VampirVampy (Interview mit einem Vampir)


Wann hat man schon einmal die Gelegenheit einen „echten“ Vampir zu interviewen? Das kommt nicht alle Tage vor. Das letzte Mal, dass das jemandem gelungen ist, liegt gut zwanzig Jahre zurück und Brad Pitt und Tom Cruise spielten dabei die Hauptrollen. In meinem Falle spielt nun Stefan Riegel aus Berlin VampirVampy.

Stefan, wann hast du begonnen, als Untoter ein Publikum zu beehren? Ich habe neulich einen sehr schaurigen Clip von dir aus dem Jahre 1997 entdeckt… Ich glaube, da warst du noch kein Vampir, hattest weder Flaum- noch Bartbewuchs, konntest die Leute aber dennoch sehr gut musikalisch unterhalten. Bist du ein Naturtalent oder hast du dich jahrelang mit einem Kindergitarrenkoffer in Musikschulen herumgetrieben?

VV: Mein Papa war Keyboarder in verschiedenen Bands und so brachte ich mir mit 10 Jahren Keyboardspielen bei. Später als Teenager war das aber langweilig, sodass ich mit 16 Jahren Gitarrespielen lernte. Als ich mir dann soweit sicher war, traute ich mich 2000 auf die Bühne, brach auf „Offenen Bühnen“ oft das Zeitlimit und coverte mit blondgefärbtem Haar viel DIE+ÄRZTE, weil ich selbst noch zu wenig eigene Stücke hatte. Kam gut an, doch mit der Zeit hatte ich genug eigenes Material und färbte mir die Haare schwarz, um niemanden mehr zu imitieren und was eigenes zu machen!

Wenn man deinen Namen auf Youtube eingibt, findet man einige, sehr unterhaltsame Clips von dir. Würdest du dich als Youtuber bekennen oder sollte man dich eher unter der Rubrik Singer/Songwriter oder gar als Comedian einordnen? Oder anders ausgedrückt- Wie würdest du deinen Musik- und Unterhaltungsstil kurz und knapp beschreiben?

VV: Ich sehe mich als Singer/Songwriter und mehr! Bei meinen Auftritten spiele ich düsteren, akustischen, melodischen Gitarren-Pop-Punk und unterhalte mein Publikum mit einer humorvollen und abwechslungsreichen Show, in der auch mal mein Keyboard, Halbplayback und/oder mein Dauer-Spezialgast Graf Zahl zum Einsatz kommt!

Hast du bereits Platten- bzw. CDs veröffentlicht?

VV: Es gibt eine Demo-CD, die ich seit 2002 stets mit neuen Songs aktualisierte. Zu meinem 15jährigen Bühnenjubiläum dieses Jahr habe ich jedoch endlich mal vor, ein Debüt-Album in guter Qualität aufzunehmen, ohne selbstgebrannten CDs und
gedrucktem Cover! Quasi ein Best of-Album.

Siehst du dich auch als Punk, denn schließlich hattest du nichts dagegen in einem Punkrock-Fanzine veröffentlicht zu werden?

VV: Ich sehe mich als eine Mischung aus Grufti und Punker aus den 80ern!

Ist der Die Ärzte-Stempel, der immer wiedermal auf deiner Stirn erscheint, ein Fluch oder ein Segen für dich? Und hast du schon einmal Die Ärzte persönlich kennengelernt? Wissen sie von deiner Existenz?

VV: Es kommt darauf an! Natürlich möchte jeder Künstler etwas Neues erschaffen und mit niemandem verglichen werden, aber mit meinem über 20-Jahre-Fan-Dasein liegt es in der Natur, dass sich mein hauptsächlicher Musikstil der Band ähnelt und da sie nicht ganz so übel sind, komme ich da schon gut weg, vor allem bei ihren Fans! Habe sie öfters nach Konzerten getroffen und „VampirVampy“ haben sie sicher schon irgendwo mal gehört!

Hast du neben Die Ärzte auch noch andere musikalische bzw. kabarettistische Vorbilder? Wer oder was inspiriert dich?

VV: Der Klavierkabarettist Bodo Wartke inspiriert mich sehr, sowie Jarle Bernhoft!

Was macht ein singender Vampir tagsüber- schläft er oder geht er einer geregelten Arbeit nach? Wenn ich mir spezielle Video-Clips von dir ansehe, keimt der Verdacht in mir auf, dass du entweder bei Real den Müll trennst oder als Metzgermeister tätig bist… (Tip von der Redaktion: Die meisten Leser von Ugly Punk sind militante Veganer!!!)

VV: *haha* Bin wirklich Fleischergeselle und habe mal bei Real als „Pappnase“ gearbeitet. Mittlerweile mach‘ ich aber was anderes!

Die Vampir-Erfolgsreihe „Twilight“ oder auch das ältere Modell „Interview mit einem Vampir“ haben den Vampir als Sexsymbol salonfähig gemacht. Ist das der Grund, weshalb du mit diesem Klischee spielst? Erhoffst du dir dadurch besser bei den Mädels landen zu können? Oder gibt es noch andere Gründe für deine Berufswahl?

VV: Eigentlich stehe ich auf Ville Valo von HIM und wollte auch, dass mein Künstlername in Interviews mit VV abgekürzt wird!


Als rasende Ugly Punk Reporterin bin ich immer auf der Suche nach einem politischen Statement. In deinen Texten konnte ich diesbezüglich nichts entdecken. Also hier nun nochmal auf den Vampirzahn gefühlt: “Gibt es Dinge, die dich außerhalb deiner eigenen Komfortzone ärgerlich machen?”

VV: Natürlich! Homophobie, Gewalt, Faschismus, Sexismus und Rassismus! Meine eher linke Einstellung sollte man aber auch schon an meinem damaligen Outfits erkennen. Ich muss keine Steine schmeißen oder die APPD wählen, aber gegen „rechts“ zu sein zeugt für mich alleine schon von gesundem Menschenverstand!

Du singst mit Vorliebe zum Detail über Selbstverstümmelungen und andere unappetitliche Dinge. Die Musik und Vortragsweise stehen dabei im krassen Gegensatz zu den vorgetragenen Worten… Was bezweckst Du mit dieser Art von Songwriting? Und wie reagiert nun ein ernsthafter Dark Waver auf deine Kunst? Fühlt er sich nicht in seiner Ernsthaftigkeit verletzt?

VV: Mir wird ja vorgeworfen, dass ich die „schwarze Szene“ verarsche. Ich finde nur das ganze Gehabe von Selbstmitleid, Traurigkeit und/oder dieses „Ich bin so cool!“ auf der Bühne langweilig und wird in dieser Szene völlig überbewertet! Grufties sollten auch mal lachen dürfen.  Neulich kam ein Gast auf mich zu und meinte: „Wow, Du spielst auf einem „Schwarzen Event“ einen Blues? Wie mutig.“ Ich war sehr überrascht, dass das überhaupt zur Sprache kam und anscheind für „Aufruhr“ sorgte. Darüber mach(t)e ich mir keinen Kopf!

In der Mystery-Hörspiel-Serie „VERTIGO – Manchmal sind Traum und Realität nur schwer zu unterscheiden“ von Hajo Bremer, leihst du ab Folge 6 „Glanz“ sehr überzeugend dem Serienkiller Jeffrey Goines deine rotkehlchenhafte Stimme… Inwieweit kann sich nun ein Vampir mit einem Serienkiller identifizieren
bzw. fällt es dir leicht, in andere Rollen zu schlüpfen? Und hast du auch noch anderen Hörspiel-Bösewichten deine Stimme verliehen?

VV: Vor allem Junkies, Psychos und gestörte Mörder fallen mir leicht. Warum auch immer, und macht mir Riesenspaß sie zu spielen! Ich denke, ich habe auch so ein schauspielerisches Talent, doch als Stotterer ist es da schwieriger Fuß zu fassen. Allerdings kann ich in einer Rolle und wenn ich alleine bin flüssig sprechen. Die Sprechaufnahmen zu „Goines“ fanden bei
mir im Schlafzimmer statt und ich hoffe, dass er noch lange weiterlebt!

In der Musikkomödie „Blutzbrüdaz“ mit Sido. spielst du einen U-Bahnfahrgast. Das ist wieder einmal typisch für Sido- er umgibt sich gern mit zwielichtigen Gestalten! Konntest du dieser Rolle gerecht werden oder mit welcher Intention hast du diesen U-Bahnfahrgast gespielt? Hast du auch noch in anderen Filmen mitgewirkt?

VV: Also, für die Rolle brauchte ich etwa 2 Monate Vorbereitung und 4 Monate Schauspielunterricht. Hat sich gelohnt, oder? Sonst habe ich in Gasher G.14’s “Horrorklänge aus dem All” als Zombie mitgewirkt und hatte einen Cameo-Auftritt in Ben Sager’s “GOT Meat 2 – Bungo Unchained”, die man beide auf YouTube finden kann. Macht mir Spaß!

Du kannst nicht nur unappetitlich- vor allem das traurig-schöne Sternschnuppenlied hat es mir angetan… Wahrscheinlich eine wahre Geschichte, oder? Ich glaube, die richtig nachhaltig wirkenden Songs entstehen aus diesen tiefen Erfahrungen heraus, im positivem wie im negativen Sinne… Und ich denke, als Songwriter benutzt man dann sogar die Musik als Mittel, um diese Dinge zu verarbeiten. Siehst Du das auch so?

VV: Ja, zumindest für mich eine effektive Art oder es mit den Worten von Bodo Wartke zu sagen: „Auch wenn die Liebe geht, die Liebeslieder bleiben!“

Was verbindet dich mit der Musik der 80iger Jahre? Deine Facebook-Aktivitäten deuten darauf hin, dass Du von Zeit zu Zeit 80iger Jahre Partys auflegst und auch deine Rammsteinparodie erinnert mich stark an die sogenannte Neue Deutsche Welle. Siehst du deine Mission darin, diesen Musikstil wiederzubeleben bzw. weiterzuentwickeln?

VV: Die 80er-Jahre im Allgemeinen finde ich super! Klamotten, Musik, Filme, Partyleben und vor allem die bunten/toupierten Frisuren! Es macht mir einfach viel Spaß die Musik zu hören und als DJ ein Teil davon zu sein und aufrechtzuerhalten. Jeden 2. Freitag in Berlin im BALLHAUS SPANDAU! 

Wenn mich nicht alles täuscht, bist du schon einmal im Vorprogramm von Wolf Maahn im Tempodrom in Berlin aufgetreten. Wie bist du dazu gekommen und mit welchen Künstlern/Bands hast Du Dir sonst noch die Bühne geteilt?

VV: Durch Bandcontests lernte ich den Micha der Konzert- und Bookingagentur „Mika Productions“ kennen, sodass ich davon erfuhr und mich bewarb. Von einem Haufen sehr vieler Anfragen wurde ich dann vom Management auserwählt. Ich spielte schon u.a. mit WE OUTSPOKEN, Tunes Of Dawn, Sascha Grammel, SCREAM SILENCE, Solar Fake, Eskil Simonsson (COVENANT), Vicky Vomit, ZERAPHINE, Der Tod (Death Comedy), The Skatoons, VLAD IN TEARS, Florian Grey, Elena Alice Fossi (KIRLIAN CAMERA), The Deep Eynde, SECOND-HAND HERO, Der Fluch, OST+FRONT und MEYSTERSINGER!

Als Herr der Finsternis ist es dir sicherlich ein großes Anliegen, auch in anderen Wesen, der Finsternis zum Durchbruch zu verhelfen. Dies scheint mir, ist dir gerade bei dem WDR Moderator Jürgen Domian und Deinen „DOMIAN – Director’s Cuts“ sehr gut gelungen. Kannst du uns kurz etwas über dieses Projekt erzählen? Wie bist du auf diese Idee gekommen? Hast du schon Ärger mit Jürgen Domian oder anderen Betroffenen bekommen?

VV: Ich stolperte durch Zufall bei YouTube über so einen Cut und hatte Tränen gelacht! So wollte ich es auch mal versuchen, mit Erfolg! Bisher keine Reaktion von Jürgen Domian oder Betroffenen.

Als Vampir droht dir ein unendliches Leben… Was willst du damit anfangen? Hast du Zukunftspläne?

VV: Ja, endlich die 5. Folge von „DOMIAN – Director’s Cut“ zu machen und mein „Best of“-Debüt-Album aufzunehmen!

Hier möchte ich gern noch einmal nachhaken: Ich habe großen Respekt vor diesen erfreulichen Plänen, doch wenn ich mir diese genauer anschaue, reichen die vielleicht gerade mal für die nächsten 1-2 Jahre. Schweben dir eventuell noch irgendwelche geheimen utopischen Visionen durch den Kopf, die Du gern in deinem Leben verwirklichen möchtest? Wo siehst du VampirVampy in zehn Jahren?

VV: Also, mein generelles Ziel ist es, mein Publikum zu unterhalten und irgendwann von meiner Musik leben zu können und auch, wenn ich es nicht schaffen sollte, zumindest eine Aufgabe im Leben hatte! Sowas sollte jeder haben, das ist sehr wichtig! In 10 Jahren sehe ich mich immer noch auf der Bühne, ob als VampirVampy, Stefan Riegel oder mit einer Band!

Vielen Dank VampirVampy für deine ausführlichen und ehrlichen Antworten! Es war mir ein großes Vergnügen, dieses Interview mit Dir zu führen! PS: Brad Pitt und Tom Cruise können einpacken!

VV: Vielen Dank, für das tolle Interview! Es hat mir viel Spaß gemacht und Deine Fragen und Dein Stil, sowie Kniffe und Bezüge zeigen mir, dass Du da viel Liebe reinsteckst und Dich mit dem Künstler gut befasst hast!

Gerne wieder.