POPPERKLOPPER


Pünktlich zur Veröffentlichung der neuen POPPERKLOPPER Scheibe “Wenn der Wind sich dreht“, haben wir Lars, Carsten und Poeppel mal wieder mit ein paar Fragen belästigt. Bandjubiläum, Labelwechsel oder die neue Platte sind nur ein paar Themen aus der Palette. Steigen wir ohne viel Vorgeplänkel doch einfach direkt mal ein…

Ugly Punk: Ich hab gerade gesehen, dass wir das letzte Interview mit Euch zu der “ 20 Jahre Popperklopper“ Jubiläums Best-Of gemacht haben. Jetzt klopft mit 25 Jahren POPPERKLOPPER (die Zeit rennt aber auch) das nächste Jubiläum an die Tür. Wird´s gefeiert und wenn ja, wie?
Lars:
Was genau steht noch nicht fest. Aber es wird gefeiert und es wird wahrscheinlich im Exhaus in Trier sein. Also eine Überraschung…
Carsten:
Ja, ist wirklich unglaublich wie die Zeit vergeht. Das Jubliläumskonzert ist schon fast 4 Jahre her, mir kommt´s vor als wär´s erst letztes Jahr gewesen, und nächstes Jahr sind es schon 25 Jahre. Wir schauen mal was wir uns einfallen lassen…

Ugly Punk: In all der langen Zeit habt ihr auch bei den Labels einige Stationen durchlaufen. Höhnie Records, Suppenkazpers Noize Imperium, Nix Gut und jetzt Aggressive Punk Produktionen. Für Labelwechsel kommen in den meisten Fällen nur die Gründe Unzufriedenheit oder Weiterentwicklung in Frage. Wenn ihr so zurückblickt – aus welchen Gründen habt ihr die Labelwechsel vollzogen?
Lars:
In erster Linie war es Unzufriedenheit. Oder sagen wir mal es harmonierte nicht mehr…
Carsten:
Ich denke beim Höhnie war es so, dass er keinen richtigen Bock mehr auf uns hatte weil ihm die Mucke nicht mehr so gefallen hat und wir auch kein Bock mehr auf ihn hatten wegen Vertrauensverlust durch inoffizielle Nachpressungen, Abrechnungen etc. Bei Suppenkazper waren wir zuerst guter Dinge, letztendlich aber auch völlig unzufrieden, da dort für uns in Sachen Promotion nahezu garnix gemacht wurde. Das letzte Album wollte/konnte er dann auch nicht mehr rausbringen und er hat dann nach anderen Labels gesucht, mit denen er das in Zusammenarbeit machen wollte. So kam der Deal mit Nix Gut zustande, womit wir eigentlich selbst nichts zu tun hatten, das lief von unserer Seite alles über Suppenkazper und war für uns (mal wieder) ziemlich für die Füsse. Das Album sollte aber unbedingt noch vor dem 20Jahre Jubliläum rauskommen, und da es zu der Zeit die einzige Möglichkeit war, haben wir es dann so gemacht, auch wenn es mit Sicherheit nie unsere 1. Wahl gewesen wäre. Kurze Zeit später rief mich dann zufällig Matze von AGP an und erzählte mir von seinem neuen Label, was sich für uns direkt sehr gut anhörte. Hätten wir das ein paar Wochen vorher gewusst, hätten wir auf jeden Fall noch versucht das Album bei AGP rauszubringen.

Ugly Punk: Gibt’s irgendwelche Ansprüche, die ihr als Band an ein Label stellt und umgekehrt?
Lars:
So wie es bei Aggro jetzt läuft ist´s perfekt: die Jungs lassen uns freie Hand und kümmern sich trotzdem super um uns (Werbung etc.). Man merkt bei denen echt, dass sie mit Leib und Seele dabei sind und aus der Szene stammen und den Kontakt nicht verloren haben und darüber hinaus ständig suchen. Andere Labels haben uns einiges an Freiheiten (v.a. musikalisch) verwehrt, weshalb es auch u.a. zu einem Wechsel kam!
Carsten:
Man muss wirklich sagen, dass wir mit AGP endlich ein für uns perfektes Label gefunden haben. Die Jungs haben es so was von raus, die wissen genau wie man so was aufziehen muss. Promo läuft super, sie haben da auch immer sehr gute Ideen für irgendwelche Aktionen. Da die Jungs selbst schon in Bands gespielt haben, kennen sie auch diese Seite sehr gut. Von uns aus bleiben da keine Wünsche offen. Im Gegensatz zu den vorherigen Labels stehen sie auch hinter unserer Mucke. Und es läuft alles völlig unkompliziert und harmonisch. Wie du siehst, wir sind wirklich top zufrieden. Es geht halt bei nem Label nicht einfach nur drum Platten zu pressen und zu verscherbeln. Da muss schon noch was an Arbeit reingesteckt werden. Von Seiten eines Labels denke ich ist es ja eigentlich nur wichtig, dass die Bands viel live spielen und halt regelmäßig mit neuen Aufnahmen am Start sind… und dass sie vielleicht nicht auf´s falsche Pferd setzen.

Ugly Punk: Kommen wir mal auf´s neue Album “Wenn der Wind sich dreht“ zu sprechen. Wie lange habt ihr da mit Songwriting und Aufnahme dran gewerkelt?
Lars:
Die Aufnahmen erstreckten sich über ca. 1 Jahr. Writing etc. über ca. 2 Jahre. Im Grunde ist das neue Album die logische und konsequente Weiterentwicklung vom „Was lange gärt“- Album!
Carsten:
Wir hatten schon direkt nach Fertigstellung des letzten Albums 2009 angefangen neue Songs zu proben. Bis Anfang 2012 hatten wir Grundgerüste für 30 Songs zusammen, wovon wir dann 16 ausgewählt haben zum Aufnehmen. Die Aufnahmen liefen in mehreren Sessions von Mai 2012 bis Januar 2013, meist 1-2 Tage am Wochenende.

Ugly Punk: Ich hab den Eindruck (er kann mich auch täuschen), dass ihr dieses Mal noch mehr Wert auf eingängige Melodien gelegt habt. Ist der Grat zwischen wütendem Punkrock und guten Melodien ein schmaler, der Euch allerdings zu liegen scheint?

Lars: Danke fürs Kompliment: ) Wir haben nicht absichtlich daran gearbeitet oder Wert darauf gelegt, allerdings haben wir uns diesmal etwas mehr Zeit für alles genommen. Das kam dann von selber!
Carsten:
Obwohl die Aufnahmen sich ganz schön lange gezogen haben, glaube ich dass wir diesmal insgesamt besser vorbereitet waren. Wir hatten bei allen Songs ne´ bessere Vorstellung davon wie was gesungen werden muss und wo noch Chöre und so draufkommen. Nachdem wir bei vorherigen Aufnahmen oft im Studio gesessen und diskutiert haben „ja wie denn jetzt“, achte ich beim Songwriting jetzt immer darauf, dass ich auch direkt ne´ Gesangsmelodie zu jedem Song habe. Was die Gitarren betrifft, hab ich mich vorher zuhause zu jedem Song hingesetzt und alles Mögliche ausprobiert und tatsächlich zum ersten Mal alle Ideen genau aufgeschrieben, weil es so viel Kram war. Ich denke dadurch sind einige Stellen sehr melodisch geworden, was vielleicht vorher gar nicht unbedingt so geplant war. Dann heißt es im Studio immer „naja, nehmen wir mal so auf, können wir ja immer noch löschen“…und ich denke mittlerweile haben wir selbst auch einen anderen Anspruch als das bei älteren Alben der Fall war. Damals haben wir 20 Songs in 2 Tagen komplett eingeklimpert und waren zufrieden, mittlerweile sieht´s doch etwas anders aus. Da kommt dann immer noch hier und da was dazu… also, für den der es noch nicht gehört hat und weil es ja scheinbar immer so wichtig ist: das Album ist definitiv NICHT live eingespielt… hahaha…

Ugly Punk: Ihr wurdet seit Beginn eurer Karriere komplett in die Deutschpunk-Schublade gesteckt und aus dieser wollen euch einige partout nicht herauslassen. Warum fehlt einigen Hörer_innen, die im Song “Szenepolizist“ direkt angesprochen werden, oft das Verständnis dafür, wenn eine Band auch mal andere, neue Wege gehen will?
Lars:
Das Fragen wir uns auch immer wieder, aber es gibt halt engstirnige Menschen; überall und in jeder Szene… leider.
Carsten:
Es ist ja meistens so, dass man für sich ein Bild von einer Band hat, so wie sie auf dem ersten oder auf den ersten Alben war, und meint dann genau so muss diese Band immer klingen. Geht mir ja auch nicht anders, es gibt zwar auch Ausnahmen, aber meistens sagt man doch, dass die späteren Alben vielleicht gut, aber das einzig wahre doch die alten Sachen sind. Für uns war das in den Anfangstagen auch der Hammer, wenn wir mit genau den Bands verglichen wurden, die damals unsere Helden und Vorbilder waren. Aber im Laufe der Jahre fängt es doch irgendwann an zu nerven, wenn man zum hundertsten Mal immer wieder das gleiche hört und liest, auch wenn man sich vielleicht etwas weiterentwickelt hat. Und genau darum geht es in dem Song, dass einige Leute immer meinen uns vorschreiben zu können was wir tun und lassen müssen. Oder auch generell auf die sogenannte „Szene“ bezogen gibt´s ja immer einige, die immer ganz genau und am besten wissen was jetzt gerade wie zu sein hat. Ich denke anfangs waren wir schon so ne´ ziemliche Schubladen-Band und wir hatten auch überhaupt kein Problem damit, weil wir ja auch genau diesen Sound so machen wollten. Es gibt zum Glück aber auch genügend Leute, die unsere Soundentwicklung total geil finden, da bekommen wir auch jede Menge positives Feedback, von Leuten die vielleicht nicht so ne´ Rock’n´Roll Blockade oder was weiß ich haben… und mal im Ernst, sooo anders ist das ja jetzt auch nicht unbedingt, früher hieß das einfach mal Punk und heutzutage wird immer eine genaue Trennung zwischen allen möglichen Unterkategorien gemacht… davon abgesehen scheißen wir auch drauf, wir machen das worauf wir grad Bock haben, fertig. Das ist ja kein gefertigter Plan im Stil von „so, jetzt machen wir Rock“ oder so. Es ist schon komisch, manche Bands müssen immer das gleiche machen, bei anderen, z. B. SLIME oder DRITTE WAHL, hat auch keiner groß gemault als die mehr Metal mit drin hatten.
Poeppel:
Wäre ja auch schlimm, wenn man sich in über 20 Jahren nicht auch mal etwas weiterentwickelt. Stillstand ist ja gerade das, was es u.a. zu vermeiden gilt. Aber für manche ist es dann doch irgendwie Verrat. Würde man sich nicht weiterentwickeln, gäbe es wiederum genug andere Leute, die da was dran zu maulen hätten…

Ugly Punk: Fallen diese Kritiker alle in die Kategorie “Internet-Helden“ oder gibt’s auch welche, die euch auf musikalische Veränderungen direkt ansprechen?
Lars:
Ja, das kommt auch immer wieder bei Konzerten vor. Da gibt es positive wie auch negative Erlebnisse!
Carsten:
Im Internet meint ja auch jeder, er müsse sich das Maul über alles Mögliche zerreißen, und jeder weiß es am besten und alle anderen sind doof. Ich meine jetzt nicht nur die Szene-Foren, das ist oft so ein Kindergarten, da weiß man nicht ob man lachen oder weinen soll. Da wird so ein geistiger Dünnschiss losgelassen, dass ich mich selbst schon mal fast in so nem Forum angemeldet hätte, aber es dann doch gelassen habe. Furchtbar. Aber ja, wir bekommen solches Feedback zur Band auch immer wieder auf direktem Wege mündlich mitgeteilt. Da heißt es dann z.B. „warum singt ihr englisch, die deutschen Songs sind doch viel besser“ …deshalb wollen wir nächstes Mal vielleicht die schnellen Deutschpunk-Bolznummern auf Englisch bringen und die melodischen „rockigen“ auf Deutsch …mal sehen was dann gesagt wird …hahaha…

Ugly Punk: Höhö… Mir fällt gerade ein, dass ihr letztes Jahr in der Sendung “neo PARADISE” als Studioband wart. Wie war´s da so? Ich finde Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf ja echt unsympathisch. Bitte zerstört mir jetzt also nicht das Bild von den beiden und sagt mir, das die cool sind ;- )
Lars:
Also die Aktion als solche war schon recht witzig und wir hatten viel Spaß, allerdings hatten wir mit den Moderatoren nicht extra viel zu tun… wir hatten eher nur mit uns zu tun. Da kann ich also nicht viel zu sagen! Aber: besonders sympathisch waren sie nicht!
Carsten:
Ja, stimmt, war ne´ witzige Aktion. Die Moderatoren haben wir jetzt nicht wirklich kennengelernt, aber die Typen die da im Hintergrund arbeiten waren sehr cool. Bei so was sind ja auch oft noch (Ex-)Punkrocker mit dabei. Tim Mälzer und Anne Will schienen jedenfalls auch sehr nett zu sein… davon abgesehen finde ich die Sendung als solche ziemlich sinnlos und überflüssig… oder ich hab´s nicht verstanden… keine Ahnung.

Ugly Punk: Danke! Wie kam es, dass euer alter Bassist Helge dort plötzlich mit euch aus dem Schrank sprang?
Lars:
Der Poeppel konnte nicht. Helge hatte Zeit und war spontan bereit mitzumachen. In dieser Zeit hatte Poeppel eh mit einem Hörsturz zu kämpfen. So spielte Helge auch 2 Konzerte (Berlin + Trier) mit. Der 4. im Schrank war ein alter Kumpel aus Berlin, der auch spontan Lust hatte aus dem Schrank zu springen!
Carsten:
Das Playback hat jedenfalls bombastisch funktioniert, oder nicht?

Ugly Punk: Doch, ich glaub das Playback war überzeugend ;- ) Nach 25 Jahren verlagern sich viele Prioritäten und man kann es auch niemandem verübeln, wenn zwischen Familie und Beruf die Lust auf stressige Wochenenden mit endlos langen Anreisewegen und ungemütlichen Schlafplätzen langsam schwindet. Habt ihr noch dasselbe (bzw. ein ähnliches) Feuer wie zu Beginn oder was ist euer Antrieb?
Lars:
Zum einen steckt immer noch die Leidenschaft zur Musik und der Punkrock in uns. Allerdings muss man, wie du schon sagtest, heute vieles anders planen und machen als früher, um alles unter einen Hut zu bekommen. Ist manchmal ein Drahtseilakt, aber es lohnt sich!!!
Carsten:
Ja, das Hauptproblem ist mittlerweile die Zeit. Vieles ist nicht mehr so möglich wie früher, als man sich ohne irgendeinen Plan einfach in den Tourbus gesetzt hat und sich ins Abenteuer gestürzt hat. Aber es macht immer noch Spaß in irgendwelchen Städten alte Bekannte zu treffen oder gerade auch wenn man zu einer Location fährt, die man noch nicht kennt. Ich denke es ist verständlich, wenn man im Laufe der Zeit einen… sagen wir mal… relativ geregelten Ablauf haben möchte, in nem richtigen Bett schlafen will, was ordentliches zu essen und vielleicht nicht nachts um 3 Uhr auf die Bühne und solche Geschichten… man wird ja schließlich auch nicht jünger. Ansonsten haben wir die letzten Jahre eine ziemlich kreative Phase was neue Mucke betrifft. Wir fangen jetzt wieder an neue Songs zu proben, ich hab da schon jede Menge Kram auf Lager… von daher bin ich sehr motiviert. Und ich denke solange wir gute neue Songs schreiben und die Konzerte nicht langweilig werden, kann´s wegen mir auch noch ne´ Zeitlang weitergehen…

Ugly Punk: Das wollen wir hoffen und bedanken uns für´s Beantworten der Fragen.