HOFMANNS ELIXIER ODER: DIE WELT IST PERFEKT

HOFMANNS ELIXIER ODER: DIE WELT IST PERFEKT
von Regine Ahrem und Michael Rodach
(Majorlabel)

Ein Hörspiel vom Majorlabel… na sowas! Produziert vom rbb, also öffentlich-rechtlich. Aber immerhin handelt es sich um das Hörspiel des Jahres 2006. Hab echt schon länger keine Hörspiele mehr rezensiert oder gar gehört, obgleich ich in zwei Semestern Wahlseminar „Kinder- und Jugendmedien“ dutzende davon für das IfaK rezensieren und bewerten durfte. Bei so viel Nostalgie verzeihe ich doch gerne, dass dieses (inhaltlich) wissenschaftlich-historische Unterhaltungsmedium ohne das A5-Siebdruck-Cover der regulären Version hier angekommen ist. Die historische Person, die hier die Aufmerksamkeit genießt, ist Albert Hofmann, Schweizer Chemiker, der durch die künstliche Herstellung von Lysergsäurediethylamid (kurz: LSD) nicht nur in wissenschaftlichen, sondern auch in humanistisch-esoterisch veranlagten und aufgeschlossen-freimütigen Kreisen zum Begriff wurde.

Das Hörspiel beginnt mit einer persönlichen Vorstellung Hofmanns im O-Ton, bevor ein Erzähler kurzzeitig übernimmt. Es folgt ein Collage von Hofmann-Zitaten, die befürchten lassen, dass es sich vielleicht doch um eine eher seichte Aufbereitung des Themas mit primärem Bezug auf die Droge und ihre Rauschwirkung handeln könnte. In gewisser Weise ist es dann auch so, nur aber eben nicht seicht. Zu Beginn gibt es einen kurzen Abriss über den Entstehungsprozess, über die ersten Selbsterfahrungen bis hin zu den folgenden Tests, Analysen und Wirkungsbeschreibungen – auch aus nüchtern-medizinischer Sicht betrachtet. Schließlich widmet man sich auch noch den Auswirkungen des Stoffes auf die Drogenkultur. Dabei werden stets verschiedene Blickwinkel eingenommen: Eine mystische Sicht, philosophische Ansätze sowie meditative und erlebnis-orientierte Anwendung finden hier Beachtung. Ebenso wie die Popularisierung als reines Rauschmittel durch Dr. Timothy Leary. Aufbereitet wird die Geschichte mit Zitaten aus Hofmanns alten Aufschrieben, O-Tönen von damaligen Testpersonen und Medizinern, die eingespielt werden und vorgelesenen Beobachtungsprotokollen, Erfahrungsberichten und kurzen erzählerischen Überleitungen. Im Hintergrund stets untermalt von Komponist Markus Rodachs für passend empfundene Klänge und Sounds. Das sind diese auch meist, vor allem aber emotionalisierend, nüchtern betrachtet vielleicht manchmal sogar etwas überdramatisiert.

Von der Person Hofmann erfährt man leider nicht viel Neues in diesem Hörspiel. Das ist aber eigentlich auch schon das einzige, was es hier auszusetzen gibt. Die Collage aus verschiedenen Einspielern, Erzählung und Zitaten funktioniert und macht das Erzählte greifbarer. Da passt auch gut ins Gesamtbild, dass verschiedene Anwendungsindikatoren wertungsfrei betrachtet werden. Allerdings muss gesagt sein, dass es auch manchmal etwas anstrengend werden kann, wenn Stimmen übereinander gelegt sind, die Aufnahmequalität hörbar antiquiert ist oder allein wenn auch mal mit Fachwörtern hausieren gegangen wird, die vielleicht nicht jeder auf Anhieb versteht. Aber ich denke knapp 45 Minuten lang kann man sich auch mal auf etwas konzentrieren, denn das sollte man bei dieser dokumentarischen, interessanten Geschichtsstunde. Mirko

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