FIGHT NIGHT FESTIVAL (Landshut, 26. + 27.02.16)

FIGHT NIGHT FESTIVAL (Landshut, 26. + 27.02.16)

Die Fight Night in Landshut fand dieses Jahr sage und schreibe zum 11. Mal statt. Letztes Jahr durfte ich als Gast und Backstageschmugglerin vor Ort sein. Dieses Jahr stürmte ich selbst mit Absturzgefährdet die Bühne und wir eröffneten den Samstag. Aber von Beginn an…

Die Location ist die Alte Kaserne, bestehend aus einer recht großzügigen Halle und einem fast ebenso großem Backstage. An der Abendkasse gab es die Tickets für Freitag und Samstag für jeweils 20€ zu erwerben, also insgesamt 40€. Stattlicher Preis, aber wie ich finde trotzdem nicht zu teuer. Bier hat 2,50€ um den Dreh gekostet und es gab günstige belegte Toasts für die breite Masse. Mein Tipp: Das Essen für die Gäste könnte vielseitiger sein. Vielleicht belegte Brötchen oder ne´ warme vegane Vokü, was ganz einfaches wie Chilli “con Carne” oder ein bisschen mehr vom Backstage-Essen machen und zusätzlich an die Gäste verkaufen.

Den Freitagabend konnte ich leider nicht miterleben, habe mir allerdings sagen lassen, er lief recht gut. Persönliche Spione verrieten mir, dass an dem Abend Rather Raccoon, The Restless, Defenders of the Universe, Berlin Blackouts, Montreal und Sleim spielten.

Samstagnachmittag – 15 Uhr, Schuhe an, Hose an, Jacke an, wir warten auf unsere Bandmitglieder, damit man losfahren kann. Wir wollten ja schließlich überpünktlich da sein. 18:30 Uhr sollten wir als Erstes auf die Bühne. Es wurde dann irgendwie doch 16 Uhr, bis wir loskamen. Unser Navi verriet uns, dass es ziemlich knapp werden würde. Wir kamen pünktlich an, als wir auch schon anfangen sollten zu spielen. Minipax machten gerade noch unseren Soundcheck – danke Jungs. Jo, Bass gestimmt, Mikro gerichtet, fertig, wa? Das Blöde war, dass keine Beckenständer am Schlagzeug aufzufinden waren. Gut eine halbe Stunde verging, als das Drumset vollständig war und wir anfangen konnten. Ein klitzekleines Bisschen zu spät. Dafür waren in der Zwischenzeit bestimmt 20 Leute mehr vor die Bühne gekommen, die es alle nicht mehr erwarten konnten. Wir spielten unser verkürztes Set und die Zuschauer schauten zu und pogten manchmal.


Schnell räumten wir die Bühne für unsere Kumpels von Bei Bedarf. Ein wenig schlechten Gewissens suchte ich das Gespräch mit Huaba, dem Veranstalter, der mir versicherte, dass niemand stocksauer auf uns ist. Das erleichterte mein Gewissen und ich konnte den Abend von dort an genießen. Erstmal in Ruhe ein Bierchen trinken, alles wegessen und alle begrüßen. Ich freute mich auf Bei Bedarf, die mit ihrer lockeren Berliner Art eine solide Show spielten, bei einem Song begleitet vom Sänger von The Restless. Der Soundmensch machte einen guten Sound. Der Lichtmensch gutes Licht, sagte er mir im Laufe des Abends.

Minipax waren die Nächsten. Die Newcomer, die keine mehr sind, treffen voll meinen Musikgeschmack, das merkte ich aber schon letztes Jahr, wo sie auch schon hier spielten. Der Sänger der ehemaligen AmDamDes singt nun bei Minipax, die anderen Mitglieder sind auch alles sehr sympathisch. Mit ihrer Platte 1984 und ihrem Musikvideo “Zum Glück” starten die Jungs gerade ziemlich durch in der deutschen Punkszene. Bei mir stößt die Band jedenfalls auf großes Interesse. Das Publikum ging auch gut ab. Sind ja auch lokale Helden. Dann spielten Nof Nog, von denen ich leider nicht viel mitbekam, ich traf währenddessen scheinbar zu viele Menschen. Narcolaptic, die ich mir unbedingt ansehen wollte, gefielen mir sehr gut. Sie spielen eine Art härteren American Skate Punk, zumindest verknüpft sich bei mir dieser Begriff mit dieser Band.


Der Saal war nun schon recht voll und ich erinnerte mich an letztes Jahr, wo Alarmsignal spielte und gerade mal zwei Drittel davon an Publikum vor der Bühne stand. Das hat natürlich nichts mit Alarmsignal zu tun, sondern spiegelt eher wider, dass das Festival Jahr um Jahr mehr Publikum bzw. Zuwachs bekommt. Huaba, der Veranstalter, war zwar gestresst, zückte aber immer wieder heimlich seine paar Biermarken hervor und verteilte sie. Ich zog mir noch Fuckin’ Faces rein, die ordentlich Publikum zogen und für sehr gute Stimmung sorgten. Die alten Deutschpunkhasen habens immer noch drauf, da muss man auch nicht mehr auf der Bühne rumspringen und ne große Show abziehen. Weniger ist manchmal mehr.

Zu guter Letzt, alle fieberten auf diesen Moment hin, betraten Turbobier die Bühne. Lichtershow, Nebel und ein eingespieltes, vielversprechendes Intro waren zu sehen bzw. zu hören. Die supercoolen, sonnenbrillentragenden Österreicher fingen an, im höchsten Dialekt zu singen und der Saal verwandelte sich augenblicklich in ein Bierzelt mit Kirchweih- und Ballermannflair zugleich. Musikalisch nicht schlecht, ich bekomme jedoch den Gedanken nicht los, Playback herausgehört zu haben. Die Turbobier-Polizei entfernte nicht zaghaft ein fröhlich tanzendes Madl von der Bühne und auch die Akteure scheuten sich nicht davor, dem Publikum eine Bierspuckemischung ins Gesicht zu prusten. Sorry, ich kann einer Band auch zusehen ohne dabei zu lachen, nehmt mir das nicht böse. Als ein Cover von “Heut is so ein schöner Tag – schalalalala” angespielt wurde, ging ich. Ich wollte lieber noch ein Bier trinken und etwas essen. Für alle anderen vor der Bühne war das genau die richtige Musik, die nun perfekt auf deren Niveau passte.

Der Abend neigte sich dem Ende und ich war mir einig, schlafen zu gehen. Nachdem ich meine Jungs aufgesammelt habe, zwängten wir uns mit überschrittener Anzahl an Mitfahrern in ein Taxi und bedrohten den Taxifahrer, uns sofort nach Hause zu fahren und den, der da vorne läuft, auch noch mit einzusammeln. Wir übernachteten bei Vera und ihrem Freund, die übrigens in einer Band namens Polytox (hörenswert) spielen und ich muss sagen, das waren die besten Gastgeber aller Zeiten. Für nächstes Jahr Fight Night ist mein Schlafplatz auf jeden Fall schon mal gesichert und ich bin gespannt auf kommende Bands. Alles in Allem super organisiertes Festival, welches hoffentlich bestehen bleibt. Tomo