WIZO + SCHMUTZKI (01.11.2014 WIZObaden, Schlachthof)

WIZO + SCHMUTZKI (01.11.2014 WIZObaden, Schlachthof)

Nachdem WIZO dieses Jahr mehr oder weniger überraschend ihr neues Album mit dem selten dämlichen und unlustigen Namen „Punk gibt’s nicht umsonst, Teil III“ rausgehauen haben, (Review HIER) sind sie nun nach den Festival-Shows 2010 mal wieder auf großer Deutschland – Tour. Als rasender Ugly-Punk-Reporter habe ich problemlos ein kostenloses Presseticket erhalten, dafür noch mal danke! Das von mir abgesprochene und durchgeführte Emailinterview lässt allerdings auf sich warten, da laut Presse-Dame Iris die Fragen zu ausführlich und in der Anzahl zu viele sind. Bin gespannt, ob das noch beantwortet wird. Ich habe da auch ein paar kritische Fragen gestellt, ich bin gespannt.

WIZO spielen ausschließlich in 2-3000er Hallen auf dieser Tour, also in etwa in Ärzte – Dimensionen der 90iger Jahre. Das Interesse scheint also sehr groß zu sein, einige Shows waren im Vorfeld bereits ausverkauft und WIZO haben anscheinend nicht vor, bei ihrem Comeback kleine Brötchen zu backen. Diesen Eindruck untermauert der Anblick beim Betreten des Schlachthofes in Wiesbaden, welches Axel später noch in WIZObaden umtaufen sollte. Die Halle war bereits bei der Vorgruppe SCHMUTZKI proppevoll und vor der Türe war auch ordentlich was los. Das Publikum war bunt gemischt, Marke „Independent – Disco“. Es tummelten sich hauptsächlich Leute der Ü30 Fraktion in der Halle, einige jüngere Leute waren aber auch vertreten. Optisch gesehen waren eher weniger Iros und Asseln am Start. In den 90igern als junger Punki wurde man ja äußerst schräg angekuckt oder gar bepöbelt, wenn man mit den bekannten WIZO – Shirts ala „bring dich um“ herum lief. Heute trugen viele mit stolz geschwellter Brust ihre Relikte aus den 90igern auf. Der Alkohol floss auch in Strömen aus rieseigen Plastikbechern und die Stimmung war bereits bei der Vorgruppe Schmutzki recht gut. Freiwild und Onkelz – T-Shirts gab es glücklicherweise gar keine, zumindest habe ich keine gesehen. Das Gedränge an den Theken war gigantisch, weshalb Anja und ich es vorzogen, uns gar nicht erst dorthin zu quetschen. Wir waren auf ein kurz und schmerzlos Konzert eingestellt und hatten die Anfahrt so getimet, das wir gegen Ende des Sets der Vorgruppe in der Halle ankamen.

Die letzten beiden Songs der grausamen Vorgruppe SCHMUTZKI mussten wir dennoch über uns ergehen lassen. Mir fällt gar keine Beschreibung für die Mucke ein. Für mich war es nichtssagender, aufgepumpter, unlustiger Indi-Punk-wasweißich. Es folgte eine glücklicherweise sehr kurze Umbaupause, worauf dann recht zügig das Tour-Intro von WIZO erklang. Die Bühne war mit einem gigantischen neuen Banner in Wolkenkratzer-Dimension geschmückt, welches im Laufe des Abends mit verschiedenen Lichteffekten angestrahlt wurde und zeitweise eine Art 3D – Effekt ausstrahlte. Einige WIZO Markenzeichen wie das Fert, bzw. das neue Fert von der neuen Platte, das Schwein am Kreuz usw. Gemischt mit einigen Endzeitbildern. Auf dem Foto hier recht gut zu erkennen.

Die Band kam nacheinander auf die Bühne, zuerst Drummer Thomas, dann der neue Bassist Ralf Dietl, welcher auf der Festival – Tour noch die überflüssige zweite Gitarre bediente und zum Schluss natürlich unser guter alter WIZO – Aki! Los ging die Show mit einem aufgepeppten „Raum der Zeit“, inklusive RAP – Parts mit Axels geliebten Megaphon und Mitsing – Animation fürs Publikum, gefolgt vom Opener des neuen Albums, „Seegurke“. Axel war in guter Laune und predigte zwischen den Songs relativ viel an seine Jünger. Wiesbaden wurde kurzerhand in WIZObaden umgetauft, was für einige Jubelstürme sorgte. Es folgte ein absolutes Hitfeuerwerk, die Songauswahl war ausgesprochen gut. Ich versuche mal, die wichtigsten aufzuzählen, die Reihenfolge bekomme ich leider nicht mehr hin. Ich hätte mir sollen ein Beispiel an dem jungen Mann neben mir, der alle Songtitel in sein Smartphone eintippte. Mit dabei waren auf jeden Fall von der neuen Platte Königin, Seegurke, Scheissefresser, Unpoliddisch (mit passender Ansage gegen rechts und angemessenen Jubelstürmen), ganz klar gegen Nazis (das gleiche) , Kohlenholen, Königin (mit Intro in Form von königlichen Fanfaren), Endzweit war glaube ich auch dabei, einer der stärksten Songs der neuen Platte, wogegen Scheissekotzen, eines der älteren neuen Stücke leider nicht gespielt wurde. Von den alten Platten gab es einen Querschnitt durch alle Schaffensphasen und auch einige Raritäten wie Käfer, Sie ist dick (bin mir nicht sicher, ob es der richtige Songtitel ist, den Song spielten sie zu dritt auf Akkustikgitarren, genau wie den einen traurigen Song von der neuen Platte, dessen Name mir nicht einfällt, das ganze gegen Ende der Show), Kopfschuss (grandiose Stimmung bei diesem Song und grandios rübergebracht, alle Hände zum Himmel und Giganten-Publikumschöre), Hey Thomas, Das goldene Stück Scheisse (mit cooler Ansage, das der Song leider immer noch aktuell ist), Der alte Schlachthof (wurde natürlich ausgiebig dem Schlachthof Wiesbaden gewidmet, man habe nun hoffentlich alle schlechten Schwingungen der Vergangenheit aus dem Gebäude herausgeblasen), Alte Frau, Gute Freunde (Neu – Bassist Ralf verspielte sich laufend beim Intro) und Waiting for you. Von der mittelmäßigen Comebackplatte von 2004 „Anderster“ kam zu meinem Leidwesen der schlechteste Song von WIZO aller Zeiten, nämlich Kopfabschwanzabhass, der selten dämliche Katzenhassersong. Hätte man sich absolut sparen können. Gegen Ende der Show kam dann auch mein Lieblingslied und auch einer stärksten WIZO – Songs überhaupt, nämlich Quadrat im Kreis, gestartet wiederum mit Mitsing-Animation fürs Publikum und grandiosem Mitsing – Chor.

Gegen Ende der Show zauberte Axel unter dem Jubel der Zuschauer eine Fert – Gitarre hervor, auf der einige Lieder gespielt wurden, die mir jetzt grade nicht mehr einfallen.

Beim Zugaben – Block kam dann auch die Anfangs erwähnte Akkustikgitarren – Nummer zur Geltung, direkt gefolgt vom Alltime WIZO – Überhit Kein Gerede. Der Song ist ja eigentlich als Parodie gedacht, taugt trotzdem immer noch als Soundtrack zur nächsten Straßenschlacht. Um das Gedränge am Auslass zu vermeiden verließen wir nach Kein Gerde die Halle, in der Hoffnung, das es wie Mirko in seinem Bericht erzählt hatte, der letzte Song des Abends war. Auf dem Weg zum Auto hörten wir aber noch die Ode an den Goldfisch Michael, Bleib Tapfer. Naja, man kann nicht alles haben, alle meine Hits waren dabei und so konnten wir mit einem zufriedenen Grinsen todmüde im dichten Nebel nach Hause tuckern, wohlig eingehüllt in die am Merchstand erworbenen Kapuzenwesten im alten Kopfschuss – Design der 90iger Jahre. Chris de Barg