KRÄHE – S/T

KRÄHE – S/T
(Eigenproduktion)

SIX muss ja `ne große Nummer gewesen sein. 25 Jahre Bandgeschichte, tausende Konzerte mit allem drum rum. Diverse Alben, zig EP´s und ein paar DVD-Veröffentlichungen inklusive diverser Radiochart-Platzierungen bei Provinzsendern und einem mega Abschieds-Gig inklusive Sinfonieorchester. Davon hat Bandleader Stefan Krähe nun genug und fängt nochmals bei null an. Und zwar mit dieser Band, die seinen Namen trägt.

Mit Punkrock hat das Album der Brandenburger Band aber herzlich wenig zu tun. Es handelt sich eher um gut produzierte und arrangierte deutschsprachige Rockmusik. Den Begriff Deutschrock vermeide ich bewusst, denn mit dem was wohl die meisten damit assoziieren, hat das ganze hier auch reichlich wenig zu tun. Die Musik stellt sich als eingängiger Pop-Rock dar, der durchaus musikalische Kompetenz beweist. Auch wenn mir die Musik dennoch insgesamt etwas weichgespült klingt, sind die Aussagen deutlich und beziehen Position gegen Religion, Krieg, Faschismus und Heuchelei. Dabei bekommt Krähe meist die Kurve, um nicht in Pathos oder Selbstmitleid abzudriften. Und genau hier schafft es die Band, nicht in einen Topf mit Bands geworfen zu werden, die ihr angebliches Außenseitertum einerseits bedauern, andererseits aber auch abfeiern. Hier bekommt man eine ehrliche Bestandsaufnahme ohne Geheule, ohne zu belehren und ohne sich selbst zu stilisieren. Und das ist das, was mir an diesem Album sehr gut gefällt. Ja, ich muss sagen, beim ersten Hören hatte ich schon meine Vorbehalte, vor allem, da die Musik auf die breite Masse zugeschnitten zu sein scheint und auch ziemlich emotional daher kommt. Wer seine Abgeklärtheit und Vorbehalte gegenüber seichtem Rock aber mal ablegt, kann hier viel entdecken.

Klar, kein Album dass ich mir täglich reinziehen kann, da ich doch eher auf schnelle, harte Mucke abfahre. Und hier gibt‘s nichts von beidem. Aber in sentimentalen und nachdenklichen  Momenten ist diese Scheibe sicherlich sehr hörenswert.  Mirko

www.kraehe-band.de