KRATZREIZ – INVASION

KRATZREIZ – INVASION
(Eigenproduktion)

Ach Nö, dachte ich bei dem Bandnamen und Schriftzug. Was soll das denn? Sind das ‘Trittbandfahrer’, wollen die sich über was lustig machen, sich einfach der Lieblingsband anlehnen oder sind die einfach nur unkreativ? Letzteres trifft zumindest auf die Musik nicht zu, das beweist das Trio aus der Skatstadt Altenburg/Thr. mit ihrem ersten, selbst gemachten Album. Also das Namensgedöns am besten vergessen, auch wenn dadurch doch eine gewisse Erwartungshaltung impliziert, aber auch Skepsis gehegt wird.

Es erwartet einen über 50 Minuten lang gut gemachter Teen-Punk von Mid-Twens. Dabei geht man mit großer Spielfreude zu Werke und weiß auch einige andere Einflüsse als den schnöden Drei-Akkord-Punk einzuflechten. Aber es gibt dennoch genug Gelegenheit das Pogobein zu schwingen. Und so sind 14 erfrischend abwechslungsreiche Deutschpunk-Stücke mit kräftigem Sound entstanden. Textlich ist das eigentlich auch ganz OK. Da gab’s wahrlich schon schlimmeres. Allerdings hätte man gerne etwas bissiger sein dürfen. Einige Themen werden ja ganz gut angegangen, aber irgendwie ist das dann doch viel zu harmlos. Irgendwie hab ich manchmal DIE ÄRTZE im Hinterkopf, wenn’s um die Art der Aufbereitung, sowohl inhaltlich als auch musikalisch geht. Und so haut KRATZREIZ auch den ein oder anderen Unfug raus. Sei es der REWE-Metal-Grunzsmasher oder pubertär-trinkfreudiges wie in „Ich will nicht mit dir schlafen“. Insgesamt aber halt doch alles zu lieb und nicht konsequent genug. Aber das schmälert den eigentlich recht positiven Eindruck dieser CD nicht übermäßig.

Ich denke, einige Hörer werden in der Scheibe einen Deutschpunk wiedererkennen, der mit zum schlechten Image dieser Spielart geführt hat – auch weil man manchmal den Eindruck hat, hier ist – angefangen beim Bandnamen – viel ‘nachgemacht’. Aber ich finde das gar nicht schlimm (bis auf den Bandnamen), mir gefällt ja so Kram. Vor allem wenn es, wie hier, solch eine gut aufgenommene, abwechslungsreiche Mucke ist. Gut, textlich könnte man schon etwas mehr Mut und weniger Vorsicht an den Tag und etwas an Naivität ablegen. Aber ansonsten lässt sich das Teil wirklich gut anhören. Mirko

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