EIN PAAR WOCHEN IN ECUADOR (TEIL 3)

EIN PAAR WOCHEN IN ECUADOR (TEIL 3)

auf zum letzten Teil, bevor ich mich schon wieder auf den Weg mache, weitere Länder kennen zu lernen.

Guayaquil

Nun sind wir also angekommen in der, noch vor der Hauptstadt Quito, größten Stadt des Landes. Eine kleine Umstellung war es schon, aus dem ruhigen Hochland in die lebhafte Großstadt zu kommen. Schon am Busbahnhof drängen sich die Menschen und man wirkt etwas verloren in der anonymen Masse. Nachdem wir an der lokalen Busstation etwas überfordert waren das Kartenbezahlsystem der Metrovia-Schnellbusse zu durchschauen, haben wir uns kurzerhand für 5 Dollar ein Taxi in die Innenstadt und zu unserer Unterkunft genommen. Das Hotel Berlin in das wir eingecheckt haben, ist eine ziemlich verranzte Absteige. Die Rezeption befindet sich eingegittert im ersten Stock, direkt neben der „Cafeteria“. Einem dreckigen Raum mit vier durchgesessenen Sesseln und einer Küche, die von einem gepflegten Schmutzfilm überzogen ist und in der überall der Müll herum liegt. In unserem kargen Zimmer befinden sich lediglich drei Stahlrohrbetten und ein ebenfalls hinter Gittern gesicherter Fernseher. Das Klo funktioniert zwar, aber die Dusche besteht lediglich aus einem Rohr, das aus der Wand kommt. Wenigstens gibt es fließend (kalt) Wasser. Aber wir sind ja eh nur für zwei Nächte zum pennen hier.

Nachdem wir unser Gepäck abgestellt haben, ging es auf eine Tour durch die Stadt. Wirklich schön ist Guayaquil nicht, auch wenn es ein paar nette Flecken gibt. Aber es ist eben auch eine Industriestadt, den man auch fast schon als Moloch bezeichnen kann. Der Malecon, der gut 10 Gehminuten von unserer Unterkunft entfernt liegt, ist allerdings doch recht hübsch anzusehen. Also sind wir den Küstenboulevard bis zum nördlichen Ende entlang gelatscht, bis zum sich anschließenden Stadtteil Santa Anna. Früher ein Problemviertel, wurde der Stadtteil mittlerweile aufgehübscht, die Häuser in bunter Farbe gestrichen und kleine Kneipen angesiedelt. Über genau 444 Stufen gelangt man auf den Hügel um den der Santa Anna gebaut ist. Hier befindet sich ein Leuchtturm, von dem aus man über die gesamte Stadt blicken kann. Auch dadurch ist das Viertel für Touristen attraktiv geworden und durch die daraus resultierenden Einnahmen auch die Kriminalität zurückgegangen, so dass man sich bei Tageslicht dort auch wieder sicher bewegen kann. Dass an jeder Ecke ein bewaffneter Soldat steht, trägt aber sicher auch dazu bei. Nach dem Abstieg sind wir durch schäbige Gassen und entlang vielbefahrener, breiter Straßen, noch ein bisschen durch die Stadt gelaufen, wo alle 10 Meter jemand „Aqua, Aqua, Aqua“ brüllt und einem Trinkwasser verkaufen will. Denn bis auf ein paar rar gesäte Supermärkte gibt es hier kaum die Möglichkeit in einem Laden etwas trinkbares zu erwerben.

Zurück am Malecon haben wir uns dann an einen Fressstand gehockt um zu Abend zu essen. In der Dunkelheit sind wir dann durch die mittlerweile fast menschenleeren, kaum beleuchtete Straßen gelaufen, haben dabei Bekanntschaft mit ein paar riesigen Kakerlaken gemacht und bei der Abkürzung durch eine Straßenbaustelle ein Rudel Ratten aufgeschreckt. Eine davon lief mir mitten im Schritt direkt über die Füße, so dass ich das arme Vieh vor lauter Schreck in hohem Bogen durch die Luft geschleudert habe. Da haben wir uns beide wohl etwas erschrocken! Nachdem wir in der schäbigen Cafeteria noch kurz die Online-News (im Zimmer gibt‘s leider kein Empfang) gecheckt haben, wollte ich nochmal kurz nach draußen. Allerdings verwehrte mir der Security-Typ den Ausgang, da das Überfallrisiko doch recht hoch sei. Daher also die vielen, mit Schlagstöcken bewaffneten Vigilanten auf der Straße, die wir auf unserem Rückweg zwar bemerkt, ihnen aber wenig Beachtung geschenkt hatten.

Am nächsten Morgen sind wir aufgebrochen, um die Halbinsel Isla Santay zu besuchen, die uns im Reiseführer empfohlen wurde. Diese sollte über eine Brücke erreichbar sein, wohin wir mit dem Metroviabus gefahren sind. Mittlerweile hatten wir uns nämlich über das Kartensystem informiert. Leider spuckte der Automat nach Bezahlung die Karte nicht aus. Einer der Soldaten, die an jeder Bushaltestelle Wache schieben, war aber so nett uns zu helfen und als auch er am Automaten verzweifelte, überließ er uns kurzer Hand seine Karte. Wirklich freundlich. An der Brücke angekommen, mussten wir feststellen, dass diese zur Hälfte eingestürzt war und sich gerade in Reparatur befand. Also ging es mit dem Bus zurück, denn vom Malecon aus, so ließ uns ein Bauarbeiter wissen, fährt auch eine Fähre dort hin. Also zurück, noch einen kurzen Abstecher durch den mega-engen, total überfüllten Klamotten-Markt und zu dem kleinen Stand der Tourismusbehörde. Denn die Überfahrt war mit einer geführten Tour verknüpft, die mit 5 Dollar (inkl. Überfahrt) aber recht günstig war. Laut dem ausgehängten Plan sollte das nächste Boot um 13:00 Uhr starten. Der Typ meinte aber, das sei falsch, das nächste Boot starte bereits um 12:15 Uhr. Also hatten wir noch 30 Minuten, um schnell etwas zu frühstücken. Leider haben uns ein paar riesige Leguane, die im Park herum gekrochen sind, noch etwas aufgehalten, so dass wir es gerade so zum kommunizierten Zeitpunkt zurück geschafft haben. Mittlerweile stand dort eine Tussi, die meinte, die Abfahrt sei erst um 12:55 Uhr. Nun kam aber der Typ von vorhin zurück und die beiden einigten sich schließlich auf eine Abfahrtszeit um 12:30 Uhr. Allerdings starteten wir dann, wie auf der Tafel geschrieben, um 13:00 Uhr. Was für zwei Idioten.


Zusammen mit 10-12 anderen (einheimischen) Touristen brachte uns die kleine Fähre dann innerhalb vom 10 Minuten auf die Isla Santay, wo uns bereits eine streng dreinblickende Dame erwartete und die Führung begann. Leider konnte die knattrige, etwas übel gelaunte Frau nur spanisch, aber ein freundlicher Mitreisender erbarmte sich, uns das Gerede ins englische zu übersetzen. Auf der Insel liegt ein kleines Reservat, das vor wenigen Jahren als Mustersiedlung im dichtbewachsenen Dschungelgebiet der Insel errichtet wurde und in dem ca. 250 ausgewählte Familien autark leben. Und das direkt neben wilden, auch nicht ganz ungefährlichen Tieren. Davon bekamen wir allerdings lediglich ein paar Alligatoren zu sehen. Neben dem morastigen Boden wohl auch ein Grund dafür, dass die komplette Siedlung auf Pfählen errichtet wurde. Die Pflanzenwelt ist allerdings auch recht eindrucksvoll hier. Nach der 90 Minütigen Tour bestiegen wir wieder die Fähre, die uns im Eiltempo zurück nach Guayaquil brachte. Eigentlich hatten wir uns von dem Trip mehr versprochen, aber ein netter Ausflug war‘s dennoch.

Als nächstes marschierten wir erneut durch die lebhaften Straßen der Stadt, den Parque Centario, der von vielen zwielichtigen Gestalten bevölkert ist, und stärkten uns mit Enpanadas und Süßgebäck bis wir am Rande der Slums angekommen waren. Hier befindet sich der Zentralfriedhof, der – laut Reiseführer – als einer der schönsten Südamerikas gilt. Und der Friedhof mit seinen weißen Gedenkmählern, Statuen, Familiengruften und Urnenmauern ist auch wirklich absolut sehenswert. Tolle, handwerklich hochwertige und auch ausgefallene Marmor und Steintafeln verzieren die Urnengräber und erzählen ihre eigenen Geschichten in Gedenken an die Verstorbenen. Mittlerweile waren wir schon etwas ausgelaugt, auch der schwülen Hitze wegen. Im Gebirge herrschen doch etwas angenehmere Temperaturen vor. Also haben wir uns langsam auf den Rückweg gemacht. Allerdings stand noch ein Abstecher zur Kathedrale an. Direkt neben dieser befindet sich der kleine  Parque de las Iguanas. Hier tummeln sich zwischen den Tauben dutzende Leguane, die friedlich vor sich hin stracken und die Gemüseabfälle der umliegenden Restaurants, die diese täglich für die Echsen hier vorbei bringen, vernaschen. Hier kann man richtig auf Tuchfühlung mit diesen faszinierenden,  urzeitlich anmutenden Tieren gehen, sollte diese aber auch nicht zu arg belästigen.

Nachdem wir dann auch endlich einen Supermarkt gefunden und uns mit etwas Vesper und Getränken eingedeckt hatten, ging es zurück ins Hotel, kurz frisch machen und, trotz der bald einbrechenden Dunkelheit, zum Abendessen nochmals in Richtung Malecon. Manu war allerdings schon mittags das Geld knapp geworden und anstatt sich tagsüber neu einzudecken, bevorzugte er es, in der Dunkelheit an einem Geldautomaten in einer spärlich beleuchteten Straße Kohle zu ziehen. Da konnte ich nur mit dem Kopf schütteln. Und dass, wo wieder fast nur ein paar grimmigen Typen der Bürgerwehr mit ihren Totschlägern und andere seltsame Gestalten auf der Straße waren. Also haben Lea und ich uns positioniert um alles im Blick zu haben, während Manu den Geldautomaten bediente. Ging aber alles gut, auch wenn man schon ein etwas mulmiges Gefühl hat. Denn die Sicherheitsleute warnen einen sicher nicht umsonst und die privaten Aufpasser stehen bestimmt auch nicht nur zum Spaß da. Hätte jedenfalls nicht sein müssen. Auf drängen meiner Schwester ging es diesmal in ein Fastfood-Restaurant, das aber doch recht ordentliches Essen anbot und dann auf direktem Weg, diesmal an einer beleuchteten Straße, zurück zu unserem Domizil

Galapagos Islands / Santa Cruz

Um kurz nach sieben Uhr haben wir unsere Zelle verlassen, gezahlt und uns auf gemacht zur Metrovia Busstation, um den Bus zum Flughafen zu nehmen. Der kam dann auch gleich, war aber knacke-voll. Haben uns trotzdem irgendwie rein gequetscht, um die 20-minütige Fahrt zum Flughafen hinter uns zu bringen. Dort ging dann alles viel schneller als gedacht und wir hatten auch schnell unsere Tourist-Card, die zum Betreten des Archipels berechtigt. Täglich gibt es nur 2-3 Flüge mit kleinen Maschinen dort hin und bei Ankunft werden auch noch 100 Dollar Gebühr fällig, damit die Inselgruppe nicht von Pauschal-Touristen überrannt wird. Kreuzfahrtschiffen und ähnlichem wird das Anlegen dort konsequent verweigert, so dass es praktisch nur möglich ist, per Flugzeug oder mit einem kleinen Boot dort hin zu kommen. Und da die Galapagos-Inseln gut 1000 km von der Küste entfernt liegen, macht sich kaum jemand die Mühe, mit einem kleinen Kahn dort hin zu schippern.

Nachdem wir die Passkontrolle hinter uns gebracht hatten warteten wir in einer kleinen Halle auf unser Gepäck, welches ca. 20 Meter hinter einer roten Linie bereit lag. Allerdings wurden zuerst die Spürhunde über Taschen und Rucksäcke gejagt und man konnte die Passagiere unruhig werden sehen, deren Gepäckstücke aussortiert wurden. Allerdings wird hier nicht nach Drogen oder Bomben gesucht, sondern nach Dingen, die das sensible ökologische Gleichgewicht der Insel stören könnten. Nach der Prozedur bestiegen wir den kostenlosen Bus, der uns zur Fähre auf der anderen Seite der Flughafeninsel chauffierte. Wir betraten Santa Cruz, die Hauptinsel des Archipels und bestiegen dort einen weiteren Bus, der uns ganz in den Süden der Insel, in den Küstenort Puerto Ayora brachte. Nach zehnminütigem Fußmarsch hatten wir unsere wirklich schöne Unterkunft nahe des Hafens erreicht. Da wir aber nicht lange auf Galapagos bleiben würden, sind wir auch gleich wieder aufgebrochen, um Puerto Ayora etwas zu erkunden. Was uns als erstes aufgefallen ist, dass die Preise hier dreimal so hoch sind wie auf dem Festland. Bei dem Lieferweg aber auch durchaus nachvollziehbar. Den meisten Touristen die hier unterwegs sind dürfte dies aber egal sein, da diese zum Großteil eher gut betucht sind. Individualtouristen, so wie wir, findet man eher weniger. Die meisten hier sind schon mit organisierten Gruppen unterwegs. Allerdings sind auch viele Orte nur auf diese Weise zu erkunden. Man tut sich als Backpacker doch etwas schwer. Und auch die Tagestouren die angeboten werden sind vom Preis her ganz schön happig.


Auf unserem Weg zum Charles Darwin Reservat, das auf der anderen Seite des Ortes liegt machten wir erste Bekanntschaft mit den farbenprächtigen Klippenkrabben und den schwarzen  Drachenechsen. Bei diesen muss man wirklich aufpassen, um nicht drauf zu treten. Denn auf den schwarzen Lavafelsen sind diese doch recht gut getarnt. Nebenan lagen dann auch drei Seelöwen faul in der Sonne und ein paar Pelikane gierten nach den Abfällen am Verkaufsstand der Fischersfrau. Von hier aus war es noch knapp einen Kilometer bis zum Reservat. In dieser Aufzucht und Forschungsstation leben hauptsächlich Schildkröten, aber auch ein paar andere Echsen. Neben der Aufzucht der Schildkröten wird hier auch versucht zu erforschen, woher diese Tiere ursprünglich stammen, wie sie sich auf der Insel angesiedelt und entwickelt haben und es werden Programme zum Schutz der einzigartigen Tierwelt auf Galapagos erarbeitet. Der weltbekannte „Lonesome George“ (gestorben 2012), von dem man vermutete er sei das letzte Exemplar der Unterart Pinta, ist hier ebenfalls in präparierter Form ausgestellt. Wirklich viel über die Arbeit der Biologen erfährt man als Besucher allerdings nicht, sondern bekommt nur oberflächliche Informationen, weshalb sich der Besuch nur bedingt lohnt.

Also sind wir in der Dämmerung noch ein wenig durch das Örtchen gestreift, auf der Suche nach bezahlbaren Verpflegungsmitteln. Der einzige, kleine Supermarkt nahe des Hafens war dafür die einzig halbwegs akzeptable Anlaufstelle. Zum Abendessen in Puerto Ayora führt dagegen kein Weg an der Fressmeile mitten im Ort vorbei. Tagsüber eine gewöhnliche Straße, wir diese abends für den Verkehr gesperrt und sämtliche Gastronomen verwandeln diese in ein großes Freilichtrestaurant mit allerlei köstlichen Gaumenfreuden, die auch für jeden Geldbeutel ausgezeichnete Kost anbieten. Vor allem natürlich Fischgerichte und Grillgut. Alles sehr rustikal, aber auch sehr gemütlich – wenn man sich denn erst mal bei einem der vielen Ständer nieder gelassen hat. Denn bei der Auswahl wird man von den Anbietern teilweise doch arg bedrängt und es ist nicht immer einfach, das Angebot zu Begutachten, ohne gleich vollgelabert zu werden. Ein wenig Verhandlungsgeschick hilft zudem, um einen angemessenen oder einen sogar günstigen Preis für die Labsal zu entrichten.


Am nächsten Morgen schlenderten wir zur nahegelegenen Busstation und fuhren in das kleine Örtchen Santa Rosa, etwa 10 km von Puerto Ayora entfernt. Von hier aus führt ein Weg zur nochmals etwa 3 km entfernten Schildkrötenfarm, wo die mächtigen Morlas auch in freier Wildbahn angetroffen werden können. Der Nistplatz der Kröten befindet sich auf dem Privatgelände einer ehemaligen Rinderfarm, deren Besitzer den kommerziellen Mehrwert erkannt hat, Touristen gegen einen geringen Obulus über sein Grundstück laufen und die Tiere beim Sonnenbad und der Schlammkur beobachten zu lassen und danach sein Restaurant zu besuchen. Auf dem Gelände gibt es allerdings auch Lavahöhlen, die entstanden sind, da sich die Magma an der Oberfläche schneller abgekühlt hat als im Untergrund und durch den feuchten Untergrund die flüssige Magma schneller abgeführt wurde als sie erstarren konnte. Während die Tourteilnehmer mit Bussen dort hin gekarrt werden, haben wir den Weg zu Fuß angetreten. Was diesen wohl verwehrt blieb konnten wir dagegen genießen, denn am Wegesrand waren auch viele Tierchen und ungewöhnliche Pflanzen zu bestaunen. Auch konnten wir in den umliegenden  Bananenfeldern und in den Gräben bereits einige der Riesenschildkröten sehen, die friedlich herumlagen, aber auch ganz schön schnell unterwegs sein können, wenn sie wollen. Traut man denen gar nicht so zu. Auf dem Gelände des Farmers flätzen viele der Kröten in Schlammlöchern und lassen es sich gut gehen während sich andere im Guavenhein sich mit Nahrung versorgen. Zu nahe kommen sollte man den Kröten allerdings nicht. Nicht nur um diese einfach in Ruhe zu lassen, sondern auch weil man ganz schnell mal einen Finger los sein kann, wenn diese zuschnappen. Schließlich sind wir hier nicht im Zoo und die Tiere werden auch nicht „gehalten“ oder beaufsichtigt, sondern können tun und lassen, was sie wollen. Hier gibt es keine Zäune und es handelt sich wirklich um Tiere in freier Wildbahn, auch wenn die Leuts hier durchlaufen. Die Besucherzahlen sind durch die Beschränkungen glücklicher Weise überschaubar und die meisten benehmen sich auch respektvoll diesen gegenüber, so dass den Kröten immer noch ihr Freiheit gelassen wird. Darauf wird auch sehr geachtet.

Zurück in Santa Rosa warteten wir dann, zusammen mit einer Dorfbewohnerin vergeblich auf einen Bus, der uns zurück bringt. Irgendwann kam dann ein Typ auf uns zu, der meint er fahre  nach Puerto Ayora und er würde uns für einen Dollar mitnehmen. Ein Angebot das wir gerne angenommen haben. Von dort aus haben wir uns aber sogleich auch wieder auf den Weg gemacht zur Tortuga Bay. Der einzige Weg dorthin (außer mit dem Schiff), führt 3 km durch dicht bewachsene Kakteenfelder und viel Gestrüpp. Wir waren etwas spät dran, da der Weg um 17:30 schließt und bis dahin alle wieder zurück sein müssen. Der Grund dafür ist, dass des Nachts die Wasserschildkröten an den Strand kommen und nicht gestört werden dürfen. Also sind wir schnellen Schrittes durch die stachelige Landschaft marschiert, um noch etwas Zeit dort verbringen zu können. Überhaupt ist die Landschaft im Landesinneren teilweise eher trostlos, bietet aber einen guten Rückzugsraum für die Tiere. Traumhafte, wirtlich grüne Landschaften findet man lediglich in den Küstenabschnitten. Ansonsten beherrschen die Kakteen und das Gestrüpp das Bild, aber auch viele karge, ausgedorrte Gebiete sind hier zu finden. Und auch am Rande der Tortuga Bay, die mit einem herrlich weißen Sandstrand aufwartet ist dies so. Bis auf zwei Surfer (die ihr Bord die 3 km bis zum Strand natürlich tragen mussten) und wenige Schwimmer waren daher auch eher Spaziergänger und Naturliebhaber unterwegs als Sonnenanbeter, plantschende Kinder oder besoffene Krakeeler.

Zurück im Ort haben wir uns noch ein Bootsticket für den nächsten Tag geholt, um die Insel San Cristóbal zu erkunden. Mit 50 $ (hin und zurück) gar nicht mal so billig, aber ein günstigeres Angebot war nicht zu finden. Nach unserem Abendmahl in der Fressstraße haben wir versucht, nach einer Übernachtungsmöglichkeit in Guayaquil zu suchen, wo wir noch eine Nacht verbringen mussten, bevor unser Rückflug ging. Aber leider ist die Internetverbindung hier echt scheiße. Ein Umstand, der uns noch ziemlich in Bedrängnis bringen sollte. Dazu aber später mehr.

Galapagos Islands / San Crisóbal

Heute mussten wir wieder früh raus, da die Boote nach San Cristóbal bereits um 7 Uhr morgens fahren. Und zwar alle, von sämtlichen Anbietern. Es war also ein leichtes Gedränge am Pier, wo sich jeder bei seinem Fährunternehmen anmelden und seine Bordkarte abholen musste. Nach und nach wurden wir dann über den Pier gelotst, wo jeder sein Gepäck, wie schon am Flughafen, von den Spürhunden inspizieren lassen musste. Mit einem Wassertaxi ging es dann zu den jeweiligen Booten. Hier musste jeder extra nochmals 50ct. für den Zubringer berappen. Das selbe bei der Ankunft und auch wieder bei der Rückfahrt. Hatte uns niemand gesagt, dass das nicht mit inbegriffen sei, aber sei‘s drum. Die paar Kröten kann man sich dann schon auch noch aus den Rippen leiern.

Die Überfahrt nach San Cristóbal dauert ungefähr zwei Stunden und obwohl die Schiffsführer rasen wie die Bekloppten, man dabei jede kleine Welle spürt und nicht gerade gemütlich sitzt, hab ich‘s dennoch geschafft, noch ein bisschen zu pennen. Der Hafen der Insel ist wunderschön und bietet mit den dort ankernden Booten ein traumhaftes Bild. Im Hafenbecken schwimmen dutzende Seelöwen herum, die aber auch direkt am nahen Strand und auch in den Hauseingängen der am Ufer gelegenen Häuser herumlungern. Unbeschreiblich toll, faszinierend und einfach nur genial, dies so sehen zu können. Hat uns echt umgehauen. Wir haben uns dann auf den Wanderweg westlich des Hafens begeben, der uns zu erst zu einem Infocenter führte. Hier bekommt man einen aufschlussreichen Überblick über die Geschichte San Cristóbals, des Archiopels im allgemeinen und im speziellen wird die Ausbeutung der Bewohner durch den Imperialisten Manuel J. Cobo beleuchtet. Eine Geschichte, die viel zu denken gibt. Der Weg führte uns dann entlang der wunderschönen Küste der Insel, die auch einige tolle Aussichtspunkte bietet. Die Sonne hat dabei richtig gut geknallt, so dass ich am Ende des Tages  – trotz mehrfachem Einschmieren – doch etwas gerötet war.

Nachdem wir einen kleinen Hügel, der eine tolle Aussicht bietet, überquert hatten, wurde der Weg ziemlich schmal und steinig. Manu & Lea hatten deshalb keinen Bock mehr, noch weiter zu laufen und haben kehrt gemacht um ein wenig mit den Seelöwen zu schwimmen, während ich mich noch weiter durch‘s Gestrüpp geschlagen habe. Nach einer halben Stunde stand ich dann an einem kleinen, verlassenen Strand, an dem sich neben den Drachenechsen auch einige Seelöwen räkelten. Über mit kreisten riesige Vögel, nur den Blaufußtölpel, den ich ganz gerne gesehen hätte, ließ sich leider nicht blicken. Also kehrte ich um, um die beiden Wasserratten wieder einzusammeln. Der weg über die Lavasteine war nicht nur schweißtreibend, sondern auch anstrengend zu begehen, da man sich schon konzentrieren musste, um nicht über das Geröll oder irgendwelche Wurzeln zu stolpern, aber auch, um nicht versehentlich eine der Echsen zu zertrampeln. Zurück an dem Hügel versuchte ich, an dessen felsigem Rand bis zur in Sichtweite befindlichen Badebucht zu gelangen um nicht wieder dort rauf kraxeln zu müssen. Allerdings war nach der Hälfte im felsigen Steilhang Schluss und bevor ich mich an den Klippen zu Tode stürzen würde, hab ich lieber aufgegeben und eben doch den Weg über den Berg genommen. Kurz vor der Badebucht kam mir dann ein älteres Paar entgegen. Kaum hatte der Typ geschwärmt, wie toll die Robben doch seien zischte seine Holde ihm ein giftiges „Des sennd Seelöwa, Du Depp!“ entgegen. Schön auch hier ein paar gesellige Schwaben zu treffen.

Nachdem ich meine Mitreisenden aufgegabelt hatte, ging es entlang der Küste und über ein paar wundervolle, kleine Strände zurück in Richtung Hafen. Dass wirklich verhältnismäßig wenige Touristen anzutreffen waren, die sich auch noch alle respektvoll der Umgebung gegenüber verhielten, erstaunte und erfreute mich dabei immer wieder. Da die beiden Anderen nach dem Bad etwas hungrig waren, setzten diese sich in eine kleine Strandbar, die ebenfalls von Seelöwen umringt war. Ich dagegen wollte noch etwas Bewegung und bin durch fast menschenleere Gassen zurück zur Anlegestelle gelatscht, wo ich mir in einem kleinen Lädchen für stolze $ 4,50 ein auf Galapagos gebrautes Bierchen gegönnt und am Ufer sehnsüchtig den Meeresblick genossen habe.

Bereits um 15:30 fuhr dann auch schon unser Schiff zurück nach Santa Cruz. Diesmal wurde unser Gepäck nicht abgeschnüffelt und wir genossen bis zur Abfahrt noch das lustige Treiben der Meeresbewohner direkt neben dem Steg. Obwohl auch die Rückfahrt rasant von statten ging, sind uns immer wieder die Augen zugefallen. Die viele frische Luft und die anstrengende Wanderung zollten ihren Tribut. Zurück in der Unterkunft versuchten wir erneut, per Internet eine Unterkunft für unsere letzte Übernachtung zu finden, aber schon wieder ging nichts mit dem Netz. Also haben wir uns ein letztes Mal in die Fressstraße begeben und uns einen mehr als leckeren Brujo, ein orange leuchtender Tiefseefisch, schmecken lassen. Nach  einem letzten Spaziergang durch Porto Ayora ging es dann zurück in die Herberge. Nachdem die beiden anderen schon schlafen waren, habe ich wider Erwarten doch noch eine ultra-langsame Verbindung ins Netz aufbauen und fix die erstbeste Unterkunft für unsere letzte Nacht gebucht. Dummerweise habe ich meine eMails nicht mehr checken können, was uns fast noch auf die Füße gefallen wäre.

Die letzten Tage…

Am nächsten morgen haben wir es gemütlich angehen lassen, da der Rückflug nach Guayaquil erst um 14:30 Uhr starten sollte. Da es sich aber auch nicht mehr lohnte, groß was zu unternehmen, haben wir versucht, uns beim Rezeptionisten nach einem Bus und der Bushaltestelle zum Flughafen zu erkundigen. Leider war der Typ nicht sonderlich helle. Hinzukam die Sprachbarriere. Immerhin kam dabei heraus, dass zwischen 10 und 14 Uhr keine Busse fahren würden, was ziemlich Scheiße gewesen wäre, und was wir auch nicht geglaubt haben. Also sind wir zur Station des lokalen Busses. Dort angekommen wurde uns aber bestätigt, dass die erhaltene Auskunft den Tatsachen entspricht. Immerhin war man so freundlich, uns ein Taxi zu organisieren, dass uns für den lediglich 5-fachen Preis der Busfahrt zur 30 km entfernten Ablegestelle der Fähre brachte. Aber wir hatten ja auch keine andere Wahl. Am Wegesrand lagen wieder ein paar Riesenschildkröten herum, die uns stoisch hinterher blickten.

Um kurz vor 12 Uhr standen wir dann am Schalter der Fluggesellschaft um einzuchecken. Ebenso stoisch wie die Kröten, teilte uns der Mitarbeiter mit, dass unser Flug gecancelt wurde und wir auf den Flug um 10:30 Uhr umgebucht wurden. Wir hätten doch sicher die eMail mit der Flugänderung erhalten. Naja, vielleicht schon. Leider hatten wir ja aber kein bzw. kaum eine Verbindung. Da standen wir nun und haben erst mal ganz schön blöd aus der Wäsche geschaut. Auf unsere Nachfrage nach anderen Flügen, sah der Mann aber nochmals in seinem Rechner nach und konnte uns glücklicher Weise noch 3 Plätze für den 12Uhr30-Flug geben, für den das Boarding aber bereits begonnen hatte. In aller Seelenruhe stellte er uns die Tickets aus und kaum hatten wir diese in der Hand kam auch schon die Lautsprecherdurchsage, wir sollen doch unverzüglich am Gate erscheinen. Was denken die eigentlich? Wir mussten ja auch noch durch die Sicherheitskontrolle. Glücklicher Weise ging dann alles recht schnell und 14 Minuten später saßen wir im Flieger (dem letzten an diesem Tag), der dann 8 Minuten zu früh abhob. Da haben wir echt Schwein gehabt.

Zwei Stunden früher als geplant waren wir dann in Guayaquil, wo wir direkt zu unserer Unterkunft gedüst sind, die nicht ganz so schäbig wie das Hotel Berlin war. Als wir in unserem Zimmer im dritten Stock ankamen hat Lea die Tür zu geknallt, als wir bemerkten, dass es innen keinen Türknauf gab. Wir waren also gefangen! Mit viel Improvisationskunst gelang es uns aber nach kurzer Zeit, die Tür wieder zu öffnen. Also bin ich nach unten und habe von dem Malheur berichtet, woraufhin der Angestellte ganz lapidar meinte, er hätte das wohl vergessen.  Also haben wir ein anderes Zimmer im fünften Stock bekommen. Da Lea bereits ihren kompletten Rucksack ausgepackt hatte, war diese etwas stinkig, dass sie alles wieder rein stopfen und weitere zwei Stockwerke nach oben tragen musste. Schnell wollte ich dann noch meine Mails checken, nicht dass für den Rückflug am nächsten Tag nochmal so was wie heute passiert, aber leider war das Netz gerade ausgefallen. Der Typ am Empfang meinte aber, es kümmere sich bestimmt bald jemand darum. Viel gemacht haben wir dann allerdings nicht mehr. Nur nochmals den Markt durchstreift und ein wenig am Melacon herumspaziert, wo wir dann auch noch etwas gegessen und uns seelisch auf den Rückflug am nächsten Tag vorbereitet haben.

Unser Rückflug war erst für 18:45 Uhr angesetzt, so dass wir noch fast den ganzen nächsten Tag Zeit hatten. Viel gab es allerdings nicht mehr, was uns hier interessiert hätte. Da wir spätestens  um 11 Uhr unser Zimmer räumen mussten, baten wir darum, unser Gepäck noch dort lassen zu dürfen. War auch kein Problem und so stellten wir die Rücksäcke hinter den Tresen, direkt neben die zwei Baseballkeulen und den Schlagstock, die dort zum Schutz der Herberge herum lagen. Mit dem Metrovia-Bus sind wir dann zum westlichen Arm des Rio Guayas gefahren, wo sich direkt neben der Uni noch ein schöner Park und Spazierweg mit Fressbuden und einem kleinen Markt befinden sollte. Da es Sonntag war, waren aber leider fast alle Buden geschlossen und auch das uns angepriesene Wasserspiel war abgestellt. Auf dem Spazierweg war kaum jemand unterwegs und am Ufer des Flusses stapelte sich der Dreck. Der Park war dennoch hübsch aufbereitet, so dass wir ein paar Stunden dort herumgeschlendert sind. Bei unserer Rückkehr zum Ausgangspunkt waren dann allerdings doch ein paar Marktstände geöffnet. Neben Souvenirs und Süßigkeiten gab es dort auch Naturheilmittel sowie lebende Riesenmaden, wie man sie aus dem Dschungelcamp kennt, die zum Verzehr angeboten wurden. Hab mich allerdings zurückgehalten.

Den Rückweg haben wir dann zu Fuß angetreten und sind die paar Kilometer zurück gelatscht um unser Gepäck abzuholen. Im Gegensatz zum Park war der Bus zum Flughafen wieder knalle voll, so dass wir uns mit dem Gepäck regelrecht hineinquetschen mussten. Diesmal ging mit dem Check-In alles glatt und so starteten wir pünktlich in Richtung Heimat. Da die Klimaanlage im Flugzeug wohl auf frostig eingestellt war, kamen wir, nach einem Zwischenstopp in Amsterdam, gut 15 Stunden später in Stuttgart an. Somit war unsere 18-tägige Reise, auf der wir wirklich viel erlebt, tolle Landschaften gesehen und massig neue Erkenntnisse gesammelt und Eindrücke gewonnen haben, auch schon wieder zu Ende. Ein Trip, der sicherlich im Gedächtnis bleibt und ein Land, das ich jedem, der die Gelegenheit dazu hat, nur empfahlen kann zu besuchen. Besonders gefreut hat mich aber, dass wir uns, obwohl wir die ganze Zeit wirklich aufeinander geklebt sind, nicht einmal gestritten haben. Hätte ich nicht erwartet. Mirko