MINIPAX

Als kürzlich die erste und neue MINIPAX EP mit dem Titel “1984“ veröffentlicht wurde und 1-2 dazugehörige Videos mit Klangbeispielen in den sozialen Netzwerken ihre Runden drehten, wurden auch wir hellhörig. Neue Band, alte Hasen, gute Musik, gute Texte, eingängig, Interesse geweckt, Interview, Bitteschön, Dankeschön.

Ugly Punk: Moin erstmal. Und Glückwunsch zur ersten Veröffentlichung. Seid ihr erleichtert das Ding im Kasten und auf Platte zu haben oder war er mehr eine leichte, entspannte Geburt, die ihr euch quasi aus dem Ärmel schütteln konntet?
Minipax:
Wir haben die Songs ja schon einige Zeit im Kasten und sind deshalb mega happy die Scheibe endlich releasen zu können. Gut Ding will eben Weile haben. Wir haben aber jetzt mit Subzine und Uncle M 2 bärchenstarke Partner an unserer Seite die uns bei der Veröffentlichung unterstützt haben. Tatsächlich haben wir aber auch schon wieder einiges an neuen Songs vorbereitet.

Ugly Punk: Musikalisch seid ihr alle keine Anfänger und wart zuvor schon in diversen anderen Bands aktiv. Ganz oft höre ich von Konzertbesuchern, gerade in der süddeutschen Gegend, in Verbindung mit euch (vielleicht auch zu besseren Orientierung) den Zusatz “AMDAMDES Nachfolgeband“. Kann man das so stehen lassen? Könnt ihr damit leben? Oder wird das der MINIPAX-Geschichte überhaupt nicht gerecht?
Minipax:
Prozentual gesehen ist das ein recht naheliegender Vergleich, immerhin haben wir mit Niki und Jürgen Exmitglieder von Amdamdes in der Band. Auch die hauptsächlich deutschen Texte würden passen. Die anderen 3 bringen aber auch einiges an musikalischen, aber auch menschlichen Aspekten aus ihrer Vergangenheit mit. Die „Minipax-Geschichte“ funktioniert mit viel mehr Melodie und auch Energie. Minipax ist einfach die logische Konsequenz unserer menschlichen Entwicklung… vor allem auch was die, in der heutigen Zeit so unglaublich wichtig gewordene, politische Positionierung einer Band angeht. Punk ist eben nicht (und war es auch nie) reiner Spaß am provozieren. Minipax beschäftigt sich textlich deshalb mit ernsteren politischen, wie sozialen Themen, als es Amdamdes getan hat. Minipax ist ein völlig eigenständiges Kapitel. Außerdem gibt es wesentlich mehr Herzen <3<3<3<3<3

Ugly Punk: Als wegweisend für die Band war der englische Schriftsteller George Orwell, bzw. sein Roman “1984“, der auch Namensgeber für eure EP war. Ihr habt in eurer Bandinfo Schreckensszenarien aus dem Buch angesprochen, die (noch) nicht eingetreten sind. Wollt ihr diese Szenarien mal näher erläutern?
Minipax:
Das Buch hat Nikki und Bergmensch sehr geprägt und beide bezeichnen es als ihr „Lieblingsbuch“. Grob umrissen geht es um einen totalitär regierten Staat, in dem die Menschen total überwacht und mundtot gemacht werden. Der große Bruder verfolgt jeden deiner Schritte, gestaltet die Wahrheit nach seinem eigenen Gutdünken und entscheidet über Gut und Böse. Wer aus der Reihe tanzt wird geradegebogen oder beseitigt. Was dem Staat nicht nützt wird kurzerhand gelöscht. Um das Volk gefügig zu halten, wird ein Feindbild erschaffen, vor dem man sich unter allen Umständen schützen muss. Für den Schutz vor diesem allmächtigen Feind, bei dem es völlig egal ist, ob er sich von Zeit zu Zeit einfach ändert, nimmt der Pöbel alles in Kauf und ist bereit sich gegen seinen Nächsten zu stellen. Dabei ist der große Bruder der eigentliche Aggressor! Wenn ich mir dann die Weltpolitische Entwicklung der letzten Jahre anschaue, bekomme ich wirklich Angst. Die Überwachung hat begonnen. Der Mensch lässt alles bereitwillig über sich ergehen. Kaum einer (auch in unserer Szene) kann auf What’s App, Google und Facebook verzichten. Es macht uns allen vieles leichter, es macht uns aber auch gläsern. Ein weiterer Punkt ist das Schüren eines Feindbildes. Es liegt scheinbar in der Natur des Menschen sich einen Antagonisten zu schaffen. Frauen mit roten Haaren, andere Religionen, Hautfarben, sexuelle Vorlieben, anderer Herkunft, kurz alles was Merkmale hat bedroht meinen ach so wichtigen Lebensstandart. Auch das finde ich in der momentanen Gesellschaft wieder. Es war immer da und erstarkt momentan wieder von neuem. Ein weiterer Punkt der uns als „Linke“ beschäftigt, ist die staatliche Auffassung von Recht bzw Aufklären von Straftaten. Stichwort NSU oder rechte Straftaten im Allgemeinen. Man könnte denk ich noch einiges mehr aufzählen…

Ugly Punk: Muss Mensch “1984“ gelesen haben, um eure “1984“ besser verstehen zu können oder funktioniert beides unabhängig voneinander?
Minipax:
Ich denke es ist sehr gut möglich Gefallen an der Platte zu finden ohne sich vorher mit dem Buch auseinandergesetzt zu haben. Es sind ja auch 2 Songs auf der Scheibe, die auf den ersten Blick wenig politisch sind, oder Bezug zum Buch haben. Außerdem sind die Texte meist selbsterklärend. Ich kann aber nur jedem, der sich die Scheibe anhört das Buch wärmstens empfehlen. Weil es in all den Jahren nie an Bedeutung verloren hat.

Ugly Punk: Trotz vieler Wut in den meisten Songs schafft ihr das immer irgendwie melodisch zu verpacken. Ich fühle mich hier und da (musikalisch) z.B. an RASTA KNAST erinnert. Liegen da eure Einflüsse?
Minipax: Rasta Knast ist sicher eine Band, die die meisten von uns immer gern gehört haben, es wäre aber zu einfach sie als Haupteinfluss zu sehen. Unsere Wurzeln sehen wir selbst in einer gesunden Mischung aus Skatepunk und melodischem Deutschpunk. Aktuell wären Bands wie Kaput Krauts, Belvedere, ZSK, Der Dicke Polizist, Montreal, Propaghandhi und viele andere Gruppen auf die wir uns berufen würden.

Ugly Punk: “Es brannten Häuser, es brannten Menschen, ihr habt zugesehen und applaudiert. Und weil man heute nicht mehr gern an früher denkt, wird rassistischer Terror still und heimlich toleriert“ – ein Textauszug aus dem Song “Vergessen“. Welche Erfahrungen konntet ihr außerhalb des punktypischen Umfeldes machen? Wie ist eure Einschätzung? Schreit tatsächlich nur die “braune“ Minderheit lauter oder kann bei all den besorgten Bürgern und Nazis längt nicht mehr von einer Minderheit die Rede sein?
Minipax: Ich glaube es ist etwas sehr deutsches in diese Richtung mitzumarschieren, so wie es etwas sehr deutsches ist überhaupt marschieren zu wollen. Genaugenommen ist es momentan jedoch ein europäisches Problem. Nichtsdestotrotz hoffe ich sehr, dass die Arschlöcher lauter schreien, so wie sie es immer getan haben, auch wenn eine klare Bewegung nach Rechtsaußen erkennbar ist. Allerdings habe ich auch vor Pegida, AfD und Co mehr „Rechte“ gesehen als nur die Bomberjackenträger aus den Tatorten. Ist alles eine Frage des Blickwinkels, was jetzt definitiv fehlt ist die vorgehaltene Hand.

Ugly Punk: Eure Texte sind politisch sowie persönlich und viele Bands beschreiben die Musik immer als Ventil, um sich Luft zu verschaffen. Ich denke, dass wird bei euch ähnlich sein, aber wie verarbeitet ihr politische Situationen oder persönliche Umstände, wenn ihr keine Musik macht? Wie verschafft ihr euch außerhalb der Band Luft?
Minipax:
Da das sehr individuell für den einzelnen ist, sind hier individuelle Antworten gefragt. Bergi verbringt neben der Band tatsächlich viel Zeit außerhalb der Gesellschaft. Lieber Natur mit Hund und Herzensmenschen oder im Plattenzimmer. So ganz ohne Musik wird er unausstehlich… Jürgen kümmert sich darum mit Frau, Haus und Hund im reinen zu sein. Nikki wechselt am liebsten Windeln bei seiner kleinen Tochter und während Tom den Punk hochhält und mit Vorliebe Longboard, Skateboard oder Surfen geht, versteht Petzi vermutlich nicht was ohne Musikmachen gemeint ist. Wann immer es die Zeit zulässt, kann es auch vorkommen, dass man uns auf der Straße antrifft… immer da wo es relevante Freiheiten zu verteidigen gibt!

Ugly Punk: Über Punk wird oft diskutiert. Er wäre tot, er würde sich im Kreis drehen, er hätte alles schon gesagt etc. Wenn ihr euch die Zeitspanne von eurem ersten Kontakt mit “Punkrock“ bis heute in Erinnerung ruft, was würdet ihr sagen, ist anderes geworden?
Minipax:
Früher war mehr Dorfpunk (was übrigens nicht nur ländliche Regionen betrifft). Während man sich früher einfach jedes Wochenende in der Dorfdisko mit den gleichen Faschoarschlöchern geprügelt hat und in seiner begrenzten Welt einfach der Außenseiter war, muss man jetzt vieles sehr viel differenzierter und globaler betrachten. Man wird auf viel direktere Art und Weise mit den Krisen dieser Welt konfrontiert. Beispielsweise hat der alte „Kein Mensch ist illegal Aufkleber“ jetzt ein Gesicht bekommen. Dadurch zeigen übrigens auch einige „Szenemenschen“ ihr wahres Gesicht indem sie zur aktuellen Fluchtsituation vieler Menschen ihren unverblümten Kommentar ablassen. Ich denke Punk muss sich entscheiden wie politisch er weitermacht.

Ugly Punk: Nun seid ihr ja auch alle, wenn ich das mal so sagen darf, stylische Typen. Schicke und/oder hippe Frisuren, tätowiert, gepierct u.s.w. Welche Priorität haben denn bei euch Mode und Äußerlichkeiten? Und ist es o.k., sofern auch die anderen Werte stimmen, sich nebenbei auch darüber zu definieren?
Minipax: Wir würde uns gern adretter kleiden, jedoch schreibt uns unser Label einen bestimmten Dresscode und Lifestyle vor. (Tätowieren tut voll weh! Aua!)

Ugly Punk: Was sind eure Ziele mit der Band? Gibt es da Vorstellungen, Pläne oder Träume? Oder lasst ihr einfach alles auf euch zukommen?
Minipax:
Wir wollen möglichst zeitnah eine 12er rausbringen und damit touren. Wie genau, wo genau, wann genau weiß der große Bruder. Iron Maiden machen gerade Soundcheck, wir müssen weg. Bussi -161-