COLD READING – FRACTURES AND FRAGMENTS

COLD READING – FRACTURES AND FRAGMENTS
(Flix Records)

In der Schweiz ticken die Uhren etwas langsamer, so sagt man zumindest. Diese recht junge Band aus Luzern bedient dieses Klischee mit ihrem ersten Album allerdings und präsentiert neun Indie-Rock-Stücke die nicht gerade vor Tempo und Geschwindigkeit strotzen.

Von Beginn an geht es sehr getragen und einfühlend zu. Hier widerspricht die Band allerdings dem gängigen Bild des eher gefühlskalten, kalkulierenden und schroffen Schweizers. Denn sämtliche Beiträge gestalten sich reichlich emotional und nachdenklich. Man könnte schon fast sagen gefühlsduselig, für mich sogar fast einschläfernd. Auch wenn sich ein paar Beats einschleichen die durchaus als kräftig und auch leidenschaftlich beschrieben werden können. Trotz diesen etwas härteren Passagen bewegt man sich doch meist in den seichteren Gefilden des Alternative-Rock. Die musikalische Qualität möchte ich den Jungs dabei keinesfalls absprechen und auch vom Songwriting her ist das alles sehr kompetent und abwechslungsreich ausgefallen. Dies ändert aber nichts an der Tatsache, dass man sich vornehmlich traurigen und tragisch-bewegenden Stimmungen widmet, anstatt auch mal wirklich auf den Putz zu hauen oder etwas Fröhlichkeit zu transportieren.

Ich denke mal, dass die Scheibe sicherlich das Zeug dazu hat, mit seinen tiefgründigen und emotionalen Songs im Rocksegment erfolgreich zu sein und auch ein breiteres, dem Anspruch gerecht werdendes Publikum zu erobern. Mir ist das aber doch irgendwie alles zu gewöhnlich, zu gefühlslastig und meist auch zu lahm, weshalb ich die im Waschzettel verwendete Phrase „…von Anfang an weggeblasen“ nicht richtig nachvollziehen kann. Mirko

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