ANSCHLAG


Das “Bekennerschreiben“ der offensichtlich terroristischen Punkband ANSCHLAG haben wir hier nicht unterschätzt. Bin ich Fan von, hab´ ich Interview gemacht und jetzt wo alles im Kasten ist, geht umgehend der Hinweis an den Verfassungsschutz raus. Gab Clown heute zum Frühstück, merkt ihr schon, oder? Los, durchlesen, jetzt!

Moin. Ihr habt euch vor gut einem Jahr (Mai 2015) gegründet und jetzt schon die erste Platte draußen. Wenn wir die Zeit im Presswerk und die Aufnahmezeit mal abziehen, müsstet ihr ja ungefähr Anfang 2016 die sechs Songs schon auf der Kette gehabt haben. Hat euch wer gejagt, kreative Phase oder existieren einige der Songs in ihren Ideen oder ihrem Grundgerüst schon vor Bandgründung?
Moin Moin. In erster Linie ist es wohl dadurch erklärbar, dass wir eine genaue Vorstellung von dem hatten was wir machen wollten. Das hat natürlich den Vorteil, dass man im Proberaum nicht erst einmal ausloten muss, was alles möglich wäre. Da wir ja alle schon seit Jahren in Bands gespielt hatten, war auch keine wirkliche Eingewöhnungszeit notwendig und wir waren schnell eingespielt. Es lagen auch 2-3 Texte und Ideen in der Schublade. Wenn das dann noch mit einer Menge Spaß und ein paar nett anzuhörende Songs kollidiert, ist das ja auch ein Selbstläufer. Aufgenommen haben wir die sechs Songs sogar schon Ende Juli, was das angeht waren wir also wirklich ziemlich schnell unterwegs. Das klingt jetzt allerdings ambitionierter und geplanter als es in Wirklichkeit war.

Im Gegensatz zu vielen anderen Bands, habt ihr bei der Promotion ganz gut aufgefahren und alles passend zu Titel “bekennerschreiben“ gestaltet. Oft werden heutzutage nur noch ganz lieblos Streams oder Downloadcodes verschickt (die wir bei Ugly Punk, an dieser Stelle darf es erwähnt werden, aus Gründen längst nicht mehr berücksichtigen), aber ihr habt ein auffälliges Package mit kleinen Gimmicks rausgeschickt. Einerseits fällt man als Band dadurch besser auf, anderseits ist das auch immer ne´ Kostenfrage, oder?
Du sagst es ja schon selber, lieblos… Man steckt ja nicht viel Mühe in Songs und Aufnahmen, um sich dann mit einer mit Edding beschrifteten und selbstgebrannten CD zu präsentieren, das wäre nicht unser Ding. Wir wollten aber auch in erster Linie eine EP rausbringen, die wir auf Konzerten an die Leute bringen können. Der Promoselbstzweck war da eher der zweite Gedanke. Wir kommen halt aus einem D.I.Y.-Kontext und ohne hier literweise Pathos verschütten zu wollen, bedeutet D.I.Y. nicht einfach nur die kostengünstigste Möglichkeit Platten zu produzieren aus Mangel an Alternativen. Wir wollten damit zeigen, dass wir nicht nur Musik machen, sondern auch mit dem Herzen dabei sind. Die EP kann man sich ja ohnehin auf unserer Seite (www.anschlag.eu) runterziehen. Wer sich die Platte holt kann sich halt über ein paar Gimmicks freuen. Aber es ist ja auch nett sich mit seinen Freunden auf ein Bierchen zu treffen, Textblätter zu schneiden und Siebdruck zu machen. Das kann man ja auch zelebrieren. Die Anschreiben haben sich dann mehr aus Zufall ergeben. Der eine hat eine Schreibmaschine, der andere die Polaroid und dann entwickelte sich daraus ein Konzept. Zugegebenermaßen haben auch wir intern viel darüber diskutiert was denn das richtige Gleichgewicht zwischen “Mühe geben” und “zu dick auftragen” ist, aber die erste Resonanz zeigt uns, dass wir es vielleicht ganz gut getroffen haben. Und da wir jetzt auch gar nicht so viel Anschreiben rausgehauen haben, hielt sich der finanzielle Aufwand zumindest in der Hinsicht in Grenzen.

Die Bandinfo verkündet, dass ihr aus Aachen kommt, ihr aber aufgrund der Nähe zu den Niederlanden und Belgien auch Bandmitglieder aus eben diesen Ländern habt. Trefft ihr euch lediglich in Aachen zum Proben oder wohnt ihr da mittlerweile alle?
Wir wohnen alle in Aachen bzw. der näheren Umgebung. Unser Proberaum ist ein versiffter WWII-Bunker im Aachener Ostviertel/Rothe Erde. Nette Vorstellung, dass der menschliche Abschaum deswegen Pirouetten im Grab dreht. Patrick kommt auch gebürtig aus der Region. Benni und Björn sind zugezogen.

Warum habt ihr euch für Songs in deutscher und nicht in belgischer und/oder niederländischer Sprache entschieden? Ihr hättet ja praktisch die Möglichkeiten dazu, sofern Schlagzeuger und Bassist denn singen können ; -)
Also der Schlagzeuger und der Bassist singen engelsgleich, da gibt es keine zwei Meinungen! Der Grund liegt vielmehr darin, dass wir alle die typische Deutschpunk-Sozialisation haben und einfach auf den Kram stehen, dass sich diese Frage nicht wirklich gestellt hat. Das heißt jedoch nicht, dass uns nicht auch mal ein Lied auf Niederländisch dazwischen rutschen wird. Wartet also ab was da noch so kommt! Wir sind da was am planen dran…

Was geht szenemäßig in Aachen so? Lebendige Szene oder eher überschaubar? AJZ´s, Juzi´s, irgendwelche coolen Läden?
Im Vergleich zu anderen Städten ist die Szene und Anzahl der Läden wohl eher überschaubar, was allerdings nicht heißt, dass die Leute weniger für die Sache brennen. Ganz im Gegenteil, ein Besuch im AZ lohnt sich eigentlich immer. Ein wichtiger Punkladen – das Hauptquartier – hat leider schon vor ein paar Jahren die Segel streichen müssen. Die ehemaligen Besitzer geben sich aber kämpferisch und somit gibt es jeden Dienstag und Donnerstag Punkrock im Exil im „Promenadeneck“. Ein weiterer Ausgehtipp ist noch das „Lolaparoli“. Quasi eine Kneipe mit veganem Essen. Dort finden auch hin und wieder kleinere Konzerte statt. Die Aachener Szene ist also sicher nicht tot, man muss aber ein bisschen genauer hingucken um sie zu finden… und ein wenig mehr „Alle zusammen“ würde hier und da sicherlich auch nicht schaden.

Musikalisch liefert ihr ein ordentliches Brett ab. Kompromisslos, schnell, mit ordentlich Pfeffer im Arsch, aber dennoch stets melodisch. Gibt’s musikalische Vorbilder, die euch in irgendeiner Form inspiriert haben? Oder braucht es sowas nicht und die Richtung ist einfach nur das Ergebnis des Zusammenspielens ohne irgendwelche Richtungsvorgaben?
Wir sind ja alle so Anfang/Mitte 30. Wir haben also unsere besten Jahre mit Deutschpunk der 90er/Anfang 00er verbracht. Wenn man will, hört man bestimmt auch eine Prise Ami-Punk der 90er heraus. Jede Musikrichtung verändert sich und ein Großteil des guten Deutschpunks ist eher hardcorelastig, schlauer und ironischer geworden. Vieles davon feiern wir hart ab. Aber für uns selber wollten wir halt wieder einen „Schritt zurück“ machen. Das mag für den ein oder anderen insbesondere textlich etwas plump oder klischeehaft sein, aber das ist schon bewusst so gewählt. Das Ganze sollte auch von den Gitarren relativ minimalistisch und rotzig rüberkommen, weswegen wir uns mittlerweile von der Idee einer zweiten Gitarre verabschiedet haben. Die Musik die wir machen ist das Ergebnis von unserem Verständnis von „Deutschpunk“, den wir selber gerne hören. Da wir gerne sehen, wenn Punker gröhlend ihre Fäuste in die Luft strecken, darf der melodische Part natürlich nicht zu kurz kommen.

Da die 7Inch ja recht gut einschlug und ihr beim Songwriting recht fix seid, ist die Zeit bis zum ersten Longplayer sicherlich absehbar, oder? Also, wann ist dieser geplant?
Naja, die 7″ ist gerade ziemlich frisch, deshalb hoffen wir natürlich dass sie noch etwas mehr Menschen erreicht, die Bock auf unser Zeug haben. Für die Aufnahmen einer großen Platte peilen wir mal so grob Ende Sommer an. Material ist eigentlich genug vorhanden. D.I.Y. ist natürlich schön und gut, aber da muss man die Aufnahmen schon getrennt von sehen. Es gibt ja nix schlimmeres, als ein ordentliches Brett abliefern zu wollen, was dann aus Mangel an Erfahrung im Endergebnis zu dünne klingt. Da ist es auch egal, wie gut dein Recording-Kram ist. Spätestens beim Mixen oder Mastern hörst du den Unterschied, wenn jemand genau weiß, warum er jetzt an dem oder dem Regler dreht. Und das wissen wir selbstredend nicht. Und dann geht es schon wieder nur ums verdammte Geld. Heißt, wir brauchen Kohle, kannst du uns was schicken?!

Diesbezüglich ist bei mir auch immer Ebbe, aber 1-6 Bierchen kann ich euch vielleicht beim nächsten Treffen ausgeben. Euch erstmal weiterhin alles Gute und danke für´s Fragen beantworten.
Dann danken wir zurück für die netten Fragen und freuen uns schon auf die Bierchen!