DANIEL RYSER – SLIME: DEUTSCHLAND MUSS STERBEN

DANIEL RYSER – SLIME: DEUTSCHLAND MUSS STERBEN
(Heyne Verlag)

War ich überrascht, als ich kürzlich Dirk und Christian von SLIME auf dem ‘blauen Sofa’ beim ZDF sitzen sah. Dort präsentierten die beiden zusammen mit dem aus der Schweiz stammenden Autor Daniel Ryser dessen Biografie DER deutschen Punkband. Da stellte sich mir doch gleich die Frage: Braucht es das überhaupt? Nun ja, SLIME sind nun mal eine der wichtigsten deutschen Punk-Bands, haben stets polarisiert, viele Menschen geprägt, die unterschiedlichsten Musiker und Bands beeinflusst und auf ihre Art Musikgeschichte geschrieben. Andererseits begibt man sich auf die Pfade unwürdiger Musiker-’Auto’biografien die von dubiosen Ghostwritern verfasst wurden. Also klare Antwort: Jein!

Innerhalb von nicht einmal 2 Tagen hab ich das fast 270 Seiten starke Buch, des im selben Jahr als die erste Single der Band erschien geborenen Autoren, verschlungen. Dabei geht Ryser nicht nur auf die Entwicklung der Band ein, sondern legt auch viel Wert darauf, das Zeitgefühl der Anfangsjahre der autonomen Szene in der Hafenstadt einzufangen. So geht es also nicht nur um SLIME und um die persönliche Entwicklung der einzelnen, charakterlich doch sehr verschiedenen Bandmitglieder, sondern auch um die Lebensumstände und Probleme die man in Hamburg Anfang der 1980er Jahre als Punk hatte. Dadurch bekommt man einen sehr guten Einblick in eine Szene, die sich in vielerlei Hinsicht bis heute nicht wirklich verändert hat. Dennoch kommen die Querelen innerhalb der Band, die persönlichen Konflikte, die daraus resultierenden Entwicklungen und die Motivation, die Band so weiter zu führen wie sich SLIME nach mittlerweile über 30 Jahren präsentiert nicht zu kurz. Leider bleiben dabei immer noch viele Dinge die mich interessiert hätten im Dunkeln. Dafür werden einige Umstände und Hintergrundinfos publik gemacht, die mich teilweise überrascht haben und SLIME für mich in ein anderes Licht rückt. Wirklich bedauerlich finde ich allerdings, dass der Schreibstil von Daniel Ryser sich irgendwo zwischen Schulreferat und einem überlangen Artikel für die „Eines Tages“-Rubrik von Spiegel-Online bewegt und ziemlich sprunghaft ist.

Auch nach dem Konsum des Buches bleibe ich bei meiner Einschätzung bei einem klaren Jein! Der eine wird’s interessant finden, der andere die Band abermals verschmähen, weil man sich für so etwas hergibt. Zumal der Preis von knapp 20 Öcken doch ganz schön gesalzen ist. Einen Einblick in die damalige Hamburger Szene und das Eigenverständnis der Band und ihrer Mitglieder bietet das Buch aber allemal. Mirko

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