THE OFFENDERS


THE OFFENDERS haben kürzlich mit ”Generation Nowhere” ein neues Album veröffentlicht, mit dem sie wieder mal auf ganzer Linie überzeugen konnten. Die Gelgenheit sich mit Sänger und Gitarrist Valerio darüber auszutauschen (und nicht nur darüber, sondern auch über andere Dinge), haben wir beim Schopfe gepackt.

Erstmal Glückwunsch zum neuen Album. War es eine schwere Geburt oder lief alles stressfrei, rund und ohne Probleme?
Danke für das Kompliment und das Review, cool dass es Dir gefallen hat! Ich liebe es im Studio zu sein, ebenso wie die Jungs, aber ehrlich gesagt haben wir viel Arbeit in dieses Album gesteckt, bevor wir überhaupt mit den Aufnahmen los legen konnten, somit ist unser Proberaum der Ort, an dem wir am meisten Arbeiten, natürlich neben dem Zuhause, wo ich die Songs schreibe oder die Musik. Das heißt, wenn wir ins Studio gehen, muss alles bereits stehen und die richtige Richtung einschlagen, sonst wären es Monate die wir an Zeit verschwenden würden.

Der Opener und die erste Single/Videoauskopplung sollen an die Vorkommnisse im Mai 1987 erinnern, als die West-Berliner Polizei durch ihr Verhalten einen Aufstand hervorrief, der in die Geschichte einging. Es ist dem Geist von Widerstand und Auflehnung überall auf der Welt gewidmet. Ein Geist, der in europäischen Nachbarländern z.B. viel öfter und intensiver zum Ausdruck kommt als hierzulande. Sind die Deutschen ein Volk was Angst hat, was zu bequem oder zu satt ist, ein Volk, dem es noch nicht schlecht genug geht? Was denkt ihr, warum Widerstand und Auflehnung anderorts ein ganz anderes Gesicht haben?
Immer wenn man von einem Kampf oder einem Aufstand spricht, welche Gründe er haben mag und an welchem Ort er auch statt findet, sollte man darauf achten, nicht alles über einen Kamm zu scheren. Unterschiede gibt es nämlich in der Enstehung und Entwicklung eines jeden einzelnen Aufstandes, ebenso wie darin, was er bringt, was die Menschen dadurch erkämpfen und wie eine Regierung oder die Polizei darauf reagiert. Obwohl ich mittlerweile seit fünf Jahren in Berlin wohne, konnte ich mir immer noch nicht einen kompletten Überblick darüber verschaffen, wie Deutschland und seine Regierung in solchen Situationen zu agieren scheint, jedoch liebe ich es, dass die Deutschen sofort demonstrieren wenn ihnen etwas gegen den Strich geht, wie man zum Beispiel an den Reaktionen auf die Schliessung der Roten Flora in Hamburg gesehen hat. Wie du sehen kannst, geben die Menschen nicht auf und das ist ein gutes Zeichen, ohne jeden Zweifel.

Es gab innerhalb der Band nicht nur Besetzungswechsel, sondern auch der Wohnort wurde gewechselt. THE OFFENDERS sind jetzt eine Berliner Band mit italienischen Wurzeln… so steht es geschrieben. Welche Gründe und Vorteile hatte der Umzug? Das Wetter kann´s ja nicht gewesen sein ;- )
Wir sind Ende 2008 hierhergezogen, kurz nach unserer ersten Europa-Tournee und einige Monate bevor unser zweites Album “Action Reaction” released wurde. Die Gründe waren einfach: Nach “Hooligan Reggae” dachten wir eine Chance bekommen zu haben, mit unserer Musik ernsthafter zu werden, und dieses konnten wir im Süden Italiens nicht umsetzen, also fiel die Wahl auf Berlin, wo wir auch einen brandneuen Deal mit einer Booking Agentur an Land zogen (Muttis Booking) und auch eine Plattenvertrag bei “Grover Records” aus Münster abschliessen durften. Somit passierte alles hier in Deutschland, also wollten wir hier auch weitermachen. Klar, manchmal vermissen wir die Sonne, aber das gehört zum Deal! ; )!

Ich hab mal gelesen, dass ihr ursprünglich aus der Ultra Szene stammt. Für welche Vereine schlagen Eure Herzen und geht ihr ab und zu noch ins Stadion?
Die OFFENDERS waren nie in der Ultras-Szene, ich schrieb lediglich einen Song der “Hooligan Reggae” heißt. Seit dem werde ich oft nach meiner Fußball-Leidenschaft gefragt und muss immer das selbe antworten: Mich interessiert Fußball überhaupt nicht, was mich aber interessiert ist, was auf den Tribünen passiert, denn das ist der einzige Ort an dem ein Arzt neben einem Arbeiter stehen kann, ohne soziale Unterschiede und jegliche Freunde oder Feinde zu haben… Nebenbei über Fußball: Als Band unterstützen wir alle antifaschistischen und antirassistischen Ultras-Gruppierungen, egal wo sie her kommen, indem wir auch auf ihren Partys in ganz Europa spielen, das ist ein großes Vergnügen für uns.

Viele derzeit angesagte Bands mit Ska-Einflüssen haben ihre Wurzeln in Italien. Neben Euch sind da u.a. TALCO und REDSKA bekannte Vertreter. Wie sieht der Markt und die Szene in Italien für dieses Genre aus?
Ich kann leider nichts zur derzetigen Situation in Italien sagen, da ich selber seit fünf Jahren nicht mehr dort lebe und ich ehrlich gesagt auch gar nicht weiß was da so abgeht. Sicherlich ist und war die Szene anders als hier in Deutschland als ich noch dort gelebt habe, leider meine ich es im negativen Sinne. Italien hatte zwar ein paar “Goldene Jahre” bezüglich Indipendent-Musik, sei es Punk oder sonstwas, aber ich vermute diese Jahre sind lange her. Selbst zu meiner Zeit mussten viele Clubs und Plattenfirmen schliessen, somit auch nicht der beste Platz für jemanden der Musik machen möchte. Dafür aber Deutschland/Berlin und das liebe ich!

Live seid ihr immer gut unterwegs, Ende letztens Jahres ging es für Euch sogar nach Asien auf China-Tour. Mit welchen prägenden Erfahrungen und Erlebnissen seid ihr zurückgekehrt?
Durch China zu touren war sehr aufregend und eine großartige Erfahrung, erstens, weil ich es unglaublich fand, dass Konzert-Besucher unsere Songs mitsingen konnten und zweitens, weil ich niemals gedacht hätte, dass ich da irgendwann mal hin fahren werde. Meine Band-Kollegen waren ziemlich überrascht darüber, dass diese Aspekte für mich so im Vordergrund standen, denn die waren eher von der dortigen Kultur beeindruckt, während mir die politische Situation, die Zensur sowie Freiheitsberaubung übel aufstieß… in meinen Augen ist eine Diktatur fürchterlich und über diese Aussage muss ich mich nicht schämen. Um von all diesen schlechten Gedanken abzulenken, aßen wir was wir konnten, (echtes chinesisches Essen ist wunderbar!!!) …unser Basser hat sogar Insekten probiert …ich aber nicht ; ) …und wir probierten ebenso jeden Schnaps den wir kriegen konnten …das war anstrengend!!! Reislikör …fucking rough!!!

Man könnte meinen, dass eine Band wie ihr, ihre Ziele erreicht hat. Eure Songs und Platten sind beliebt und ihr tourt durch die Lande und begeistert in Clubs und auf Festivals. Habt ihr, auf die Band bezogen, noch Träume oder Wünsche?
Sicherlich, wir haben Wünsche und Träume, insgesamt leben wir immer noch auf der Straße, ich meine der “Underground-Erfolg” ändert dein Leben nicht besonders ; )…Ich kann nur hoffen, dass wir weiterhin so oft wie möglich auftreten können, dass ich noch Songs schreiben kann die mich berühren und ich sie an die Menschen und deren Herzen weiter geben kann, dass wir weiterhin schnell und wiederstandsfähig bleiben und dass all der Schweiß den wir lassen und der Alkohol den wir trinken, am Ende eine geile Show gebracht hat… Wir lieben was wir tun und wir versuchen es stets besser zu machen, wir sind ehrlich und freundlich zu unseren Zuschauern ohne zu vergessen, dass sie die OFFENDERS sind und somit unsere Stimme, so wie auch du unsere Stimme bist, dank diesem Interview!!! ; )

Keep the faith…