PEPPONE


Es ist wahrlich nicht immer leicht sich als “neue“ Band aus der Masse hervorzuheben, sich Gehör zu verschaffen. Nun kann man PEPPONE vielleicht nicht unbedingt den Stempel “neue Band“ aufdrücken, aber das mit dem Bekanntheitsgrad hielt sich bisher doch in abgesteckten Grenzen. Dass sich das mit diesem Interview auf uglypunk.de ändern wird, müsste ich eigentlich nicht erwähnen, aber um wieder etwas zurückzurudern und den wahren Grund zu benennen, warum und weshalb PEPPONE demnächst in vielerlei Münder mehr sein werden, sei hiermit ihre neue Platte aufgeführt, die zwar in kleiner Auflage erschienen ist, aber dennoch große Wellen schlagen wird, bzw. bereits schlägt. Um euch das Trio mal etwas näher vorzustellen, haben wir mit Sänger und Gitarrist Jens ein wenig die Tasten glühen lassen.

Laut Eigendefinition macht ihr Beatbox­punkrock, seit 3 Mann an den Saiteninstrumenten, habt allerdings keinen Schlagzeuger. Ihr dürft euch gerne näher vorstellen, bevor ihr uns die Frage beantwortet, warum ihr keinen Schlagzeuger habt.
Ich singe, spiele Gitarre und bin verantwortlich für die meisten Texte der Platte. Denis spielt Bass, programmiert die Beatbox und die Heimorgel. Manchmal mogelt er noch ein Gitarrensolo drüber. Normen spielt Gitarre. Irgendwann sollte er auch mal wieder den Chorus machen!

Ich kannte auch mal eine Band die mit Drumcomputer als Notlösung zu Werke ging. Die fand das auf der einen Seite super, weil ein Drumcomputer sich unterordnet und nichts vom Bandbier trinkt, auf der anderen Seite allerdings aber auch befremdlich, weil eben jemand im Hintergrund fehlte. Was sind euren Erfahrungen mit dem DC und soll er irgendwann mal durch einen menschlichen Schlagzeuger aus Fleisch und Blut ersetzt werden?
Ein Drumcomputer ordnet sich unter? Das ist nur bedingt richtig – ein DC zahlt vor allem keine Proberaummiete. Es war anfangs schon komisch, dass jemand im Hintergrund fehlte, es ist auch total cool, wenn plötzlich mal jemand im Hintergrund sitzt und ein echtes Schlagzeug spielt, das hatten wir vor kurzem. Aber, PEPPONE ist nicht nur eine Band, PEPPONE hält vor allem unsere Freundschaft am Laufen. Wir haben uns alle richtig kennen gelernt, in der Zeit wo der C64 in den neuen Bundesländern aufkam. Wir kommen alle aus einem kleinen Dorf. Als wir langsam Teenager wurden, beschlossen wir Musik zu machen, verteilten die Rollen, es konnte ja keiner irgendwas spielen. Wir wollten nicht wie die Anderen an der Bushaltestelle stehen und saufen. Wir wollten Musik machen, und zwar Punkrock (und im Proberaum saufen). Unser Schlagzeuger hatte dann lange vor 2009 nach 11, 12, 15 Jahren oder so keinen Bock mehr. Wir kennen zwar Menschen, die Schlagzeug spielen, PEPPONE werden aber so weitermachen. Das heißt: Zwischenzeitlich also 2008 haben wir es mit ´nem anderen Schlagzeuger versucht, der war auch wirklich gut. Der Mann hatte früher unseren Sound live gemixt in Magdeburg. Aber das ging aus Zeitgründen in die Hose. Dann fing Denis 2009 mit der Beatbox an und wir fanden das dann auch toll.

Eine Orgel baut ihr auch mit ein. Kommt ja auch nicht so häufig vor. War die von Anfang an mit eingeplant oder hat die jemand zufällig zu Hause rum stehen gehabt und erkannt, dass die zum rum stehen doch zu schade ist?
Wir haben ganz klar mit dem DC eine Punkrockgrenze überschritten und zwar vorsätzlich! Wenn man eine Grenze überschreitet, geht man halt auch ganz schnell den nächsten Schritt. Wer weiß, was als nächstes kommt, ein imaginärer Seniorenchor, oder so…
Wir haben das ganze ironisch Heimorgel genannt, passend wie Hausmusik. Auch die Orgel läuft genau wie das Schlagzeug dosentechnisch im Halbplayback live mit.

Die Bandinfo ordnet PEPPONE den Städten Magdeburg und Potsdam zu. Das heißt also, einer von euch muss immer eine kleine Anreise in Kauf nehmen. Wie oft ist es euch möglich zu Proben und wer übernimmt das Komponieren?
Denis wohnt in Potsdam. Wir haben die Absprache getroffen, dass wir versuchen 2mal im Monat zu festen Zeiten zu proben. Sagt jemand ab, sorgt der für die Kiste Bier zur nächsten Probe. Seit dem läuft es irgendwie besser und regelmäßig. Das mit dem Komponieren ist sehr unterschiedlich. Früher habe ich zum Text eine Gesangsmelodie mitgebracht und eine bestimmte Vorstellung zur musikalischen Umsetzung. Ersteres wurde verwendet, die Vorstellung wurde zerstört. Das passiert auch heute noch manchmal, aber doch weniger bis eigentlich nicht mehr. Die Beatbox wird immer von Denis, unserem Bassisten, programmiert. Das ganze dann zu Haus, nachdem der Song mit einem endlosen Takt aufgenommen wurde. Dann zaubert Denis noch das eine oder andere Solo drauf, die Orgel oder die ganzen neckischen Spielereien, die Normen und ich dann gar nicht umsetzen können….2 Songs auf dem Album wurden sogar komplett von Denis arrangiert, ich hab den Text einfach draufgelegt. Die meisten Songs sind allerdings gemeinsam im Proberaum entstanden und wurden danach durch Denis im hausmusikalischen Stil verfeinert. Genial daran ist, dass man immer mit einer gewissen Erwartung von einer Probe nach Hause geht, nachdem wir neue Ideen zu neuen Songs aufgenommen haben. Manchmal beeilt Denis sich, manchmal lässt er uns zappeln.

Welche Geschichte hat es denn mit dem Bandnamen auf sich?
Wir hießen früher mit Schlagzeuger BRAYING BOREDOM – ein furchtbarer Name, wie wir uns alle immer einig waren. Tobi (Schlagzeuger) ging – wir haben den Anlass genutzt den Namen zu ändern. Leichter gesagt, als getan. Aufgrund unserer Unzufriedenheit mit dem alten Bandnamen waren alle leicht verkrampft. Ich würde sagen, wir wollten etwas aus unserer Kindheit, was aber nicht kindisch klingt. Don Camillo und Peppone. Die Filme haben wir alle gern mit unseren Eltern geschaut. PEPPONE ist kurz, PEPPONE kann man sich prima merken. PEPPONE klingt nach gutem italienischem Essen. Wir sind alle Gourmetpunker. Ich finde Spaghetti PEPPONE kann auch prima auf Eurer Seite mit veröffentlicht werden.

Habt ihr zuvor schon in anderen Bands Erfahrung gesammelt oder ist PEPPONE eure erste musikalische Station?
Mit BRAYING BOREDOM haben wir zwei Langspieler auf CD und drei 7″es veröffentlicht. Eine davon als Split mit unseren guten Freunden von EINLEBEN jetzt als HI TERESKA bekannt.

Mit kaum einer Band werdet ihr häufiger verglichen als mit den BOXHAMSTERS, obwohl ihr wahrscheinlich gar nichts dafür könnt. Nerven die dauernden Vergleiche?
Dank Torsten, von der Bördebehörde (www.boerdebehoerde.de), sind wir mit den BOXHAMSTERS groß geworden. Er hat damals vor gut 20 Jahren seinem Bruder, unserem damaligen Schlagzeuger, die Boxhamsterssachen auf Kassette überspielt. Wir sind halt boxhamsterssozialisiert. Damals, als ich angefangen habe bei BRAYING BOREDOM zu singen, war ich 16 Jahre alt. Klar wollte ich gern Musik machen wie die BOXHAMSTERS, so ist das halt in dem Alter. “Die BOXHAMSTERS sind wie die erste große Liebe”, hab ich mal irgendwo gelesen. Jetzt bin ich allerdings 36 Jahre alt!!! Wir machen unsere Musik, wie wir es uns selbst irgendwo gelehrt haben. Keiner stellt sich in den Proberaum und meint: Jetzt machen wir so was wie! Nehmen wir mal “Angekommen” – Denis hat den Song allein gebastelt und arrangiert. Ich habe unabhängig davon diesen Text geschrieben. Ich habe es gehört und es passte einfach nur so zusammen. Es gibt sicherlich weitaus schlimmere Dinge, als mit den BOXHAMSTERS verglichen zu werden, JUPITER JONES beispielsweise … Hoffentlich nervt es die BOXHAMSTERS nicht! Wir spielen im Juni mit den BOXHAMSTERS in Leipzig. Es ist immer wieder etwas Besonderes. Wir würden auch ohne selbst zu spielen 2 Stunden fahren um sie zu sehen, das war halt schon immer so. Jetzt freuen wir uns wieder auf ein gemeinsames Bier, oder drei.

Eure Texte scheinen mitten aus dem Leben gegriffen, manche klingen auch wie eine kleine zwischenmenschliche Abrechung. Wenn ihr in “Elektrosmog“ singt “…ich wünsch dir kein glück / aber mir, weil ich gut bin / ich wünsch dir kein glück / aber mir, weil ich besser bin…“ wen meint ihr damit?

Elektrosmog, Angekommen & Über Wasser sind Texte und Songs, die entstanden sind, als ich eine verdammt schwere Zeit hatte. Es geht ganz einfach um Trennung. Wen ich damit meine, ist damit auch schon beantwortet… An so einer Trennung hängen halt manchmal leider auch andere Dinge, wenn eine Beziehung so lang andauerte. Zwei Kinder beispielsweise (über Wasser). Oder ein Hund (Angekommen), der (für mich) gestorben ist, damit ich nicht entscheiden musste, ob ich ihn in mein neues Leben mitnehmen kann oder eben nicht. Ich wollte mich vielleicht selbst mit diesen Songs rehabilitieren. Denis und Normen bin ich dankbar, dass sie mich da schamlos ausgenutzt haben und somit doch ganz tolle Sachen entstanden sind. Letztendlich haben die Beiden das ja auch so schick gemacht… Aber das ist jetzt alles 4 Jahre her, zwischenzeitlich ist viel passiert, “bereit” ist nicht grundlos entstanden und am letzten Wochenende ist mein 3. Kind geboren… Ich bin glücklich ;- ) Elektrosmog steht auf der Abschussliste, haben wir eigentlich schon besprochen. Es ist Zeit für neue Sachen. Aber dennoch, ich wollte meine Wut damals nicht plump raus schreien, diese Worte sollten im Gehörgang einfach haften bleiben. Weil ich besser bin ;- )

Das euer Album nur auf Vinyl erschienen ist, hat sicher seinen Grund. Aber ohne Downloadcode geht’s heute dann doch nicht mehr, oder?
Der Grund war einfach der Traum, einmal eine richtige LP zu machen. Ich habe schon das Gefühl, dass wir mit PEPPONE eher ernst genommen werden, weil wir die Platte auf Vinyl gemacht haben. Eine Platte bekommt man einfach nicht ins Autoradio oder an die Herdplatte, wenn man beim Kochen Musik hören will und muss. Ein Downloadcode ist somit eine gute Sache, als Beiwerk zur LP.

Welches Verhältnis habt ihr denn zur Compact Disc?
Vielleicht werden die Dinger ja irgendwann auch mal Kult.

Wünsche, Zukunftspläne, Abschlusspredigt?
Es fühlt sich sehr gut an, dass die PEPPONE Platte erhört und so nett beschrieben wird, wie zum Beispiel bei Euch. Wir haben jetzt angefangen ein paar Konzerte zu planen. Ich würde mich freuen, wenn wir auch weiterhin wieder auf die Reihe bekommen würden, regelmäßig das zu tun, wozu wir `ne Band geworden sind. Konzerte spielen, vor 5 Leuten singen, Spaß haben, in fremden Wohnungen aufwachen, billiges Bier trinken, bescheuerten Schnaps nicht vertragen, Kühlschränke leeren, keine Platten verkaufen, Menschen kennen lernen, neue Songs schreiben, die dann im Proberaum heimlich Hits nennen, die dann aufnehmen, 27 neue Solos drauf. Vierte Platte machen, die dann Zweite nennen. Danke Ugly Punk!