RESIST TO EXIST FESTIVAL (04.-06.08.17 / Kremmen bei Berlin)

RESIST TO EXIST FESTIVAL vom 4. – 6. August 2017 in Kremmen bei Berlin

Die Vorfreude auf das Festival war schon Wochen vorher groß, nein, Monate vorher, wenn nicht schon immer da gewesen, die Vorfreude fing quasi schon an, als das Resist To Exist vom letzten Jahr endete. Dementsprechend war die Enttäuschung groß, als ALARMSIGNAL und somit auch VSK absagen mussten. Menno! Hinzu kam, dass die angekündigten WOLF DOWN sich selber ausgeladen haben, weil sie sich kurz vor dem Festival aufgelöst hatten, was aber weitaus weniger tragisch war – sowas hat auf so einem Festival wirklich nichts zu suchen. Nach diesen kurzfristigen Absagen sah das Line Up letzten Endes so aus:

Grimnex, Missstand, 100 Blumen, Call The Cops, Bums, Dödelhaie, Swiss & Die Andern, One Step Ahead, Berliner Weisse, Buster Shuffle, Knochenfabrik, Tomas Tulpe, PIY Punkrock Karaoke, Skate Chords, F*cking Angry, S.U.F.F., Auf Bewährung, FCKR, Der Schwarze Kanal, Enraged Minority, Wisecräcker, Die Bullen, Popperklopper, Siberian Meat Grinder, Rawside, What We Feel, Toxoplasma, Arrow Minds, Antibastards, Bitter Verses, Ichsucht, The Detectors, Diva Kollektiv, Skampida, Acidez, Tiefenrausch, ZSK.

Freitag:
Wir fuhren Bahn von Berlin aus. Am Bahnhof nach Kremmen sammelten sich Freitag gegen 16 Uhr schon ein paar Punks, die sich total zivilisiert verhielten. Vom Bahnhof in Kremmen aus erwartete uns noch ein ca. 2 km langer Fußmarsch zum Gelände. Das Angebot eines rauchenden, vielleicht nicht mehr nüchternen, bierbäuchigen Mannes, uns für 6 Euro dort hin zu fahren, lehnten wir dankend ab. Tolles Geschäftsmodell, was offensichtlich mehrere Einheimische gestartet hatten. Angekommen, hatten Missstand leider schon gespielt und die ersten Trunkenbolde begrüßten uns herzlich. Der Zeltaufbau erwies sich als schwieriger als gedacht, weil dieses heimtückische, hohe Kuh-Gras üblen Juckreiz an meinen Beinen auslöste. Ich entschied mich sogleich, einfach nur Bier zu trinken. Dödelhaie hatten ihren Auftritt vorgezogen, weshalb das die erste Band war, die ich sah. Man sah dem Publikum schon die gute Stimmung an, allerdings war noch gar nicht mal so viel los, was sich aber später bei Swiss Und Die Andern änderte. Aber erst fix noch das Interview mit den Jungs von Missstand durchgehen (gibt übrigens die neue Platte von denen zu gewinnen – schaut bald mal ins Interview rein, sobald es fertig ist!). Die sind dann gleich weiter zum Punkrock Holiday nach Slowenien gefahren – Neid!! Swiss & Co. traten in ihrer gewohnten “Macht euch alle nackt, wir sind eh alle gleich hässlich”-Manier auf und brachten das Publikum oben ohne so richtig in Fahrt, sowohl positiv, als auch negativ. Es hagelte Jubel und Erdbeeren zugleich. Ob der/die Erdbeer-Werfer/in das Angebot angenommen hat, Swiss die Erdbeeren backstage einfach persönlich zu überreichen, statt sie zu werfen? Es folgte eine kleine Rede zu den Vorfällen von Wolf Down und One Step Ahead brachten richtig gute, klare Ansagen gegen sexistische Kackscheiße und Swiss. Da tat sich in mir ein ungutes Gefühl auf – wird das heute noch eskalieren? Oder werden sie am Ende vielleicht zusammen Erdbeeren essen? Berliner Weisse habe ich gekonnt versäumt, Buster Shuffle hörten sich ganz ok an, so aus der Ferne, und Knochenfabrik haben ihre Intros nur zu 20% verkackt, war also insgesamt ein super Auftritt im Trainingsanzug. Tomas Tulpe im Aftershowzelt, das musste ich mir geben, dachte ich. Nachdem wir nach ewigem Suchen endlich den Eingang vom Zelt fanden, musste ich es ziemlich zügig wieder verlassen, aufgrund von einer Menge verrückt gewordener Punks, die zu schlechten Technobeats und Sprechgesang eskalierten. Na gut, dann zurück an die Bar. Dort gab es einen Zwischenfall: ein Kumpel hatte den Schluckauf des Todes, wir mussten ihn mit Bier und Wasser behandeln, ihm gut zureden und siehe da – irgendwann war er weg. Ob dieser Vorfall Freitag- oder Samstagabend war, weiß ich gar nicht mehr, das Festivalwochenende zähle ich als ein Ereignis und nicht als 3 Tage.

Samstag:
Die Nacht war angenehm, dank Oropax, trotzdem wurde ich von meinem Juckreiz an den Beinen wach, dank der Mückenstiche. Am nächsten Morgen machten wir uns nach dem Frühstück fest entschlossen auf dem Weg zur Edeka, ganz hinten im Dorf, weil Biernachschub. Wenn man nicht die ganze Zeit daran dachte, wie weit man es noch hatte, ging es eigentlich. Auf dem Weg kamen uns viele viele Menschen mit Einkaufswägen, Subwoofern, aber auch Kinderwägen und Rasenmähern entgegen. Der Kontrast zwischen Dorfalltag und Punkfestival war lustig anzusehen. Sogar eine Hochzeit fand im Dorf statt, während Punker im Hintergrund durch die Hochzeitsfotos schlichen. In der Edeka waren Krombacher, das billigste Dosenbier und Dosenravioli ausverkauft. Ach ja, und Anti-Mücken-Spray auch. Wir schafften es noch rechtzeitig um 13 Uhr zurück zu den Skate Chords, den Berliner Jungs. Ein bisschen Gegröhle von PIY haben wir auch noch mitbekommen. Leider hat es in der Zwischenzeit angefangen zu regnen, wodurch nur wenig Leute vor der Bühne standen. Unserem Schluckauf-Freund ging es auch wieder gut, der stand auch schon wieder da. Die Skate Chords lieferten trotzdem ihre gewohnte Show ab, sprangen auf- und ineinander, rutschten auf dem Bühnen-Boden herum wie die Irren. Einfach super. Als erste Band trotz der Umstände gute Laune gemacht. F*cking Angry waren die nächsten. Die Band hat mich echt vom Hocker gehauen! Und die Sängerin fands auch viel angenehmer, immer mal von der Bühne runter zu kommen und sich auf eine Ebene mit dem Publikum, besser gesagt der Fanbase, zu begeben. Sehr sympathische Menschen. Ganz zu schweigen vom stimmlichen Röhrengesang, der mir persönlich eh gut gefiel. Dort fiel dann auch der Spruch: “Es heißt antifaschistische Aktion, nicht antifaschistisches Plenum.” Super! Ich habe mir dann Zeit genommen, noch etwas zu essen. Gibt zwar Leute, deren Blut besteht aus Bier und Bier ist wie Tanken, ist aber bei mir nicht so. Habe mir Tacos und einen Burrito vom Happy Rhino geholt und bin fast gestorben, so lecker war das! Wer also mal in Berlin ist, der Wagen steht da glaube ich irgendwo, echt eine Empfehlung! Die nächsten Bands habe ich leider alle nicht wirklich gesehen, habe nur mitbekommen, dass bei FCKR ein aufgeblasener Riesenphallus am Start war. Währenddessen regnete es immer noch und ich beobachtete fortlaufend, wie der Trecker Wagen für Wagen durch den Schlamm zog. Selbst den Dixiklo-Wagen. Selber war ich auch nass bis auf die Knochen und warm war das auch nicht gerade. Ich entschloss kurzerhand, mir einen Müllsack überzuwerfen. Nützt ja alles nichts. Eine Freundin erzählte mir, sie habe in der letzten Woche beim Aufbau ca 80 Mückenstiche geerntet. Na dann, Prost. Durchgenässt hatte ich noch ein recht angenehmes Interview mit Simon, Justin und Henne von Rawside. Bei den Bullen war ich wieder mal vorne im Publikum und ich muss sagen, die fand ich richtig gut. Komischerweise fiel mir das erst dort auf, obwohl ich sie bestimmt schon das dritte Mal gesehen habe. Wie der Sänger manchmal ganz hämisch die im Schlamm kämpfenden Punks beschimpfte, in seiner Polizei-Uniform und seinem Schnauzer, hihi. Musikalisch flott, druckvoll und hörenswert. Popperklopper um 20 Uhr fand ich so semi, ist doof, wenn man kaum Songs kennt, aber war ja auch deren Record Release Show. Generell mag ich Popperklopper aber echt ganz gern. Die Leute haben sich kein Stück von dem Regen und Matsch beeindrucken lassen. Hatte mittlerweile auch schon wieder aufgehört zu regnen, endlich. Nun roch es aber penetrant nach einer Mischung aus Erde, Alkohol und Dung und das Gelände war ein einziges Schlacht-, äh Schlammfeld. Wenn man sich nicht oft genug bewegte, wurde man quasi Teil des Schlamms und sackte immer weiter ein. Da half nur tanzen. Siberian Meat Grinder sind eh immer ein Brett, von Jahr zu Jahr und Rawside hat mich mit deren Show auch endlich überzeugt. Fand die ja beim Back To Future Festival persönlich leider etwas lahm und umso mehr freute ich mich, dass sie auf dem Resist echt hammerhart ablieferten. Da man zwischendurch auch immer genug trinken sollte, sah ich mir für den Abschluss noch Toxoplasma an. Das war auch eine, sagen wir, konsequent durchgezogene super Show. Manche Bands würd ich mir aber persönlich lieber in kleineren Schuppen ansehen wollen. Meine Aftershowparty verlief nicht im Partyzelt, sondern wieder an der Bar, wo man sich mit Freunden und Bekannten gut unterhielt und auch ab und zu mal den totalen Lachflash aus Gründen hatte.

Sonntag:
Der nächste Morgen, schon nicht mehr leicht, sondern ganz schön zerstört, fing an mit einer Ladung Autan Anti-Mückenspray, Tee, Kaffee und dem super leckeren selbst gemachten Aufstrich aus der Resist-Orga-Küche. Irgendwas veganes mit Karotten und Tomaten, hammer. Da wir echt früh wach waren und die Sonne zum Glück wieder auf uns herab prallte, begaben wir uns um ca. 12 Uhr auf einen Spaziergang über den Campingplatz. Dort trafen wir auf einen alten Bekannten, der uns sogleich völlig trocken mitteilte, dass ein Kumpel heute Nacht Vater geworden sei. Hier. Auf dem Resist. Ok. Da wir es nicht glauben konnten, sahen wir uns den Tatort an und tatsächlich: wir fanden ein aufgeschlitztes Zelt vor. Warum ist Mutter Natur manchmal so ein Arschloch und lässt uns Frauen keinerlei Anzeichen verspüren, schwanger zu sein?! Dieses Phänomen gibt es leider, also nix hier mit Haten und “Wie geht das und wie konnte sie…?!”. Dem Jungen (Paul) geht es gut, er wurde zwar sofort vom Gelände geschmissen, weil er kein Festivalbändchen hatte, aber für sein kommendes Leben hat er freien Eintritt beim Resist. Auf den Schock erst einmal Bier. Und dann kam auch gleich der Feuerwehrwagen um die Ecke und spritzte wahllos mit seiner Wasserkanone durch die Gegend. Viele versuchten den Wagen durch das Werfen von Müll zu bändigen oder auf ihn drauf zu klettern und ihn zu erobern. Was für ein Anblick. Nicht zu vergessen die riesige Wasserbomben-Schleuder-Schlacht, die die Müllschlacht ja quasi einleitete. Es flog Müll, es flog Bier, es flog der ganze Müllcontainer, es flog wirklich alles. Das war pures Entertainment. Auf das erst einmal einen Burger. Endlich fing die erste Band an. Mit Burger im Mund lauschte ich den gekonnten Ansagen vom Sänger von Arrow Minds, auch eine der Gewinnerbands vom Battle To Resist. Und auch sonst fand ich, dass die Jungs einen talentierten Melodic-Hardcore-Mix ablieferten. Es folgten die Antibastards, für die der Happy-Rhino-Koch mal kurz seine Schürze ablegte, kurz auf der Bühne als Sänger performte und dann wieder ran an den (veganen) Speck musste. Bitter Verses um 15:45 Uhr haben mich nach dem ersten Ton der Sängerin überzeugt. Eine solche Präsenz wie diese Band sie auf der Bühne hat, hab ich selten erlebt. Die werde ich mir auch mal zu Hause reinziehen. Auf Ichsucht habe ich mich schon die ganze Zeit gefreut. Die liebe Anni hatte ich schon vorher an einem Stand getroffen. Ich finde, es ist umso schöner, sich eine Band anzusehen, wenn man die Band oder auch nur jemanden von der Band persönlich kennt. Da hängt dann viel mehr das Herz dran. Gut, mal abgesehen davon, dass Ichsucht leider selten spielen und somit die Ansagen nicht der Burner waren, kann das eine Band auch sympathischer machen. Ich bin einfach immer wieder aufs Neue geflasht von Stimmwunder Anni. Unter meinerseits vielen bekannten Songs waren auch ein paar neue, echt gute Songs dabei. Ich bin sehr gespannt, was da noch so kommt. The Detectors fand ich danach etwas anstrengend. Für Leute mit einem feinem musikalischen Gehör ist das bestimmt was, aber Geschmäcker sind ja bekanntlich zum Glück auch unterschiedlich. Vielleicht war ich in meinem Zustand aber auch einfach nicht mehr in der Lage, musikalische Vielfalt zu genießen. Trotzdem eine Band mit super Ansagen und Einstellung! Das Diva Kollektiv rotzte einen Kracher nach dem anderen heraus und das Publikum war voll motiviert. Die alten Herrschaften neben mir, die nur noch zitternd ein kurzes Video von den Görls zustande brachten, waren bestimmt auch begeistert. Leider war es Safis letzter Auftritt, die Gitarristin hat aber mit diesem Gig bestimmt einen guten letzten Gig in Erinnerung, schade eigentlich, dass sie nicht mehr dabei ist. Nach dieser geballten Frauenpower auf den Bühnen erst einmal Bier! Obwohl ich nicht vorne vor den Bühnen war, habe ich doch mitbekommen, dass die Stimmung einfach so krass gut war und die nächsten Bands alle super abgeliefert haben, die Sonne hat gelacht, einfach herrlich. Ich war dann tatsächlich erst wieder bei ZSK vor der Bühne, den krönenden Abschluss darf man ja nicht verpassen. Da Gismo und ich ja auch den Aftermovie für das Resist machen, mussten wir unbedingt abklären, wann die Konfetti-Kanonen und Bengalos alle gezündet werden sollten. Gefühlt nur im Stress, weil die Akkus der Kameras sogut wie leer waren und dem ständigen Beobachten der Pyro-Show, haben wir das ganze Spektakel letzten Endes dann doch noch auf Kamera bekommen, mit Feuerwerk und viel Bling-Bling-Glitzer-Peng-Peng. ZSK haben gefühlte 125 Jumps auf der Bühne hingelegt und die Stimmung war gut. Alles in allem eigentlich eine super Band für einen gelungenen Abschluss. Da ich aber keine Lust auf Ende – Alles vorbei hatte, gingen wir noch einmal in das Partyzelt zur Aftershowparty. Nach ein paar Minuten Eingewöhnung tanzten wir dann tatsächlich zu Eiffel 65 “Blue (Da Be Dee)” und “Hot in here” von so einem Rapper. Das war anfangs echt super lustig, weil das ganze Zelt voller betrunkener Punks dazu völlig eskalierte. Nur fing der DJ dann so langsam an zu richtiger Discomukke überzuleiten. Aktuelle Radio-Disse-Songs, die man halt teilweise echt nicht kennt, das macht dann eher weniger Spaß. Als wir es nicht mehr aushielten, begaben wir uns schließlich doch so langsam in Richtung Bett.

Irgendwann muss auch mal das schönste Festival ein Ende haben, es ist so traurig, aber wahr. Ich habe jetzt schon so große Sehnsucht und Vorfreude auf das nächste Resist To Exist! Das Resist 2017 war wiedermal ein riesiges “Familientreffen”, bei dem man zig alte, bekannte und neue Freunde traf und einfach mal drei Tage nur Spaß hatte. Eine super entspannte Atmosphäre, vor allem auch dank Thommäs und dem tollen Team, was dahintersteckt und das Jahr für Jahr auf die Beine stellt – danke euch für das alles und bis demnächst!