WIZO + SCHMUTZKI (23.10.2014 – LKA Stuttgart)

WIZO + SCHMUTZKI (23.10.2014 – LKA Stuttgart)

Nun hat die von vielen lange erwartete WIZO-Tour endlich begonnen! Auch wenn ich mit dem neuen Album nicht wirklich warm werde, habe ich mich entschlossen, mir die Band nach fast 20 Jahren endlich mal wieder live anzuschauen. Schließlich bin ich mit WIZO aufgewachsen und so manches Konzert im Jugendhaus Gerlingen, als die Sindelfinger gerade ihre Karriere begannen, bleibt für mich unvergesslich. Das LKA war mit knapp 2000 Besuchern ausverkauft und unter den Anwesenden tummelten sich die verschiedensten Gestalten. Vom Assel-Punk bis zur Mode-Schickse war da so ziemlich alles vertreten und spiegelt ziemlich gut wieder, dass WIZO mittlerweile doch viele unterschiedliche Menschen, auch genreübergreifend, anspricht und zusammenführen kann. Zudem traf man aber auch viele alte Bekannte. So zum Beispiel Jochen Bix – hauptberuflich Provokateur, ex-APPD-Ideologe und der erste Sänger von WIZO – der mit seiner in Burka verhüllten Begleitung den ein oder anderen verstörenden Blick auf sich zog.

Als Vorband war die Stuttgarter Band SCHMUTZKI am Start, die das vollbesetzte Haus in Stimmung bringen sollte. Offensichtlich ist das dem Trio auch gelungen. Ich hatte mir zuvor mal ein paar Tracks der Band angehört um zu wissen, was da auf mich zukommt. Wirklich anfreunden konnte ich mit dem Sound von SCHMUTZKI dabei allerdings nicht. Als Punkrock angepriesen, verorte ich die Musik aber eher im Indie-Rock-Bereich mit eher leichtem Punk-Einschlag. Irgendwie so Hipster-Mucke für Menschen die meinen revolutionär zu sein – oder zumindest Underground. Aber eigentlich ziemlich profane, gesellschaftstaugliche Rockmusik. Gewiss nicht schlecht und textlich wirklich OK, aber den Punkrock-Button sollte man sich nicht anstecken. Sehr irritiert war ich deshalb vom Bassisten, der auch zu seichteren Klängen wie ein Derwisch mit hassverzerrtem Gesicht über die Bühne gefegt ist. Eine wirklich großartige Performance mit einer gewissen humoristischer Note.

Danach wurde der Bühnenvorhang zugezogen, offensichtlich aber nur damit niemand sieht, wie das überdimensional große WIZO-Banner angebracht wird. Nach ca. 15 Minuten öffnete sich der Vorhang und in bester Rockstar-Manier, begleitet von einer fulminanten Lightshow, betraten die Musikanten, einer nach dem anderen, die Bühne. Eigentlich hatte ich ja darauf gewettet, dass die Show mit dem Hit der neuen Scheibe „Seegurke“ gestartet wird. Dem war aber nicht so und so startetet WIZO mit einer coolen neuen Version von „Raum der Zeit“ ihr Set, bevor gleich danach aber dann doch die Seegurke besungen wurde. In der Folge präsentierten WIZO einen Querschnitt ihrer für mich besten Songs. Hauptsächlich waren das ältere Stücke der ersten drei Alben und fast alles was ich mir gewünscht hatte war dabei. Auch so manch Rarität aus alten Tagen wurde zum Besten gegeben, was mich echt gefreut und auch ein bisschen überrascht hat. Dankenswerter Weise hielt sich auch das Gelaber von Chefkoch Axel in Grenzen, so dass die Musik fast vollkommen im Vordergrund stand. Die ganz großen Hits wie „Quadrat im Kreis“ hat man sich dann allerdings bis zum Schluss aufgehoben. Und so wurde WIZO vom Publikum fett abgefeiert. Eine Ausnahme bildete leider der Song „Unpoliddisch“. Viele Besucher konnten damit anscheinend nicht viel mit anfangen. Sehr schade. Einige haben sich da vielleicht ertappt gefühlt – aber man weiß es nicht. Is ja aber auch nicht unbedingt ein typischer WIZO-Song. Ich fand’s aber sehr geil, dass sie den Song gespielt haben. Nach fast zwei Stunden war das Spektakel dann auch vorbei und ich habe mich an die Bar begeben, als WIZO nochmals kurz auf die Bühne kam und das von allen erwartete „Kein Gerede“ raus ballerten. Ja, da ging nochmal die Luzie ab! Dann war’s aber auch wirklich vorbei.

Mein Fazit dieses Abends: Man hat wirklich gemerkt, dass WIZO sich akribisch auf diese Tour vorbereitet hat, damit aber die Spontanität etwas auf der Strecke blieb. Man wollte jedem, ob alt oder jung, langjährigem oder Neu-Fan etwas bieten und das hat man auch geschafft. Somit war das eine große Show für jeden, der die Band mag – und darüber hinaus auch musikalisch wirklich klasse. Insgesamt gesehen sehr professionell und nicht mehr wirklich das, was Punk und Subkultur ausmacht. Ein unterhaltsamer Abend war’s für mich auf jeden Fall, aber den Geist von damals habe ich nicht mehr gespürt. Anschauen sollte man sich die modernen WIZO  – sofern man die Kohle hat – aber dennoch, denn Energie und die (einstige) Attitüde kommt aller Kritik von Puristen zum Trotz immer mal wieder noch zum Vorschein. Mirko

www.wizo.de
www.schmutzki.de