BROILERS (04.03.2017 TRIER / ARENA)

BROILERS (04.03.2017 TRIER / ARENA)

Ursprünglich als Geburtstagsgeschenk für die Mutti unseres Patenkindchens, hatte ich frühzeitig Tickets für die Broilers Show in Trier besorgt, diese konnte aber leider nicht kommen, so das Suse kurzfristig das Ticket übernahm. Somit war mit Hagbard – Assi Gerdi, der uns kutschieren durfte, dessen Frau Sarah, Suse und Andrea sowie mir, eine schlagkräftige Truppe am Start. Wenn BROILERS schon in Trier spielen, kann man auch hingehen. Große Erwartungen hatte ich nicht. Aufgrund meiner Erfahrungen auf der Santa Muerte Tour, wo ich sie zum letzten Mal live gesehen habe, war mir schon klar, das hauptsächlich die Fans der neueren Stunde mit den Songs der letzten drei Platten bedient werden würden. Ich hoffte trotzdem auf ein paar Hits der älteren Scheiben, vor allem von Vanitas.


Ich bin ja Broilers – Späteinsteiger, konnte erst ab Vanitas und endgültig nachdem ich die DVD „The Anti-Archives“ gesehen habe, was mit der Band anfangen. Die Oi – Phase ging an mir komplett vorüber, da ich mit dieser Szene nichts anfangen kann. Auf jeden Fall sind sie eine meiner Lieblingsbands und haben auch auf den letzten drei Charterfolgen den ein oder anderen Hit, der mich noch anspricht. Die neue Platte SIC enthält ja auch wieder etwas fetzigere Töne und vor allem klare Worte zur Situation im Land. Gut das eine Band mit dieser Reichweite das so macht. Herr Amara hat in verschiedenen Interviews erklärt, das die Broilers ihr Bedürfnis nach Popmusik auf der Noir ausreichend ausgelebt haben und nun wieder rockigere Töne nötig waren. Soweit so gut. Ebenso aus einem Interview mit Sammy habe ich die Info, das er seinerzeit auf der Lofi – Platte so seltsam gequetscht singt, weil er zu dieser Zeit großer Tiger Army Fan war. Tiger Army sind Vorgruppe auf dieser Tour und so war ich auf diese sehr gespannt. Was die Tiger Army dann bot, war aber für mich unterirdisch. Seltsamer, seichter Poprock mit Reggae – Anwandlungen und Kontrabass. Konnte ich mir nicht anhören. Für mich hier total fehl am Platz. Und wie dieser Gesang Sammy zu seinem selbst so betitelten Genöle auf LOFI inspiriert haben soll, ist mir schleierhaft. Wie auch immer.


Dann ging es auch schon mit den Broilers los. Das mittlerweile standartmäßige Kultintro von der VANITAS ertönte und der Vorhang fiel, nachdem tausende Kehlen das obligatorische „Ohohooho“ mitsangen. Nach dem dazu gehörenden Opener ZURÜCK ZUM BETON folgte, soweit ich meine im Dunklen gekritzelten Notizen noch entziffern kann, TANZT DU NOCH EINMAL MIT MIR, der beste Song von Santa Muerte und BITTERS MANIFEST als erster Hit der neuen Platte SIC. Dann begrüßte ein gut gelaunter Sammy Amara das Publikum. Es folgte PAUL DER HOOLIGAN, einer der wenigen alten Songs, die ausgepackt wurden. Dann kamen auch schon die Bläser auf die Bühne und von da an wurde es extrem poppig, hauptsächlich mit Songs der drei letzten Alben halt. Ich meine auch, dass in der Phase des Konzertes der Rotz aus den Gitarren genommen wurde. Auf meinem Zettel stehen noch ES MUSS NUR IMMER MUSIK DA SEIN, IST DA JEMAND, HARTER WEG, dann kam tatsächlich noch NUR DIE NACHT WEISS. Ich hoffte, dass zumindest mein Überhit GEBOREN UM ZU GEWINNEN geboten wurde, doch leider Fehlanzeige. Sammy versteht es, auch mit mehreren Tausend Zuschauern zu interagieren, es wurden einige übliche Rockstarspielchen gemacht, wie zum Beispiel Circle Pit (steht zumindest auf meinem Zettel, haha) oder Jungs nehmen Mädchen auf die Schultern. Es gab dann noch eine Anekdote, wie die Jungs ihre Ines vor Jahren mal in Trier in der Jugendherberge besuchten, weil sie Sehnsucht hatten, als sie auf Klassenfahrt war. Da müsste ich mal den Emmi fragen, der war nämlich zu der Zeit ungefähr dort Koch. Im Zugabenblock kam dann noch RUBY, immerhin der zweite Song von Vanitas und als Rausschmeißer natürlich noch das nicht wegzudenkende BLUME.


Die BROILERS sind schon eine richtige Trademark mittlerweile, mit unverwechselbaren Markenzeichen. Ich gönne ihnen absolut ihren Erfolg. Leider habe ich die Phase der Clubgigs verpasst und werde wohl nie mehr in den Live-Genuss meiner Lieblingslieder kommen. Aber so ist das mit der Entwicklung von Musikern nun mal. Das ausverkaufte Publikum war auf jeden Fall begeistert und vor der Bühne herrschten schon Ärzte und Hosen – ähnliche Zustände. Vermisst habe ich den Opener der neuen Platte NUR EIN LAND, vielleicht möchten sie einen Teil der alten Garde nicht verprellen mit derart klaren Worten gegen Nationalismus. Wer weiß. War ein netter Abend und die Enttäuschung war auch schnell wieder verflogen, denn eigentlich hatte ich es ja genauso erwartet. Danke Stefan Fetz für die Fotos, ich habe mein Handy extra nicht mit reingenommen. Daher auch nur meine krakeligen Notizen im Dunkeln und Fotos von jemand anderem. Ach ja, die BROIELERS reisen mittlerweile auch mit einer beeindruckenden Lichtshow, das noch am Rande.

Chris de Barg