EIN PAAR TAGE IN MINSK

EIN PAAR TAGE IN MINSK

Zu den Osterfeiertagen wollte ich mal wieder weg. So für vier Tage in irgend `ne Stadt, in der ich noch nicht war. Meine Wahl fiel auf Minsk in Belarus, also Weißrussland. „Aber warum gerade das?“ wurde ich des öfteren gefragt, als ich meine Reisepläne kund tat. Da sogar Aserbaidschan und Kirgisien in den vergangenen Jahren mehr Touristen angelockt hatte, eine berechtigte Frage.

Eigentlich wollte ich ja viel lieber nach Bukarest, aber über Ostern waren die Flüge dorthin viel zu teuer. Dann las ich aber, dass gerade erst die Einreisebestimmungen nach Belarus für 80 Länder gelockert wurden. So kann man als u.a. deutscher Staatsbürger für 5 Tage visumfrei einreisen. Vorausgesetzt, man reist über den Internationalen Flughafen Minsk ein und aus und kann eine für Belarus gültige Reisekrankenversicherung vorweisen. Also schnell etwas recherchiert und auch gleich einen billigen Flug über Wien gefunden. Obwohl ja in Belarus seit 20 Jahren ein Präsidialsystem – so wie es die Türkei demnächst eines bekommt – durch Quasi-Diktator Aljaksandr Lukaschenka gelenkt wird, ist es im restlichen Europa dennoch recht ruhig, ganz im Gegensatz zur Entsetzenswelle vor und nach Erdogans Abstimmung über seine  Ermächtigung. Allerdings agiert der türkische Staatspräsident eher provokativ, während sich sein belarusischer Amtskollege eher in Zurückhaltung übt. Daher weiß man auch nicht viel über das Land, die Menschen dort und wie es wirklich hinter diesem Vorhang aussieht in dem Lukaschenka als heimlicher Despot die Strippen zieht. Zur Zeit ist dies übrigens auch das einzige europäische Land, das noch die Todesstrafe vollstreckt. Wie mag es wohl aussehen, dort wo alles verschwiegen ist?

1. Die Ankunft

Ich hatte mich ja schon auf einen etwas besonderen Trip eingestellt, aber als dann gut zwei Wochen vor Abflug Berichte über Demonstrationen und deren gewaltsame Auflösung zu lesen und zu sehen waren, wurde ich schon ein wenig nervös. Trotzdem hab ich dann meinen Rucksack gepackt und bin morgens um 5 Uhr aus dem Haus und Richtung Flughafen marschiert. Um 13:30 Uhr Ortszeit war ich dann auch schon in Minsk und war gespannt auf die Einreisemodalitäten in dieser Sicherheitshochburg, wie ich es mir vorgestellt hatte. Und vor allem, ob meine Versicherungsbescheinigung, die ich von der Versicherung nur in deutscher Sprache erhalten hab, anerkannt wird. Aber dann war irgendwie alles total easy. Pass, Einreisekarte und die Bescheinigung vorgelegt, Stempel bekommen und unkontrolliert durch den Zoll. Am Bankomat konnte ich genauso easy zu einheimischer Währung gelangen und mich auf den Weg zum Flughafen-Bus zu machen. Für mich erstaunlich, dass kaum Sicherheitskräfte, Polizei oder Militär vor Ort war. Im Verhältnis zu anderen Flughäfen jedenfalls. Auch draußen war nicht viel los, nur der etwas kleine Transferbus war schon komplett voll.

Also habe ich mich ganz dekadent von einem motorisierten Droschkenkutscher für einen fast unverschämt niedrigen Betrag direkt vor meine Bleibe, das „Andrews Loft“,  chauffieren lassen. Dabei handelt sich um ein kleines Hostel in einem Appartementgebäude und ist eine umgebaute 4 Zimmer-Wohnung. Sehr gemütlich und für die 3 Nächte absolut tauglich. Der Hausflur und der Aufzug, der einen zur Wohnung im vierten Stock bringt, waren aber absolut verkommen und verrottet. Dennoch habe ich mich vertrauensvoll in den Lift gewagt und dabei an meinen Bruder denken müssen, der professioneller Aufzugprüfer ist. Natürlich wollte ich dann erst mal die Umgebung erkunden. Ganz in der Nähe ist die Metro und ein Supermarkt, sowie ein riesiges Kämpfer-Denkmal. Nicht weit davon entfernt befindet sich der Markt, auf dem es alles gibt, was man zum Überleben braucht. Die Preise gestalten sich im Bereich Ernährung wie hier zu Lande. Wenn man nun weiß, dass der gemeine Weißrusse einen Bruchteil dessen verdient, was hier als Armutsgrenze festgesetzt wird, ist dies natürlich schon überdenkenswert. Und das in vielerlei Hinsicht!

Auch hier war ich übrigens ob der überall angebrachten „fotografieren-verboten“-Zeichen noch etwas zurückhaltend und nur heimlich am Werk. Mit der Zeit habe ich aber bemerkt, dass es an so gut wie allen, auch offiziell verbotenen Orten möglich war, den ein oder anderen Schnappschuss zu machen. Hatte ich doch zuerst in wirklich jeder Ecke einen verdeckten Agenten des Regimes  und in jedem Winkel eine Überwachungskamera vermutet. War aber „Net anderschd also, als wie bei uns au!“, wie der Südwestdeutsche vielleicht sagen tät. Dennoch hatte ich immer eine (un-)gewisse Achtsamkeit im Hinterkopf, nach all dem was man so im Vorfeld eben gehört und gelesen hat.

Danach in der Metro allerdings das erste Herzklopfen, nachdem ich mir am Schalter Metro-Chips geholt hatte. Jede Metrofahrt kostet einen Chip (40ct.), egal wie viele Haltestellen man fährt. Allerdings gibt es bisher nur 2 Linien. Aber man kommt überall dort hin, wo man – als Tourist – hin will.  Daneben gibt es ein gut ausgebautes, mit zum Teil mehr als rustikalen Fahrzeugen ausgestattetes öffentliches, spottbilliges Verkehrsnetz. Jedenfalls wurde mir nach Kauf der Chips, die man dann an den Durchgängen einwirft, wo ein(e) Kontrolleur(in), die mangels Drehkreuzen den Einwurf oder das Auflegen der Chip-Card der Abo-Besitzer überwacht, etwas warm im Gesicht, da mich ein uniformierter Herr mit freundlicher aber bestimmender Stimme zu sich bat. Hinter einem Sichtschutz musste ich meinen Rucksack dann röntgen lassen. Wurde ob der attestierten Ungefährlichkeit meiner Habseligkeiten dann aber durchgewunken.

2. Minsk

Minsk hat knapp 2 Millionen Einwohner, von denen ich aber relativ wenig gesehen habe. Auf den riesigen Straßen und ebensolchen Gehwegen, aber auch in den weitläufigen Parks waren kaum Menschen zu sehen. Lediglich in der Metrostation, wo sich die beiden Linien kreuzen und im Hauptbahnhof war so etwas wie belebtes Treiben zu beobachten. Ansonsten war im öffentlichen Raum doch recht wenig von der Bevölkerung zu sehen. Zuerst begab ich mich zum Bahnhof und zwischen den beiden mächtigen Türmen am Eingang zum Stadtzentrum hindurch zum Platz des Friedens. Auf diesem riesigen Platz befindet sich neben diversen Universitäten und der in auffälligem rot gehaltenen Kirche des hl. Simon und der hl. Helena auch das Parlamentsgebäude. Auch hier keine Sicherheitskräfte weit und breit zu sehen,  so dass man sich ungestört und etwas verloren fühlend auf dem gigantischen Platz bewegen konnte. Weiter entlang der 8-spurigen Hauptstraße sieht man dutzende weitere Prachtbauten, die sowohl Läden als auch Hotels oder Cafes enthalten. Aber auch die Zentrale des KGB befindet sich hier, die lediglich mit ein paar Überwachungskameras ausgestattet ist, sonst aber keinen sichtbaren Wachschutz aufweist. Gleiches galt übrigens auch im großen und ganzen für das Parlament, den Präsidentenpalast und andere Partei- oder Regierungsgebäude.

Weiter ging es, vorbei am Palast der Republik mit seinem überdimensionalen, aber ebenfalls verwaisten Vorplatz und dem Kulturpalast in die historische Altstadt, die mit ein paar schmucken Kirchen besetzt ist. Hier traf ich dann auch endlich eine etwas größere Menschenmengen an und das das erste und einzige Mal während meines Aufenthaltes sah ich dort auch fröhliche und lachende Menschen. Denn hier spielten einige mittelalterlich gekleidete Musiker ein paar Lieder, bei denen die Zuschauer in die dazugehörigen Tänze mit eingebunden wurden, was für viel Applaus und freudige Gesichter sorgte. Leider war dies der einzige Ausbruch an Lebensfreude, der mir dort begegnet ist. Weiter ging‘s zur nahen Heilig Geist Kathedrale, wo sich ein paar Gläubige zum Osterfest mit Opferkuchen bereit gestellt hatten. Durch meine Vorabrecherche war ich darüber informiert worden, dass die hier vorwiegend orthodoxe Bevölkerung das Osterfest traditionsbewusst und ausgeprägt feiert. Dies konnte ich anhand der spärlichen Anwesenheit Gläubiger vor dieser und auch der anderen bisher gesehenen Gotteshäuser aber nicht so richtig nachvollziehen. Vielleicht ist das in ländlicheren Gegenden ja ausgeprägter als hier in der Großstadt. Obgleich hier doch die bedeutendsten kultischen Stätten des Landes zu finden sind.

Vom Vorplatz hat man einen großartiges Panorama über die „Upper Town“ mit vielen Hotels, Geschäftsgebäuden linkerseits, fast bedrohlich wirkenden Wohnbunkern rechterseits und die sich mittig, entlang von Parkanlagen und ebenfalls überdimensionierten und trostlos wirkenden Sporthallen schlängelnden Swislatsch. Folgt man dieser, kommt man direkt zum, wie sollte es anders sein, großzügig angelegten Victory Park. An dessen Eingang befindet sich neben einem   entsprechend auffälligen Eingangstor auch das „belarussische staatliche Museum für die Geschichte des großen vaterländischen Krieges“ – so steht‘s auf dem deutschsprachigen Beiheft. Das Museum wurde bereits, damals in noch anderen Räumlichkeiten, kurz nach der  Befreiung von Minsk, noch während des Krieges eröffnet und stetig ausgebaut. Seit einigen Jahren ist diese unglaublich große Sammlung an Kriegshinterlassenschaften im prunkvollen neuen Bau am Siegespark zu sehen. Und der Besuch lohnt sich wirklich. Die Ausstellung ist abwechslungsreich gestaltet und zeichnet sich durch verschiedene Präsentationsformen wie etwa aufwändige Dioramen, Szenendarstellungen, Filmpräsentationen und traditionelle Schaukästen aus; informativ ist Sie aber auch (alle Beschriftungen sind in englischer Sprache vorhanden). Hier könnte man durchaus den ganzen Tag verbringen. Denn darüber hinaus vermittelt die Ausstellung auch Emotionalität. Immerhin handelt es sich um eine doch recht patriotische ausgeprägte Darstellung, die viel Stolz aber auch Andenken an die „Helden des sowjetischen Volkes“ für sich proklamiert. So finden sich hier hunderte Fotos dieser Helden und Heldinnen, mit kurzen Beschreibungen und persönlichen Gegenständen der Person. Das kann einen schon gefangen nehmen, da es die Menschen im Krieges nicht als bloße Masse, Volksgruppe, Partei oder Armee darstellt, sondern nachvollziehbar personalisiert. Volksheldentum hin oder her.  Daneben kann man aber auch alle (un)möglichen Waffen und Kriegsutensilien die zum Einsatz kamen bestaunen. Auch das, was die russischen Partisanenverbände improvisiert hatten um sich sich den germanischen Invasoren entgegen stellen zu können. So liegt auch ein besonderer Blick auf diesen Zivilmilizen, Partisanen und  und ‚Flintenweibern‘, die in der Besatzungszeit den Nazis das fürchten gelehrt haben. Ein besonderes Gedenken wird auch dem Vernichtungslager Maly Trostinez geboten. Immerhin das viertgrößte, weil nicht auf dem Podest, aber mittlerweile kaum mehr bekannt. Im obersten Stockwerk unter einer gläsernen Kuppel befindet sich dann auch der eindrucksvolle Saal der Sieger, in dem auch die Namen von mehr als 2000 militärischen und zivilen Widerstandskämpfern in Marmor eingemeißelt sind. Auch wenn der bereits erwähnte Patriotismus, der aus jeder Ecke tropft, manchmal etwas überhand nimmt, ein auf jeden Fall sehenswertes Museum.

Nach diesem beeindruckenden historischen Overflow begab ich mich noch auf eine Runde in den Victory-Park. Wie fast alles hier in Minsk ist dieser relativ groß und auch sehr sauber. Wirklich Dreck sieht man hier kaum. Vielleicht mal einen weggeworfenen Kippenstummel, das war‘s aber auch schon. Aber sauber heißt ja nicht automatisch gepflegt. Und so merkt man meist erst auf den zweiten Blick, was hier so alles im argen liegt. Was den Park betrifft ist dieser allerdings wirklich schön. Aber auch hier sind kaum Menschen anzutreffen. Das ein oder andere flanierende Pärchen, ein paar Mütter mit Kinderwagen oder zielstrebig marschierende Pensionäre waren unterwegs, ansonsten habe ich mich aber zuweilen ziemlich allein in den Weiten der Anlage gefühlt. Am Ende des Parks befindet sich der sogenannte „Palast der Unabhängigeit“. Dabei handelt es sich um den hermetisch abgeriegelten, protzigen Präsidentenpalast des Despoten. Aber auch hier nur sehr wenige Sicherheitskräfte zu sehen und so konnte ich das Gebäude mit dem irreführenden Namen trotz strengem Fotografierverbot ablichten – auch wenn das wegen der hohen Zäune und der dortigen Kameraüberwachung nur von einer gewissen Entfernung aus möglich ist. Auch der Rückweg durch den Park war von Einsamkeit geprägt und die große Spiel- und Freizeitwiese war wie tot.

Leider lässt sich nur spekulieren, worin die Gründe hierfür liegen. Doch Ostern? Noch zu kalt? Wichtigeres zu tun als nur im Park abzuhängen? Könnte aber auch noch eine Menge andere Gründe haben.  Eine abschließende Erklärung kann ich hierzu leider nicht liefern. Vorbei an vereinsamten Wohnparks entlang der Hauptstraße bin ich dann zu einem abgelegenen Metrozugang gelangt, über den ich den Weg zurück in‘s Hostel angetreten hab. Nach 10 Stunden unterwegs sein war ich nämlich doch etwas abgehangen.

3. Das Outback

Ich wollte natürlich nicht nur die herausgeputze Großstadt sehen, sondern auch die ländliche Gegend erkunden. Also habe ich mir am nächsten Tag ein Zugticket nach Minskaja Mora gelöst. Das mit dem Zug etwa 45 Minuten entfernt liegende Nest schien mir geeignet für einen kleinen Ausflug, da auf der Karte hier auch ein etwas größerer See eingezeichnet war, den man – wie ich dachte – sicherlich etwas erkunden kann. Dem war leider nicht so, da es an der Küste doch recht windig und kühl war. Bin abseits des Sees dann aber etwas durch die Prärie gewandert und hab den ein oder anderen schönen Flecken, aber auch viele trostlose Gegenden durchwandert.

Bin danach auf die andere Seite des Bahnhofs in Richtung des Dorfes, weil ich mir die Lebensbedingungen dort schon anschauen wollte. Und die sind wirklich erschreckend. Halb verfallene, dafür aufmunternd gestrichene Holzbaracken beherrschen das Straßenbild. Vieles ist verfallen und vermodert  und die Leute scheinen nicht in der Lage zu sein (aus welchen Gründen auch immer), sich um Reparaturen zu kümmern. Dafür kamen mir alle Nase lang über die lehmige und löchrige Straße moderne Autos entgegen. Hab mir erst nichts dabei gedacht, aber als ich am Dorffriedhof vorbei durch den Wald gelaufen bin, hat sich hinter dem Hügel eine weitere kleine Siedlung verborgen. Drei Sträßchen mit gepflegt aussehenden Häusern und pitoresken Vorgärten mitten im Wald, umgeben von einem großen, gusseisernen Zaun. Da hier wohl irgendwelchen Wohlhabenderen ein idyllisches Wohnen zugestanden wird, versteckt im Wald und in Nachbarschaft eines ruinengleichen Dorfes fand ich dann doch etwas verstörend. Hier übrigens (bis auf die entgegenkommenden Autos) auch kaum jemand zu sehen!  So langsam hatte ich das Gefühl, dass ich Teil einer Art Truman-Show sein könnte. Oder war ich nur zum falschen Zeitpunkt hier? Was war in den zwei Wochen zwischen den Demos und meinem Besuch hier passiert? Warum wirkte alles wie ausgestorben und warum konnte ich mich überall so frei bewegen, so dass ich gegen später schon fast übermütig wurde?

Bin dann mit der Rumpelbahn, im Angesicht desillusioniert dreinschauender Mitfahrer, wieder nach Minsk gerattert und dort gleich in den nahen, modernen Konsumtempel mit seinen hübschen Boutiquen & Ladengeschäften. Schon hart, diesen direkten Vergleich von Armut und Luxus zu erleben. Auch sieht man dann die Protz- und Prunkbauten in einem nochmals anderen Licht. Ebenso wie die vielen Banktürme, Prestigebauten wie die futuristische  neue Nationalbibliothek, die Minsk Arena oder das sich gerade im Bau befindliche „Colosseum“, eine riesige Sportarena mitten in der Stadt. Das war‘s dann aber eigentlich auch schon, denn am nächsten Tag bin hab ich mich ganz gemütlichen auf zum Flughafen gemacht, diesmal mit der Metro und dem Bus. Alles wieder ganz easy, genauso wie die Gepäckkontrolle, die doch etwas lockerer gehandhabt wurde als hier zu Lande. Stempel  in den Pass und fertig.

4. Danach

Um all meine Eindrücke zu Verarbeiten hab ich dann aber doch ein paar Tage gebraucht. Hat sich auf den ersten Blick doch vieles anders dargestellt, als ich befürchtet oder vermutet hätte.  Dies betrifft nicht nur die ständige nicht Sichtbarkeit der Sicherheitskräfte oder die laxen Kontrollen. Minsk gibt sich als moderne, auch westlich orientierte Großstadt, die optisch gut in Schuss und auch sehr sauber ist. Schaut man hinter die Fassaden ist aber vieles verlottert und vermodert. Die menschenleeren Plätze, Parks und öffentlichen Gebäude, die alle auf unverschämte Weise dem Gigantismus frönen wirken dagegen irgendwie befremdlich. Gerade weil eben kaum jemand unterwegs ist. Vor allem die Lebensfreude vermisst man hier. Auf eine Partyhochburg sollt man sich jedenfalls nicht einstellen. Es gibt zwar ein paar Cafes und Bars, die aber auch kaum frequentiert waren. Wohl weil auch hier die Preise sich westlichem Standard anpassen. Das kann sich alles eben kaum einer Leisten. Überhaupt haben die Menschen hier fast alle einen bedrückten, hoffnungsarmen Gesichtsausdruck an den Tag gelegt. Waren aber alle, zumindest diejenigen, mit denen ich Kontakt hatte, immer freundlich und sehr hilfsbereit. Trotz der Sprachbarriere.

Die politische Lage und die Auswirkungen auf die dortige Gesellschaft kann ich in diesen paar Tagen natürlich nicht erkunden oder beurteilen. Dies war auch gar nicht mein Ziel. Dennoch sind viele Missstände offensichtlich und -kundig. Das alles in so kurzer Zeit aber richtig einzuschätzen gestaltet sich da schon etwas schwieriger. Ich wollte mir jedenfalls vorrangig  ein paar Tage einfach das tägliche Leben beobachten. Deshalb habe ich Minsk auch ganz wertfrei beschrieben, so wie ich es dort erlebt habe. Etwas ernüchtert bin ich allerdings schon und auch mal wieder zum Nachdenken angeregt worden. Auf jeden Fall war es für mich eine spannende Reise, auch in der Zeit.  Mirko

Und so preist sich die Tourismusbehörde an:
www.belarus.by/en/