eben in 12 kurzen Zeilen entlarvt,  in gewohnt düsterer, melancholischer Stimmung, transportiert von einfachen aber effektiven Gitarrenakkorden. Die beiden Gitarren ergänzen sich prima, es gibt viele schöne kleine Melodien und auch mal cleane Parts und mit der Rhythmusabteilung einen wuchtigen, düsteren Sound, ohne dafür knüppeln zu müssen.  Hier gibt’s kein uffta uffta, sondern eher Midtempo, was absolut zur Stimmung der Platte passt. Und schon sind alle Zweifel beiseite.

RAZZIA sind besser denn je, knüpfen quasi an ihren Kultalben der 80iger, 90iger an, ohne diese kopieren zu wollen. Das ganze wurde in ein modernes Soundgewand transportiert, ohne aufpoliert oder überladen zu wirken. Textlich geht’s so weiter. Wie bereits erwähnt, verwenden Razzia einfache Worte die jeder versteht, um ihre Botschaften weiterzugeben, jedoch in einer Art und Weise formuliert, wie es wohl nur RAZZIA, bzw. deren Gitarrist Andreas können, der hier alle Texte geschrieben hat. Mal direkt den Finger in die Wunde legend, wie im zitierten Song „ nicht in meinem Namen“, mal wie schon gesagt in eher poetischer Art und Weise („Wenn die Not am Größten ist – so das der Teufel Dämonen frisst“ aus „Der böse Frau“) . Ich finde die Songstrukturen sogar besser als früher, weil sie nicht so vertrackt sind, sondern eingängiger. Das kann aber auch am Equipment und der Aufnahmetechnik der heutigen Zeit liegen. RAZZIA haben noch was zu sagen und das ist gut so. Das hier ist das Original. Nicht mehr, nicht weniger. Die 3 anderen CDs aus dem Promopäckchen werden es heute bei mir schwer haben, das weiß ich jetzt schon. Chris de Barg