EIN PAAR WOCHEN IN ECUADOR (TEIL 2)

EIN PAAR WOCHEN IN ECUADOR (TEIL 2)

Weiter geht‘s…

Am nächsten Morgen haben wir es dann mal ausnahmsweise ganz gemütlich angehen lassen und haben bis acht Uhr gepennt, bevor es zum spärlichen Frühstück in den Innenhof ging. Als wir ausgecheckt haben, wurde unser Zimmer bereits von den Putzteufeln heimgesucht, die das halbe Inventar, inklusive Matratzen aus dem Raum geworfen haben. Durch den gewährten Rabatt haben wir umgerechnet etwas weniger als 10 € pro Nacht und Person bezahlt, was doch ziemlich günstig war. Nachdem wir unser Gepäck zum Busbahnhof geschleppt hatten, wartete bereits die nächste erfreuliche Überraschung, denn auch die Busfahrt war günstiger, als mir am Vortag gesagt wurde. Da freut sich der Schwabe!

Riobamba
Die zweistündige Busfahrt war doch recht angenehm und endlich hatten wir auch während der Fahrt mal eine tolle Aussicht, da wir nicht durch den Regen getuckert sind. Leider hielt der Bus nicht wie erwartet am Busbahnhof, sondern in einem schäbigen Vorort, von wo aus wir uns eine weitere Transportmöglichkeit ins Zentrum suchen mussten. Vorbei an einem riesigen gegrillten Schwein, das am Straßenrand auf hungrige Münder wartete, hatten wir schnell den richtigen Bus zu unserem Ziel gefunden, uns mit den Rucksäcken in das Teil gequetscht und auf dem Boden sitzend die gut 15 Minuten dauernde Fahrt hinter uns gebracht. Direkt am Busbahnhof, der in einem nicht minder schäbigen Viertel am Rande des Zentrums liegt, haben wir dann ein günstiges Hotel bezogen, welches wiederum nur knapp € 10.- für jeden pro Nacht gekostet hat. Anfänglich gab es ein paar Verständigungsschwierigkeiten, da hier keiner englisch und wir kein spanisch konnten, aber mit Händen und Füßen ging auch das.

Nachdem wir uns der Rucksäcke entledigt hatten, machten wir uns auf den Weg ins ca. 1,5 km entfernte historische Zentrum von Riobamba, der Hauptstadt der Provinz Chimborazo, die nach dem gleichnamigen Vulkan und gleichzeitig höchsten Berg Ecuadors (ca. 6300 m) benannt ist. Riobamba ist eine lebhafte Stadt mit etwa 125.000 Einwohnern und einem sehenswerten Stadtkern. Ich bin geneigt zu sagen, Quito im Kleinformat. Hier gibt es ein paar nette Plätzchen mit schönen, unaufdringlichen Kirchen, Statuen und gemütlichen Sitzgelegenheiten sowie einen netten Markt, auf dem es allerlei Obst und Gemüse, Getreide, Reis, Nudeln, aber auch gehäutete Schweine am Stück und grillfertige Meerschweinchen gibt. Dazu freundliche, gut gelaunte Menschen, die einem den Aufenthalt in dem zum Teil recht engen Markt angenehm machen. Nach fast dreistündigem Spaziergang und einem frischgepressten Erdbeer-Kiwi-Saft ging es kurz zurück in die Herberge um uns frisch zu machen, bevor wir aufgebrochen sind, um uns noch ein wenig zu verköstigen. Allerdings machten wir noch einen Abstecher zum Busbahnhof, um dort die Fahrpläne zu den von uns ausgewählten Tagestouren zu studieren.

Die Auswahl des Speiselokals gestaltete sich dann aber nicht ganz einfach, da die Auswahl auf dem städtischen Boulevard doch ziemlich groß ist und wir uns nicht entscheiden konnten. Letztendlich sind wir dann in einem American Diner gelandet, wo sich jeder einen fettigen Burger mit Pommes genehmigt hat, der wieder inklusive Plastikhandschuhen serviert wurde. „Leider“ wurde bei der Abrechnung dann ein Burger vergessen, so dass wir schon wieder ein paar Dollar sparen konnten. Als wir uns danach zu Bette begeben wollten, klopfte es plötzlich und der Futzi von der Rezeption stand vor der Tür. Dieser gab uns zu verstehen, dass wir die Nacht doch bitte sofort zu zahlen hätten, was uns doch ein wenig seltsam erschien. Unter der Voraussetzung dies zu quittieren überreichten wir dem aufdringlichen Typen dann aber doch die 30 Dollar. Auf die Quittung warteten wir aber vergeblich. Und um von der zweiten Etage nochmals nach unten zu latschen, waren wir dann doch irgendwie zu faul, so dass wir uns entschieden, uns den Typ am nächsten Morgen zu krallen.

Baños
Am nächsten morgen standen wir also um 6:45 Uhr an der Rezeption und verlangten nach unserem Zahlungsbeleg, denn wir dann auch umgehend erhielten. Nachdem wir uns im benachbarten Backwarengeschäft mit ein wenig Proviant versorgt und das Busticket nach Baños erworben hatten, flätzten wir uns in das gemütlich bestuhlte Gefährt um die 2½-stündige Busfahrt zu genießen, die vor allem im letzten drittel eine tolle Aussicht bot. Das Örtchen liegt in einem realtiv engen aber weitläufigen Tal und ist voll auf den Tourismus für hippe und flippige Backpacker ausgelegt. Dem Individual-Freak wird hier einiges geboten, wie zum Beispiel Bungee-Springen, Coast-to-coast-riding an einem Stahlseil und viele weitere actiongeladene Attraktionen. Nachdem wir uns am Infopoint mit Kartenmaterial ausgestattet hatten bestiegen wir den Shuttlebus und fuhren ca. 7 km Flussabwärts, vorbei am riesigen Staudamm bis zur ersten Seilbahn, die über den Fluss führte. Mit einer kleinen Seilbahn überquerten wir selbigen, nicht ohne über dem eindrucksvollen Wasserfall ein 10-minütiges Päuschen einzulegen, während neben uns die Adrenalinjukies vorbei schossen, die lediglich an zwei Rollen mit Handgriff über ein Stahlseil auf die andere Seite befördert wurden.


Während die Schluchtensegler dann wieder auf die andere Seite gekarrt wurden, haben wir uns auf den schmalen Wanderweg jenseits der Schlucht und der Straße gemacht, den wir offensichtlich als einzige begingen. Der Weg führte an einer kleinen Farm vorbei die von zwei Hunden bewacht wurde. Durch das Gebell auf uns aufmerksam geworden, kam auch gleich der Besitzer auf uns zu und wollte von uns je einen Dollar Wegezoll kassieren. Davon unbeeindruckt und unter lautem Gezeter des Herren setzten wir unseren Weg durch das unwegsame Gelände fort. War gar nicht so einfach, den Weg zu finden, da es kaum Beschilderungen gab und der Weg des öfteren nur zu erahnen war. Zudem ging es teilweise recht steil bergauf, was doch recht anstrengend war. Das ein oder andere Mal wünschte ich mir auch eine Machete zur Hand, um das Gestrüpp, durch das wir uns schlugen, schwungvoll zu entfernen. Nachdem wir einen matschigen, wackeligen Steg überquert hatten, standen wir erneut vor einem kleinen Bauernhaus. Hier war man uns freundlicher gesinnt und das ältere Ehepaar, das bemerkt hatte, dass wir etwas verloren wirkten, wies uns den Weg über ihren Hof und hinter ein kleines Mäuerchen, wo der „Weg“ weiter ging. Alsbald standen wir am Rand eines Abhangs und hatten erneut ernsthafte Probleme, den Weg zu finden. Also schlugen wir uns durch die Büsche und gelangten auf eine Kuhweide, die mit Stacheldraht eingezäunt war. War der Zutritt noch leicht zu bewältigen, mussten wir uns am anderen Ende, gestützt auf einen Pfosten, über den Stacheldraht schwingen. Während meine Begleiter dies problemlos schafften, brach der leicht morsche Pfosten aber unter meinem zarten Gewicht zusammen. Glücklicher Weise blieb ich mit dem Oberschenkel im Stacheldraht hängen, sodass ein Sturz den Hang hinab vermieden werden konnte.


Nun ging es einen weiteren Kilometer entlang des Hanges bis zu einer kleinen Ansammlung von Hütten. Eigentlich wollten wir hier kurz rasten und uns in einem kleinen Restaurant stärken. Leider gab es dort weder etwas zu trinken, noch zu essen, so dass wir, etwas verwirrt ob des Anschlags „Restaurant“, uns zur nahegelegenen Seilbahn aufmachten und die Schlucht in einem ziemlich klapprigen Stahlkorb, der nicht gerade vertrauenswürdig aussah, erneut überquerten. Von der atemberaubenden Aussicht abgelenkt, kamen wir sicher auf er anderen Seite an, wo wir den Bus bis zum Abstieg zur Cascada della Diabolo bestiegen. Sehr steil ging es dort bergab und zum Fuß des gigantischen Wasserfalls. Durch eine enge Felsspalte, die nur kriechend passiert werden konnte, war es möglich, direkt in die Gischt hinter dem Wasserfall zu klettern. 2 Kilo mehr auf den Rippen und ich wäre bestimmt stecken geblieben, so eng war die ca. 20 Meter lange Spalte. Der Wasserfall konnte aber auch auf der anderen Seite über mehrere Hängebrücken erreicht werden und wir ließen es uns nicht nehmen, dies auch noch zu machen. Atemberaubt und mit einem spektakulären Blick in die Schlucht im Gedächtnis fuhren wir anschließend mit dem Bus zurück nach Baños, wo wir uns endlich etwas zum essen gönnen wollten. Schließlich fanden wir eine kleine Pinte, wo ich dann auch Cuy probieren konnte. Hier gab es nämlich auch kleinere, erschwingliche Portionen davon. Etwas gewöhnungsbedürftig war es ja schon, an so einem Meerschweinchen herum zu nagen, aber lecker war‘s dennoch (und ich weiß, dass mich der/die ein oder andere LeserIn jetzt dafür verfluchen wird). Aber das ist mir wurscht. Dafür habe ich zur Befriedung hier politisch korrekt gegendert. Ziemlich geschafft haben wir dann die Rückfahrt angetreten und im Bus-Kino uns noch von einem künstlerisch hochwertigen Action-Knaller mit Jason Statham unterhalten lassen. Erstaunlicher Weise wollte heute niemand von uns die Kohle für die Übernachtung haben, so dass wir am Ende des Tages ausgelaugt in die Kiste gefallen sind.


Alausi

Auch heute ging es wieder früh los, denn um 8 Uhr sollte der Bus nach Alausi starten, einem kleinen Kaff, ebenfalls zwei Bus-Stunden von Riobamba entfernt, von wo aus eine historische Schmalspurbahn zur sogenannten Teufelsnase fährt. Da der Trip bei Touristen sehr beliebt ist, sollte man frühzeitig dort sein, um noch eines der begehrten aber auch überteuerten Tickets zu ergattern. Leider lies uns der Heini an der Rezeption nicht passieren, bevor wir die Übernachtung bezahlt hatten. Sind wohl sehr misstrauisch hier, was die Zahlungsmoral der Kunden angeht. Nun ja, der 8-Uhr Bus war jedenfalls schon um 7:45 Uhr gefahren, da er ausgebucht war, was uns ein wenig Sorgen machte. Schließlich wollten wir ja den Zug in Alausi erwischen. Da aber der 8-Uhr-30-Bus auch ziemlich schnell ausverkauft war, fuhr auch dieser verfrüht los, so dass wir um 8:07 Uhr auf der Piste waren. Begrüßt wurden wir in Alausi von einer monumentalen Petrus-Statue, die uns den Weg zum Bahnhof wies. Dort angekommen lösten wir auch gleich unser Ticket, wofür die Vorlage des Reisepasses notwendig war. Nun hatten wir noch eine halbe Stunde Zeit und beobachteten ein paar idiotische Touristen, die auf peinlichste Art und Weise an und vor den Zügen posierten. Als ich kurz zum Bäcker gegangen war musste ich auf dem Rückweg erschreckt feststellen, dass Manu und Lea, die kurz vorher noch mit mir über diese Deppen gelästert hatten, sich ebenfalls auf diese Art zum Affen machten. Wie beschämend ; )


Kurz darauf konnten wir den Zug besteigen, den wir nur unter erneuter Vorlage unserer Pässe und der Tickets betreten durften. Umringt von den von mir so geliebten Proll-Touristen schlängelte sich der rumpelige Zug entlang der Berghänge hinab ins Tal. In jedem Wagen war auch ein Guide anwesend, der ein wenig über die Geschichte des Schienenbaus aufklärte. Sehr interessant. Das letzte Stück hinunter zur Teufelsnase (Nariz del Diablo), einem gigantischen Felsvorsprung, ist dann so steil, dass der Zug im Zickzack den Berg hinunter fährt, also immer vorwärts bis zur nächsten Wende und dort dann in anderer Richtung bis zur nächsten Kehre. Unten angekommen hatten wir dann eine knappe Stunde Zeit, das ca. 20m² große Bahnhofsmuseum anzuschauen, Fotos mit einem extra für die Touristen geschmückten Lama, das sichtlich unzufrieden mit seiner Situation war, zu machen und einer lustlos wirkenden Tanzgruppe bei ihrer Aufführung traditioneller Tänze zuzuschauen. Mich hat dagegen die Umgebung des Bahnhofs mehr interessiert und irgendwie fühlte ich mich, in respektabler Entfernung zu den Mitfahrer, zwischen den Kakteen in Mitten der tollen Berg-Landschaft wie an einem staubigen, verlassenen Wildwest-Bahnhof zu Beginn des 20. Jahrhunderts. War schon toll, wenn da nur nicht das ganze Touristen-Brimborium drum herum gewesen wäre.

Zweieinhalb Stunden nach Fahrtbeginn fanden wir uns dann wieder am Bahnhof in Alausi wieder. Leider hat das Örtchen ansonsten nicht wirklich viel zu bieten. Also haben wir uns erst mal das örtliche Almuerzo einverleibt, bevor wir den Hügel hinauf zu der riesigen Petrusstatue bestiegen. Danach noch ein kleiner Abstecher zur örtlichen Kirche, wobei man hier etwas aufpassen muss, den richtigen Ausgang zu nehmen, ansonsten befindet man sich unverhofft in der angrenzenden Grundschule wieder und wird von dutzenden Kinder aus großen Kulleraugen angestarrt, als käme man vom Mond. Kann aber auch für ein wenig Erheiterung bei allen Anwesenden führen. Hat man dann die in einer schäbigen Garage versteckte Bushaltestelle gefunden – bei der Hinfahrt wird man einfach am Straßenrand abgeladen – geht‘s dann aber auch wieder ganz unkompliziert zurück nach Riobamba, während man sich im Bordkino einen actiongeladenen Film mit Jason Statham anschauen konnte.

Zurück in unserer Unterkunft wurde der nächste Tag geplant, der uns zum Chimborazo führen sollte. Da unsere Vorstellungen etwas auseinandergingen, entschlossen wir uns, am nächsten Tag getrennt Wege zu gehen, so dass jeder seinen persönlichen Bedürfnissen entsprechend den Tag verbringen konnte. Ein bisschen Abstand von den anderen tut ja auch mal gut. Zum Ausklang haben wir uns in ein Fastfood-Restaurant begeben, das nicht nur günstig, sondern auch etwas schäbig war, dafür aber ekelhaftes Essen im Angebot hatte. Aber egal, denn die Suche nach ansprechender, landestypischer Küche war uns an diesem Abend doch zu mühsam. Nachdem wir auf dem Rückweg noch ein kleines Feuerwerk bewundern konnten, war auch dieser anstrengende, aber erlebnisreiche Tag schon wieder vorbei.


Chimborazo

Irgendwelche Hirnis hatten in der Nacht die Straße vor unserer Unterkunft zur secret location für Ihre Nightparty auserkoren. Nachts um zwei haben die ihren Pickup direkt vor unserem Fenster abgestellt und die aufgeladene Monster-Karaoke-Anlage auf „unerträglich laut“ gestellt. Dazu wurde in schiefsten Tönen der Gesang intoniert. Leider hat uns der Security-Typ des Hotel nicht nach draußen gelassen, um dem fröhlichen Treiben ein Ende zu bereiten oder, alternativ, wenigstens mit zu feiern. So sind wir am nächsten ziemlich zerknittert aus den Federn gekrochen und haben uns, nachdem wir die Kosten für die letzte Nacht abgeführt hatten, zum Busbahnhof begeben. Nach einstündiger Fahrt wurden wir dann am Eingang zum Nationalpark, der in dichtem Nebel lag, ausgeladen. Lea und Manu wollten bis zur auf 5000 m gelegenen Tee-Hütte aufsteigen, was mir doch zu qualvoll erschien. Also bin ich in entgegengesetzter Richtung über das Hochplateaus gelaufen, das immerhin auch auf 4300 m liegt. Nachdem ich das Schild zum Bosque Polylepis gefunden hatte, ging es mitten in die Prärie. Da die Sicht gerade mal 20 m betragen hat, hab ich mich an den Reifenspuren der Geländewagen orientiert, in der Hoffnung den Weg auch wieder zurück zu finden. Die Landschaft war karg und allein ein paar kleine Pflänzchen und die Köttel der Lamas zeugten von organischem Leben in diesem Gebiet.

Nach einem 4 Km langen Marsch in die Ungewissheit klarte es dann doch noch auf und vor mir offenbarte sich eine unfassbar schöne, alpine Landschaft , die von dutzenden kleinen Vacuña-Herden bevölkert wurde. Die Vacuñas, eine Lama-Art, sind hier eigentlich vor etlichen Jahren ausgestorben, wurden aber vor nicht all zu langer Zeit wieder angesiedelt und mittlerweile gibt es in diesem Schutzgebiet mehr als 5000 Exemplare davon. Und wenn man sich behutsam den Herden nähert, kommt man auch ziemlich nahe an diese wunderschönen Tiere heran. Nach weiteren 2 km beginnt der Aufstieg zum Bosque Polylepis, einem kleinen Wäldchen skurril wachsender Bäume aus der Familie der Rosengewächse. Musste ich erst noch schmunzeln, als der 700m lange Wanderweg (plus Rückweg) mit einer Zeit von 1,5 Stunden abgegeben wurde, war mir nach wenigen Metern klar, dass die Höhenluft und der steile Anstieg diese Angabe doch teilweise rechtfertigt. Ist man dann aber erst mal oben angekommen und hat sich durch die nicht ganz einfach zu überwindenden Baumstämme der Polylepsis-Bäume gekämpft, erwartet einen auf knapp 4650 m ein Panorama, das einen in seinen Bann zieht. Allerdings war ich dann doch ziemlich abgekämpft, als ich am Ausgangspunkt des Weges wieder angekommen war. Nun hieß es aber auch noch, die sechs Kilometer zurück zur Straße zu kommen. Und jetzt, wo die Sicht klarer war, ist mir auch bewusst geworden, wie weit der Weg war, den ich früh morgens im Nebel gelaufen war.

Da ich ja schon um 8:00 Uhr am Zugang zum Park los gelaufen war, war der Tag noch relativ jung, als ich zurück an der Hauptstraße war, wo der Bus entlang fährt. Als ich die Bushaltestelle erreicht hatte, zog recht schnell der Nebel wieder auf und so konnte ich den Chimborazo, bzw. seinen Gipfel leider nicht sehen. Schade. Nach halbstündiger Wartezeit hat mich dann der Bus eingesammelt und zurück nach Riobamba gebracht. Die dünne Luft und die lange Wanderung hat mich aber so fertig gemacht, so dass ich beim im Bordkino laufenden Jason-Statham-Film leider weg gepennt bin. Da ich mich früher als meine Kollegen zurück wähnte, bin ich nicht gleich ins Hotel, sondern erst noch in die Stadt gelatscht. Eigentlich wollte ich ja nur was essen, aber, vermutlich weil Muttertag war, der hier einen großen Stellenwert zu haben scheint, musste ich noch etwas länger verweilen, denn im Stadtpark war ein großes Volksfest im Gange. Auf einer riesigen Bühne begeisterten für mich fast unerträgliche Sangeskünstler die Menschen und es herrschte eine ausgelassene Stimmung rund um den Platz. Nachdem ich mich an einem der zahlreichen Stände mit Essbarem versorgt hatte, bin ich dann aber doch wieder zurück ins Hotel, wo ich feststellen musste, dass meine Schwester dort schon im Bett lag und den Aufstieg zur 5000m-Marke verarbeitete. Manu war dagegen noch in der Stadt unterwegs um ebenfalls ein bisschen das Festivalflair zu genießen.

Also haben wir bis zu dessen Rückkehr nach einer ansprechenden, günstigen Unterkunft in Guayaquil, unserem nächsten Aufenthaltsort, recherchiert, welches wir mit dem Hotel Berlin (ein bisschen Heimatgefühl muss ja auch sein), gefunden zu haben glaubten. Also schnell zwei Nächte dort gebucht und danach nochmal in das kulinarische Erlebnishaus vom vorigen Tag. Denn irgendwie waren wir unwillig, uns nach diesem kräftezehrenden Tag etwas besseres zu suchen. Um meine Schwester zu zitieren: „Für den Preis kann man doch nix sagen, oder?“ – Doch kann man! Hat halt satt gemacht, mehr aber auch nicht. Zurück im Hotel war ich dann doch schon wieder gerädert und da wir am nächsten Morgen um 6:30 Uhr los wollten um einen frühen Bus nach Guayaquil zu bekommen, hätte mich in dieser Nacht das Gelärme von gestern bestimmt auch nicht aus dem Schlaf gerissen.

Nachdem wir am nächsten Morgen letztmalig unseren Übernachtungs-Obolus entrichtet und uns zum Busbahnhof geschleppt hatten, mussten wir feststellen, dass wir erneut zu spät dran waren, um den von uns präferierten Bus nehmen zu können. Also sind wir ein wenig am Busbahnhof abgehangen, bis wir das Gefährt in die Großstadt an die Küste besteigen konnten. Entgegen unserer Erwartung war die Reise jedoch kürzer, als wir erwartet und im Vorfeld recherchiert hatten. Denn anstatt der angepeilten fünf Stunden waren wir bereits nach 4 Stunden in der größten Stadt Ecuadors. Unterhalten wurden wir dabei über das Bordkino mit einem action-geladen Film mit…. nein.. diesmal waren‘s Jackie Chan & Johnny Knoxville.

Fortzsetzung folgt…

Mirko