RATZEKAHL – HAARE AB!

RATZEKAHL – HAARE AB!
(Eigenproduktion)

Es ist noch gar nicht so lange her, da hab ich eine CD-R von einem gewissen GRANDMASTER J besprochen, der als One-Man-Oi!-Band seine musikalischen Ergüsse in Kleinstauflage verbreitet hat. Genau um diesen handelt es sich auch hier. Im Beileger der erneut auf lediglich 50 Exemplare limitierten Auflage des neuen Outputs, wieder in einer opulenten DVD-Hülle verpackt, werden dann auch gleich die Gründe für die Umbenennung bekannt gegeben. Musikalisch hat sich ungeachtet dessen nicht viel verändert.

Zu hören gibt es einfach gestrickten Oi!-Punk mit dem ein oder anderen off-Beat (oder wie das heißt). Alles solide gespielt, ordentlich produziert und auch ziemlich eingängig. Nichts besonderes, aber bodenständig und gut hörbar. Da gibt‘s eigentlich nicht viel zu meckern. Textlich gesehen ist das lyrische Niveau im Vergleich zum Vorgänger zwar etwas gestiegen, allerdings bewegt sich der Musikus immer noch in klischeebehafteten Gefilden und hat auch stets ein paar Plattitüden am Start. Vornehmlich geht es um die üblichen Themen Sex, Drugs and Rock‘n‘Roll, Freundschaft, Zusammenhalt, Schlägereien und natürlich die Working Class, für die RATZEKAHL mit breiter Brust einsteht. Gut, wer für wenig Lohn hart arbeiten will,  um sich am Wochenende gefrustet die Rübe weg zu ballern, der soll das machen. Ratze ist damit offensichtlich zufrieden. Der Song „Von einem anderen Stern“, in dem Rebellion gegen den Status Quo propagiert wird, steht dem allerdings diskrepant gegenüber. Irgendwie passt das nicht ganz zusammen. Egal… Party…..! Die Texte besitzen meist auch immer noch auch einen latenten Hang zum Machismus & Männlichkeitswahn. Insofern kann ich mit den Reimen von RATZEKAHL nicht immer konform gehen.

Auch wenn die musikalische Darbietung ganz gut rein läuft, können mich die Songs nicht wirklich vom Hocker reißen, was vor allem an den Texten liegt, die offensichtlich wirklich ernst gemeint sind. RATZEKAHL vertritt diese kleine Welt, in der er lebt und sich sicherlich auch wohl fühlt, allerdings mit vollem Einsatz und viel Herzblut. Mir ist das alles mittlerweile aber einfach zu stupide. Mirko