CHEFDENKER – EIGENURAN

CHEFDENKER – EIGENURAN
(Trillerfisch Records)

Nachdem vorgestern unser Sohn Jonatan zur Welt kam und ich gestern, während Mutter und Kind sich im Krankenhaus von den Strapazen der Geburt erholten, mit einer schlagkräftigen Truppe den schönen Brauch „das Kindchen pissen lehren“ oder auch nur „Kindchen pissen“ durchführte (bis heute Morgen um 6 Uhr gesoffen auf gut Deutsch), fühle ich mich nun in der passenden Verfassung, das neue CHEFDENKER Album zu besprechen. Es handelt sich hier nämlich um ein Konzeptalbum übers saufen! Muss das sein? Darf das sein? Braucht die Welt ein Konzeptalbum übers saufen? Bei der Lage der Menschheit? Dumme Mittel – bis Unterschichtmenschen auf der ganzen westlichen Welt haben Angst um ihren scheiß Wohlstand, in Form des per Kredit finanzierten VW Golf und täglich billigen Schnitzeln auf dem Tisch, wegen der bösen Flüchtlinge, die aber leider kommen, weil wir deren Länder klein halten, bombardieren usw. und fallen massenhaft auf die neue moderat verpackte Faschistenpropaganda der NSDAP Reinkarnationsparteien rein. Trump, le Pen und Petry lassen grüßen. Nun. Ich schweife ab. Die Frage ist trotzdem oder gerade deshalb recht schnell beantwortet.

Die einzige Kapelle, bzw. der einzige Komponist, der das darf sind die CHEFDENKER mit Sänger Claus. So einfach ist das. Die Platte beginnt mit dem „24 Stunden Sauf Workout, Part 1 – 4“, welcher somit die ersten 4 Songs beinhaltet. Und Clausomat ist hier textlich trotz des stumpf anmutenden Konzeptes (Saufen) in kompositorischer Höchstform. In jedem Song steckt eine kleine Geschichte, die sich mal mehr mal weniger mit Alkohol beschäftigt. Es handelt sich hier also nicht um bloßes Beweihräuchern einer Sucht. Was soll ich sagen. Einfach Claus in Höchstform, da mag ich gar keine Textzeilen zitieren. Musikalisch haben wir hier ausgereifte Wüstenrocksongstrukturen, immer abwechslungsreich, immer schön mit Dominiks Pornogefidel garniert, überwiegend im für ältere Herren angemessenen Midtempobereich. Allerdings würzt der inzwischen fest in der Band weilende Caddy die Drumparts mit vielen kleinen Raffinessen, so dass es nie langweilig wird.

So, um jetzt mal auf den Punkt zu kommen: Absolut eigene Liga das Teil hier. Greift bei mir wieder besser als die vorigen beiden Alben. Soundtechnisch finde ich, das man ruhig den Druck und Rotz der CASANOVAS SCHWULE SEITE CD und der ersten CHEFDENKER CD „16 Ventile in Gold“ hätte beibehalten können, aber hier geht’s halt rockiger und musikalischer zur Sache heutzutage. Was soll ich noch sagen? Wenn ihr jetzt noch ordentliche Klamotten bei euren Konzerten anzieht, eure hässlichen schrumpeligen Pillemänner in der Unterbuxe lasst und das Zeug live auch annähernd erträglich und nicht lattenstramm präsentiert, seid ihr endgültig die Größten im Universum. Wenn mal ein solche Show angedacht ist, bitte mich rechtzeitig informieren. Ich werde da sein und ergriffen lauschen. Gehört in jeden Plattenschrank der Erde. Kommt über Clausis eigenes Label Trillerfisch, also schön kaufen. Kaum mehr zu begreifende Politik sollen andere Leute in ihren Texten verwursten. Chris de Barg

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