VERLORENE JUNGS – S/T

VERLORENE JUNGS – S/T
(Schema F Records)

Die VERLORENEN JUNGS werden so manchem noch als lupenreine Oi!-Punk Band ein Begriff sein, doch diese Zeiten gehören längst der Vergangenheit an. Seit man im letzten Jahrzehnt die einstigen musikalischen Pfade Stück für Stück verließ, hat sich bis auf den Bandnamen eine Menge verändert. Die Jungs sind weitergezogen, haben sich von allen Schubladen und Szenezwängen gelöst und das musikalische Spielfeld kräftig vergrößert.

Die vor Jahren begonnene experimentelle Phase hält auch weiterhin an, wenngleich ich vielleicht auch in Betracht ziehen muss, dass das gar keine Phase ist, sondern die Band einfach angekommen ist und ihren Sound gefunden hat. Für das Dargebotene macht es aber keinen Unterschied, denn das ist gut gespielter Indie-Rock-Punk mit vielen Ausflügen und einem guten Händchen für persönliche und tiefsinnige Texte. Ein wenig MUFF POTTER, ein wenig TURBOSTAAT oder auch ein wenig SCHROTTGRENZE. Passend dazu hat dann auch SCHROTTGRENZE Bandleader Alex Tsitsigias beim Stück „Monoton“ mitgewirkt. Der gute Rio Reiser wirkt indirekt und in Gedanken auch bei einem der 13 Songs mit, und zwar wenn sein alter Klassiker „Menschenfresser“ gecovert wird. Überhaupt lassen die Texte tief blicken und sind durch die Bank weg nachdenklich.

Für einige Fans der ersten Stunde wird diese krasse Weiterentwicklung nicht leicht zu verdauen sein, aber da ich das nicht war, kann ich hier und heute von einem sehr positiven Wandel sprechen. Wurd´ ich mit dem alten Kram der Kapelle überhaupt nicht warm, so wird mir jetzt umso wärmer ums Herz. Nur bei der Covergestaltung wäre garantiert mehr drin gewesen. Inhalt aber 2+. Spike

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