PLANET WATSON

Zu beginn dieses Jahre kannte ich diese Band noch gar nicht. Dann habe ich PLANET WATSON bei den OI!ympics, einem bisher kleinen aber feinen DiY-Event gesehen, bei dem tagsüber lustige Trink-Spiele zelebriert werden und am Abend so einige coole Bands aufspielen. Leider war die Band als erstes an der Reihe, so dass – vermutlich wegen der Trinkspiele – noch nicht jeder Gast wieder anwesend sein konnte. Ich fand das Dargebotene aber ziemlich gut und so hab ich mich gefreut, kurz danach die Debüt-CD zum Besprechen zu bekommen. Und auch diese konnte mich begeistern. Also ich hörte, die Band spielt bei der Geburtstags-Party einer Bekannten hab ich mich natürlich dorthin aufgemacht. Nach einem kurzen Plausch mit Sänger Hesse war dieser dann auch sofort bereit, ein kleines Interview für’s UglyPunk zu geben. Das Ergebnis könnt ihr hier nun lesen!

Stell Euch doch erst mal vor. Wer seid Ihr, was macht Ihr, wo kommt ihr her, seit wann gibt’s Euch und warum habt ihr die Band gegründet usw.?

Wir sind die Hardcorepunk-Band PLANET WATSON aus Ludwigsburg. Uns gibt’s seit 2011. Wir haben damals in den Bands STEHCAFE (mittlerweile aufgelöst) und DROPKID (noch am Start) gespielt. In Stuttgart bekamen wir mit Stehcafe die Möglichkeit, STRUNG OUT, eine unserer Lieblingsbands, zu supporten. Da aber Teile der Band an dem Tag nicht konnten, haben wir uns zu einer neuen Konstellation zusammengewürfelt. Und da der Gig extrem gut geklappt hat, haben wir uns gesagt, es wäre nicht schlecht eine Band zu haben, mit der wir spielen können, wenn Mitglieder unserer anderen Bands nicht können. Und Zack, die Geburtsstunde von PLANET WATSON.

War Euch von vorne herein klar, welche Musik ihr machen wollt, oder musstet ihr erst mal Euren Stil finden?

Uns war das von Anfang an klar. Wir sind alle seit unserer Jugend große Punkrock-Liebhaber, besonders des Skatepunks der 90er. Nofx, Millencolin, No use for a name, Pennywise usw.

Was hat es denn mit dem Bandnamen auf sich, wer ist dieser Watson – doch nicht etwa ein Wortspieler?

Unser Logo ist ein bisschen angelehnt an Watson, den Gehilfen von Sherlock Holmes. Jedoch gibt es keine Wahnsinns Geschichte zum Bandnamen. Wir saßen bei ein paar Bier zusammen im Proberaum und haben nach einem Namen gesucht. Dabei hat unser Gitarrist Torge etwas vor sich hingefaselt. Wir sagten dann: „Planet Watson. Gute Idee.“ Dabei hat er was ganz anderer gesagt, was wir nur nicht richtig verstanden haben.

Warum hat es denn so lange gedauert, bis Eure erste CD erschienen ist?

Tjaaaaaa, Planet Watson war ja erstmal nur ein kleines Nebenprojekt. Als unser zweiter Gig damals aber schon eine Supportshow für Agnostic front und Death by stereo im Juha West in Stuttgart war, haben wir gemerkt, dass daraus mehr werden könnte. Songs und Texte schreiben, regelmäßig proben, das ist immer so ein Ding bei uns. Wir haben uns lieber auf Shows spielen konzentriert. Nach 1,5 Jahren haben wir uns dann entschlossen, ein Album aufzunehmen. Bei den Aufnahmen hat dann vieles nicht funktioniert, wie wir es geplant hatten. So haben sich die Aufnahmen eben auch über 1,5 Jahre hingezogen. Aber es hat sich gelohnt.

Ihr habt ziemlich viele Gastsänger mit an Bord geholt. Wieso das? Habt ihr Euch das nicht alleine zugetraut?

Wenn man sich mal aktuelle Albumreviews zu unserem Album durchliest (z.B. deins), merkt man, dass den einen der Schreigesang gefällt, anderen nicht. Als Hardcore-Fan schreie ich eben gern. Und da ich ehrlicherweise nicht der beste Sänger bin, haben wir ein paar Freunde gefragt, melodische Gesangsparts zu übernehmen. Ich versuche dann, das live genauso hinzubekommen. Naja, manchmal klappts, manchmal eher nicht.

Woher kennt Ihr die Jungs & war’s schwer diese davon zu überzeugen mit zu machen? Nach welchen Kriterien habt ihr die Gastsänger ausgesucht?

Wir haben viele Freunde in der Ludwigsburger und Stuttgarter Musikszene, die wir seit Jahren kennen. Da sind viele Sänger dabei, deren Stimmen wir einfach großartig finden. Überzeugen mussten wir niemanden lange, mit ein paar Bier im Proberaum waren die Aufnahmen ein großer Spaß. Mit Antillectual aus den Niederlanden haben wir schon Shows gespielt und sind seitdem große Fans dieser Band. Adrenalized aus Spanien und F.O.D. aus Belgien kennen wir (noch) nicht persönlich, aber wir lieben ihre Musik. Die haben wir einfach angeschrieben und ihnen die Songs zugeschickt. Alle waren sofort dabei. Wir finden diese länder-,band- und genreübergreifende Zusammenarbeit einfach toll. Und durch die vielen Beteiligten ist das Album unglaublich abwechslungsreich geworden.

Durfte sich da jeder aussuchen, bei welchem Song er mitsingt oder hattet ihr da konkrete Vorstellungen?

Wir haben uns schon vorher Gedanken gemacht, wer bei welchem Song welchen Part übernimmt. Wir haben den Gastsängern Vorschläge gemacht, wie es sich anhören könnte. Bei der Umsetzung hatten alle Gastsänger aber freie Hand. Und die Ideen, die sie alle mit eingebracht haben, waren einfach ultra großartig.

Ihr spielt oft in kleinen Clubs, Jugendhäusern aber auch mal in winzigen, miefigen Gewölbekellern. Idealismus oder nimmt man was kommt?

Wir lieben solche Shows. Je kleiner die Bühne und je näher das Publikum, desto geiler die Shows. Wir haben auch schon Open-Air-Shows gespielt, aber da schaut man als Band von oben auf die Leute herab. Ich befinde mich lieber vor der Bühne auf Augenhöhe mit den Zuhörern. Wir machen keine Shows für die Leute sondern mit den Leuten. Jeder der will darf sich das Mikro schnappen und loslegen. Oder sich zu uns auf die Bühne setzen. Wenn man selbst seine Jugend auf Konzerten in kleinen Clubs und Jugendhäusern verbracht hat und Jahre später immer noch selbst mit seiner Band in solchen Locations spielt, hat das was heimisches. Man fühlt sich so wohl wie damals. Some things never change. Ach ja und wir nehmen was kommt!

Ihr habt ja aber auch schon mit vielen internationalen Bands die Bühne geteilt. Trotzdem seid ihr bisher nicht über die Region (also Süddeutschland) heraus gekommen. Woran liegt’s und gibt es denn die Chance, Euch auch mal anderswo zu sehen?

Wir freuen uns jedes Mal wie kleine Kinder, wenn wir mit Bands die Bühne teilen dürfen, die wir selbst seit unserer Jugend hören und lieben. Das sehen wir niemals als selbstverständlich an. Wir sind eine sehr dankbare Band, das wissen auch die Konzertveranstalter die uns schon die Möglichkeit gegeben haben, Bands wie Agnostic Front, Biohazard, H2O, Strung Out, Useless ID, Death By Stereo oder Authority Zero zu supporten. Wir haben hier in Süddeutschland viele Kontakte und tolle Locations. Auf den Shows haben wir uns immer wohl gefühlt. Klar gab es auch schon Anfragen aus anderen Teilen Deutschlands, aber manchmal ist es schwer, solche Shows dann finanziell und organisatorisch zu stemmen. Wir sind die, die hier die Stellung halten. Wenn aber eine Anfrage für eine tolle Show in weiter Ferne eintrifft, sitzen wir schon im Auto und sind auf dem Weg.

Wie siehst du denn die lokale Punk-/HC-Musikszene. (Einige Läden wurden ja dicht gemacht, z.B. die Röhre, Landespavillon. Zu vielen kleinen Konzerten kommen, wie ich finde, oft wenige Leute, andere Konzis wie im Goldmarks oder Universum sind relativ teuer geworden). Gibt es Unterschiede zwischen Stuttgart und dem Umland?

Schwieriges Thema. Ich finde, dass es in Stuttgart und Umgebung immer noch tolle Konzerte und Locations gibt. Fucking Good Concerts veranstaltet regelmäßig im Goldmarks geile Punkshows, Radio Clash holt größere Bands aus dem Hardcore- und Punkbereich in die Gegend in Locations wie 1210, Kellerclub oder Universum, das Juha West ist regelmäßig Anlaufpunkt für regionale und überregionale Hardcore- und Punkbands und auch das Lilo Herrmann, Grunz im Barrock Ludwigsburg oder die Rock´n´Roll Bar dort veranstalten tolle Undergroundkonzerte. An tollen Bands in und um Stuttgart mangelt es nicht. Leute, die für die Szene etwas tun wollen und motiviert sind gibt es denke ich auch einige. Für mich sind die zwei größten Probleme:

- Locations zu finden, wo man solche Konzerte überhaupt noch veranstalten kann, ohne dass es Nachbarschaftsbeschwerden oder Auflagen gibt und die gut erreichbar sind.

- Das Publikum hat sich geändert. Ich habe selbst die letzten 8 Jahre Shows im Jugendhaus in Öhringen veranstaltet und da merkte man schon, dass sich die Zuschauerzahl verringert. Genauso auf vielen Shows in Stuttgart, Ludwigsburg etc.. Entweder man hat nen dicken Headliner der Leute zieht oder eine lokale Band, die ihre Kumpels mitbringt. Ansonsten wird’s für die Veranstalter echt hart. Die Leute, die man heute noch auf diesen Shows sieht, kennt man oft schon seit Jahren und man feiert so manches Konzert gemeinsam so wie damals. Aber neues Publikum ist in meinen Augen nur noch schwer zu erreichen. Die heutige Jugend hat (oft) andere Interessen als in nem kleinen Schuppen mit nem Bier in der Hand und mit verschwitzten Freunden Punkrocksongs mitzugrölen. Es gibt sie zwar noch, aber mit Konzerten vor 10 Jahren ist das nicht mehr vergleichbar. Ich habe schon Jugendheldenbands von mir vor 20 bis 50 Leuten spielen sehn. Und jedes Mal denke ich: Was ist da nur passiert?


Wie haltet Ihr’s denn mit Politik oder Gesellschaftskritik in den Texten aber auch in der Szene allgemein? Ist das für Euch wichtig oder steht der Spaß an der Musik und das Austoben mit einem nebenbei aufklärenden Charakter eher im Vordergrund?

Ich bewundere Bands, auch in unserem Freundeskreis, die auf Gesellschaftskritik und Aufklärung in ihren Texten und auf ihren Shows großen Wert legen. Sie vermitteln den Leuten, was auf dieser Welt nicht stimmt und wie man sich selbst für ein besseres Miteinander einsetzen kann. Wir sprechen Dinge, die uns stören in manchen Texten und auf Shows zwar an, aber bei uns steht der Spaß im Mittelpunkt. Wenn wir Shows spielen, sollen die Leute einfach mal für 40 Minuten abschalten, feiern, Spaß haben, in der einen Hand ein Bier, im andern Arm einen Kumpel und sich von uns unterhalten lassen. Wir kommunizieren gerne und viel mit dem Publikum, machen Witze, haben Spaß und merken jedes Mal wie der Funke dann aufs Publikum überspringt. Manchen mag das zu wenig erscheinen, andere gehen glücklich mit einem Grinsen nach Hause, weil sie einfach einen schönen Abend hatten. Und wir haben dann hoffentlich unseren Teil dazu beigetragen.

Apropos Spaß. Du bist auch schon als Stand Up Comedien aufgetreten. Wie ist es dazu gekommen? Und machst Du das immer noch?

2011 fand in Stuttgart der 1. Stuttgarter Comedy Clash statt. Freunde hatten mir vorgeschlagen, mich dafür zu bewerben. Ich hab den Vorschlag dann bei Facebook gepostet unter der Bedingung, dass ich mich nur bewerbe, wenn mindestens 30 Freunde dafür sind. Innerhalb 2 Tagen waren es knapp 100. Also hab ich mich beworben und wurde genommen. Da ich aber keine Erfahrungen auf dem Gebiet hatte, habe ich einfach Erfahrungen aus einem früheren Chaosurlaub mit einem Freund erzählt. Die Bude war mit ca. 200 Leuten ausverkauft, ungefähr 70 Freunde von mir aus Nah und Fern sind extra gekommen, um sich das reinzuziehn. Ich kam sogar ins Finale, ohne Programm. Seitdem hab ich das hier und da ein paar Mal gemacht, aber nur zum Spaß. Verfolgt habe ich das als Karriereplan nicht wirklich.

Gibt es ein komplettes Programm von Dir oder wie muss man sich so einen Auftritt vorstellen?

Nicht wirklich. Ich habe mir nie Witze einfallen lassen, damit das Publikum lacht. Ich habe einfach aus meinen Alltagserfahrungen erzählt, wie ich Situationen wirklich erlebt habe. Urlaub, Festivalbesuche, Einkauf, nichts davon war erfunden. Dass das Leute wirklich lustig finden, ist eher Glück wie Comedy allgemein finde ich. Ich hatte nie Ambitionen, vor großem Publikum zu stehen, durfte aber trotzdem Moderationen und Auftritte absolvieren auf kleinen wir auf großen Bühnen. Ich durfte in Düsseldorf, Stuttgart, Trier oder im Quatsch Comedy Club in Berlin auftreten. Es waren immer ein paar Freunde mit dabei und ich habe tolle neue Leute kennen gelernt. Manchmal haben sich die Leute totgelacht, manchmal haben sie mich regelrecht gehasst. Einmal wurde mir sogar das Mikro abgedreht und Teile des Publikums hatten den Raum verlassen. Haha, viele Eindrücke und Erfahrungen gesammelt.

War das denn eher auf die Punk-/Hardcoreszene zugeschnitten oder eher für ein breiteres Publikum zuträglich?

Mein blödes Geschwätz nach ein paar Bier ist nie für die breite Masse bestimmt. Mit der Musikszene hatten meine Comedyauftritte nie etwas zu tun. Ich habe das Glück, dass ich als Sänger einer Hardcorepunkband oft die Chance bekomme, die Leute neben der Musik auch mit ein paar Sprüchen und Aktionen zu unterhalten. Ich freue mich immer sehr, wenn ich Freunde oder Fremde zum Lachen bringen kann. Lachen ist für mich immer ein Zeichen, dass im Leben meines Gegenübers für einen kurzen Moment alles okay ist. Das macht mich glücklich, mehr möchte ich nicht.

Von Beruf bist Du Lehrer. Sind das nicht Feindbilder des Punkers? Warum hast du Dich entschlossen diesen Beruf zu ergreifen?

Ich kenne einige Lehrer in der lokalen Musikszene, das Eine schließt das Andere nicht aus. Ich bin seit 17 Jahren in der Lebenshilfe ehrenamtlich tätig, habe meinen Zivildienst in einer Einrichtung für geistig behinderte Menschen absolviert, wollte dann Erzieher in dem Bereich werden und habe mich dann doch für den Beruf des Sonderschullehrers entschieden. Es ist mein absoluter Traumberuf. Ich denke, jeder von uns hatte mal einen Lehrer als Feindbild. Mein Ziel ist es, mich in diesem Beruf zu engagieren und für meine Schüler da zu sein. Und eben nicht so zu werden, wie manche dieser Feindbilder meiner Jugend. Ich hatte schließlich auch tolle Lehrer, die mir bis heute im Gedächtnis geblieben sind.

Was und wen unterrichtest Du denn genau?

Ich bin Klassenlehrer einer 8. Klasse an einer Förderschule und arbeite zweimal die Woche an einer Gemeinschaftsschule, wo ich Schüler mit Förderbedarf unterstütze. Inklusion ist ja das große Thema der nächsten Jahre.

Wissen deine Schüler, dass du HC machst und was sagen die dazu? Kommen die auch mal auf Konzerte?

Meine Schüler wissen Bescheid. Ich habe eine Trommel AG an der Schule. Wenn ich dann erzähle, dass ich privat in Hardcore- oder Punkbands spiele, wird natürlich sofort im Internet recherchiert. In einer Zeit, in der jeder Schüler ab der Unterstufe (!!!) ein Smartphone hat, bleibt nichts geheim. Sie erzählen dann immer, wie sie ihren Eltern meine Youtube-Videos gezeigt haben. Mit meiner Musik können nur Wenige was anfangen, viele meiner Schüler hören lieber Deutsch-Rap oder Pop. Aber als wir vor Kurzem in Backnang auf dem Stadtfest gespielt haben, standen Schüler und Kollegen vor der Bühne mit Planet Watson Plakaten und haben Stofftiere geworfen, während vor der Bühne Punks getanzt und mich beim Stagedive gefangen haben. Das war schon verrückt!

Gibt es denn Eltern die damit Probleme haben / hätten oder würdest Du dich eher als konventionellen Lehrer einschätzen, der den Punk hier außen vor lässt?

Ich bin wie ich bin! Und verstelle mich auch nicht in meinem Unterricht. Ich bin in meiner Art sicher etwas anders als andere Kollegen, aber ich habe einen guten Draht zu meinen Schülern und ich finde, darauf kommt es an. In meinem Musikunterricht beispielsweise sollen die Schüler lernen, dass es auch was anderes gibt als Gangster-Rap! Viele von ihnen haben noch nie etwas von Punk, Hardcore oder Metal gehört. Kein Scherz. Deshalb sollen sie lernen, dass Musik so viel mehr zu bieten hat. Wir übersetzen gemeinsam Texte, vergleichen Musikrichtungen und thematisieren Schlager genauso wie Rock, Pop oder Hiphop. Ich denke, meine Schüler berichten zu Hause genauso aus der Schule wie ich früher. Und Beschwerden über meinen Unterricht gab es bisher noch nicht.

Ich kenne ein paar Punks die mittlerweile Lehrer sind und z.T. auch mit Iro vor der Klasse stehen. Glaubst Du das ist hinderlich oder steigert das eher die Glaubwürdigkeit oder den Respekt, wenn die Schüler wissen, der ist anders, macht krasse Mucke und ist auch sonst nicht wirklich konform?

Solche Diskussionen führe ich heute noch mit Freunden oder Eltern. Es ist leider eine Tatsache, dass wir in einer Gesellschaft leben, die ihre Mitmenschen oft nach ihrem Äußeren beurteilt. Einerseits habe ich natürlich Vorgaben/ Vorstellungen in meinem Beruf durch meine Vorgesetzten, wie ich mich gegenüber der Schülerschaft kleide oder verhalte. Andererseits komme ich nicht mit Anzug und Krawatte in die Schule. Ich denke, ich habe da einen gesunden Mittelweg gefunden. Im Sommer habe ich auch mal kurze Hosen oder ein Shirt an, auf dem klein ein Bandname steht. Ich komme aber jetzt nicht jeden Tag im Bad Religion- Kapuzenpulli in die Schule. Wenn man sich mit mir unterhält, erfährt man viel über meine Einstellung und meine Sichtweisen. Dafür muss ich mich nicht besonders kleiden.

Wie stehst Du als Sonderschullehrer eigentlich zum Thema Inklusion? Einerseits werden Schüler vermutlich sensibilisiert für ‘behinderte’ Mitschüler und bestimmt auch sozial geschult, andererseits ist die Frage, ob nicht jeder Schüler seinen Kompetenzen oder Fähigkeiten entsprechend Unterrichtet werden sollte

Auch das ist ein schwieriges Thema. Einerseits bin ich für den Erhalt von Sonderschulen, weil sie wie ich finde einen guten Job machen und die Kinder in kleinen Klassen optimal gefördert werden können. Andererseits bin ich Fan von Inklusion, so lange die Gegebenheiten stimmen. Perfekte Inklusion ist in meinen Augen, wenn behinderte und nicht behinderte Kinder gemeinsam unterrichtet werden und zwar von 2 (!!!) Lehrkräften, einem Sonderschullehrer und einem Regelschullehrer. Alles andere reicht meiner Meinung nach nicht aus, um dieser anspruchsvollen Situation gerecht zu werden. Ich bin gespannt, wie sich das Thema Inklusion in den nächsten Jahren entwickelt. Ein erster Schritt ist getan, alle weiteren Schritte kosten aber viel Zeit, Motivation und jede Menge Geld. Und in den Köpfen dieser Gesellschaft muss noch eine Menge passieren, damit Inklusion funktioniert. Es muss noch viel Aufklärung geleistet werden damit der Mensch endlich mal lernt, dass keiner besser oder mehr Wert ist als der andere. Dummerweise gibt es immer ein paar Unbelehrbare.

Sind die anderen Bandmitglieder denn beruflich auch im pädagogischen Sektor tätig, oder machen die ganz was anderes?

Unser Drummer ist Sozialpädagoge, unser Basser noch in der Lehrerausbildung und unser Gitarrist arbeitet mit Musiktechnik. 3 von 4 sind also Pädagogen. Ist das jetzt Punk oder nicht? Keine Ahnung!

Noch irgendwelche abschließenden Worte, Werbung, Geschleime, Hasstiraden oder irgendwas, was Du schon immer mal sagen wolltest?

Ich bin ein zufriedener Mensch, der in seinem Traumberuf arbeitet, seine Lieblingsmusik mit Freunden machen, Konzerte spielen und jedes Mal aufs Neue nette Leute kennen lernen darf. Meine Bands, Freundin, Familie, Freunde, all das macht mich wunschlos glücklich. Wenn ich etwas/jemand mag, sag ich’s und wenn ich etwas/jemand nicht mag, sag ich’s auch. Ich laufe nicht voller Hass durch die Welt, ich versuche eher, diesen ganzen Bullshit, der täglich auf dieser Welt passiert, nicht zu sehr an mich ran zu lassen. Musik-Familie-Freunde, alles andere ist zweitrangig. Folgende Bands sollte man sich verdammt nochmal mal anhörn!!!!!!!!!: The Plastic Smile, An Early Cascade, Hell And Back, Dropkid, Mindead, Deliver, Reznik Syndrom, We Had A Deal, Lion City, Collide And Discord, Start A Fire, Minutes From Memory, Sideshow, Watch This, Minority, Warsaw, No End In Sight, Laserboys, Mahlstrom und viele mehr. Informiert euch über eure lokale Musikszene und unterstützt sie. Sie hat es verdient! Zum Schluss einfach mal reinschaun und reinhörn:

www.facebook.com/watsonplanet

http://planetwatson.bandcamp.com/release

Dann bedanke ich mich für das Interview und man sieht sich bestimmt mal wieder in irgendeiner schäbigen Konzertgruft! Hau rein!

Ich hab zu danken. Freu mich aufs nächste Aufeinandertreffen bei nem Bier und guter Musik.