PROUD TO BE PUNK #21

PROUD TO BE PUNK #21

Bin in der letzten Zeit nicht so oft mit der Straßenbahn gefahren, deshalb hat’s diesmal etwas länger gedauert, die neueste Ausgabe des „Proud to be Punk“ durch zu schmökern. Denn auch diesmal sind wieder 80 eng bedruckte Seiten zu lesen, die einen beachtlichen Informationsgehalt aufweisen. Wie immer eine Mischung aus Musik, Alltagsberichten, Politik und Hintergrundinformationen sowie dem Regionalbericht in Form des Sachsen-Reports.

Einen größeren Teil in dieser Ausgabe nimmt der zweite Teil des Jubiläums-Rückblickes ein, in dem Jan die Ausgaben Nummer 11 bis 20 nochmals etwas distanzierter und reflektierend unter die Lupe nimmt, deren Inhalt und Entstehung kommentiert und auch Leser und Wegbegleiter zu Wort kommen lässt. Aber Jan war auch wieder unterwegs. Diesmal in Hamburg und Bremen; Und dabei lässt er uns an seinem Trip teilhaben, der nicht nur aus Konzert- und Kneipenbesuchen bestand, sondern auch aus dem Besichtigen diverser Museen der beiden Hansestädte. Dazu gibt es auch weiterführende geschichtliche Informationen, die manchmal vielleicht ein wenig zu ausführlich geraten sind. Ebenso verhält es sich mit einer Aufklärung zur Geschichte Kronstadts. Eine geschichtsträchtige Stadt und ehemaliger Marinestützpunk der durch den Matrosenaufstand zu Beginn des letzten Jahrhunderts bekannt wurde und auch darum im Bandname diverser Punk-Bands auftaucht. Für historisch Interessierte auf jeden Fall sehr informativ. Noch mehr historisches findet sich in der Zusammenfassung eines Vortrages zur Geschichte der Antifa. Zum Interview wurden wieder einige Bands geladen, um hauptsächlich Stellung zu politischen Themen zu beziehen, aber auch um ihre Motivation und ihre zum Teil schwierigen Lebensumstände zu erläutern. Hierzu gehören Moscow Death Brigade (Russland), Life Scras (Polen) und Ulrikes Dream (Belgien). Vorgestellt wird zudem die peruanische Anarcho-Punkband Autonomia, die bereits auf eine längere Geschichte zurückblicken darf. Hinzu kommen noch einige Buchvorstellungen und ein etwas längerer Konzertbericht der DDR-Kultband L’Attentat, die nach langer Zeit mal wieder auf der Bühne stand.

Es gibt also wieder viel zu entdecken, wobei auch die Bildung nicht zu kurz kommt. Auch wenn Jans Schreibstil flüssig, verständlich und nie langweilig ist, sind mir diesmal manche Artikel aber doch ein wenig zu lang und zu sehr ins Detail abschweifend. Dies sollte aber niemanden, der etwas Grips in der Rübe und Interesse an Geschichte, Politik, Kultur, Punk und Musik hat, davon abhalten, sich auch diese Ausgabe zu Gemüte zu führen. Denn das „Proud to be Punk“ gehört für mich nach wie vor zu den interessantesten und informativsten Fanzines. Mirko

jan.sobe@t-online.de