KÖRPERWELTEN + PRODUZENTEN DER FROIDE, MINIPAX & ROIDIGE HUNDE (Stuttgart, Kellerklub – 08.04.2017)

Ein Samstag in Stuttgart mit…

KÖRPERWELTEN
…so wie PRODUZENTEN DER FROIDE, MINIPAX & ROIDIGE HUNDE

Stuttgart, Kellerklub (08.04.2017)

Ein ereignisreicher Tag. Nachdem ich kurz nach dem Aufstehen erfahren habe, dass Waseem, mein potentieller neuer Mitbewohner aus Damaskus vom Jobcenter alles genehmigt bekommen hat, begab ich mich frohen Mutes zur Hanns-Martin-Slayer-Halle. Ich bin auf jeden Fall gespannt darauf, mit Waseem zusammen zu wohnen, auch wenn er lediglich ein paar Brocken deutsch spricht, ansonsten aber nur arabisch. Ich glaube, wir können da eine ganze Menge voneinander lernen. Ich freue mich jedenfalls darauf, mit ihm zusammen zu wohnen.

An der Slayer-Halle angekommen traf ich mich mit meinem Kumpel Uli, um die aktuelle „Körperwelten“-Ausstellung zu besuchen. Wirklich interessant, ganz ohne Scheiß! Ganz egal was man von Gunther von Hagens halten will. Die Ausstellung war wirklich super arrangiert und mit aufschlussreichen Texttafeln versehen, die einem die jeweiligen Körperteile und -funktionalitäten auf verständliche Art vermitteln. Erfreulicher Weise wird das meiste auch auf wenig reißerische Art präsentiert, womit der aufklärerische Aspekt in den Vordergrund gerückt wird. Auch wenn ich die Ausstellung absolut empfehlen kann, sind 19 € für den Eintritt dann doch etwas viel. Wer sich‘s leisten kann und an ungewöhnlichen Einblicken in den menschlichen Körper interessiert ist, wird aber sicherlich nicht enttäuscht. Zum Ende der Ausstellung gab es dann noch etwas Aufruhr, als Uli sich als einziger, vielleicht auch etwas übermotiviert, aktiv über ein (seit 30 Minuten ununterbrochen) schreiendes Baby echauffiert hat und deshalb von der Security zum Ausgang gebeten wurde. Nun gut, Uli hat sich dabei mit seinem Ton gegenüber der Mutter und ihrem Begleiter sicher nicht beliebt gemacht, andererseits waren viele der Besucher auf seiner Seite. Denn die düstere Beleuchtung und die Darstellungen haben dem Kleinen ganz offensichtlich ziemliche Angst gemacht, was die Mutter allerdings nicht begreifen wollte. Unschönes Ende einer faszinierenden Ausstellung.

Danach sind wir noch zum Bahnhof in Bad Cannstatt und haben uns am türkischen Imbiss noch so richtig vollgefressen. Da war mal echt viel auf‘m Teller, den wir bei tollem Sonnenschein an den Tischen vor dem Laden genossen haben! Haben aber leider beide nicht alles geschafft. Bei der Kippe danach kam dann eine Bettlerin an, die uns nach Geld für Essen gefragt hat. Geld hatten wir ja aber verfressen, also haben wir ihr das restliche Zeug auf unsren Tellern mitgegeben und noch das Fladenbrot was übrig war. Da hat‘s plötzlich an der Scheibe des Imbisses geklopft und uns wurde vermittelt, der Bettlerin nichts zu geben. War uns aber egal. Fünf Minuten später kam dann die Wirtin heraus – mit folgenden Kommentar zu uns: „Gebt denen doch nix, solche Menschen machen Deutschland kaputt!“. Kein Wunder hat der Laden in der Google-Bewertung bei nur 1,5 Punkten von 5. Hätten wir das vorher gewusst. Aber essen fanden wir doch gut. Etwas verstört ob dieser Meinungsaufnahme, haben sich dann unsere Wege getrennt und ich bin nach Hause gefahren, mir auf dem Weg noch ein leckeres Eis gegönnt, nur um dann einen 3-stündigen Mittagsschlaf zu absolvieren. Luxus pur!

Am Abend wollte ich dann aber unbedingt zum Kellerklub. Hatte mir fest vorgenommen, die PRODUZENTEN DER FROIDE endlich mal Live zu sehen. Seitdem sich unsere musikalischen Wege im Jahr 2007 getrennt haben, habe ich PdF nie wieder live gesehen.

Pünktlich um 19:30 begannen dann aber auch schon die ROIDIGEN HUNDE. Manch einer, so auch sie selbst, nennt sie ihrer Herkunft wegen auch gerne Nürtinger Hurensöhne. Denn leider war nach dem Konzert im Kellerklub noch eine Veranstaltung. Aber für alte Menschen gerade richtig, da ist man noch vor 0:00 Uhr wieder daheim auf dem Sofa. Nun gut, die Hunde legten dann auch sofort los. Und zwar mit astreinem Oi-Punk, der gut nach vorne abgeht. Ab und an gespickt mit ein wenig SKA und auch knackigem Rock. Die Band besitzt eine klare antifaschistische Einstellung, die auch in den Texten deutlich zum Ausdruck kommt und auch live relativ gut zu verstehen waren. Der Sound war überhaupt absolut Top, muss man sagen. Trotz der frühen Uhrzeit und des guten Wetters versammelten sich doch schon einige Anwesende vor der Bühne, wo es im Laufe des Auftritts auch immer voller wurde. Der ein oder andere ließ sogar das Pogobein schwingen. Nach einem wirklich guten Auftritt verabschiedeten sich die ROIDIGEN HUNDE natürlich mit ihrem Hit „Nürtinger…“ ihr wisst schon. Hat mir wirklich gefallen, was die Jungs da geboten haben und auch die Stimmung unter dem bereits vorhandenen Publikum war bestens.

Nach einer Kippe an der frischen Luft bin ich mal zur Theke und ich dachte ich Fall vom Stuhl! Wollen die doch 4 € für ein großes (0,5l) Bier. Was für ein Wucher. Hab mir trotzdem eins gekauft und bei kleineren Gesprächen auf MINIPAX gewartet, die dann auch pünktlich um 20:32 begannen. Hatte noch nie was von denen gehört. Die Band stammt aus Bayern und Österreich und Mitglieder haben schon in diversen Punkrock-Kapellen gespielt. Fett tätowiert waren sie schon mal, bis natürlich auf den langbärtigen Sänger (nur halbseitig bemalt), der sich etwas später noch durch einen unbedachten „Joke“ böse Blicke einfing. Das aber nur am Rande. Auch hier der Sound übrigens super. Geboten wurde melodiöser, schneller Punkrock, der sicher auch durch Skate- und HC-Punk beeinflusst wurde. Ging jedenfalls gut ab und nach anfänglicher Leere füllte sich der Raum vor der Bühne recht zügig wieder. Der bescheuerte, wohl etwas unbedachte Dealer-“Gag“ vertrieb dann allerdings ein paar Leute, bevor es im letzten Drittel dann doch wieder voll vor der Bühne wurde. Denn MINIPAX haben doch gut Gas gegeben und ihre politische Haltung im Weiteren auch durchaus klar positioniert. Bedenkenlos also das Prädikat: Überraschend gut.

Nun war ich aber auf die PRODUZENTEN gespannt, die mit Tobi von ROIDIGE HUNDE seit kurzem einen neuen zweiten Gitarristen beschäftigen. Natürlich war‘s vom ersten Ton an voll vor der Bühne. Auch hier der Sound recht gut, lediglich der Hauptgesang ging zu Beginn etwas unter. Ansonsten aber alles gut. Geboten wurden sämtliche Hits der letzten Scheiben, wobei sich ernsteres, politisches und ausgelassenes annähernd die Waage hielt. Eine gute Mischung muss ich sagen. Der Auftritt war schweißtreibend und energiegeladen und für mich wirklich erfreulich anzusehen, hab ich doch die ersten beiden Phasen der Band miterleben dürfen. Und ich muss ganz ehrlich sagen, dass was aus der Band um Ur-Produzent Karl geworden ist, finde ich klasse. Und das ist ernstzunehmender, energiereicher und undogmatischer AfA-Oi-Punk einer Band, die ihren Weg – mit einigen Umwegen – schlussendlich gefunden hat. Zudem finde ich, dass die PRODUZENTEN derzeit in ihrer wohl besten Besetzung unterwegs sind. Passt einfach richtig gut zusammen. Bevor ich jetzt aber in nostalgisch beeinflusste Lobhudelei abgleite…. war ein absolut solider Auftritt, aber ich traue der Band auch noch mehr zu. Kommt halt immer auf die Umstände an. Mich – und ich glaube, auch die meisten anderen – hat‘s aber ordentlich begeistert. Schade nur, dass eben um 22:30 Uhr Schluss sein musste. Danach wurde ziemlich schnell abgeräumt, damit auch die nächste Veranstaltung losgehen konnte. Deshalb war alles ein bisschen hektisch im Anschluss.

Nach einigen netten Gesprächen im Anschluss ging‘s dann endlich nach Hause, wo ich dann auch, fast wie vorausgesagt, kurz nach 12 ankam.  Eigentlich wollte ich ja dann auch gleich in‘s Bett, aber irgendwie hab ich mir halt dann doch noch die Fotos von dem Konzert angeschaut, die komischer Weise fast alle Scheiße geworden sind. Keine Ahnung warum?! Dann halt lieber noch drei Folgen einer beliebten Zombie-Soap bei getoastetem Toastbrot mit Belag. Leider beschränkte sich auch deshalb meine für den nächsten Tag geplante Fahrradtour auf das Anziehen der Radlerhose und das Aufpumpen des Rades. Aber das ist eine andere Geschichte.  Mirko

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