DIE BULLEN

Es wird Zeit für Zucht und Ordnung – vor allem innerhalb der rebellischen und gesetzeslosen Punkszene, die meint, sich alles erlauben zu können. Eine zugegeben schwere Aufgabe, die nur mit Konsequenz zum Erfolg führen kann. DIE BULLEN haben sich dieser Aufgabe angenommen und können schon erste Erfolge verzeichnen. Sie sind das Gesetz und sie verstehen keinen Spaß. Und das haben wir bei unserer Vorladung auch zu spüren bekommen.

Ugly Punk: “DIE BULLEN – Punkrock mit Schlagstock“ – darauf muss man erstmal kommen. Wann kam die Idee (und wem kam die Idee), diese, ich sag mal Konzept-Band ins Leben zu rufen?

Andy Schlüter: Es war auf einer Dienstbesprechung. Dort haben wir, wie immer, gejammert, dass wir zu viele Überstunden machen müssen, schlecht ausgerüstet sind und außerdem noch ständig von den Bürgern veräppelt werden. Wir haben einen Weg gesucht, den Bürgern zu zeigen, dass wir auch voll coole Leute sind und sie uns mega abfeiern. Irgendwie sagte uns unser Gefühl, dass eine Band besser dafür geeignet sei als ein Pressesprecher oder die Polizeisportschau. Weiß auch nicht warum. Vielleicht weil wir jetzt so richtig jung und frisch rüberkommen.

Ugly Punk: Oft hört man im Bezug auf viele neue Bands Aussagen wie, “man kann Punk nicht neu erfinden“ oder “alles schon mal da gewesen“. Das scheint auf euch nicht zu zutreffen. Zum einen mischt ihr auf musikalischer Ebene dem Deutschpunk noch Elektro und Hip Hop Zusätze bei, zum anderen handeln eure Texte speziell von einer Berufsgruppe. Hättet ihr je damit gerechnet, dass ihr genau damit das Interesse an euch wecken und euer Bekanntheitsgrad in so kurzer Zeit so rasant wachsen würde oder war genau das der Plan?

Andy Schlüter: Genau das war der Plan. Natürlich. Die Bullen kennt ja eigentlich Jeder. Neu ist, dass wir jetzt eine Band haben. Mit dieser Band versuchen wir alle Musikstile abzudecken, die junge Leute toll finden könnten. Wir wollen Jeden erreichen. Diejenigen, die vielleicht eine Ausbildung bei uns machen wollen, diejenigen die einen Soundtrack für ihre BWL-er-Fete brauchen oder diejenigen die sich vor uns in Acht nehmen sollten! Wir meinen es ernst. Party-Rock in ernst!

Ugly Punk: Ihr seid ziemlich gut ausgerüstet. Uniformen, Handschellen, Schlagstock… also alles ziemlich originalgetreu. Wo bekommt man solche Klamotten her?

Andy Schlüter: Is‘ ja auch original. Die werden uns kostenlos zur Verfügung gestellt. Ansonsten kann ich diese Falling-down-mäßigen Army-shops empfehlen. Das is‘ auch voll toll da. Einige Sachen gibt es auch beim Erotikaussatter.

Ugly Punk: Nun gibt es ja auch in unserer Szene einige Kerzen auf der Torte, die nicht immer die Hellsten sind. Kam es schon mal vor, dass irgendwer die Ironie nicht geblickt hat, in euch vielleicht sogar richtige Bullen vermutet hat oder eure Texte als Pro-Polizei-Lyrics verstanden hat?

Andy Schlüter: Was für Kerzen? Ich verstehe die Frage nicht. Ich glaube Sie haben die Ironie nicht verstanden. Oder Sie versuchen hier eine Ironie zu sehen, die nicht da ist. Aber dafür sind wir ja auch da. Für Aufklärungsarbeit.


Ugly Punk: Ich hab euch Ende Januar in Hannover (Korn) Live erlebt und fand, dass die ganze Show, vor allem aber die Ansagen zwischen den Songs großen Unterhaltungswert hatten. Diese bieten mit ihrer provokanten Kante natürlich auch eine Vorlage, die das Publikum gerne annimmt und in die es mit Zwischenrufen einsteigt. Umso erstaunlicher ist es, dass ihr euren Film konsequent durchzieht. Gibt es nichts, was DIE BULLEN in irgendeiner Form aus dem Konzept bringen kann?

Andy Schlüter: Wir sind durch und durch professionell, gut geschult und trainiert. Das hilft uns auch bei Ausnahmesituation die Nerven zu behalten und angemessen zu reagieren. Die Einhaltung der Gesetze steht an erster Stelle und wir lassen uns von nichts davon ablenken, diese Gesetze durchzusetzen. Aber natürlich sind wir auch Menschen. Bei einer heißen Blondine schaut man schon mal auf den Busen. Besonders wenn sie in Handschellen ist. Würde ja jeder machen.

Ugly Punk: “DIE BULLEN sind zum Dienst angetreten um alle unsympathischen Facetten der Polizei deutlich aufzuzeigen.“ Gibt es für DIE BULLEN auch unsympathische Facetten innerhalb der Punkszene? Kritikpunkte, bei denen ein Schlagstockeinsatz mal von Nöten wäre?

Andy Schlüter: Bei dieser Frage kommt mein innerer Innenminister richtig in Fahrt! Die Punkszene ist für uns als Nährboden für Gewalt, linker Gewalt (die schlimmste Gewalt!) Terrorismus, Vandalismus, Asozialität, Bedrohung, Drogenkriminalität, Bandenbildung, Jugendgefährdung, Gehirnwäsche, Propaganda, Vergewaltigung und Totschlag, anzusehen. Sie gebärdet sich anti-autoritär und ist somit antidemokratisch. Ein Schlagstock reicht kaum aus.

Ugly Punk: Donuts im Dienst scheinen kein Problem zu sein… wie sieht´s mit Alkohol im Dienst aus?

Andy Schlüter: Alkohol darf im Dienst nicht verzehrt werden. Wir trinken ausschließlich sehr, sehr starken Kaffee mit einem Spiritusartigem Duft oder Cola die im Laufe des Tages heller, aber nie leer wird.

Ugly Punk: Am 31. März kommt eure Debüt Scheibe auf Gunner Records raus. Auf was müssen die Hörer_innen vorbereitet sein?

Andy Schlüter: Teils ist es die Vertonung von Recht und Ordnung, teils ist es wie das Tagebuch eines ehrlichen, deutschen Bullen. Ungeschönt. Rechtsstaat pur!

Ugly Punk: Wie sieht der Dienstplan nach der Veröffentlichung aus?

Andy: Frei hat man eigentlich nie. Oft erwische ich mich selbst dabei, dass ich in meiner Freizeit vor meinem Haus Falschparker bei den Kollegen anzeige.