DV HVND


Vor kurzem bekam ich von Chrissi, der das DiY-Label Subwix betreibt, eine CD  für ein Review zugesteckt. Diese konnte mich auch sofort begeistern, was nicht zu Letzt an dem fetten Sound irgendwo zwischen Deutschpunk, Metal und Hardcore liegt, der hier präsentiert wird. Also konnte ich es nicht lassen, mit den Jungs von Dv Hvnd mal Kontakt aufzunehmen, ihnen ein paar Fragen um die Ohren zu hauen und dadurch auch der werten Leserschaft die Band etwas näher vor zu stellen oder sogar schmackhaft zu machen.

Hallo erstmal. Bisher seid ihr, so wie ich denke, ein noch relativ unbeschriebenes Blatt. Wenn mich nicht alles täuscht ist die aktuelle CD eure erste Veröffentlichung. Könnt ihr mir und uns mal etwas über Euch und zur Entstehung der Band erzählen?
Hallo Mirko! Ja, du hast Recht, Dv Hvnd ist ein noch recht unbeschriebenes Blatt, es gibt uns erst seit 2012, also seit gut einem Jahr. Alles fing damit an, dass Julian (Schlagzeug) und ich (Gesang, Gitarre) unsere damalige Band Spiderplexum nach 10 Jahren auflösten. Wir haben sofort danach angefangen an neuen Liedern zu arbeiten, die meisten davon finden sich jetzt auch auf unserem Debutalbum. Kurz vor der Aufnahme stieß dann unser Gitarrist Yannick zu uns, der hat vorher auch bei der Mathcoreband Like Chasing Ghosts gespielt. Er kann zwar viel zu gut Gitarre spielen um in so einer Band mitzumachen, aber Bier trinken kann er ja auch. Nach unserer Aufnahme sahen wir dann ein, dass wir doch einen Basser brauchen, um den ganzen Kram auch live darzubieten. Da kam dann zu unserem Glück der Rüdi ins Spiel, denn wir schon seit tausend Jahren kennen und der ebenfalls bei Like Chasing Ghosts gespielt hat. Er macht außerdem bei der Elektropunkband Walter Kovacs und bei Laserblast aus Mainz mit. Damit war dann unser Rvdel komplett und bereit den Leuten unsere Songs um die Ohren zu ballern.

Wie gestaltet sich den die ‘Szene’ in Eurem Umfeld? Ihr kommt ja nicht gerade aus der Großstadt, auch wenn Frankfurt nicht wirklich weit entfernt liegt.
Ja ja, wir kommen aus Idstein, das ist nicht sehr groß, daher ist auch die Szene durchaus überschaubar, es gibt sie aber. Alles hängt mit dem selbstverwalteten Jugendzentrum zusammen, welches auch einen Proberaum zur Verfügung stellt. Im Juz gehen Konzerte und im Proberaum mischen sich inzestuös die Bands zu allen möglichen Formationen zusammen. Wir haben hier also schon diverse Bands wie Antikörpa, End of Culture, Dirrrty Franz Band, Wolftronic und die eben erwähnten Walter Kovacs. Idstein ist zwar klein, liegt aber auch sehr günstig zwischen Frankfurt, Wiesbaden, Mainz und Limburg, daher bieten sich schon einige Möglichkeiten in der Gegend aufzutreten.

Die einzelnen Subkulturen vermischen sich, wie ich finde, im ländlichen Raum ja auch viel besser als in den großen Städten und es geht nicht immer ganz so dogmatisch zu, oder täusche ich mich da?
Nee, ich glaube nicht, dass  du dich da täuschst. Hier in Deutschland sieht es nun mal so aus, dass Subkulturen wie Punkrock, Metal, oder Hip Hop in den ländlichen Regionen von den ganzen Jugendzentren getragen werden, ganz besonders die kleinen lokalen Acts. So passiert es dann, dass man bei nem Konzert im Jugendclub in Wallbach ne Punkrockband, ne Grindcore Band und  eine Coverband hört, haha! Zum anderen sieht es so aus, dass die Subkulturen einfach nicht so stark ausgebildet sind wie in größeren Städten, daher ist da auch nicht so viel mit Dogmatik.

Kommen wir mal zu Eurer CD. Ihr habt die Scheibe im Proberaum aufgenommen, dennoch hört sich der Sound recht professionell an. Habt ihr das alles alleine hinbekommen oder kompetente Unterstützung erhalten?
Nene, wir haben die CD komplett alleine aufgenommen und alles in Eigenregie gemacht. Das war aber schon ein ganz schön langer Weg bis dahin, Aufnahmen mit unseren vorherigen Bands haben sich viel roher angehört. Den Gesang haben wir bei unserem langjährigen Homie Dirrrty Franz, der auch seit Jahren ein kleines DIY Hip-Hop Studio betreibt, aufgenommen. Das höhere Ziel ist unser Proberaum/Studio weiter auszubauen und anderen Bands die Möglichkeit zu geben bei uns aufzunehmen.

Die Mucke bewegt sich ja im Bereich ‘moderner’ Punk-Core mit Metal-Einschlag. Welche Einflüsse oder vielleicht auch Vorbilder spielen denn da eine Rolle?
Hm, wir sind unter Anderem mit Punk- und Heavy-Metal-Bands aus Amerika aufgewachsen, da muss man natürlich NoFX, Slayer und so Sachen erwähnen. Besonders unser Schlagzeuger hört viel fiesen Metal. Das hört man ja auch. Ansonsten mischen sich natürlich viele verschiedene Einflüsse in den Dv Hvnd-Sound, das sind so viele, die kann man gar nicht alle aufzählen. Ach ja, Satan und Bacchus (fast vergessen)!

Die Songs sind stilistisch ja schon unterschiedlich. Wer ist den für das Songwriting verantwortlich oder teil ihr euch das auf?
Ja, dass die Lieder noch sehr unterschiedlich klingen liegt daran, dass wir zu Beginn noch gar nicht so sicher waren wohin die Reise gehen soll. Wir waren und sind auch musikalisch für alles mögliche offen. Somit erklärt sich das ganze zumindest für den Anfang. Ich denke aber schon, dass es ein Ziel ist, bei allen verschiedenen Einflüssen der vier Bandmitglieder das nächste Album noch homogener zu gestalten, mal sehen wie wir das hinkriegen haha, wir sind selber auch gespannt. Ansonsten ist es bei uns nicht fest aufgeteilt, wer was macht, jeder trägt bei uns bei!


Die Texte sind teils kritisch aber auch immer mit einem Augenzwinkern versehen. Daneben gibt’s aber auch ein paar persönliche Geschichten und das ein oder andere Trinklied. Wollt ihr mit den Texten Botschaften transportieren oder steht doch eher die Musik im Vordergund?
Schwer so einfach zu sagen, das ist vielleicht bei jedem einzelnen Lied anders. Wir haben uns zumindest nicht hingesetzt und gesagt, „So, das ist jetzt unsere Message und wir versuchen das jetzt in jedem Lied irgendwie rüberzubringen“. In erster Linie versuchen wir nur kleine Geschichten zu erfinden über die man lächeln und/ oder nachdenken kann und wenn´s gefällt um so besser.

Wie wichtig sind für Euch politische/kritische Aussagen und Statements sowohl in der Musik aber auch in Bezug auf die heutzutage manchmal doch etwas lethargischen Komsum-Gesellschaft?
Kritische oder politische Statements sind immer wichtig gerade heute. Ich denke wenn Texte so überhaupt gar keine Aussage haben kann man´s auch lassen. Dann ist man beim daher geschwafelten  „Chartmüll“ angekommen. Abgesehen davon gibt’s bei uns keinerlei festen Regeln im Bezug auf die Inhalte.

Seht ihr Euch überhaupt als politische Band?
Wahrscheinlich eher nicht, zumindest insofern als dass unsere politischen Einstellungen bis jetzt nicht allzu großen Einzug in die Texte gefunden haben. Es ist jedoch schon so, dass wir alle Meinungen und Ansichten haben, die im linken Spektrum anzusiedeln sind, das sollte man auch bei einer Punkrockband voraussetzen. Ich halte Politik aber auch für eine doch komplexe Angelegenheit und bin mir gar nicht sicher wie wir unsere politischen Ansichten im Rahmen von zwei-bis-drei-Minuten-Liedern unterbringen sollten ohne dass es in platter Phrasendrescherei endet. Das können Propaghandi oder Dropdead bestimmt besser, also beschäftigen wir uns lyrisch erst mal mit wirren Geschichten und der Sauferei, haha! Andererseits will ich nix verschreien, wer weiß was in Zukunft passiert, vielleicht rutschen uns ja das eine oder andere Lied raus, welches man dann als „politisch“ bezeichnen darf, und siehe da: schon sind wir eine politische Band!

Die Scheibe ist bei dem Stuttgarter DiY-Label Subwix erschienen. Wie ist es denn zu dem Kontakt gekommen?

Wir haben schon 2009 unsere letzte Platte Death Glam Punk´n Roll von Spiderplexum auf Subwix Records veröffentlicht. Der Kontakt kam über unseren damaligen Gitarristen Karsten, über Autobot zustande.

Bei kleineren oder DiY-Labels ist es ja leider meist so, dass die Reichweite nicht wirklich groß ist, dafür ist alles um so authentischer.  Wie steht ihr denn zu den heutigen Strukturen, v.a. auch im Punk? Hier arbeiten mittlerweile ja auch viele Labels mit Vertrieben und Agenturen zusammen.
Zu Vertrieben und Agenturen können wir gar nicht so viel sagen, da wir ja doch eigentlich alles selber machen, sei es Aufnahme, Verkauf, Versand oder Konzertbewerbungen. Es macht uns eher Probleme, dass viele von den Läden in denen wir gerne spielen würden gar nicht mehr selber Konzerte veranstalten, sondern alles über externe Booker verläuft.

Wenn ihr nun die Wahl hättet zwischen einem ‘Big Deal’ oder weiterhin im DiY-Stil mit vertrauten Personen weiter zu machen, wie würdet ihr Euch entscheiden und warum?
Einerseits ist DIY schon eine schöne Sache, gerade auch wegen den vielen Menschen die man da so trifft, die man sonst nie treffen würde. Andererseits ist es aber auch so, dass man beim DIY aus der Not eine Tugend macht. In der Praxis bedeutet DIY für uns erst mal einen Haufen administrativer Arbeit und das ist eigentlich nicht der Grund weswegen wir uns gesagt haben “Komm wir verbringen unsere Freizeit in einem stinkenden Keller und proben”! Wir sind eigentlich wegen der Musik hier und nicht um Büroarbeit zu leisten. Wenn jetzt also ein großes, tolles Label ankommt und so einen “Big Deal” (gibt es so was überhaupt noch?) anbietet, d.h. gewährleisten kann, dass ich mich auf die Musik konzentrieren kann und nicht mehr auf Büroarbeit, dann wäre das schon verlockend. Ich denke auch, dass die meisten Musiker ähnlich denken, solange die künstlerische Freiheit usw. abgesichert ist.

Ist denn schon was neues in Planung?
Auf jeden Fall! Wir schreiben konstant neue Lieder, wir arbeiten also auch schon am nächsten Album. Darüber hinaus wollen wir noch dieses Jahr zwei Splits machen, die erste mit Ersatzkopf die andere mit Antikörpa, beide sollen dieses Jahr noch raus kommen und am Ende des Jahres / Anfang nächstes Jahr wollen wir gerne unser nächstes Album droppen. Ansonsten wird es noch ein wunderbares Video geben zu “Insomnia Nuclearis” vom ersten Album und wir wollen natürlich so viel Live spielen wie geht in der Zwischenzeit.

Dann wünsche ich Euch erstmal viel Erfolg mit der CD, bedanke ich mich ganz artig für die Beantwortung der Fragen und überlasse Euch die letzten Worte!
Ja, erst mal vielen Dank fürs Interview! Wir wollen noch mehr live spielen also liebe Leser, schreibt uns an, wir machen überall Krach und sind für alle Faxen zu haben! Ach so, wir spielen im September in Wiesbaden mit Ersatzkopf und Chefdenker, kommt alle vorbei, saufen, kiffen, und der ganze Scheiss yeah!

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