TODESKOMMANDO ATOMSTURM


Hallo Jungs und Mädel! Am Wochenende seid ihr mal wieder quer durch die Republik gedüst, von eurer Heimatstadt München nach Halle, weiter nach Hamburg, wo ihr euer 136. Konzert gespielt habt (ich hab mich informiert!). Was könnt ihr darüber berichten, gab es irgendwelche besonderen erwähnenswerten Ereignisse und – wer von euch trug die Verantwortung des Fahrers?

Halle war großartig! Wir waren jetzt das dritte Mal dort und dieses Konzert war mit Abstand das coolste. Super nette Veranstalter, super cooles Publikum, großartige Aftershow-Party mit DJane-Team, und natürlich Kackschlacht! Das mit dem Fahren funktioniert gut. Wir können alle Autofahren und wechseln uns regelmäßig ab. Zwar gibt es nach jedem Konzertabend jemanden, der gefeiert hat und besser auf der Rückbank pennt, aber bis jetzt sind wir immer angekommen.

Ihr seid ja nun schon sehr lange bandtechnisch unterwegs, genau genommen seit 2008. 2009 gab’s die erste Demo mit 5 Songs, 2012 euren LP mit 14 Songs. Beim Durchhören fiel mir sofort der musikalisch definierte Charakter auf – schneller, direkter Punkrock mit Druck, der voll ins Ohr geht und trotzdem ist jeder Song ein Hit für sich. Vor zwei Monaten schon habt ihr euer neues Album “Hunger der Hyänen” angekündigt, welches 12 Songs beinhalten wird und über Twisted Chords erscheinen wird. Das Artwork ist übrigens große Klasse! Die wichtigste Frage vorab: Wann ist Release?
Hoffentlich am 20. Mai. Einen Tag später spielen wir in München mit unseren Freunden von Disco//Oslo. Ob wir an dem Tag auch eine Release-Show spielen, hängt vom Presswerk ab. Das wird auf alle Fälle ein Showdown, aber die Chance, dass Alles rechtzeitig fertig wird, besteht noch.

Habt ihr eine große Rockstar-Release-Tour geplant, läuft der Vorverkauf schon oder was genau habt ihr noch alles vor mit eurem neuen Album?
Eine große Rockstar-Release-Tour wohl eher nicht, zumindest keine bei der es so etwas wie einen Vorverkauf gibt. Eine kleine Tour wollen wir dennoch gerne spielen und wenn alles nach Plan läuft sind wir Anfang Oktober eine Woche unterwegs. Was sonst im Zuge des neuen Albums passiert, wissen wir selber noch nicht. Wenn es eine gute Idee gibt, hätten wir Lust wieder ein Video zu drehen. Der Rest wird sich zeigen. Die große Erwartungshaltung gibt es auf alle Fälle nicht. Wir lassen alles auf uns zukommen und freuen uns, wenn wir positiv überrascht werden.

Im selben Atemzug eurer Ankündigung war zu lesen, dass ihr euch während der Aufnahmen oft gezofft habt, es Schwierigkeiten, Diskussionen gab und ihr Kompromisse eingehen musstet. Es scheint ein anstrengender Prozess gewesen zu sein…?
Ein Album aufzunehmen ist in der Tat ein anstrengender Prozess. Man muss ständig Entscheidungen treffen. Da ist es demnach ganz normal, dass auch viel diskutiert wird. Wir sind 5 Leute in der Band von denen jede(r) eine Meinung hat. Gelegentlich gibt es davon dann 5 verschiedene und hin und wieder haben wir uns bestimmt zu sehr an Kleinigkeiten abgemüht. Aber wenn es ernst wurde haben wir es am Ende noch immer geschafft uns zu einigen. Und so viel gestritten haben wir während den Aufnahmen gar nicht. Zumindest nicht mehr als sonst.

In eurem LP besingt ihr gesellschafts- und sozialkritische Themen wie schlimme Arbeitsverhältnisse in China (“Eine Milliarde Chinesen”), der totalen Überwachung, die das Internet mit sich bringt (“Endlich Funkloch”) und übt Kritik an Sexismus und Drogenmissbrauch (“Night Of The Living Depp”). Was können wir als Hörer von eurer neuen Platte erwarten, welche Themen waren euch besonders wichtig sie im neuen Album zu besingen?
„Hunger der Hyänen“ ist auf alle Fälle etwas persönlicher und nachdenklicher ausgefallen. Das bezieht sich gar nicht so sehr auf die Musik, sondern eher auf die Texte. Es gibt zwar noch diese wütenden Punkrocksongs (die sich z.B. an selbstverliebte Start-Up Wichtigtuer(innen) oder stumpfe Deutschrockbands adressieren), es sind aber auch einige sehr persönliche Songs über Krankheit, Depression oder die Tücken zwischenmenschlicher Kommunikation dabei. Wir wollen keine Texte schreiben, die nur eine Punkrock-Erwartungshaltung erfüllen. Nach dem Motto: Gegen Nazis haben wir schon was gemacht, jetzt fehlt noch einer gegen die Bullen und gegen den Staat. Der Anspruch dabei ist es, authentisch zu sein. Die Texte zeigen also, was uns die letzten 5 Jahre beschäftigt hat. Inklusive aller Widersprüchlichkeiten.

Eure Texte sind keineswegs plakativ, sondern durchdacht, selten träumerisch und trotzdem direkt. Wer von euch schreibt zB die Songs, ob Text oder Musik? Gibt es eine klare Arbeitsaufteilung oder macht jeder das, wonach ihm gerade so ist?
Eine klare Arbeitsteilung gibt es nicht. Alle können Musik und Texte beisteuern. Meistens haben Chrissi oder Tobi (die beiden Gitarristen) eine mehr oder weniger ausgearbeitete Idee für einen Song, an der wir dann gemeinsam im Proberaum weiterarbeiten. Die beiden steuern in der Regel auch die Texte bei. Auf dem neuen Album wird aber z.B. auch ein Text zu hören sein, den Lea und unser Bassist Pölle gemeinsam geschrieben haben.

Wie würdet ihr sagen habt ihr euch als Band im Laufe der vielen Jahre verändert, welche Erfahrungen habt ihr gemacht, von denen ihr bis jetzt profitiert, ob gut, ob schlecht?
Wenn man selber mitten drin steckt ist es immer schwierig, Veränderungen als solche wahrzunehmen. Verändert haben wir uns aber mit Sicherheit. Wir haben bestimmt den ein oder anderen neuen Akkord dazugelernt. Außerdem lassen wir uns nicht mehr so leicht aus der Ruhe bringen, wenn auf oder neben der Bühne mal etwas nicht nach Plan läuft. Im Laufe der Zeit ist aus der Band sowas wie eine alte Ehe mit 5 Ehepartnern geworden. Der Umgangston ist dabei nicht immer ausgesucht liebevoll und manchmal ist es schwer mit den verkrusteten Verhaltensmustern umzugehen, aber am Ende haben wir eine gemeinsame Leidenschaft und wissen, dass wir uns im Zweifel aufeinander verlassen können.

Als Sängerin weiß ich natürlich genau, dass es ab und an auch mal Arschlöcher im Publikum gibt, die belästigen. Welche Erfahrung habt ihr als Band mit Frontfrau diesbezüglich gemacht und wie geht ihr damit um?Wir sind uns bewusst, dass es Kleingeister gibt, die es nicht gewohnt sind, Frauen auf der Bühne zu sehen. Offene Ekelhaftigkeiten haben wir glücklicherweise noch nicht erlebt. Wir spielen aber auch meistens in Läden, die mit diesem Thema einen sensiblen Umgang pflegen. Dazu kommt, dass wir unsere Sängerin nicht als Aushängeschild anpreisen (wollen). Eine Frau in der Band sollte sowieso keine Besonderheit und kein Alleinstellungsmerkmal sein. So verfahren wir auch damit.

Vielen Dank für eure Zeit, die ihr geopfert habt, um den Haufen an Fragen zu beantworten. Wir freuen uns schon wie Bolle auf euer neues Album und sagen Cheers!

Und hier noch was zum angucken: https://www.youtube.com/watch?v=a2kaLV6REiQ