PROUD TO BE PUNK #24

PROUD TO BE PUNK #24

Mit fast schon erschreckender Konstanz haut Jan eine Ausgabe seines Fanzines nach der anderen raus. Und das schon wieder mit 80 prall gefüllten Seiten. Ich bin immer wieder erstaunt, wie schnell die neuen Ausgaben des PTBP fertig werden und das, obwohl Jan nicht nur einen anstrengenden Job als Lehrer hat, sondern auch mit seiner Band reichlich aktiv ist. Aber das ist ja nicht das Einzige was der Autor so macht, denn Jan engagiert sich ja auch in anderen Belangen mit Herz und Seele.

Damit wären wir auch schon beim Inhalt des Heftes, denn Jan ist auch aktiv im Bon Courage e.V., einem Verein, der sich hauptsächlich mit der Aufarbeitung der unrühmlichen deutschen Vergangenheit beschäftigt. Dieser Verein organisiert u.a regelmäßig Fahrten zu Gedenkstätten deutscher Gräueltaten und so nimmt dieses Thema in der neuen Ausgabe auch ziemlich viel Platz ein. Daneben gibt es selbstverständlich die üblichen Rubriken und auch wieder ein paar Interviews mit Menschen, die politisch sehr aktiv sind. In dieser Ausgabe ist dies beispielsweise der Flensburger Verlag Black Mosquito, der sich hauptsächlich mit Literatur zum Thema Antifa und Anarchismus beschäftigt. Für mich etwas trocken geraten, dafür fand ich das Interview mit Yok aka Quetschpaua sehr erfrischend und aufschlussreich. Vorgestellt werden daneben aber auch Bands wie REPRESION 24 HORAS und RESIST AND EXIST, die mich allerdings nicht so brennend interessiert haben. Aber auch die Leipziger HC-Band FLAG SMASHER, deren Demo ich ziemlich gut fand. Zu Wort kommt auch wieder Mia, die in der Letzten Ausgabe bereits von ihren Erlebnissen in einer südamerikanischen Auffangstation für bedrohte Tiere berichtet hat. Diesmal erzählt Mia von ihren Erlebnissen in Chile, wo sie ein Praktikum an der Universität von Conception, der zweitgrößten Stadt des Landes, absolvierte. Neben ihren Erlebnissen mit Nasenfröschen geht Mia aber auch auf die jüngere chilenischen Geschichte ein, die ja nicht gerade von Frieden und Freiheit geprägt ist. Den Großteil der Ausgabe nimmt aber Jans mehrteiliger Bericht über eine Gedenkstättenfahrt in Polen ein, die er mit oben erwähntem Verein organisiert und durchgeführt hat. Besucht wurden auf der Fahrt die Konzentrationslager Treblinka und Stutthof, aber auch die berüchtigte Wolfsschanze und das ehemalige Warschauer Ghetto. Eigentlich ziemlich interessant und gespickt mit vielen Informationen, die wie immer gut recherchiert sind. Allerdings ist mir der Bericht schlussendlich doch etwas zu lang geraten. Vielleicht liegt das auch daran, das mir solche Berichte, ob der Grausamkeiten, die dort geschehen sind, immer etwas auf den Magen schlagen und mich in eine fast depressive Stimmung versetzen. Daraus resultiert auch das Manko, das ich dieser Ausgabe leider attestieren muss. Denn auch wenn diese Aufklärung – gerade in der derzeitigen Lage – mehr als Not tut, war mir das im Endeffekt fast ein bisschen zu viel „des Guten“. Und irgendwie finde ich, dass diese Aufklärung bei manch Dumpfbacke nötiger wäre als bei Menschen, die diese Dinge sowieso schon mit dem nötigen Verständnis reflektiert haben. Soll aber nicht heißen, dass es nicht notwendig wäre, dies stetig ins Bewusstsein zu rufen. Wie schon in der letzten Ausgabe beschäftigt sich Jan auch wieder mit Hintergründen zu Punk-Texten. Diesmal allerdings eher mit dem Cover einer Scheibe der Dresdner HC-Band KELLERASSELN, welches das Konterfei von Kurt Prüfer ziert. Dieser war Konstrukteur von Verbrennungsöfen, die von den Nazis in den Vernichtungslagern eingesetzt wurden.

Bei der Nummer 24 fehlt mir daher ein wenig die Ausgeglichenheit zwischen Geschichte/Politik und Musik/Punkrock. Auch wenn man wieder sehr viel Information aus dem Geschriebenen ziehen kann, liegt der Fokus ein wenig zu viel auf der Geschichtsaufarbeitung mit dem Thema Verbrechen des Naziregimes, gäbe es doch auch vieles über das Aufkommen dieser Tendenzen in jüngster Zeit zu berichten. Nichts desto trotz wieder eine lesenswerte Ausgabe für alle Menschen, die nicht auf den Kopf gefallen sind und sich auch noch mit Subkultur und Punkrock auseinandersetzen. Mirko