DEUTSCHPUNK FESTIVAL 2 (JUHA HALLSCHLAG, STUTTGART 14.05.2016)

DEUTSCHPUNK FESTIVAL 2 (JUHA HALLSCHLAG, STUTTGART 14.05.2016)
mit: Sendeschluss, Kunstbanausen, Missstand, Wilde Zeiten, Zaunpfahl

Die Auswahl an Veranstaltungen für die Gestaltung des Abends war an diesem Wochenende ausnahmsweise mal etwas größer. Entschieden habe ich mich für das Stuttgarter Deutschpunk-Festival, das dieses Jahr in die zweite Runde ging. Da ich (vermeintlich) die beiden großartigen Bands MISSSTAND und ZAUNPFAHL, sowie WILDE ZEITEN noch nie live gesehen hab und das JuHu gerade mal 20 Gehminuten von der heimischen Koje entfernt liegt, fiel die Auswahl dann aber doch leicht. Pünktlich um 18:00 Uhr sollte allerdings mit SENDESCHLUSS schon die erste Band spielen. Und da ich noch tröstende (haha) Telefonate zum Stuttgarter Abstiegs-Triple führen musst, habe ich diese – bis auf die Hälfte des letzten Songs – auch leider verpasst.

Vor dem JuHa war’s zwar relativ leer, für ein Deutschpunk-Konzert in Stuttgart aber nicht sonderlich verwunderlich. Genauso wie das doch recht niedrig anzusiedelnde Durchschnittsalter der Besucher. Sollte sich im Laufe des Abends aber dann doch noch etwas ändern.


Die erste Band die ich dann also komplett sehen konnte waren die KUNSTBANAUSEN. Und was soll ich sagen. Ein spontanes „Oh jeh!“ fällt mir in der Nachbetrachtung als erstes dazu ein. Also etwas, dass mir beim Auftritt der Band schon mehrfach im Kopf umherging. Belanglosen Teenie-Punk präsentierten uns die vier Recken aus Ellwangen, bei dem besonders das Rockstar-Gehabe des extrovertierten Sängers/Leadgitarristen negativ auffiel. Einige wenige Besucher schien das aber nicht sonderlich zu stören. Der Rest schaute sich das Spektakel aber eher reserviert aus der zweiten Reihe an. „Hey Stuttgart, was geht ab?!“ kann ich da nur mit den Worten des posenden Frontmannes dieser jungen Band sagen, die grad ein fettes Album beim Fratz rausgebracht hat. Aber irgendwann war’s dann auch endlich geschafft. Darauf erstmal ‘n Bier holen und eine quarzen, um das gerade gesehen und gehörte mit einem fortwährenden Kopfschütteln zu verdrängen.


Als nächstes legten MISSSTAND aus dem südlichen Österreich los und gleich auch einen Zahn zu. Frischer, rotziger und politischer Deutschpunk, der in seiner Art ein bisschen an Bands wie ALARMSIGNAL oder ABSTURTZ erinnert, aber nicht ganz so fett, sondern etwas schlichter daher kommt. Ein wirklich starkes Set hat das Trio runter geprügelt und zudem mit einigen klasse Ansagen das politische Bewusstsein der Zuhörerschaft zu schärfen versucht, wofür es auch spontanen Szenenapplaus gab. Nicht zuletzt deshalb muss ich sagen, dass ich wirklich begeistert war vom Auftritt des alpenländischen Trios. Diese Art von Deutschpunk läuft mir halt einfach auch am besten rein und MISSSTAND tragen diesen dann auch glaubwürdig, locker und voller Enthusiasmus vor. Ja, das war schon ein geiles Brett. Nur schade, dass sich zu Beginn das Volk vor der Bühne – zwar mehr als bei den KUNSTBANAUSEN – nur spärlich einbrachte. Zum Ende des Auftritts hin war’s dann aber schon ganz OK, denn der ein oder andere schien so langsam aufgetaut zu sein.


Nach kurzer Frischluftzufuhr, anregendem Meinungsaustausch und Getränkeneuausstattung enterten dann die WILDEN ZEITEN die Bühne. Michels erste Band fand ich ja schon ganz gut, aber mit der aktuellen Band konnte ich mich bisher nie so richtig anfreunden. Also versuchte man mich wohl zu ködern, indem man gleich zu Beginn mit einem alten UNTERGANGSKOMMANDO-Song aufwartete. Aber auch unabhängig davon muss ich sagen, dass mich die Rheinländer doch positiv überrascht und einen soliden Auftritt hingelegt haben und auch das Publikum mit ihrer stimmungsfördernden Darbietung anheizen konnten. Auch wenn ich wahrlich kein Fan der Combo bin, muss ich dennoch einen unterhaltsamen Auftritt Bescheinigen, bei dem ich auch ein paar Vorurteile einschränken konnte. Nee, ohne Witz… war wirklich besser als vermutet und erwartet. Gibt also leider nix zu meckern. Bin auch selbst etwas überrascht.

In der Umbaupause für die Headliner kam ich dann mit den in der Raucherecke vor dem JuHa herumlungernden Mitgliedern von MISSSTAND ins Gespräch und es stellte sich sehr schnell heraus, dass dies eben doch nicht mein erstes Mal war, sondern dass wir sogar vor einigen Jahren zusammen schon mal ein gemeinsames Konzert-Wochenende in Österreich hatten. Ein Wochenende, an das ich mich eigentlich ganz gut erinnere, mir aber gar nicht mehr bewusst war, dass das damals mit MISSSTAND war. War mir dann ehrlich gesagt auch schon ein bisschen peinlich. Tat dem anregenden Gespräch über die aktuelle politische Lage sowohl in Deutschland als auch in Österreich aber keinen Abbruch. Wirklich sympathische, coole Leute und es hat echt Spaß gemacht, sich über dies und das auszutauschen und auch etwas in der Vergangenheit zu schwelgen. Folglich habe ich leider den Anfang von ZAUNPFAHL verpasst.


Nach der Hälfte des Auftritts hab ich’s dann aber doch rein geschafft und war leider doch ein bisschen ernüchtert. Sound war zwar gut und die Stimmung auch, aber irgendwie kam mir das alles etwas lustlos und steril vor. Dass Gitarrenmensch Göthe etwas apathisch und wie auf Valium wirkte, mag dabei aber sicherlich seiner Krankheit geschuldet sein. War halt ein eher routinierter Auftritt in der Spiesserstadt. Trotzdem wurde die Band ordentlich abgefeiert.

Da ich mittlerweile auch schon fast ‘too drunk to talk’ war, hab ich mich dann aber nach dem fast pünktlichen Ende um 2 vor 12 (wie IRON MAIDEN wohl singen würde) doch recht fix auf den Heimweg gemacht. Schnell die zurückgelegten Devotionalien vom MISSSTAND-Merch noch abgeholt, „tschüss“ gesagt und fix den Heimweg durch die finstere aber frische Stuttgarter Abendluft angetreten. Nach ausreichender Reflexion der Ereignisse und vernunftbedingtem Abwägen positiver und negativer Eindrücke muss ich sagen, dass es wirklich ein richtig netter Abend mit guter Musik, guter Stimmung und erkenntnisreichen Gesprächen war. Mirko