PROUD TO BE PUNK #23

PROUD TO BE PUNK #23

Mensch, wie die Zeit vergeht. Schon wieder liegt eine neue Ausgabe des Proud to be Punk-Fanzines vor und erneut quillt diese förmlich über an interessantem Lesestoff. Ein bisschen mehr musikalische Themen wie in der letzten Ausgabe haben sich diesmal zwar eingeschlichen, gefühlt gibt es aber dennoch wieder ein wenig mehr politisches und geschichtliches, auch mit Bezug zum aktuellen Geschehen. Und erfreulicher Weise kann Jan dabei wieder viel Wissenswertes auf lockere Art vermitteln.

Am Anfang steht aber einen Gastbeitrag über das Natur- und Tierreservat amaZOOnico im fernen Ecuador, in dem Autorin Mia vor nicht allzu langer Zeit mitgeholfen hat, ausgesetzte und verletzte Tiere aufzupäppeln, was ich mehr als sehr unterstützenswert finde. Ebenso wichtig, und dazu noch aufklärend, finde ich Jans Blick auf die Geschichte der Sinti und Roma und deren Jahrhunderte lange Verfolgung allerorts. Wer sich schon immer gefragt hat, was die seltsame, schwarz-rot-goldenen Flagge mit dem Kreuz, welche häufig bei Demos der Pegidioten zu sehen ist, bedeutet und wo diese Ihren Ursprung hat, wird ebenfalls aufgeklärt und mit wissenswerten Fakten versorgt. Des Weiteren werden anhand zweier Songtexte von Dritte Wahl und Wizo die Ereignisse von Bad Kleinen im Jahre 1993, bei dem das RAF-Mitglied Wolfgang Grams und ein BKA-Beamter ihr Leben verloren, nachbetrachtet und zusammengefasst. Diese doch recht verschiedenen Themen werden wie immer verständlich und ansprechend präsentiert. In Punkto Musik wurde die sächsische HC-Band ONE STEP AHEAD, die durchaus bekannt sein könnte, zum ausführlichen und Interview gebeten, das gute Einblicke in die Bandgeschichte bietet, aber auch die Situation im immer wieder von Faschisten terrorisierten Umland aufzeigt. Ein weiteres Interview gibt es mit den mir bis dato unbekannten ACTIVE MINDS, einer britischen 2-Mann-Kapelle, die aus Brüdern besteht. Und das schon seit 1986. Sehr ausführlich, und dennoch sehr knapp gehalten ist der Überblick über Punk in Frankreich von den Anfängen bis heute. Hat mich jetzt ehrlich gesagt nicht so wirklich interessiert. Ebenso wie der erste Teil eines Tourberichts, der mir bis dato nicht bekannten Bands WARHOAR und PERMATREND. Gut und flüssig zu lesen ist dieser aber dennoch. Ebenfalls recht umfangreich ist die Buchvorstellung zu „Die Autonomen“ des oft (und nicht immer zu unrecht) gescholtenen Publizisten und Jugendkultur-Autoren KLAUS FARIN, der zuletzt mit einer zweifelhaften FREI.WILD-Biographie aufgefallen ist und der in dieser Veröffentlichung auch Menschen zu Wort kommen lässt, die den Autonomen nicht wirklich sympathisch gegenüberstehen. Der Objektivität halber soll daran aber keine Kritik geübt werden, weswegen ich mir den Schmöker sicher auch mal durchlesen werde. Aber das ist noch lange nicht alles was diese Ausgabe zu bieten hat.

Auch wenn das Heft mal wieder vollgestopft ist mit Infos, News und Berichten, war das Teil doch ziemlich schnell durch geschmökert. Denn Jan versteht es, auch die für mich weniger interessanten Themen locker und erfrischend aufzubereiten und so kann ich auch diese Ausgabe jedem ans Herz legen, der neben wildem Punk- und Hardcore auch gerne mal ein bisschen mehr hinter die Fassaden blickt und sich für (politische) Hintergründe begeistern kann. Denn etwas Bildung hat ja bekanntlich noch keinem geschadet. Mirko