VOLCANO FESTIVAL – 11.07.2015 / Thelay

VOLCANO FESTIVAL – 11.07.2015 / Thelay

Gegen Ende der Woche kam ich auf die glorreiche Idee, zwecks dem geplanten Besuch beim Volcano-Festival, mal die Beziehungen spielen zu lassen und bei den befreundeten auftretenden Bands um Gästelistetickets zu ersuchen. Man kennt ja mittlerweile Land und Leute und meistens klappt das. Wenn man allerdings zwei Tage vorher erst antanzt, hat man in der Regel schlechte Karten. Der gute Alex Pascow konnte mir jedenfalls dann noch ein Presseticket als Uglypunk-Agent vermitteln und so kam ich kurz vor knapp sogar noch in den Genuss eines All-Area-Backstage-Passes, der mir das Festivalleben bei ca. 40 Grad doch erheblich erleichterte. Dafür schon mal ein dickes Dankeschön an Alex und Veranstalter Yannick vorneweg! Man könnte natürlich sagen, dass man ein solch cooles Festival doch lieber finanziell unterstützen sollte, in dem man Eintritt bezahlt, anstatt Gästelisteplätze zu schnorren. Da jedoch jedes Konzert oder Festival ohnehin  immer ein Kontingent an Gästelisteplätzen einplant, nutze ich diesen Luxus doch gerne und ohne schlechtes Gewissen und freue mich diebisch, nicht immer ewig für Bier im Plastikbecher anstehen zu müssen.

Das Volcano war mir bis dato unbekannt und fährt ein Line-Up auf, das sich gewaschen hat. Hier kann man sich ausnahmslos jede Band ansehen, überwiegend deutschsprachige Combos und dann noch Love A und Pascow als Headliner und eine der seltenen Shows von Casanovas Schwule Seite. Deutschpunker, wat willste mehr? Hier spielen keine überteuerten Pseudorockstars, die die Eintrittspreise sinnlos in die Höhe treiben, sondern die Creme de la Creme der Juzi-Band-Szene. Somit ist der Eintrittspreis von glaube ich 25 EU AK mehr als angemessen und der Bierpreis mit 2 EU für einen großen Becher ist in der heutigen Zeit fast unglaublich.

Das Gelände liegt mitten im saarländischen Städtchen Theley, mir ansonsten eher bekannt aus Wetterberichten im Radio („Theley heiter bis wolkig“), in einer Art Stadtpark. Entgegen unserer Erwartungen fanden wir bei unserer Ankunft gegen 16 Uhr auch noch ohne Probleme einen Parkplatz ganz in der Nähe. Ohne Probleme bekamen wir am Einlass unsere Akkreditierungen (ich konnte für Fahrer Olvis auch noch einen Gästelisteplatz ergattern, man lässt sich ja nicht lumpen, danke Hasan!) und gelangten ohne größere Sicherheitsmaßnahmen durch die einzige Schleuse auf das Gelände. Überall saßen kleine Grüppchen, waren trotz oder gerade wegen der Hitze bestens gelaunt und harrten der Dinge, die zu erwarten waren. Äußerst entspannt das Ganze! Ich kann dieses schnuckelige Festival nur empfehlen! Das Gelände war noch nicht sehr voll, ich vermute das die meisten Leute wegen der Hitze dann doch erst abends anrücken wollten, denn von den später vermeldeten 1400 zahlenden war hier noch nichts zu sehen. Dennoch rotzten CHRISTMAS, die erste Band die wir an dem Tag mitbekamen und ja auch saarländische Lokalmatadore sind, bestens gelaunt ein amtliches Set heraus. Die Sonne knallte ungebremst voll auf die Bühne und ich konnte mir gut vorstellen, wie die Musiker da gegrillt wurden. Vielleicht ergriff deshalb Sänger Mäx Motherfucker die Flucht auf das Dach der Bühne, in bester Campino – Manier, wer weis. Eine angemessene Fanbase war am Start und feierte ihre Helden gebührend. So langsam traf man dann auch auf diverse bekannte, wie z.B. die Reisegruppe Bierschinken aus dem Ruhrpott, diverse befreundete Musiker und auch die Reisegruppe Schnapsmike von der Mosel. Als nächstes waren BAMBIX an der Reihe, die Live ja immer eine sichere Bank sind. Neben Caddy an den Drums gibt’s auch mal wieder einen neuen, zotteligen, bärtigen Bassisten, der mir bisher noch nie aufgefallen war.


Wie auch immer. Mir fiel bei Bambix der brilliante, bombastische Sound auf. Glockenklar, schön laut und druckvoll, so das es durch Mark und Bein geht und doch auch mit dem nötigen Rotz. Da ließ sich die Soundcrew am frühen Nachmittag nicht lumpen, das kennt man von anderen Festivals anders. Noch ein Grund für euch, hier unbedingt mal hinzufahren! Bambix hatten natürlich alle Hits im Gepäck und waren wie immer gut gelaunt. Matula und Kampfsport, auch zwei hoch gelobte Bands der Neuzeit, konnte ich größtenteils nur aus der Ferne wahrnehmen, da es, wenn mich meine Biergeschwängerten und hitzegegrillten Erinnerungen nicht im Stich lassen, nun Zeit war, den neuesten Schnaps aus Schnapsmikes Produktion zu testen. Möglicherweise ist das auch der Grund, warum meine Erinnerungen nun immer bruchstückhafter werden. Pünktlich zu CASANOVAS SCHWULE SEITE trafen wir wieder vor der Bühne ein. Claus hatte ich bereits mittags getroffen und mir war natürlich sofort sein tolles neues Bühnenoutfit ins Auge gesprungen. Wie ich es mir sofort gedacht habe, sollte es im Nachgang auch noch für gewaltige Diskussionen im Netz sorgen, um nicht zu sagen einen Shitstorm auslösen.


Wenn einer ein eigens aus dem Indien-Urlaub eingeflogenes Hemd mit dieser Symbolik auf der Bühne eines Festivals tragen darf, dann Claus, der Meister der, nennen wir es Provokation. Abgerundet wurde das ganze nicht zu vergessen durch den Hut und die geile Pornobrille und natürlich den passenden Pornobalken. Was viele Menschen aus nachvollziehbaren Gründen als ziemlich daneben auffassten, halte ich für….naja, was soll ich sagen, wenn einer das darf, dann Claus. Wird man dadurch zum rechtsoffenen Grauzoni? Beantwortet euch das bitte selbst. Humor ist wenn man trotzdem lacht und die provozierte Welle an künstlicher Entrüstung und Negativpromotion ist ja schließlich wie erwartet eingetroffen. Mich wundert ohnehin, dass die Band bisher nicht wegen ihrem Namen angefeindet wurde. Vielleicht ist mir das auch nur entgangen. Wer mich mit virtueller Scheiße bombardieren möchte, findet meine Kontaktdaten auf dieser Seite.

Zurück zu den wichtigen Dingen im Leben, z.B. Musik. CSS spielten glaube ich wie immer alle Hits ihres einzigen Albums, welches einen unauslöschlichen Stern am Punkrockhimmel darstellt. Jede Zeile eine Sternstunde und dementsprechend gutgelaunt wurde vor der Bühne auch mitgegröhlt. Höllenfeuerlicht, Mein Kühlschrank, Ich liebe dich für immer, In Grafenwöhr, 1980 usw. und auch der ein oder andere Song von der nachgeschobenen EP „Der Mann mit dem goldenen Knie“ wurden rausgehauen, garniert von den übliche Texthängern und Verspielern, allerdings in erträglichem Ausmaß. Alles in allem ein grandioser Gig von einer grandiosen Kapelle.

ADAM  ANGST sind an mir bisher auch völlig vorbeigegangen. Die Herren in den edlen schwarzen Outfits beeindruckten mich mit ihrem bombastischen Sound, der wenn mir mein gegrilltes Gehirn keinen Streich gespielt hat, von Synthie – Klängen untermalt wurde. Eine weitere hoch gelobte Band der neuesten Schlau-Punk-Generation, die live auch durchaus zu überzeugen weiß. Vor der Bühne wurde es jetzt jedenfalls langsam richtig voll und die Band wurde gebührend gefeiert. Ob ich wohl mal aus meiner heilen 90iger-Jahre-D-Punk-Welt über den Schubladenrand schielen sollte und mich an die vielen neuen Bands ran wagen sollte? Könnte Sinn machen. Als nun LOVE A die Bühne enterten, war es bereits angenehm am dunkeln und man konnte so langsam auch wieder halbwegs atmen. Vor der Bühne war nun die Hölle los und die Band legte trotz unverzerrter Gitarren ein gewaltiges Brett hin. Der Vorteil dieses Sounds ist, dass man jedes Wort der angenehm poetischen Texte verstehen kann und der Sound hier war ohnehin sehr gut, wie bereits erwähnt. Auf Platte zünden Love A bei mir nicht so richtig, live sind sie jedoch grandios. Von Jörkks Zahnproblemen war hier nichts zu spüren, er spielte mit dem Publikum wie der geborene Frontmann, im Gegensatz strahlt der Rest der Band in stoischer Ruhe einfach nur geballte Kompetenz aus, hehe. Bassist Dom und Gitarrist Stefan haben nach jahrelanger Dudelei in erfolglosen aber hervorragenden Trierer Kellerbands wie z.B. FLAMING HOMER problemlos den Sprung auf die große Bühne und an die Speerspitze der neuen deutschen Punkwelle geschafft und Jörkk ist ja einschlägig vorbelastet. Drummer Karl ist mir bis dato unbekannt, passt aber ins Bild. Passt alles, sehr gut, setzen. Was soll man zu PASCOW noch für große Worte verlieren? Wie erwartet rockten sie die 1400 Anwesenden und nun auch alle vor der Bühne präsenten Festivalbesucher in Grund und Boden.


Die Band war in grandioser Spiellaune, wurde mehrmals zu Zugaben zurückgeholt und hatte ein Programm an Bord, das gespickt von älteren, mittlerweile als Klassiker zu bezeichnenden Songs wie z.B. „Trampen nach Norden“ keine Wünsche offen ließ. Gefühlte 2 Stunden lang haute die Band alles raus was möglich war und gab der im wahrsten Sinne des Wortes aufgeheizten Meute den Rest. Wehende Fahnen, Pyros, stagedivender Alex, all das und noch viel mehr rundeten ein rundum gelungenes Festival ab.

Verschiedene Gastsänger gaben sich ein Stelldichein, wie z.B. Ingo Donot oder Nadine Mötherfucker von CHRISTMAS, die auch auf der aktuellen Platte zu hören ist. Man kennt sich hier und das ist gut so.


So ging ein absolut geniales ein-Tages-Festival zu Ende. Einzelheiten zum Pascow-Gig aufzuzählen ist eigentlich gar nicht nötig, es war ein einziger grandioser Siegeszug. Ich freue mich schon auf das nächste Jahr und hoffe, dass die Veranstalter ihr gutes Näschen für Bands beibehalten. Die Pascow Fotos sind von Measy, danke dafür! Leider war ich zu, ähm… beschäftigt, um ausgiebig zu fotografieren. Ich kann dieses Festival nur empfehlen, nächstes Jahr, alle hin da! Wenn es überhaupt ein Manko gibt, dann wäre das die fehlende Zeltmöglichkeit, aber es gibt ja genügend Mittel und Wege, dieses Problemchen zu lösen.

www.revolverstyle.de
www.volcanofestival.de