DER GESTRECKTE MITTELFINGER #8

DER GESTRECKTE MITTELFINGER #8
Falk Sinß
Seerobenstraße 27HH
65195 Wiesbaden

Die letzte Ausgabe des Mittelfingers liegt nun bereits zwei Jahre zurück. Da ist es bestimmt nicht so schlimm, wenn die Rezension erst gut drei Monate nach Erscheinen abgegeben wird. Allerdings habe ich das Teil auch erst vor wenigen Tagen in die Finger bekommen, die 92 Seiten starke Ausgabe dafür aber mehr oder weniger in einem Rutsch durchgelesen.

Der Inhalt ist, wie schon in der letzten Nummer sehr ausgewogen. Lediglich zwei Bandinterviews befinden sich darin, allerdings füllen diese schon einige Seiten. Zum Gespräch wurden diesmal die Hamburger von NOTGEMEINSCHAFT PETER PAN gebeten. Ebenso wie die deutsch-amerikanischen HC-Skate-Punker von SCHEISSE MINNELLI, die musikalisch gesehen nicht wirklich meinen Geschmack treffen. Beide Interviews kommen recht locker rüber und scheinen auch allen Beteiligten viel Spaß gemacht zu haben. Das überträgt sich auch auf den Leser, wodurch es eigentlich auch völlig egal ist, ob man die Bands nun kennt oder deren Musik mag. Ein bisschen Information gibt’s auch und zwar zu dem niederländischen Kunstfälscher Han van Meegeren, der unter anderem dadurch für Aufsehen sorgte, dass er Hermann Göring eine seiner Fälschungen, die für einen Kenner leicht als solche zu erkennen war, andrehen konnte. Des Weiteren gibt es eine Abhandlung zum Thema Waffen mit einer kurzen Übersicht über Waffenhersteller und -exporteure aus Deutschland. Beides ist nicht wirklich tiefgründig, dafür aber durchaus interessant zu lesen. Dann gibt es auch noch ein paar persönliche Geschichten direkt aus dem Leben und diese sind wirklich sehr unterhaltsam. Dabei geht’s um eine Hand-OP, eine goldene Hochzeit auf dem tiefsten Land und schräge Erlebnisse beim Konsum des allseits beliebten Hansa-Pils. Lustig gemeint, für mich aber etwas albern und überflüssig ist die Geschichte der fiktiven fernöstlichen Kampfkunst Phuk-Wang-Dong. Umso besser dafür der Rückblick auf die ‘legendären’ Chaostage in Wiesbaden anno 2004, bei dem sich verschiedene Teilnehmer dieses unvergessenen Spektakels zurück erinnern. Das ist wirklich ganz großes Kino. Angeblich liegt dem Heft auch noch eine CD bei, die von MATULA RECORDS gesponsort wurde. Leider kann ich dazu nix sagen, da die CD dem Rezensions-Exemplar nicht bei lag.

Auch die Nummer 8, die wie gewohnt als klassisches kopiertes A5-Heft im Punkrock-Layout daher kommt, gefällt mir wieder ziemlich gut. Eine sehr unterhaltsame, kurzweilige Lektüre, die sich nicht immer allzu ernst nimmt und ein abwechslungsreiches Themengebiet abdeckt. Auch der locker-flockige Schreibstil weiß zu gefallen, wobei man intellektuell weder über- noch unterfordert wird. Das Prädikat ‘lesenswert’ kann man hier also bedenkenlos vergeben und von mir aus könnte das Teil ruhig öfter erscheinen. Aber voraussichtlich wird auch bis zur nächsten Ausgabe wieder einige Zeit ins Land ziehen. Wer nicht so lange warten will, dem empfehle ich deshalb auch mal auf der Homepage des Mittelfingers vorbeizuschauen. Mirko

www.dergestrecktemittelfinger.de