INNER CONFLICT


”Schere Klebstoff Papier“ – Auf diesen Namen hört die neue, 11 Songs umfassende 10inch des Punkrockrock-Fünfers aus Köln/Verden. Ein Interview mit der sympathischen Bande stand schon längere Zeit weit oben auf der Ugly Punk To-do-Liste und mit der neuen Scheibe bot sich dann auch endlich der passende Anlass, um dahinter ein Häkchen zu setzen. Die Fragen beantworteten uns Jenny (Gesang), Rönné (Bass, Gesang), Ballo (Schlagzeug) und Carlo (Gitarre, Gesang). Carlo freute sich übrigens über das erste Interview nach 20 Jahren, in dem keine Fragen zum Thema Bandgründung gestellt und Antworten dazu gegeben werden mussten, aber das nur nebenbei ;- )

Ugly Punk: Neue Platte = Schwere Geburt?
Carlo: Geht so. Vor der “nachhause.” waren wir gut vorbereitet und haben die Musik in 4 Tagen eingespielt. Dieses Mal waren wir gar nicht vorbereitet und deshalb hat es etwas länger gedauert bis alle fertig aufgenommen hatten. Dafür wissen wir jetzt endlich, wie die neuen Lieder gehen.
Ballo: Ja, die Geburt war schon schwer, aber gut Ding will ja bekanntlich Weile haben… aber wir hatten ja auch erstklassige Unterstützung vom Ole aus Berlin, der unser Vorhaben tatkräftig unterstützt hat. Es war eine ganze Menge Arbeit, Verzweiflung aber auch große Freude vorhanden. Als ich die fertigen Versionen vom Carlo zugeschickt bekam, hatte ich sogar ne Träne im Knopfloch, weil es einfach so geil war, die fertig aufgenommenen Songs zu hören…
Rönné: Außerdem war das dieses Mal ja auch aufnahmetechnisch noch einen weiteren Schritt DIY, d.h. Wir haben im Proberaum alles selber aufgenommen. Ole hat die erste Rutsche begleitet, aber viel Einzelkram haben wir noch selber im Nachhinein erledigt. Mixen und Mastern lag dann auch wieder bei ihm auf dem Tisch nachdem wir unseren Kram endlich parat hatten. Dauert halt. Ist aber dafür auch sehr gut geworden, finde ich.

Ugly Punk: Es ist ja die zweite Platte mit “richtigem“ Schlagzeuger. Wie geht´s denn dem Drumcomputer so? Kommt er wegen der Entfernung der Bandmitglieder (Köln-Verden) beim Songwriting noch mal gelegentlich zum Einsatz oder hat er endgültig ausgedient?
Carlo: Dr. Rhythm hilft uns dabei, Songideen auszuarbeiten und vorzubereiten.
Rönné: Und n paar ganz alte Klamotten muss er im Proberaum auch noch spielen. Davon gibt’s gar keine Aufnahmen mit Ballo.
Ballo: Dr. Rhythm hilft auch dabei, das richtige Timing bei den Songs einzupauken… also ganz arbeitslos ist er nicht…

Ugly Punk: Verden und Köln liegen laut Routenplaner ca. 350km auseinander. Wie oft sind Proben mit der ganzen Mannschaft möglich und wie steckt die Bandkasse die Belastung weg?
Ballo: Ja, Fernbeziehungen sind ja bekanntlich nicht leicht zu führen… und es gab auch schon Situationen, wo ich mir gewünscht hätte, mich von Verden nach Köln beamen zu können… weil die A1 und ich werden in diesem Leben garantiert keine Freunde mehr. Aber wir sind soooooooo verliebt, da ist diese Distanz auch scheissegal. Die Bandkasse kann das nie und nimmer alles stemmen, und soll sie auch nicht. Ich für meinen Teil würde gerne häufiger proben, aber so ist das nun mal und wir haben bisher immer das Beste draus gemacht… ich fahre gerne nach Köln. Ist auch ein willkommener Tapetenwechsel! Jenny, Carlo, Rönne und Tobi sind so wunderbare Menschen, das ist halt ne Familie.
Carlo: Im Schnitt haben wir 3-4 Probenwochenenden im Jahr. Da kommt Ballo nach Köln und wir proben dann so lange, bis einer Hunger kriegt. Essen, rumhängen und n paar Bierchen trinken ist großer und wichtiger Bestandteil von Inner Conflict. Die Bandkasse alleine steckt das sehr schlecht weg. Die laufenden Kosten, wie Proberaum + Benzinkohle Verden/Köln müssen wir selber stemmen.
Jenny: Ich ziehe meinen Hut vor Ballo wegen der Fahrerei. Diese verdammte A1 ist ja einfach immer voll und er fährt das tapfer alle paar Wochen und erscheint dann auch noch gut gelaunt zur Probe.
Rönné: Zum einen gilt auch hier das Motto »Anreise zählt«, zum anderen sind gute Menschen in der Band genauso wichtig wie gute Schlagzeuger. Wenn das dann unprofitabel ist, dann ist es halt so. Noch müssen wir deswegen zumindest nicht hungern.

Ugly Punk: DIY hat ja bei euch einen recht hohen Stellenwert, was sich auch in der Veröffentlichung der letzten beiden Alben widerspiegelt. Warum kein festes Label mehr?
Carlo: Bei der letzten Platte hatte das den Grund, dass wir unsere Platte nach dem Aufnehmen und vor unserer ersten gemeinsamen Tour zu fünft ganz schnell rausbringen wollten und das für Tobi von Twisted Chords alles zu kurzfristig war. Dabei sind wir auf den Geschmack gekommen und haben großen Spaß daran.
Rönné: So gesehen schließt sich ja auch ein Kreis. Wir haben angefangen mit Platten selber machen, irgendjemand in der Band hatte auch immer irgendwie ein Label, einen Distro oder ne Konzertgruppe am Start oder hat dabei mitgemischt. Wir spielen zu gefühlt 99% in diesem Umfeld. Eigentlich lag es auf der Hand. Auch wenn der Auslöser eher ein Zufall als eine bewusste Entscheidung war. Ich fühle mich mit der Situation aber momentan sehr wohl.
Ballo: Es hat alles Vor- und Nachteile. Selber ne Platte zu machen ist schon eine ganz schöne Arbeit, das macht man nicht mal eben so nebenbei. Man will die Platten ja auch an die Leute bringen. Aber das klappt ganz gut. Und was mir auch sehr gut gefällt, ist die Tatsache, dass man wirklich alles so machen kann, wie man es will… es ist halt alles viel persönlicher, und das ist das Schöne daran. Jeder in der Band übernimmt da auch einen Part. Tobi fuchst sich da in die Aufnahmetechnik rein, Jenny und Rönne sind die kreativen Köpfe, die sich um die Gestaltung viele Gedanken machen, Carlo leiert die Pressung an und verhandelt das alles aus und macht die Buchhaltung, und ich klemme mich dahinter, die Scheiben auch unter die Leute zu bringen. Jeder hat eine Aufgabe, deswegen ist das alles auch so lebendig… Ich finde es toll, wenn man ne Bestellung bekommt, den Leuten die Platte schickt, und diese sich dann auch freuen…

Ugly Punk: Wie sieht die Beteiligung der ganzen vielen sympathischen DIY Labels, die auf der neuen Platte aufgelistet sind, genauer aus, bzw. welche Aufgaben übernehmen diese? Teilt man sich das Finanzielle untereinander oder kümmern sich einige um die Vervielfältigung, andere wiederum um die Promotion etc.?
Carlo: Ums Presswerk und das ganze Drumherum kümmern wir uns selber. Die Labels haben sich mit verschiedenen Anteilen an der Platte beteiligt. Wir hatten selber nicht genug Kohle, um das zu stemmen und so war auch das finanzielle Risiko geringer. Darüber hinaus hat das natürlich auch einen gewissen Streuungseffekt, wenn mehrere Leute ankündigen, dass deine Platte existiert. Wir müssen uns gerade um die Nachpressung kümmern, bevor das erste Review erschienen ist.
Rönné: Es wäre zumindest um einiges anstrengender gewesen es finanziell zu stemmen. Wichtig an der Beteiligung der Labels ist aber auch hier wieder die persönliche Komponente. Das sind alles Leute, die wir im Laufe der Jahre kennen gelernt haben und keine dahergelaufenen Anteilseigner, die im Boot sitzen weil sie mit ein paar Geldscheinen gewunken haben.
Ballo: Wir haben halt herumgefragt, und es haben sich ein paar sehr nette Leute/Labels gemeldet und wollten uns helfen, dieses Projekt zu verwirklichen, wofür wir auch unendlich dankbar sind. Das ist für uns ne super Unterstützung gewesen. Es ist einfach ein großartiges Netzwerk entstanden und die Platte kommt so auch ganz gut herum… Danke an Bulli, Vincent, Sengaya, Chickens Call, Bäppi, Bobs von Loony Tunes… so macht dass Spaß… diese Unterstützung bedeutet uns wirklich sehr viel. Network of Friends! Das ist einfach super!

Ugly Punk: Man muss ja heutzutage mit der Zeit gehen und wenn ich richtig gelesen habe, gab es die Platte als Download zu einem auswählbaren Preis, richtig? Wie und warum seid ihr auf diese Idee gekommen?
Carlo: Das hat mehrere Gründe. Wir wollten z.B. keine CD machen, weil wir die hässlich finden. Dann wollten wir uns die Kohle für den downloadcode sparen. Außerdem kriegt heutzutage jeder alles im Netz, falls jemand sich das Geld sparen möchte und deshalb haben wir uns überlegt, dass es im Netz qualitativ hochwertige mp3-Version geben sollte. Es soll sich ja keiner eine Platte kaufen müssen, wenn er die Musik nur mit dem Walkman hören will. http://innerconflict.bandcamp.com
Rönné: Ich fand genau die Lösung am besten, da es eh im Nullkommanix den Download für lau im Netz gibt – wogegen ich auch überhaupt nichts habe. Trotzdem ist es nun mal so, dass u. a. wir da eine Haufen Kohle reingesteckt haben und wenn jemand die Platte digital haben möchte und auch noch Kohle dafür bezahlen kann oder will, kann er uns gerne etwas davon geben. Wir haben bewusst darauf verzichtet ein »Marketing-Instrument« wie Stream-only vor Vinyl-Release oder Download nur gegen Kohle zu machen. Zum einen glaube ich nicht, dass Vinyl-Verkaufszahlen von der Download-Verfügbarkeit zum anderen möchte die Songs auch verfügbar machen.
Ballo: Carlo hatte diese Idee und wir haben das alle als sehr positiv aufgenommen, denn es ist ja nun mal Fakt, dass das World Wide Web in dieser Hinsicht sehr viel ermöglicht. Ich finde die Idee mit dem auswählbaren Preis richtig geil, denn so ist es jedem möglich, an die Musik zu kommen. Denn nicht jeder hat mal eben nen 10ner auf Tasche für ne Platte, möchte aber trotzdem die Musik haben und hören. Es ist einfach eine superfaire Angelegenheit!

Ugly Punk: 3 Songs von den 11 neuen sind im Original, so die Info im Textblatt, von den TAKEOVER KIDS (Tobi, Carlo & Rönne sind dort mit von der Partie). Ich wusste gar nicht, dass ihr innerhalb der Band noch ne´ zweite habt ;- ) Auch wenn das hier ein INNER CONFLICT Interview ist – aber was gibt’s denn über die TAKEOVER KIDS so zu erzählen?
Carlo: Takeover Kids sind Rönné, Tobi und ich + Torben von Duesenjaeger und Klick von Idle Hands. Die Idee war eine Hardcore Band zu machen. Es kam zu einem einmaligen Probenwochenende an dem die Songs Heimatfront, Auf zwei Rädern und Spitze Ohren entstanden sind. Danach ist nix mehr passiert. Offiziell aufgelöst haben wir uns aber auch nicht ;- )
Rönné: Genau. Einmal Takeover Kid, immer Takeover Kid ;- ) Wahrscheinlich hätten wir auch noch ein paar Mal öfters geprobt, wenn da nicht die Entfernung zwischen Köln und Osnabrück und die anderen Bands und das andere Leben gewesen wären. Bock hat’s auf jeden Fall gemacht und die Songs find ich auch noch immer gut. War auf jedem Fall ne Kater-Idee nach nem gemeinsamen Konzert die mit Bier begossen wurde.

Ugly Punk: Split-Geschichten scheinen bei euch sehr beliebt zu sein, denn über die Jahre habt ihr 5 Mal ne´ 7“ mit anderen Bands geteilt. Teilen macht ja auch Spaß, also wäre die nächste VÖ sicher mal wieder ne´ geteilte Platte. Da Fossi von KAPUT KRAUTS als Gastsänger bei der neuen Scheibe mit an Bord ist, stünde die Zusammenstellung ja schon mal fest. Oder stehen da ganz andere Bands auf dem Wunschzettel?
Carlo: Hm… So konkret steht da nix im Raum. Wenn es irgendwann doch mal mit Duesenjaeger klappen würde fänd ich super. Chicken’s Call aus Frankreich sind uns sehr ans Herz gewachsen. http://www.lustucrust.org/chickenscall_infos.html
Rönné: Hehe. Stimmt, es steht nichts im Raum. Grundsätzlich ist das aber ein Top-Format und neben den von Dir ins Rennen geschickten Krauts sind wir wohl mit Duesenjaeger, Chicken’s Call und Koeter momentan am dicksten. Und die Long-Term-Herzchen von den Juggling Jugulars natürlich. Ob und was da jemals draus wird: alles kann, nichts muss.
Ballo: Split-Releases sind klasse, und haben einfach Charme! Mit den KRAUTS wäre das echt herrlich… wir überlegen auch schon fleißig, was man mal in diese Richtung machen könnte… da ist noch nichts konkretes geplant… ist aber mit Sicherheit ein gute Option… wir werden sehen!

Ugly Punk: Mich würde mal interessieren, welche Lieblingsbands INNER CONFLICT so haben und gibt’s auch außerhalb der Punkrocks Künstler, deren Musik ihr gerne hört oder die euch sogar inspirieren?
Carlo: Oh… das sind viele und teilweise gehen da die Meinungen seeeeehr weit auseinander. Turbostaat, Strike Anywhere, Duesenjaeger und Hot Water Music gehen aber immer. Ich persönlich höre auch gerne House und Techno und stehe da sehr auf Danny Tenaglia.
Jenny: Klar haben wir ein Paar Bands, die wir alle mögen. Es gibt aber auch Dinger in meiner privaten Musiksammlung, die im Tourbus auf wenig Gegenliebe stoßen - ich hör auch gern mal Elektro-Kram oder Piano-Jazz oder ganz einfache Popmusik. Grundsätzlich wird aber in alles mal reingehört.
Rönné: Neben dem Kram, den Carlo genannt hat, mag ich Old School Hardcore von Negative Approach über Minor Threat, neueres Geballer à la Punch, mittel-altes Geballer wie Tragedy oder To what’s end und From Ashes Rise, altes Geballer wie Siege, guten Oi! Im Stile von Cockney Rejects, alten Deutschpunk. Zeug wie Burial geht bei mir eigentlich immer. Momentan arbeite ich die erste Eyehategod-LP mit großer Inbrunst nach, oder aber auch Mitte der 90er-Jahre Jungle DJ-Sets oder die erste Stieber Twins-LP oder Wu-Tang-Clan oder aber Monochrome, die immer einen Stein im Brett haben. Oder aber ein wenig Discharge und natürlich die neueste Rvivr-Platte in heavy rotation. Dann vielleicht noch so 2, 3 andere Sachen.
Ballo: Das ist wirklich ganz unterschiedlich. Ich höre gerne mal Geknüppel, also ganz phantastisch finde ich so Sachen wie INFEST oder D.R.I. ! Aber vor allem mag ich Musik, wo ich auch verstehe was da gesungen wird. Ganz Hoch im Kurs ist bei mir zurzeit DAG NASTY, RITES OF SPRING, TURBOSTAAT, LOVE A, EA 80 (!!!!), INSIDE JOB, DISCO//OSLO, AGROTOXICO, RESET//MANKIND, TERRIBLE EELINGS, PROPAGANDHI, LEATHERFACE, KAPUT KRAUTS… aber auch gerne mal so Sachen wie BEASTIE BOYS, BJÖRK, (die würde ich sogar direkt heiraten!) ASIAN DUB FOUNDATION… hin und wieder feier ich sogar auch so Bands wie FURY IN THE SLAUGHTERHOUSE. Calle und ich sind uns z.B. ganz selten einig… aber im Tourbus läuft alles querbeet…
Carlo: Ach komm Ballo. Bis auf “du weißt schon wer” kann ich da keine Fehler entdecken ;- )

Ugly Punk: Unter dem Deckmantel “Punk“ ist ja vor allem textlich so einiges möglich. Die Deutschrockszene steht scheinbar schon mit beiden Füßen fest im Türrahmen und Lieder über´s Saufen und Ficken erfreuen sich oftmals größerer Beliebtheit als persönliche Songs mit Tiefgang oder Polit-Texten. Hat die Gesellschaft Teile der Punkszene einfach in ihren Bann gezogen oder welche möglichen Erklärungen gibt es dafür, dass der Kopf zu oft einfach ausgeschaltet wird?
Carlo: Schwierige Frage. Sauf- und Ficklieder gab’s schon immer und die waren schon immer scheisse. Ich finde erschreckend, was sich da alles so auf den Festivals versammelt. Da hatten wir zum Glück noch nie etwas mit zu tun und haben da auch in Zukunft keinen Bock drauf.
Jenny: Ich finde ehrlich gesagt gerade in den letzten Jahren gibt es viele Punkbands mit ganz großartigen Texten fern ab von saufen und ficken. Bei Bands wie z.B. Duesenjaeger, Captain Planet, Love A oder auch die schon genannten Kaput Krauts freu ich mich oft sehr über die Texte!
Rönné: Ich glaube (war ja damals nicht dabei) auch, dass Punk auch schon 77 oder 81 oder 83 und 88, also eigentlich schon immer, auch einen Riesenhaufen Schwachmaten Huckepack hatte. Wie sich das prozentual verhält? Keine Ahnung! Scheiße war halt auch schon immer scheiße. Und damit wollen wir auch weiter nix zu tun haben.
Ballo: „Punk“ war ja eigentlich schon immer eine Farce, und so revolutionär, wie immer getan wird, ist das ganze nun auch nicht. Mittlerweile ist es auch ein großer Wirtschafts-Zweig… und gerade Bands, die überall anecken, werden immer bekannter und beliebter… Über die Grauzone wurde schon so viel gesagt… es gibt so viele tolle Bands, die so tolle Texte schreiben, so dass man sich mit so´nem Müll einfach nicht befassen muss… wir saufen auch ganz gerne, müssen das aber in unseren Songs nicht so intensiv behandeln… und um diese Festivals, die Carlo gerade meinte, machen wir eh nen großen Bogen…!!!

Ugly Punk: Die “eine Seite“ wirft bei Kritik auch gerne mal mit Umschreibungen wie “Gutmensch“ oder “Szenespalter“ um sich. Könnte man auch glatt als Komplimente interpretieren, oder? In welchen Punkten fändet ihr eine Abspaltung sogar wünschenswert? Wo müsste eine klarere Linie gefahren werden? Was geht euch innerhalb der Szene am meisten auf den Zeiger?
Ballo: Ich weiß nicht, von welcher Szene Du redest… also mich pissen diese ganzen Bands an… und ich mache da auch nen großen Bogen drum. Außerdem gibt es wichtigeres, als sich über solch arme „Pfannen“ zu ärgern! Ich weiß allerdings auch nicht, was dieses Wort „Szene“ immer soll… also wir sind ganz klar wir selber, da brauch man keine „Szene“. Wir wissen ganz klar, was wir wollen und was wir nicht wollen!
Carlo: Ach. Diese ganze Grauzone soll einfach zur Hölle fahren und qualvoll verrecken.
Jenny: Dito.
Rönné: Naja, und die ganzen anderen Trottel direkt mit dazu. Ich sehe keinen Grund für Unity wenn es Unity mit Arschgeigen jeglicher Art ist. So ein Thema wie z.B. Grauzone ist für uns auch deshalb keins, weil es da nichts zu diskutieren gibt. Man muss ja auch nicht jedes Konzert mit jeder Band spielen. Und man muss sich nicht wundern, wenn man in Ecken steht, wenn man es doch tut.

Ugly Punk: Bei den Konzertterminen sind mir Daten in Frankreich und Spanien ins Auge gestochen. Wird´s im Herbst also ne´ kleine Europatour geben, oder?
Carlo: Genau. Wir sind aus Madrid angefragt worden, hatten Bock drauf und jetzt haben wir die ganze Tour drum herum geplant. Mit Day offs in Barcelona und in Madrid. Könnte schlimmer sein ;- )
Jenny: Ich bin mal sehr gespannt auf die DIY-Szene in Spanien und freu mich tierisch auf ein bisschen Zeit im Süden!!
Rönné: Jawoll, und mit Spanien gibt’s sogar ne Premiere in Europa. Hab da wahnsinnigen Bock drauf. Zumal es neben Deutschland immer cool war auch mal wo anders hinzukommen.
Ballo: Ich habe so Bock auf diese Sause… kann es kaum erwarten!!! Die letzte Frankreich-Tour war schon klasse und wir haben auch ganz viele nette, liebe Menschen kennengelernt… und wollen wir doch mal ehrlich sein, was gibt es besseres, als im Herbst mal abzuhauen…

Ugly Punk: Was genau gibt euch nach der langen Zeit immer noch den Antrieb Musik zu machen, Konzerte zu veranstalten etc. Ist man nicht irgendwann erschöpft oder gesättigt?
Carlo: Erschöpft ja. Manchmal ist es schon schwierig, sich zur Probe aufzuraffen und es gibt geileres, als eine 12-stündige Heimreise aus Berlin. Dafür ist es aber total super, wenn man plötzlich merkt, dass eine Songidee richtig gut ist oder ein Konzert richtig viel Spaß macht. Wenn das nicht mehr so wäre, wär’s vorbei.
Jenny: Klar ist es nicht mehr so wie vor 10 Jahren… ich merke nach einer längeren Tour immer die Erschöpfung vom wenig schlafen und viel im Auto sitzen… wir sind halt nicht mehr die Jüngsten :- )
Rönné: Reisen und Feiern mit Freunden. Neue und alte Leute treffen. Ein geiles Konzert spielen und/oder sehen. Etwas selber machen und dabei noch immer Sachen raus lassen zu können.
Ballo: Also ich bin schon ein paar Male davor gewesen, alles hinzuschmeißen, aber ohne diese ganze „wir sind on the Road“ Geschichte würde mir doch ein sehr wichtiger Lebensinhalt fehlen. Irgendwie hat man ja doch immer Hummeln im Arsch, und es ist auch immer wieder klasse, wenn wir zusammen in der Karre hocken und zum nächsten Konzert fahren… ich schließe mich da dem Carlo an.

Ugly Punk: Als letzte Worte bitte ich um ein Lieblingszitat, irgendeinen weisen Spruch oder gerne auch ein kleines Gedicht.
Carlo: Man sollte das Bein nicht höher heben, als man pinkeln kann.
Jenny: Irgendwas ist immer!
Rönné: Immer ist irgendwas!
Ballo: Das Spiel ist erst Zu Ende, wenn der Schiri abpfeift!