G. RECKE – KATERTAG

G. RECKE – KATERTAG
(Impact Books)

Nun komme ich also in den Genuss, die gesammelten Werke von Recke mal auf einen Schlag durch zu lesen.  Bekannt ist mir der Literat ja bisher nur flüchtig durch die Recke-Zeit im Kamikaze-Radio. Allerdings hab ich am ersten Donnerstag des Monats selten Zeit mir diese Beiträge rein zu ziehen. Aber nun ist es ja erschienen. Das Best-of aus fünfzehn Jahren in einer Sammlung mit Gedichten, Anekdoten und Kurzgeschichten, die großteils auch schon in dieser oder einer ähnlicher Version mit dem Taschenrecke in einer handlichen, periodisch erscheinenden Verwertungsform, oder als Text zu Musikstücken der Band KELLERGEISTER öffentlich zugänglich gemacht wurden.

Unterteilt ist das Buch in mehrere thematisch geordnete Kapitel. So erzählt Recke zunächst ‘fiktive’(?)  Anekdoten aus seinem Alltag und skizziert dann die Szenen der gescheiterten Ehe von Ute & Bernd. Danach versucht sich Recke an grusligem und kriminellem bevor es in die Sektion der Gedichte geht. Im Anschluss tauchen wir nochmals in den Alltag ein, bevor wir zum Schluss einige Geschichten gescheiterter und abgehalfterter Rockstars zu lesen bekommen. Aber ohne eine Zugabe geht Recke natürlich auch nicht. Der Autor ist also breit aufgestellt was Themenvielfalt und literarische Form angeht. Leider aber bin ich inhaltlich gesehen doch enttäuscht. Nicht etwa was die Themen und die Geschichten an sich angeht, denn da sind wirklich tolle Ideen dabei. Sei es nun, dass Gunter Gabriel bei einem übernachtet, man Johnny Cash nervt, mit dem Boss abhängt, eine Topfpflanze rettet oder die Eltern vom Land unverhofft zu Besuch in die versiffte Großstadt-Bude kommen. Ja das hat alles Potential, ebenso wie die Geschichten im Bereich „Gänsehaut & Rache“. Die Gedichte hab ich allerdings nur mal überflogen und quergelesen. Das entspricht halt dann doch nicht so dem, was ich gerne lese. Das mag ich dann doch lieber als lyrischen Vortrag mit musikalischer Untermalung. Aber egal. Der Schreibstil ist flüssig und oftmals flapsig, wenn auch manchmal etwas bemüht, in den Geschichten um Ute & Bernd aber auch mal ordinär und dreckig. Im Aufbau sind die Storys durchaus gelungen, so dass man in Erwartung auf eine Pointe oder der Auflösung der Spannung bzw. Situation dem Ende entgegenfiebert. Aber dann kommt leider irgendwie nichts! Bei den meisten Geschichten fühlt man sich daher am Ende etwas alleingelassen, schaut sich verwundert nach links und rechts um und denkt: war’s das jetzt, oder was? Man kann dies Gefühl auf fast alle Geschichten übertragen, hervorgerufen jedoch durch drei verschiedene, sich wiederholende – ich nenne es mal – ‘Stilmittel’. Zum ersten: Die beschriebene Situation ist total belanglos. Nichts gegen Sinn-befreites. Im Gegenteil. Hier mangelt es allerdings etwas an Skurriliät und Überspitzung um solche Situationen entsprechend interessant und nachhaltig zu gestalten. Zweitens: Es fehlt einfach die Pointe. Da wird auf humorvolle, auch mal derbe Art gelungen auf eine Schlusspointe hingearbeitet, und dann kommt da keine. Nix. Einfach zu Ende. Es gibt keine Pointe. Drittens, vor allem bei den „Gänsehaut“-Storys zu beobachten: Es handelt sich um Kurzgeschichten bei denen man mitten in eine Handlung geworfen wird. Diese wird dann atmosphärisch und spannend weitergesponnen. Doch plötzlich bricht die Geschichte unverhofft ab, genau dann, wenn man wissen möchte wie es weiter geht. So als ob man nur eine halbe Story zu lesen bekommt. Alle drei Punkte vereint, dass es mir so vorkommt, als sei dem Autor zum Schluss hin nichts mehr eingefallen.

Bei aller Kritik muss ich dennoch sagen, Recke versteht es wirklich gut, den Leser sich in eine bestimmte Situation, Stimmung, Atmosphäre hinein versetzen zu lassen. Dabei fesselnd, erwartungsfroh machend, auch mal spannend aufgebaut und mit abgefahrenen Ideen. Umso mehr fällt da dann natürlich ins Gewicht, wenn die aufgebauten Erwartungen am Ende nicht erfüllt werden. Schade eigentlich. Mirko

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PS: Es gibt auch noch ein Hörbuch aus dem Jahr 2014, welches ich ebenfalls zur Rezension vorgelegt bekommen habe. Dies wird zu gegebener Zeit in einer separaten Abhandlung Thema sein.