RESIST TO EXIST (2017)

Am ersten August Wochenende ist es wieder soweit. Große Punkerhorden machen sich auf den Weg zum Resist To Exist Festival. Insgesamt zum 14ten Mal und zum zweiten Mal Richtung neues Gelände in Kremmen. Wenn Deutschlands größtes DIY-Open Air Festival für Punkrock und artverwandte Musikrichtungen ruft, dann folgt der bunte Mob diesem Ruf und lässt sich 3 Tage lang von 2 Open Air Bühnen beschallen und genießt nebenbei die Zeit mit netten Menschen auf dem Gelände, welches mit Festivalkino, Infoständen, Trink- und Fressständen so viele Möglichkeiten für ein unvergessliches Festival-Wochenende bietet. Deshalb mal auf ein Wort mit Thommäs und Nick, welche 2 von ungefähr 20 Orga-Menschen sind, die Jahr für Jahr viel Zeit und Kraft in dieses sympathische Nonprofit-Fest investieren.

Ugly Punk: Moin in die Runde. Wie ist die Stimmung aktuell? Noch alles entspannt oder hat die erste Stufe der stressigen Phase längst begonnen?
Nick:
Bei uns im Booking ist soweit alles entspannt, aber bei dem Rest ist noch einiges los.
Thommäs:
Ich glaube bei Festivals gibt es keine ernsthaft entspannten Phasen. Irgendwas steht immer auf der To Do-Liste. Mal beim einen, mal beim anderen. Im Allgemeinen ist die Situation mit einem (endlich mal) festen Gelände aber deutlich entspannter als in den Vorjahren, in denen wir zum aktuellen Zeitpunkt regelmäßig nach neuen Locations Ausschau halten mussten.

Ugly Punk: Das neue Gelände wurde ja überwiegend sehr gut aufgenommen. Welches Fazit könnt ihr diesbezüglich nach dem ersten Jahr ziehen? Wo liegen die Vorteile beim neuen Gelände? Wo die Nachteile?
Thommäs:
Das neue Gelände ist ein absoluter Traum: wahnsinnig viel Platz, deutlich entspanntere Behörden, die Akzeptanz seitens der Kremmener Anwohner ist überwältigend und vor allem scheint es auf die nächsten Jahre safe zu bleiben. Es scheint als wären wir nach 14 Jahren endlich in punkto Location angekommen. Klar, der Vorteil mit der S-Bahn mal eben in 15 Minuten vom Festivalgelände in Berlins Zentrum zu fahren ist geschrumpft. Allerdings ist das neue Gelände noch immer innerhalb des C-Bereichs des Berliner Fahrkartensystems. Also trotz Umzug in 2016 noch immer keine Weltreise. Wenn die Dinge gut Laufen, wird es in 2017 ein Shuttle mit direktem Anschluss an die Berliner S-Bahn geben. Wie immer reflektieren wir uns in jedem Jahr selbst und versuchen das Festival stetig ein Stückchen zu verbessern.

Ugly Punk: Haben sich nach dem letzten Jahr irgendwelche Dinge offenbart, die man noch besser oder sagen wir “anders“ machen könnte? Oder haben sich diverse Abläufe und Begebenheiten schon so gefestigt oder bewährt, dass sie unumstößlich sind? Wie flexibel seid ihr bei möglichen Veränderungen oder bei den ganzen verschiedenen Wünschen, die z.B. durch die Besucher_Innen an euch herangetragen werden?
Thommäs:
Wie gerade angesprochen wäre ein Shuttle eine super Optimierung. Das Bühnengelände war in 2016 deutlich überproportioniert. Das haben wir bereits überarbeitet und werden es 2017 entsprechend anpassen. Auch in Punkto Bierversorgung klären wir aktuell die Möglichkeiten einer weiteren Verbesserung. Der Doppeltresen als Treffpunkt zwischen Bands und Publikum war ja letztes Jahr schon ein absoluter Volltreffer. Unumstößlich sind unsere Strukturen grundsätzlich nicht. Wenn es Ideen zur positiven Änderung gibt, werden sie auch ernst genommen und versucht umzusetzen. Da wir DIY sind, beziehen wir unser Publikum auch immer wieder aktiv in die Gestaltung des Festivals ein. Das ist wahrscheinlich auch der Grund, weshalb das RESIST TO EXIST FESTIVAL für so viele Besucher seit Jahren zu ihren Lieblingsfestivals gehört.

Ugly Punk: Viele von uns kennen das aus dem Plenum ihres örtlichen Juzi´s. 10 Leute (mal als Beispiel), 10 verschiedene Meinungen und die müßige Diskussion, in der man irgendwie auf einen ungefähren Nenner kommen muss. Läuft das bei euch manchmal ähnlich ab? Habt ihr vielleicht sogar diverse Orga-Bereiche in kleine Gruppen aufgeteilt? Und wieviel Menschen stecken überhaupt im Resist To Exist Orga Team?
Thommäs:
Haha, Volltreffer! In den Anfangsjahren lief das tatsächlich recht unstrukturiert ab. Jeder brachte seine Meinung in jeden erdenklichen Bereich ein. Das ist von dann zu wann allerdings manchmal auch unproduktiv, weil es einige Dinge sinnlos lähmen und verlangsamen kann. Wir haben daher in den Jahren stetig an unserer internen Struktur gefeilt. Es gibt inzwischen für jedes Gewerk eine eigene Gruppe. Es gibt inzwischen auch zwei unterschiedliche Plena-Arten. Ein großes Plenum und eine kleinere Kneipenrunde. Keines davon ist in sich abgeschlossen. Alles weiterhin offen für jedermann. Dadurch sind wir handlungsfähiger geworden und stehen uns weniger selbst im Weg, wie es beispielsweise früher manches Mal war. In der Kern-Orga sind im Schnitt 20 Leute. Während des Festivals sind wir inzwischen eine Crew von knapp 400 Ehrenamtlichen. Eine kleine Familie, die die Begeisterung für das Fest auch an die Besucher zu tragen weiß – genau dafür Lieben uns die Besucher auch: wir sind und bleiben auf Augenhöhe mit unserem Publikum.

Ugly Punk: Bei so vielen Besuchern und so vielen Bands kann man es natürlich nicht immer jedem recht machen. Dank Facebook kann es auch schon mal vorkommen, dass es wegen – sagen wir mal Resist-untypischer Musikgruppen, vielleicht auch mal zu negativen Kommentaren aus den Besucherkreisen kommt. Inwieweit setzt ihr euch mit vorgebrachter Kritik auseinander? Oder würdet ihr sagen, dass ihr in dem Punkt selbst eure größten Kritiker seid und vor Buchung schon mögliche Kritikpunkte selbst geklärt und/oder ausgeräumt habt?
Thommäs:
Wir sind da durchaus sehr engagiert und wägen intensiv ab welche Acts wir als angebracht ansehen und welche nicht. Grenzen definiert bekanntlich jeder individuell für sich selbst. In Bezug auf das musikalische Genre lieben wir Punkrock, Hardcore und SKA zwar über alles, denken aber, dass es in einer offenen Weltanschauung falsch wäre sich bewusst zu limitieren. Wenn ein Act wie Moscow Death Brigade Hardcore-Rap auf die Bretter bringt, der eine für uns wichtige Gesellschaftskritik bedient, wäre es absolut kontraproduktiv darauf zu verzichten. Als alternative Szenen ist ein Zusammenhalt wichtiger als ein Herumgereite auf Standards oder festen Grenzen. Nur Offenheit kann diese Welt eines Besseren belehren. Wenn uns also Acts aus anderen Genres überzeugen, buchen wir Sie auch auf das Festival. Der Kern wird dabei aber immer bei Punkrock, Hardcore und SKA bleiben. Ein wenig Würze drum herum kann aber gewiss nicht schaden ; -)
Nick:
Wir gucken schon von Anfang an ob die Bands zu uns passen. Sicherlich gibt es immer einige Leute, die gewisse Bands nicht leiden können und schreien warum weshalb diese Band… Wir setzen uns immer mit diesen Themen auseinander und diskutieren auch über Bands (wenn da ein Vorwurf sein sollte) und mit den Bands darüber und bis jetzt sind wir immer alle auf ein Nenner gekommen (was Veranstalter und Bands angeht). Wir können es ja leider auch nicht allen recht machen.

Ugly Punk: Von Besuchern hört man oft, dass sie u.a. die familiäre Atmosphäre des Festivals schätzen. Als Außenstehender oder Mensch, der das Resist noch nicht besucht hat, kann man jetzt natürlich fragen, wie das bei ein paar Tausend Besucher_Innen denn möglich sein soll – aber als Besucher kommt mir das tatsächlich wie eine große Familienfeier oder ein großes Klassentreffen vor. Es gibt z.B. Menschen, die ich nur einmal im Jahr und dann beim Resist sehe. Oder welche, die seit meinem ersten Resist als Mitarbeiter_In mit dabei sind. Für mich ist das immer schön und irgendwie unglaublich zugleich. Gibt’s ein Geheimrezept dafür oder passiert das einfach? Wie ist es möglich so viele Menschen auf einem Haufen zu vereinen und dann noch diese krasse Familien-Atmosphäre (mir fällt gerade kein anderes Wort dafür ein) zu haben?
Thommäs:
Woran das liegt können wir auch nur spekulieren. Ein wichtiger Punkt ist aber sicherlich, dass alle dort Arbeitenden dabei sind, weil sie Bock und Laune darauf haben. Bei vielen Festivals ist beispielsweise die Security extern eingekauft. Da stehen dann mit Pech Leute, obwohl sie es gar nicht wollen. Mit übellauniger Fresse und mit Pech auch hohem Aggro-Potential. Oder aber Macker, die sich etwas auf ihre kurzfristige Machtposition einbilden und die Besucher deswegen wie Scheiße behandeln. Von solchen Situationen können wir sicher alle ein Liedchen trällern. Jemand, der allerdings an genau der Position steht auf die er auch Lust hat, wird dich hingegen meist immer mit einem Lächeln empfangen. Dadurch entspannt sich vieles und die Stimmung geht nach oben. Der DIY-Ansatz hat halt immer den Vorteil auf Augenhöhe zu bleiben und die Besucher dadurch ernst zu nehmen. Die meisten von uns sitzen am Abend zudem meist mit den Gästen zusammen und feiern mit ihnen gemeinsam statt im Backstage ein eigenes Süppchen zu kochen. Ganz davon ab haben nach 14 Jahren Festival so unendliche viele Leute beim Fest mitgearbeitet, dass sie sich auch als normale Besucher aktiv zum Event dazugehörig fühlen. In 14 Jahren haben wir unsere Veranstaltung immer im Sinne der Besucher auf Plus-Minus-Null kalkuliert. Oft mit einem kleineren oder größeren Minus am Ende. Im einzigen Jahr, in dem das Fest tatsächlich Gewinn abwarf, haben wir den Großteil davon wieder zurück in die Szene gespendet und damit Hausprojekte, räumungsbedrohte Klubs und gesellschaftskritische Projekte unterstützt. All das schafft eine Atmosphäre, die das Fest nicht nur besuchbar, sondern auch greifbar und fühlbar macht. Wahrscheinlich ist genau das der magische Schlüssel für das familiäre Feeling des RESIST TO EXIST FESTIVALS.

Ugly Punk: Spezielle Ansprüche, die ihr selbst ans Festival habt? Oder spezielle Wünsche an die Besucher_Innen oder ans Wetter?
Thommäs:
Keine Aggro-Spinner, keine Grauzonen-Pisser, keine Sexisten-Macker. Kurzum eine entspannte Atmosphäre und gute Laune an jeder Ecke. Bezüglich Wetter darf es gern der perfekte Sommer werden, denn wir haben mit dem neuen Gelände nun auch einen kostenfreien Badesee vor der Tür. Eventuell ist auch unser Soli-Pool wieder am Start. Hauptsache kein Unwetter! Worüber wir uns mehr als freuen würden, wäre ein noch im Vorfeld ausverkauftes Event, denn das würde das kommende Jahr – und damit unser 15jähriges Jubiläum – deutlich sicherer und greifbarer gestalten.
Nick:
Immer schön miteinander feiern und ne´ schöne Party machen… Sommer, Sonne und ne´ geile Party!