PASCOW


Zu Pascow muss man nicht viel sagen oder? Seit nunmehr 20 Jahren beackern sie die Bühnen der Nation und hauen in unsteter Regelmäßigkeit  Hammer-Alben raus, wobei sich die Musik und der Sound immer nur Schritt für Schritt minimal weiterentwickelt hat. Pascow-Fan zu sein war leicht, man musste sich nie an große Veränderungen gewöhnen. Vielleicht bis zur neuen Platte JADE, die kürzlich erschienen ist. Hier gibt’s mit Wunderkind die Vollbedienung an Stilbruch und der Sound an sich ist wuchtiger und nicht mehr so krachig.  „Nebenbei“ betreibt Alex das Label Kidnap und den Tante Guerilla Webshop. Die Tante Guerilla Läden in St. Wendel und Saarbrücken betreibt inzwischen Kollege Measy alleine, hier wird sich nur noch der Namen geteilt, da die Konzepte inzwischen etwas auseinander driften, wodurch irgendwann auch noch Namensänderungen vorgenommen werden sollen. Zusätzlich betreiben Ollo und Alex in den ehemaligen Räumen des TG Ladens in Trier noch einen Ticket-Shop und Ollo betreibt eine Konzertagentur, die im Trierer Raum seit Jahren unter anderem Namen etabliert ist. Vielen Dank Alex, für das Update in Sachen Label, Läden usw.! Hier sind richtige Macher am Werk und ihr könnt sicher sein, es steckt überall eine Menge Herzblut drin! Mit dem Label haut Alex ständig hochwertige, neue und etablierte Acts raus, mein Briefkasten freut sich auch regelmäßig über Futter. Danke dafür nochmal. Leute wie die Pascow-Gang nebst Anhang halten den Underground am kacken und machen die Welt ein kleines bisschen erträglicher,  werte Leser dieses Schundmagazins. Dafür eine tiefe Verbeugung, ein weiterer Schluck aus der Pulle und los geht’s mit der lustigen Fragerunde:

Ugly Punk: Hallo Jungs. Die neue Platte ist nun ne Weile draußen, die Release-Party gelaufen. Wie geht’s euch zur Zeit? Es fällt bestimmt erst mal eine zentnerschwere Last von den Schultern, wenn das neue Baby erstmal auf der Welt ist. Ihr seid ja zum Teil auch mit dem Label und den Shops schwer beschäftigt.
Alex: Hallo Chris! Die Zeit im Vorfeld der Veröffentlichung hatte es schon in sich. Angefangen vom Songwriting, den Aufnahmen, das Artwork, dann die Videos, die Ausstattung der LP bis hin zum Konfektionieren der Doppel LP und schließlich die Konzerte am Releasewochenende. Obwohl wir das alles schon ein paar Jahre machen, war vieles dieses Mal anders, es gab einige Experimente und Änderungen in musikalischer Hinsicht und in der Umsetzung. Aber alles in allem hat das gut geklappt und wir sind froh, dass wir so viele Ideen umsetzen konnten.
Ollo: Nach dem Spiel ist vor dem Spiel… Jetzt stehen die Vorbereitungen für die Tour im April an und der TO DO Zettel ist zwar etwas kürzer geworden, aber wir beschäftigen uns trotzdem täglich mit der Band. Trotzdem freut man sich natürlich, dass das Feedback auf die Platte so gut ist und die bisherige Konzerte mit den neuen Liedern alle gut waren!
Flo: Also für mich ist das schlimmste nach den abgeschlossenen Aufnahmen vorbei. Da sich halt für mich vorher immer die Frage stellt, ob wir die Erwartungen an uns selbst im Sudio erfüllen können und es schaffen die  Lieder so umzusetzen wie sie beim schreiben / proben gemeint waren.
Swen: Die Zeit zwischen der letzten Probe und dem ersten Konzert in Bremen mit den neuen Songs war schon sehr spannend. Man fühlt sich bei so einer Premiere fast so, als wenn man zum ersten Mal auf einer Bühne stehen würde. Ein Höhepunkt für uns war sicherlich die Release Party in Neunkirchen.

Ugly Punk: Ist die Platte eigentlich in die Charts eingestiegen? Ich bin leider zu doof um die Charts im Internet zu finden.
Alex: Ja, sie war auf Platz 40, glaube ich. Allerdings muss man hier sagen, dass die kompletten Verkäufe von Kidnap Music / Tante Guerilla nicht gezählt wurden, da wir keine Chartmelder sind. Und da die meisten Platten über uns verkauft wurden ist die Chartplatzierung nur bedingt realistisch.  Als Band ist uns das egal, aber aus Labelsicht ist es schon interessant zu sehen nach welchen Regeln in Deutschland die Charts funktionieren. Bei genauer Betrachtung wird einem schnell klar, dass die Charts nicht wirklich den tatsächlichen Verkauf von Tonträgern abbilden, da die allermeisten Underground -Läden, Mailorder und Webshops keine Chartmelder sind aber trotzdem einen erheblichen Anteil an Tonträgern verkaufen. Und das gilt bei weitem nicht nur für den Punkbereich, sondern auch für fast aller anderen Underground Musikrichtungen. Würden die Charts die tatsächlichen Verkäufe abbilden, wären wahrscheinlich ständig Black Metal Bands auf den vorderen Rängen.
Flo: Die Charts? Das ist doch ne Hamburger Band, mit der Einen die auch bei Alte Sau ist und dem Anderen der bei Pankzerkroiza Polpotkin war, oder?
Swen: Wenn ich mich korrekt erinnere, waren wir in den Charts auch in nicht allzu guter Gesellschaft. Wobei mich persönlich die Charts nicht sonderlich interessieren. In der Regel ist dort ohnehin nicht viel Vernünftiges zu finden. Seltsam wars trotzdem uns dort zu sehen.

Ugly Punk: Eine Standard-Frage sei mir vergönnt, dann wird’s interessanter, versprochen: Stellt euch bitte kurz vor, wer bist du und was machst du bei Pascow, und seit wann machst du das?
Alex: Alex, Sänger und Rhythmusgitarrist. Zusammen mit Ollo habe ich die Band 1998 gegründet.  Ich kümmere mich primär ums Songwriting und die Texte.  Gitarrespielen kann ich nur sehr begrenzt, aber die 2 Griffe die ich spiele, die kann ich richtig.
Ollo: Ollo: Ich versuche mich seit Bandgründung (1998) am Schlagzeug spielen, das klappt mal besser und mal schlechter.
Flo: Hello, mein Name ist Flo und ich hänge mir seit März 2008 den Bass um. Mein erstes Konzert war übrigens auf einer dieser legendären Geburtstagsfeierlichkeiten in Leiwen.
Swen: Hallo, ich bin Swen und spiele bei Pascow Gitarre. Das mache ich schon ziemlich lange. So seit 2000/2001 und hab davor auch schon mal im Studio bei den Gitarren ausgeholfen. Alex, Ollo und ich haben schon vor Pascow zusammen in Bands gespielt und so manches Ohr zum Bluten gebracht.

Ugly Punk: Ihr wart anfangs ja zu dritt. Zählt doch bitte nochmal die Ex-Mitglieder auf, ich bekomme die Bassisten z.B. nicht mehr zusammen, hehe.
Alex: Genau genommen waren wir am Anfang sogar nur zweit. Ollo am Schlagzeug, ich an der Gitarre. Vor dem ersten Auftritt kam dann B.B. Blinn als Bassist dazu. Als dieser nach 2 Alben dann ausstieg, kam Bieber als Bassist dazu. Bieber spielte den Bass auf dem Album „Nächster Halt gefliester Boden“. Kurz vor „Alles Muss Kaputt Sein“ stieg Bieber aus und Flo kam als Bassist dazu. Das ist jetzt auch schon mehr als 10 Jahre her und Flo scheint es am besten bei uns auszuhalten.
Swen: Nach unserem ersten Bassist Michael „BB“ Blinn gab es noch ein kurzes Intermezzo von Pope für ein Konzert, bevor dann Bieber eingestiegen ist. Der Rest der Besetzung ist bis heute stabil und mit Flo haben wir nun auch den ultimativen Pascow Basser an Bord.

Ugly Punk: Wie war denn das mit dem Feueralarm und der Evakuierung mitten während eurem Set bei der Release-Party? Erzählt doch mal aus eurer Sicht. Da ist doch sicher erstmal die Luft raus, mitten beim Hauptact alle raus und später wieder rein, Start bei Null? Geht’s dann mit der gleichen Energie weiter? Habt ihr das Konzert noch selbst veranstaltet? Bei der Größenordnung ist es ja kaum noch zu machen, alles zu organisieren und selbst noch als Hauptact aufzutreten.  Ich konnte leider nicht live dabei sein.
Alex: Ollo hat das Konzert mit Popp Concerts in Zusammenarbeit mit Tim von Midsummer Records als Örtlichen Veranstalter gemacht. Und klar, hier haben schon viele Leute mitgearbeitet, damit dass eine runde Veranstaltung wird. Und bis auf den Feueralarm hat alles auch sehr gut geklappt und es war eine XL Familientreffen. Der Feueralarm selbst war schon abgefahren, zumal am Anfang niemand wusste ob es ein Fehlarlarm war oder es tatsächlich irgendwo brannte. Aus Sicherheitsgründen mussten dann alle Leute die Halle verlassen und konnten nach zwanzig Minuten wieder rein. Ich selbst war durch die Zwangspause etwas raus, aber die Leute haben sehr gut und völlig entspannt auf die Evakuierung reagiert. Viele haben einfach draußen weiter gefeiert und als es dann mit dem Konzert weiterging, war es fast wie vor der Unterbrechung.
Ollo: Es war schon strange.  Es war die erste Evakuierung, die wir als Musiker erlebt hatten. Ich habe danach wiklich 1-2 Songs gebraucht, bis ich wieder warm gespielt war. Grundsätzlich haben wir das selbst veranstaltet, hatten aber auch ein Team um uns rum, das uns im Vorfeld und vor allem am Veranstaltungstag sehr gut unterstützt hat.
Flo: Zuerst dachte ich, dass uns da jemand einen Streich spielen will, bis ich realisierte, dass das ernst ist, hat das schon eine Weile gedauert. Ich war relativ schnell wieder im Set drin, weil ich einfach froh war, dass es überhaupt weitergehen konnte.
Swen: Ich habe erst gar nicht gecheckt was los war. Die Zeit die es gedauert hat bis klar war was Sache ist und bis die Räumung der Halle erfolgte, kam mir wie eine Ewigkeit vor. Gott sei Dank handelte es sich um einen Fehlalarm. Mir fiel es erstaunlich leicht nach der Zwangspause wieder rein zu kommen. War eine seltsame Erfahrung, an die wir uns wohl alle auch in Jahren gut erinnern können.

Ugly Punk: Ich habs ja schon in meinem Review geschrieben. Pascow sind ein Stück weit erwachsen geworden, was die Mucke und den Sound betrifft. Wo habt ihr diesmal aufgenommen? Wie lange wart ihr im Studio? Wieviel Einfluss hatte der Produzent, den ihr euch dazu genommen habt auf die Songs? Ich finde ihr habt auf „Jade“ den besten Sound, den ihr je aufgenommen habt. Mich hat immer ein bisschen das Schrille und die vielen Höhen bei den Gitarren gestört. Jetzt klingt das ganze eine ganze Kante wuchtiger und voluminöser, ohne zu sauber und glattpoliert zu sein.

Swen: Aufgenommen haben wir im MOS Studio in Bitburg und im Tonstudio45 beim guten Kurt Ebelhäuser. Der hat auch produziert. Kurt kennen wir nun schon eine ganze Weile und wir haben ein freundschaftliches Verhältnis miteinander. Kurt hat unglaublich viel Erfahrung und ist ein super Musiker und Komponist. Von ihm haben wir über die Jahre richtig was gelernt.
Alex: Die Aufnahmen haben etwa 2 Wochen gedauert und dieses Mal haben wir uns bewusst etwas mehr Zeit genommen um auf Kleinigkeiten und genaues Spiel mehr achten zu können. Sicher ist dadurch auch der Gitarrensound etwas runder geworden. Aber auch Schlagzeug und Bass klingen transparenter und durchsetzungsfähiger. Im Ganzen stehen jetzt nicht mehr nur Gitarren und Gesang im Vordergrund, sondern alle Instrumente haben Platz und Raum im Sound. Wir wollten dabei unbedingt vermeiden, dass es zu dick oder aufgeblasen klingt und daher haben wir auch  auf allzu viele Spuren verzichtet und auch fast keine Effekte eingesetzt.

Ugly Punk: Ihr habt mit „Wunderkind“ einen unfassbaren Überhit fabriziert. Der Hit, der mir bei euch immer ein bisschen gefehlt hat, um bei mir auf dem Plattenteller oder Stick im Auto auf Dauerrotation zu landen,  kurioserweise ne Ballade mit Klavier und ohne Drums.  War diese ruhige Nummer ein Studio – Outtake, ein  Experiment oder war es ein geplanter Angriff auf eingefahrene Bollerpunk-Hörer? Wenn man so die ersten Reaktionen verfolgt hat, kann man den Song nur lieben oder hassen, einige reden da von grauenhafter Schnulze und so was.  Ich finde, die Zeile „ weil du weisst das du alleine stirbst, wie all die anderen auch“ trifft das Lebensgefühl eines Punkrockmenschen bzw. das Meine um genau zu sein, auf den Kopf und hat bei mir eine gewisse Bestätigung für all die Jahre als Teil einer Gegenbewegung ausgelöst. Gepaart mit der grandiosen Pascow- Poesie im Refrain („ Sacred Wunderkind, das raucht und hurt und trinkt“) für mich ein Song für die Ewigkeit und zu mehr berufen, als nur in Undergroundkreisen gehört zu werden. Genug geschleimt. Bitte erzählt doch mal, von wem ist der Text und wie zur Hölle kommt man auf so einen Song?
Alex: Freut mich sehr, dass dir der Song gefällt und du hier auch Parallelen zu anderen Pascow Songs siehst. Das ist nämlich definitiv der Fall, denn Songstruktur, Harmonie, Aufbau und Text sind sehr klassisch. Im Grunde ist es ein ganz typischer Pascow Song der lediglich etwas anders umgesetzt wurde. Zur Entstehung des Songs: Ich habe den Song abends im Bad geschrieben und seit „Trampen nach Norden“ war es seit Jahren der erste Song bei dem Melodie und Text innerhalb von 15 Minuten fertig waren. Ich habe den Song dann mit dem Handy aufgenommen, ihn gleich an Ollo geschickt und ihn gefragt ob wir sowas machen können. Er hat dann auch gar nicht lange gezögert und meinte, es sei Quatsch  einen guten Song nicht zu veröffentlichen aus Angst irgendjemand könnte den Song nicht gut oder „real“ finden. Und klar, wir haben das Ganze dann noch etwas auf die Spitze getrieben und den Song mit Klavier arrangiert und ihn ohne Vorwarnung als zweites Video veröffentlicht. Da war uns schon klar, dass manche Leute dies als Provokation auffassen würden. Aber die Welt geht davon nicht unter, nicht mal die Punkrockwelt. Wir würden es genau so nochmals machen.
Flo: Als Alex mir sein Badezimmer-Demo von „Wunderkind“ schickte, war ich tatsächlich sehr berührt. Das Lied hat mich sofort „gekriegt”.

Ugly Punk: Die Tour zur Platte läuft, einige Konzerte sind schon ausverkauft oder in größere Hallen verlegt. Wie kommt das neue Zeug live an? Wie lange spielt ihr denn jetzt so?  Mit 30-45 Minuten kommt ihr sicher nicht mehr davon. Wie groß sind denn jetzt die Locations ?
Alex: Es war interessant zu sehen wie die Leute in der Releasewoche auf die neuen Songs reagiert haben. In Bremen – zwei Tage vor dem Release der Platte – haben die Leute nur „Silberblick und Scherenhände“ (das erste Video) gekannt und bei den anderen neuen Songs mehr zugehört als mitgesungen. In Darmstadt – einen Tag vor dem Release – kannten viele Leute auch schon andere der neuen Songs und am Releasetag in Neunkirchen wurden viele der neuen Songs schon richtig mitgesungen und gefeiert.  Das hat uns mehr als einmal eine Gänsehaut beschert. Was die Auftrittszeit angeht, so spielen wir mittelerweile 10 – 15 Minuten länger als zuvor, also etwa 60 Minuten und das geht dann schon an die Substanz, da wir uns nicht schonen und auf gar keinen Fall mit halber Energie spielen wollen, um länger spielen zu können.
Ollo: Die Läden der kommenden Tour liegen zwischen 400 und 1.500 Kapazität. Das ist auch für uns schon eine ganz schöne Ansage. Aber wir haben extrem viel Bock! Wie lange wir spielen hängt von der Kondition der alten Männer auf der Bühne ab ;- )
Flo: Ich bewerte die Reaktionen bis hier hin äußerst positiv. Es ist schon überraschend wie viele Menschen im Publikum schon neue Lieder mitsingen, obwohl die Veröffentlichung gerade erst raus ist. Natürlich kommen wir mit 45 min. nicht mehr hin, auch weil es so langsam echt schwer fällt, Songs aus Zeitgründen von der Setlist zu streichen. Bei „Trampen nach Norden“ würde mir das allerdings nicht weh tun.
Swen: Bei den Konzerten die wir bis jetzt gespielt haben hat man gemerkt, dass die Leute sich teilweise aufs Zuhören konzentriert haben. Was ja nachvollziehbar ist. Bisher bin ich von den Reaktionen sehr angetan. Hat richtig Spaß gemacht und ich freue mich auf die Tour.

Ugly Punk: Was macht ihr neben Pascow und den Labels Tante Guerilla und Kidnap Music für Jobs? Ihr seid ja glaub ich nicht alle in die Firma integriert, zumindest nicht um damit euer täglich Brot zu verdienen. Möchtet ihr sagen, ob ihr davon leben könnt, was ich absolut ok finde, oder findet ihr, dass das nix für die Öffentlichkeit ist? Wird man heute noch ab und zu als Punkverräter angefeindet, wenn man eine Firma betreibt?
Alex: Neben Kidnap Music und dem Tante Guerilla Webshop mache ich nichts anderes. Da ist genug zu tun. Ich  glaube auch, dass die meisten Leute es nicht als Punkverrat ansehen, wenn man sich hauptberuflich um Musik, Konzerte oder Szene kümmert. Wieso auch? Es wäre ja auch ein Stück weit heuchlerisch, wenn man sein täglich Brot  mit einem „normalen“ Job verdient und in der Freizeit über die hetzt, die es hauptberuflich machen. 
Ollo: Von der Band „leben“, können wir nicht. Ich verdiene meine Brötchen in der Konzertbranche.
Flo: Auf emotionaler Ebene leben wir mit Sicherheit ein Stück weit davon, monetär sicherlich nicht. Ansonsten bin ich Vollzeitlohnversklavt.
Swen: Ich arbeite Vollzeit fernab von Musik und Punk um den Kühlschrank voll zu bekommen.

Ugly Punk: Habt ihr einen Masterplan in der Schublade, wie hoch hinaus es mit Pascow gehen soll? Oder soll die Band eher ein gut organisiertes Hobby bleiben? Ich denke mal, das ist es schon lange nicht mehr, schaut man sich das Thema und Layout der Platte, die vorweggegangene Kampagne und auch die Videos an, sieht man absolut, wie viel Herzblut und Plan dahinter steckt.
Alex: Ob es hoch oder runter mit der Band gehen soll war nie Thema und ein Stück weit war uns diese Entwicklung auch egal, vor allem, nach dem wir entschieden hatten, dass die Band Hobby bleiben sollte. Allerdings wollten wir die Band und damit meine ich die Musik, die Songs, das Auftreten, die Videos etc. immer interessant für uns halten und dadurch haben wir immer wieder neue Sachen ausprobiert und versucht das Thema Pascow mit jedem Album ein Stück weit neu zu erfinden ohne dabei die Brücken nach hinten abzureißen. Und wir haben im Laufe der Zeit auch erkannt, dass wir bei einigen Sachen wie Artwork, Videos, Aufnahmen auch Hilfe brauchen und so ist nach und nach ein Netzwerk von Leuten im Umfeld der Band entstanden, mit denen wir zusammenarbeiten und denen wir vertrauen. Sei es Kurt Ebelhäuser bei den Aufnahmen oder Kay, Andi und André bei den Arwork- und Videosachen.
Swen: Einen Masterplan gab es bei uns noch nie. Außer möglichst gute Platten zu machen und gute Konzerte zu spielen. Wie hoch es mit der Band hinaus gehen kann, liegt auch nicht in unserer Hand. Ich glaube keiner von uns hätte je damit gerechnet dass wir mal eigene Konzerte spielen bei denen mehr als 500, geschweige denn mehr als 1000 Leute kommen.

Ugly Punk: Ehe ich´s vergesse, was sicher viele interessieren wird, wer ist denn das Mädchen in den Videos und auf den Covern?  Ist es ein und dieselbe Person? Ich bin mir nicht ganz sicher, wegen der mal langen, mal kurzen Haare. Ist es die Tochter von einem von euch? Altersmässig könnte das ja gut hinhauen (haha, Fettnapf-Alarm).
Alex: HaHaHa…you all could be my children and who knows? Maybe you are. Die junge Dame auf dem Cover ist Gwen und du hast Recht, sie ist auch die Hauptdarstellerin in den ersten beiden Videos der Platte. Allerdings ist sie  in keinster Weise mit uns verwandt. Wir haben uns erst beim Fotoshooting zum Albumcover persönlich kennen gelernt. Zuvor waren wir ein paar Wochen lang auf der Suche nach einer passenden Person für die Idee mit dem Corpse Paint Cover und Kay hatte Gwen hier irgendwann vorgeschlagen. So kam es zur Fotosession für das Cover der Platte und da Gwen Schauspielerin ist, kam es schon kurz danach zur Idee mit ihr auch beim ersten Video zu arbeiten. Dies hat dann so gut geklappt, dass wir entschlossen auch beim zweiten Video  mit ihr zusammen zu arbeiten und dort auch das Corpse Paint Thema aufzugreifen. Gwen ist als Schauspielerin, sehr professionell und passt aber auch sonst super in die Pascow Gang und wir sind froh, sie getroffen zu haben.

Ugly Punk: Was sagt ihr denn zur Schließung des Exhauses* in Trier? Der Laden ist ja auch für euch ein Stück Wohnzimmer und ich geh stark davon aus, das wir unser erstes gemeinsames Bier dort getrunken haben. Krasse Nummer mit den verkohlten und abgesägten Tragebalken oder?
(*Info: Das Exhaus ist ein selbstverwaltetes Jugendzentrum in Trier mit Kinderhort und Veranstaltungsräumen, Proberäumen usw. Nach 46 Jahren, begonnenem Umbau wegen neuer Brandschutzauflagen, Insolvenz usw. wurde es nun komplett geschlossen, weil gefährliche Baumängel gefunden wurden, z.B. abgesägte und verkohlte und wieder zugeputze Tragbalken. Im Exhaus hat jede nennenswerte Punkband von Abstürzende Brieftauben bis Zivilversager gespielt).
Alex: Das ist in der Tat krass, vor allem da es ja im letzten Jahr eine ganze Reihe Soliveranstaltungen fürs Exhaus gab, die zeigten, wie wichtig dieser Laden für die unterschiedlichsten Leute und all die Bands war. Ich habe dort unzählige Bands gesehen, viele Freunde kennen gelernt und als Band haben wir dort zwei unvergessliche Releasepartys gehabt. Wir alle verbinden also sehr viel mit dem Laden und sind jetzt von der kompletten Schließung geschockt. Vor allem da aktuell nicht abzusehen ist, ob es eine Zukunft fürs Exhaus geben wird und wie diese aussehen kann. Ohne Zweifel ein Verlust für die ganze Region.
Flo: Sehr traurig das Ganze und hoffentlich nicht für immer. Das Exhaus war immer ein wichtiger Stützpfeiler für die alternative Szene in der Region. Ich kann mich auch an etliche gute Abende in diesen Kellerräumlichkeiten erinnern.
Swen: Ich habe Erinnerungen an viele gute Konzerte im Exhaus, sowohl als Zuschauer als auch mit Pascow. Es ist noch nicht lange her, da haben wir noch ein Soli Konzert fürs Exhaus gespielt. Ich kann mir Trier ohne Exhaus gar nicht richtig vorstellen.

Ugly Punk: Wie erlebt ihr die Szene, wenn ihr unterwegs seid? Trotz solcher Schließungen, im Fall des Exhauses ganz klar ein Sicherheitsproblem, in vielen anderen Fällen aber einfach nur Zerstörung von Freiräumen und Willkür durch den Staat, die Szene (doofes Wort ich weiß) ist lebendig und vielfältig wie nie, oder? Wir sind halt mittlerweile die alten, als ganz junger Mensch ist man einfach nur unsterblich und will möglichst viel Ramba Zamba. Oder?
Alex: Es hat sich viel verändert in den letzten zwanzig Jahren, aber ich würde auf keinen Fall sagen „Früher war alles besser“. Klar, viele gute Läden und Freiräume mussten schließen und Punk, generell Rock, ist bei Jugendlichen nicht mehr das große Ding wie es das für uns war, aber das bedeutet auch, dass sich die Dinge weiterentwickeln und das ist wichtig. Das sehen wir auch wenn wir unterwegs sind, die Punkstrukturen aus selbstverwalteten Läden und Konzertgruppen gibt es immer noch und auch junge Bands können diese nutzen. Genau diese Strukturen haben Punk auch immer am Leben erhalten und die damit zusammenhängende DIY Mentalität wird auch von ganz jungen Leuten übernommen und  genau das ist, was Punk letztlich ausmacht: „Wenn dir keiner hilft, dann mach es selbst. Und nichts muss perfekt sein um gut zu sein“. Zeckenrap, Raven gegen Deutschland etc. Hier steckt sehr viel Punk drin, auch wenn es mit PunkRock wenig zu tun hat.  
Flo: Ich bin nach wie vor immer wieder beeindruckt wie viele Menschen es immer noch gibt, die Sachen auf die Beine stellen, sei es Konzerte, politische Aktionen oder künstlerischen Kram. Ich habe immer noch das Gefühl, dass da auch immer noch junge Menschen nachkommen.

Ugly Punk: So, bevor ich jetzt zu sentimental werde, machen wir Feierabend. Letze Worte? Bitte schön:
Flo: Nö!
Alex: Hat Spaß gemacht!
Swen: Chris, vielen Dank für das schöne Interview. Lasst euch nicht stressen.

Ugly Punk: Meine Herren, ich bedanke mich, auch im Namen der Ugly Punk Crew, für das ausführliche Plaudern aus dem Nähkästchen! Das lesen der Antworten und auch die Ausführlichkeit und stellenweise Offenheit hat auch mir Spaß gemacht, und Spaß, bzw. Freude an unser aller Lieblingsding PUNKROCK mit allem drum und dran zu haben, sowie auch anderen zu bereiten, ist ja auch irgendwie unser aller Antrieb als Musikus, Schreiber oder sonst wie Aktivist… oder so. In diesem Sinne: Saarland Asozial-Schalalala. Chris de Barg